Die Eröffnung der Sammlung Scharf-Gerstenberg

von Dr. Stefanie Heinlein, Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Bild: Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Sammlung Scharf-Gerstenberg, bpk, VG Bild-Kunst, Bonn 2008, Roman März

Max Ernst (1891 – 1976), Le triomphe de l’amour / fausse allégorie (Der Triumph der Liebe / falsche Allegorie), 1937.

Ein neuer Glanzpunkt bereichert das kulturelle Leben Berlins: die Sammlung Scharf-Gerstenberg, die unter dem Namen „Surreale Welten“ im östlichen Stülerbau gegenüber dem Museum Berggruen und dem Schloss Charlottenburg gezeigt wird. Rund 250 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier hat die „Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg“ als zunächst zehnjährige Dauerleihgabe der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin anvertraut und damit in die Obhut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegeben. Das Museumsquartier Charlottenburg profiliert sich somit weiter als ein Zentrum der Klassischen Moderne, insbesondere der französisch geprägten Kunst und gewinnt eine ganz neue Qualität.

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Bild: Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Sammlung Scharf-Gerstenberg, bpk, VG Bild-Kunst, Bonn 2008, Jörg P. Anders

Paul Klee (1879 – 1940), Freundliches Spiel, 1933.

Nach dem Umzug von Nofretete und dem Ägyptischen Museum mit Papyrussammlung auf die Museumsinsel im Jahr 2005 wurde der östliche Stülerbau umgebaut, um die Sammlung Scharf-Gerstenberg aufzunehmen. Mit einem stringenten architektonischen Entwurf hat das Architekturbüro Sunder-Plassmann eine Scharnierstelle geschaffen, die das Haus optisch mit dem gegenüberliegenden Museum Berggruen (im Stülerbau West) und dem Bröhan-Museum verbindet. Der neue pavillonartige Anbau öffnet das Haus zur Schloßstraße. Das Café am neuen Eingangshof schafft einen einladenden, attraktiven Ort zum Verweilen und richtet sich durch seine zentrale Lage auch an die Besucher der gegenüberliegenden Museen Berggruen und Bröhan sowie der benachbarten Abgusssammlung und des Heimatmuseums.

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Bild: Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Sammlung Scharf-Gerstenberg, bpk, VG Bild-Kunst, Bonn 2008, Roman März

Yves Tanguy (1900 – 1955), Je suis venu comme j´avais promis, adieu (Ich bin gekommen, wie ich versprochen hatte, adieu), 1926.

Die Sammlung Scharf-Gerstenberg mit ihrem Schwerpunkt zur phantastischen und surrealen Kunst spannt einen weiten Bogen von Piranesi über Goya, Max Klinger, Paul Klee, Max Ernst bis zu Wols und Dubuffet. Sie hat ihre Wurzeln in der Kunstleidenschaft von Otto Gerstenberg. 1848 in Südpommern geboren, stammte Gerstenberg aus einfachen Verhältnissen. Er wurde Mathematiker und stieg auf zum Direktor der Victoria Versicherung. Seine Lebensmaxime „Geh durch die Welt und sprich mit jedem!“ war auf dem Fußboden im Eingang der Firmenzentrale zu lesen. Von Gerstenbergs umfangreicher Sammlung waren nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Werke in Deutschland verblieben. Einige davon fanden Eingang in die Sammlung seines Enkels Dieter Scharf, die nun als Sammlung Scharf-Gerstenberg präsentiert wird. Diese Sammlung hat gegenüber dem Museum Berggruen einen idealen Ort der Präsentation gefunden: Beide sind ein durch herausragende Sammler-Persönlichkeiten geprägter, jeweils eigenständiger Kosmos der Kunst und sie ergänzen einander in hervorragender Weise. Die französische Prägung des Museumsquartiers Charlottenburg unterstreicht auch die Sammlung französischer Malerei des 18. Jahrhunderts der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die im Schloss Charlottenburg, gegenüber der beiden Stüler-Bauten beheimatet ist.


Sammlung Scharf-Gerstenberg
Schloßstraße 70
14059 Berlin
Tel.: 49 30 34357315
Fax: 49 30 34357312
www.smb.museum/smb/sammlungen