Engagement zählt

von Staatssekretärin Monika Helbig, Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement

Engagement 1

Betreutes Wohnen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung. Aktion am 4. Berliner- Freiwilligen-Tag: „Der Kochkurs präsentiert sich“

Viele Berlinerinnen und Berliner engagieren sich freiwillig: Freizeitsportler trainieren Kinder und Jugendliche. Eltern bepflanzen den Pausenhof der Schule ihrer Kinder. Studierende besuchen Rentner auf ein Tässchen Kaffee und einen Plausch. Berufstätige helfen jungen Menschen aus schwierige Verhältnissen, eine Ausbildung zu finden und den Übergang in das Berufsleben zu schaffen. In nahezu allen Bereichen des Lebens gibt es in unserer Stadt Menschen, die sich freiwillig und unentgeltlich für andere einsetzen.

Gerade in Zeiten, in denen das Wort „Krise“ geradezu inflationär verwendet wird, ist dieses ehrenamtliche Engagement ein unentbehrliches Bindeglied für unsere Gemeinschaft. Es ist, wie Johannes Rau einst sagte, der Kitt, der eine Gesellschaft und gerade eine so vielfältige Stadt wie Berlin zusammen hält. Dabei darf bürgerschaftliches Engagement allerdings nicht als eine Art Ausfallbürge für staatliche Daseinsvorsorge und staatliche Sozialpolitik verstanden werden. Bürgerschaftliches Engagement kann nicht verordnet werden, es ist eigensinnig, im wahrsten Sinne des Wortes und dieser Eigensinn muss unbedingt erhalten werden. Eine lebendige Bürgergesellschaft kann und soll staatliches Handeln kontrollieren, korrigieren, antreiben, entlasten und ergänzen. Ersetzen kann sie es nicht. Nur wo der Staat seinen Pflichten nachkommt, kann sich eine lebhafte Zivilgesellschaft bilden. Ohne diese ist der demokratische Staat immer gefährdet.

Engagement 2

Sportgruppe im Frei-Zeit-Haus e. V. in Berlin- Weißensee

Umfragen unter den Freiwilligen zeigen aber auch, dass sich das Ehrenamt in den letzten Jahren verändert hat. Früher waren Freiwillige meist über lange Zeit in Kirchen, Vereinen und klassischen Wohltätigkeitsorganisationen tätig. Heutzutage engagieren sich die Menschen eher kurzfristig in einzelnen Projekten, wie zum Beispiel Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen. Auch die Motive für das freiwillige Engagement ändern sich: Neben dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und Spaß am Ehrenamt tritt der Wille zu mehr gesellschaftlicher Partizipation und Mitgestaltung. Dies gilt insbesondere für junge Menschen.

Nicht nur Einzelne, auch viele Berliner Unternehmen engagieren sich für eine bessere Gesellschaft. Sie spenden Sachwerte und Geld oder stellen „pro bono“ ihr unternehmerisches Know-How für einen guten Zweck zur Verfügung. Immer mehr Unternehmen stellen ihre Mitarbeiter zeitweise von der Arbeit frei, damit diese sich sozial engagieren können. Dies wird hoffentlich in Zukunft noch viele Nachahmer finden.

Ein Schwerpunkt der Politik des Senats ist es, eine Kultur der Anerkennung und des Dankes für ehrenamtliches Engagement zu schaffen. In dieser Hinsicht haben wir schon viel erreicht:

Seit 2003 gibt es jedes Jahr einen festlichen Empfang im Berliner Rathaus für alle, die in Berlin eine neue Stiftung gegründet haben.

Zweimal im Jahr werden jeweils 12 Ehrenamtliche, die sich in besonderer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben, mit der Berliner Ehrennadel ausgezeichnet.

Engagement 3

Krankenhaus Lichtenberg: Clownfrau Monika besucht kleine Patienten

Auch der Freiwilligenpass wird zweimal im Jahr im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an bis zu 100 Bürgerinnen und Bürger übergeben. Der Freiwilligenpass ist ein Dokument, mit dem Ehrenamtler nachweisen können, welche speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten sie durch ihr Engagement erworben haben. Bei der Bewerbung um einen Studienplatz oder einen neuen Arbeitsplatz kann ein solcher Nachweis Vorteile bringen.

Als Nächstes plant der Senat, in Berlin eine Ehrenamtskarte einzuführen. Diese Karte im Kreditkartenformat erhalten überdurchschnittlich engagierte Menschen. Sie berechtigt dazu, verschiedene Vergünstigungen – zum Beispiel ermäßigte Eintrittspreise zu Museen und Kulturveranstaltungen – in Anspruch zu nehmen. Dadurch kann die Stadt den Freiwilligen etwas zurückgeben. So wird es hoffentlich gelingen, noch viel mehr Menschen zu freiwilligem bürgerschaftlichen Engagement zu ermutigen. Dieses Ziel verfolgt der Berliner Senat mit Nachdruck. Denn die vielen Freiwilligen sind ein großer Gewinn für unsere Stadt – und auch ein echter Standortfaktor!


Die Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement
Senatskanzlei
Berliner Rathaus
Jüdenstraße 1
10178 Berlin
Tel.: 49 30 90262700
Fax: 49 30 90262705
E-Mail: Monika.Helbig@senatskanzlei.berlin.de
www.berlin.de/buergeraktiv

Die Fotos sind der Fotoausstellung “Freiwilligenarbeit im Blickfeld” entnommen. Sechs ehrenamtlich arbeitende Fotoreporter der Pressestelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes e. V. besuchten Projekte und Gruppen und fotografierten die Menschen bei ihrem ehrenamtlichen Einsatz.