Die Welt zu Gast in Berlin

Die Hauptstadt-Highlights zur Fußball-WM

Theresa Adlmaier

Fehrsehturm

Eine runde Sache: Die Kugel des Fernsehturms am Alexanderplatz wurde in einen Fußball verwandelt

Berlin, 9. Juli 2006: 22 Männer, mindestens 90 Minuten und eine große Frage: Wer wird Fußball-Weltmeister? Gastgeber Deutschland, so die Hoffnung der heimischen Fans. Für Berlin, das neben vielen Attraktionen dann auch ein Wunder – jenes von Berlin, womit Bern nach 52 Jahren ausgedient hätte – vorweisen könnte, eine verlockende Vorstellung. Obgleich die Hauptstadt gegenüber den Spielern einen großen Vorteil hat: Schon vor dem ersten Anpfiff am 9. Juni hat sich die Weltmetropole ihren Titel verdient. Denn Berlin ist die Fußball-Stadt der WM 2006. Wo sonst hat der Ball mehr Umfang als Schwergewicht Reiner Calmund, gibt es ein größeres FanFest oder mehr Künstler, die sich für die Weltmeisterschaft musikalisch richtig ins Zeug legen?
Ein Streifzug durch die Stadt, in der nicht nur die Stimmung während der WM abheben wird – auch Fußbälle gehen in Berlin bisweilen 203 Meter in die Luft …

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sieht – rein politisch gesehen – rot. Blickt er jetzt aber aus seinem Dienstzimmer im Berliner Rathaus, sieht er magenta-rot: Möglich macht das der WM-Sponsor Deutsche Telekom, der die Kugel des Fernsehturms am Alexanderplatz in einen Riesenfußball mit 32 Metern Durchmesser umgestaltet hat. Rund 3000 Quadratmeter Außenhaut – die Größe eines halben Fußballfeldes – wurden in den Konzernfarben magenta-rot und weiß angebracht, angeordnet in den Balltypischen Sechsecken. Wowereit ist mit seiner neuen Aussicht sehrzufrieden: „Eine großartige Idee.“ An besagtem 9. Juli sähe der Regierende Bürgermeister am liebsten Brasilien und Deutschland im Endspiel – womit der Grundstock für das Wunder von Berlin schon einmal gelegt wäre.

Den Grundstock für die ganz große Liebe legt das Standesamt des Bezirks Mitte übrigens auch gerne vis-à-vis zu Wowereits Dienstzimmer: Verliebte Fans können sich während der WM in dem überdimensionalen Fußball das Ja-Wort geben. Gerne auch im Trikot, wie der Leiter des Standesamts, Rainer Ahnert, betont.
Die obligatorische Fankluft gehört dagegen einige Kilometer weiter schon fast zum Dresscode. Zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor wird auf der Straße des 17. Juni das größte Fan-Fest der Republik stattfinden. Auf einer Großbildleinwand von rund 60 Quadratmetern, die direkt vor dem Brandenburger Tor aufgestellt wird, können Fans aus aller Welt mit ihrem Team fiebern, feiern, leiden. Vom 7. Juni bis 9. Juli wird die Fan-Meile täglich geöffnet sein, alle Spiele werden live übertragen. Auch an den sechs spielfreien Tagen während des Turniers können die Fans hier also Zuflucht suchen und sich gegenseitig über die innere Fußball-Leere hinwegtrösten.

Berlins Wahrzeichen, das Brandenburger Tor, wird während der WM zum Riesen-Fernseher

Berlins Wahrzeichen, das Brandenburger Tor, wird während der WM zum Riesen-Fernseher

Eines jedenfalls darf auf dem Fan-Fest nicht fehlen: Die passende musikalische Untermalung, made in Berlin natürlich. Die Lokalmatadoren Max Raabe, Chef des Berliner Palast-Orchesters, und Produzent Jack White wollen die WM mit ihren Titeln begleiten. Raabes Stück erhält Unterstützung von den Schauspielern Heino Ferch und Peter Lohmeyer und trägt als Titel eine unmissverständliche Aufforderung: „Schieß den Ball ins Tor“. Eine Vorgabe, die Raabe und Ferch selbst nur schwerlich umsetzen könnten: Die beiden „haben ja keine Ahnung vom Fußball, ihnen musste ich erst alles erklären“, verrät Lohmeyer.

