Das Verborgene Museum

von Marion Beckers, Leitende Kuratorin des Verborgenen Museums

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Henriette Grindat, Spanien 1960

Das Verborgene Museum ist ein Ort der Entdeckungen vergessener Künstlerinnen. Es präsentiert Lebenswerke und Lebensgeschichten von Malerinnen, Fotografinnen, Bildhauerinnen und Architektinnen – von Künstlerinnen aller Gattungen der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geborenen Generation.

Wie keine Epoche zuvor hat das 20. Jahrhundert an Zahl und Vielfalt Künstlerinnen hervorgebracht, die unsere Kulturgeschichte bereichert haben, die vom Kunstbetrieb aber nur am Rande oder gar nicht wahrgenommen wurden. Zudem kamen noch die politischen Verhältnisse in dem von epochalen Erfindungen wie von Grausamkeiten geprägten 20. Jahrhundert, durch die viele Künstlerinnen und Künstler gänzlich ins Abseits gedrängt wurden.

Wer kennt schon die Namen von Malerinnen wie Luise Rösler, Ilse Heller-Lazard, Lotte Laserstein, Marie Vassilieff, Marta Hegemann und Ida Gerhardi, um nur einige zu nennen, oder von Fotografinnen wie Frieda Riess, Yva, Lotte Jacobi, Ursula Arnold und von Architektinnen wie Hilde Weström und Lucy Hillebrand? Für sie alle und viele mehr hat Das Verborgene Museum in den vergangenen Jahrzehnten Ausstellungen ausgerichtet – häufig die erste öffentliche Präsentation nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Emigration oder Verfolgung wegen „Entartung“.

Das Verborgene Museum ist die weltweit einzige Einrichtung, die sich die Recherche, die öffentliche Präsentation und die Veröffentlichung von Kunstwerken und Nachlässen vergessener Künstlerinnen ins Programm geschrieben hat.

Archäologischen Forschungen vergleichbar, suchen wir nach Spuren von Hinterlassenschaften, um die Lebensgeschichten und -werke zu rekonstruieren, wissenschaftlich zu bearbeiten, einem internationalen Publikum zu präsentieren und auf diesem Wege auch den Kunstmarkt zu interessieren. Das angestrebte Finale schließlich ist die Erwerbung von Gemälden, Fotografien, Zeichnungen oder Architekturplänen und -modellen durch eine Museumssammlung. Wenn alle diese Schritte erfolgreich verlaufen, sind die Künstlerinnen und ihr Werk für den lebendigen Diskurs in der Öffentlichkeit, in der Kunstgeschichte und für den Kunstmarkt (zurück-)gewonnen. So gesehen war beispielsweise die Ausstellung Lotte Laserstein, der 1937 nach Schweden emigrierten Malerin, besonders erfolgreich, weil ein Selbstportrait im Anschluss an die Ausstellungspremiere 2003 für die Berliner Sammlung des Stadtmuseums erworben werden konnte.

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Eines der wichtigsten Gemälde der Malerin Lotte Laserstein: Abend über Potsdam, 1930, Öl auf Holz

Seit bald 25 Jahren hat Das Verborgene Museum mit ca. 100 kleineren und größeren Ausstellungs- und Buchprojekten an Künstlerinnen erinnert, die meist in der Weimarer Republik ihr geistiges Profil geschärft und ihr unabhängiges Denken entwickelt haben.

Ein hürdenreicher Weg des Aufspürens geht der Präsentation einer jeden Ausstellung voraus, eine Zeit mit Kompetenz und Geduld geführter Untersuchungen in Archiven, in Bibliotheken, bei Erben und Nachlassverwaltenden, die oftmals noch den Zugang zu Hinterzimmern und auf Dachböden haben, wo vergessene Zeugnisse lagern.

Wie viel weiterhin zu tun bleibt, wird deutlich, bedenkt man, dass selbst bekanntere Künstlerinnen von herausragender Qualität wie Anna Ancher, Camille Claudel, Berthe Morisot, Jeanne Mammen, Marianne Werefkin noch lange nicht zum Allgemeinwissen der Kulturgeschichte gehören, wie vergleichsweise Frida Kahlo und Paula Modersohn-Becker.

Im Herbst 2010 haben wir mit der deutschlandweit ersten Ausstellung „Méditerranées – Fotografien 1947–1965“ der Schweizer Fotografin Henriette Grindat (1923–1986) am 4. Europäischen Monat der Fotografie teilgenommen. Als Jubiläums-Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen zeigen wir im Herbst 2011 die erste Retrospektive der ungarisch-niederländischen Fotografin Eva Besnyö in Deutschland, die 1930/32 in Berlin ihr Schlüsselerlebnis mit der fotografischen Moderne hatte und rechtzeitig in die Niederlande emigriert ist, wo sie nach dem Zweiten Weltkrieg dann Karriere gemacht hat.


Das Verborgene Museum
Schlüterstraße 70
10625 Berlin
Tel.: 49 30 3133656
E-Mail: berlin@dasverborgenemuseum.de
www.dasverborgenemuseum.de