Die Wiederbelebung der Königlichen Gartenlehranstalt

In Dahlem entsteht eine neue Oase

von Gabriella Pape, Gartendesignerin

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Bild: Foto: Hannelore Seibt

Noch herrscht Dornröschenschlaf. Aber hier wird künftig die Gartenschule untergebracht sein.

Die Idee entwickelte sich im Laufe der vielen Jahre, die ich in England lebe und arbeite. Und dabei hat mich natürlich die englische Gartenkultur stark inspiriert. In Deutschland wird heute viel in die Restaurierung von historischen Gärten und Parks investiert. Für die Erneuerung und Weiterentwicklung der Gartenkultur wird jedoch weitaus weniger getan. Meine Vision ist, auf dem bezaubernden historischen und traditionsreichen Gelände der ehemaligen Gartenlehranstalt, nahe des Botanischen Gartens, einen Ort zu schaffen, an dem die Gartenkultur wiederentdeckt und gefördert werden kann.

Im Jahr 1823 gründete Peter Joseph Lenné mit der Königlichen Gartenlehranstalt in Potsdam Wildpark die erste Ausbildungsstätte für Gartengestaltung in Europa, mit dem Ziel die Gartenkunst zu fördern. Die Institution zog erst 1903 nach Berlin-Dahlem um.

Leider sind heute von diesem Gelände an der Königin-Luise-Straße, das sich einst über 75.000 qm erstreckte, nur noch wenige Bereiche und Gebäude erhalten; dazu gehören die ehemalige Direktorenvilla mit ihrer bezaubernden Gartenanlage nach einem Entwurf von Theodor Echtermayer und ein Senkgarten. Heute gehört das Grundstück zur Technischen Universität Berlin.

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Bild: Foto: Hannelore Seibt

Der Eingang des Maschinenhauses.

Gleich im Anschluss an dieses Gelände, liegt die von mir entdeckte zerfallene, historische Gewächshausanlage der ehemaligen Königlichen Gartenlehranstalt auf einer Fläche von rund 7.000 qm, mitten im grünen Berlin, gegenüber vom Botonischen Garten. Es handelt sich um ein Gartendenkmal aus dem Jahre 1907, das geradezu auf seine Wiederbelebung wartet.

Weitere Gebäude auf diesem historischen Grund sind das Wurzelhaus, in dem Untersuchungen des Wurzelwachstums vorgenommen wurden, und ein Champignonhaus. In der Glashausanlage waren ein Weintreibhaus, ein Pfirsichhaus, ein Ananashaus und ein Erdbeertreibhaus untergebracht, die durch einen wunderschönen Gang miteinander verbunden waren. Um die Gebäude herum lagen große Lehr- und Schauanlagen.

Die Institution der Königlichen Gartenlehranstalt setzte Maßstäbe in der deutschen Gartenkultur. Hier wurde der so genannte Deutsche Stil oder die Lenné-Mayersche Schule gegründet. Die hier entwickelten Lehren bestimmten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert die Gartenkunst in Deutschland.

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Bild: Foto: Technische Universität Berlin

Ein wunderschöner Anblick aus dem Jahre 1908: Ein Mittelgang mit berankten Spalieren.

Bekannte Gartenkapazitäten wie Eugen Karl Lorberg, Karl Foerster und Willy Lange haben hier ihre Ausbildung erhalten.

Im Jahre 1910 wurde die Königliche Gartenlehranstalt zunächst in „Höhere Gärtnerlehranstalt“ und 1923, zum 100-jährigen Bestehen der Einrichtung, schließlich in „Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau“ umbenannt. Bekannte Absolventen und führende Gartenund Landschaftsarchitekten dieser Zeit waren Hermann Göritz, Hermann Mattern und Herta Hammerbacher.

Nach 1929 konzentrierte sich Deutschland immer mehr auf die Landwirtschaft und die Bedeutung der deutschen Gartenkunst trat deutlich in den Hintergrund, bis sie schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg fast völlig verloren ging.

Das Gelände wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von unterschiedlichen Betreibern gartenbaulich genutzt. Immer wieder fehlte es an finanziellen Mitteln für die Instandhaltung, und dies führte dazu, dass die Gewächshausanlage seit 1971 immer mehr verfiel. Seit zehn Jahren sind die Gewächshäuser einsturzgefährdet und für Studenten der Technischen Universität nicht mehr zugänglich.

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Bild: Foto: Technische Universität Berlin

Die besten Jahre der Gewächshausanlage waren schon vorbei, als dieses Foto um 1945 entstanden ist.

Die Größe der Anlage ist heute im Vergleich zu damals zwar stark in ihrer Fläche reduziert, dennoch bietet das Areal genügend Platz für die geplante Gartenakademie. Und die noch vorhandene Glashausanlage ist vollständig renovierbar.

Aus meiner Sicht ist dieses Gelände der ideale Ort, um die deutsche Gartenkultur im Herzen von Berlin wieder aufblühen zu lassen. Bereits in diesem Sommer fangen wir an mit Kursen zur Gartengestaltung und Gartenkultur. Wenn Sie den Wiederaufbau unterstützen möchten und Interesse an einer Patenschaft haben, wenden Sie sich bitte an untenstehende Adresse.


Gabriella Pape
Königliche Gartenakademie
Altensteinstr. 15 a (barrierefreies Gelände)
14195 Berlin
Tel.: 49 30 83 22 09 00
Fax: 49 30 83 22 09 10
E-Mail: info@koenigliche-gartenakademie.de
www.koenigliche-gartenakademie.de