Die Ballkünstler als Sangeskünstler: Schwungvoll nahm Produzent Jack White (im Vordergrund) anlässlich der WM 1974 den Hit „Fußball ist unser Leben“ mit der deutschen Nationalmannschaft auf

Jack White ist dagegen aufgrund seiner Vergangenheit geradezu prädestiniert für die Aufgabe, ein WM-Lied zu produzieren. White, mit gebürtigem Namen Horst Nußbaum, war Berufskicker, spielte unter anderem für Victoria Köln und den PSV Eindhoven. Auch in der ersten Amateurmannschaft von Tennis Borussia Berlin war er jahrelang aktiv. Im Studio fühlte sich Nussbaum, aus dem als Pendant zu Roy Black schließlich Jack White wurde, aber immer noch ein Stückchen wohler als im Stadion. Für die WM 1974 produzierte White mit der deutschen Nationalmannschaft den Kult-Hit „Fußball ist unser Leben“. Unter anderem am Mikrofon: Beckenbauer, Breitner, Müller, Vogts. 2006 hätte White gerne Podolski, Kahn, Ballack und Co. unter seine Fittiche genommen. Der Bundestrainer lehnte den Ausflug ins Tonstudio jedoch ab. „Ich finde es ziemlich schade, dass so entschieden wurde. Fußballer sind ja auch abergläubisch. Als ich 74 ,Fußball ist unser Leben‘ produziert habe, wurde Deutschland im eigenen Land Weltmeister“, gibt Jack White zu Bedenken. Vorbehalte gegenüber den Sangeskünsten der Kicker hätte er jedenfalls nicht gehabt: „Es gibt ein altes Sprichwort: In der Gemeinschaft kann jeder singen.“

Folgende Begegnungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 finden im Berliner Olympiastadion statt:

13. Juni, 21 Uhr Ortszeit: Brasilien – Kroatien
15. Juni, 21 Uhr Ortszeit: Schweden – Paraguay
  • 20. Juni, 16 Uhr Ortszeit:*
Ecuador – Deutschland
23. Juni, 16 Uhr Ortszeit: Ukraine – Tunesien
30. Juni, 17 Uhr Ortszeit: Viertelfinale
9.Juli, 20 Uhr Ortszeit: Finale
Heino Ferch, Max Raabe und Peter Lohmeyer

Im Frack, nicht im Trikot fordern Heino Ferch, Max Raabe und Peter Lohmeyer (v. li.) in ihrem WM-Song „Schieß den Ball ins Tor“

White lässt jetzt jedenfalls wieder die Helden von damals singen: Für die bevorstehende Weltmeisterschaft hat er „Fußball ist unser Leben“ neu aufgelegt – peppiger und kürzer, aber auf Basis der 74er-Version. Der deutschen Mannschaft würde White nichtsdestotrotz gönnen, einen Hit zu landen, und zwar auf dem Rasen. „Finale würde ich mir wünschen, auch wenn ich glaube, dass früher Schluss ist.“
Fußball-Hits, Fan-Fest, RiesenBall – Berlin ist für das Turnier 2006 in Weltmeister-Manier aufgestellt. Fehlt nur noch folgende Radioreportage, live gesendet am Abend des 9. Juli: „Aus dem Hintergrund müsste Ballack schießen, Ballack schießt – Toor, Toor, Toor für Deutschland!“ Wenig später: „Aus, aus, aus! Das Spiel ist aus! Deutsch-land ist Weltmeister!


Die Autorin studiert Geschichte
und Politikwissenschaft an
der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf und absolvierte
ein Praktikum im Presse- und
Informationsamt des Landes Berlin