Siedlung Eichkamp

Eichkampstrasse
Bereiche der Gesamtanlage stehen unter Denkmalschutz.

Die Siedlung, benannt nach der Revierförsterei Eichkamp im Forst Grunewald, wurde 1918-29 von Max und Bruno Taut, Martin Wagner, Franz Hoffmann und anderen unmittelbar neben der AVUS angelegt und war als preisgünstiger Wohnraum für Angestellte und Beamte konzipiert. Max Tauts Bebauungsplan hatte ursprünglich ein wesentlich größeres Areal zwischen Teufelssee Chaussee und Avus vorgesehen, im Westen vom Grunewald, im Osten durch einen Exerzierplatz (heute Messegelände) begrenzt. Ludwig Marcuse sprach von “…einem lichten Berliner Dörfchen mit kindlich-schlichten Straßen und Häuschen…” Bei der Bildung von Groß-Berlin 1920 kam die Siedlung zum Bezirk Wilmersdorf. 1938 wurde sie bei einer Gebietsreform mit relativ geringfügigen Korrekturen dem Bezirk Charlottenburg zugeschlagen.

Prominente Bewohner: Arnold Zweig, Ludwig Marcuse, Elisabeth Langgässer, Horst Krüger, Max Taut, Herta Heuwer.

In den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wohnten in mehr als siebzig Häusern im Ortsteil Eichkamp von Berlin-Charlottenburg Bürgerinnen und Bürger, die als Juden verfolgt wurden, darunter die Schriftsteller Arnold Zweig (Zikadenweg 59 und Kühlerweg 9) und Elisabeth Langgässer (Eichkatzweg 33), der Philosoph Ludwig Marcuse (Eichkatzweg 25) und der Gewerkschafter Siegfried Aufhäuser (Zikadenweg 72). Viele von ihnen konnten unter z.T. schwierigsten Umständen rechtzeitig fliehen. Um die Lebensgeschichte der oft namenlosen Opfer des nationalsozialistischen Regimes in Erinnerung zu rufen, haben Mitglieder des Siedlervereins Eichkamp e.V., Abiturienten der Wald-Oberschule unter Begleitung ihrer Geschichtslehrerin und Schülerinnen der Rudolf-Steiner-Schule seit 2008 an Recherchen über 31 Eichkamper mitgewirkt, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. Für 27 von ihnen wurden Stolpersteine verlegt; für drei weitere nicht, weil sich die Nachfahren einer Familie dagegen aussprachen. Ein Stolperstein wurde in Lichterfelde verlegt. Es besteht Kontakt zu den Nachfahren der meisten Familien, für die Stolpersteine verlegt wurden.
Stolpersteine sind in den Bürgersteig eingelassene 10 × 10 cm große Messingtafeln, die an Wohnorten der von den Nationalsozialisten Verfolgten auf deren Schicksal aufmerksam machen.
Das Kunstprojekt Stolpersteine wurde 2003 von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen.
Der Dank für die Unterstützung des Projekts gilt Herrn Wolfgang Haney für seine umfangreichen Hinweise zur Eichkamper Geschichte, Herrn Wolfgang Knoll, dem früheren, und Herrn Lölhöffel, dem Koordinator für die Stolpersteine in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf, und den Eichkampern, die 24 Stolpersteine finanzierten. Der Flyer wurde gefördert vom Kulturbeirat Charlottenburg-Wilmersdorf.

Stolpersteine wurden verlegt in der Alte Allee 11, Alte Allee 17, Eichkampstraße 108, im Eichkatzweg 33, Falterweg 11, Falterweg 13, im Hornisgrund 17, Kiefernweg 8, Lärchenweg 33, in der Waldschulallee 7, im Zikadenweg 39, Zikadenweg 49, Zikadenweg 51 und im Zikadenweg 78.

Literatur
Goos, Manuela und Heyde, Brigitte: Eichkamp – Eine Siedlung am Rande mitten in Berlin (hg. vom Siedlerverein Eichkamp e.V.), Berlin 1999

vgl. auch
www.siedlung-eichkamp.de
Kiezspaziergang am 13.11.2021
Kiezspaziergang am 14.4.2007

Kommunalpolitischer Spaziergang am 21.7.2001