KiTS Aktuell

Berichte aus dem Jugendamt - KiTS aktuell

Informationen, Mitteilungen und Berichte aus dem Jugendamt

KiTS
steht für Kinder, Jugendliche und Familien in Tempelhof-Schöneberg.
KiTS
steht für die Öffentlichkeitsarbeit im Jugendamt Tempelhof-Schönberg.
KiTS
steht für aktuelle Mitteilungen (KiTS-Aktuell)
KiTS
steht für vielfältige Informationen des Jugendamtes und seiner Kooperationspartner
KiTS
berichtet immer aktuell, was im Bezirk Tempelhof-Schöneberg für Kinder, Jugendliche und Familien interessant sein kann.

KITS Aktuell - Berichte aus dem Jahr 2020:

Jugendarbeit in Zeiten der Corona-Pandemie – geht das überhaupt? Und wie gelingt es auch in Corona-Zeiten Beziehungen zu Kindern nicht abrechen zu lassen?

Kits Aktuell: Am 16.03.2020 wurden alle Jugendfreizeiteinrichtungen des Bezirks aufgrund der Pandemie für den Publikumsverkehr geschlossen und die Kontakte zu den Kindern und Jugendlichen mussten auf anderen Wegen aufgebaut und gehalten werden. Sowohl die Mitarbeiter_innen als auch die Kinder und Eltern waren sicherlich davon überrascht. Wie war eure erste Reaktion? Wie konntet ihr den Kindern und Jugendlichen mitteilen, dass sie nun das Haus nicht mehr betreten konnten? Standen sie plötzlich vor verschlossener Tür oder hattet ihr die Möglichkeit dies den Kindern persönlich mitzuteilen?

Eik Schmiljun: Im ersten Moment galt es schnelle Lösungen zu finden. Wir überlegten, wie wir unsere Besucher*innen zeitnah über diese neue Regelung sowie über die neuen Hygieneregeln informieren konnten. Bereits früher bemerkten wir, dass Aushänge im Schaukasten nicht unbedingt gelesen werden. Spontan kamen wir auf die Idee eigene Nachrichten zu produzieren. Wir bauten uns ein eigenes „Studio“ zusammen und entwickelten ein gemeinsames Konzept. Täglich informierten wir die Besucher*innen über die aktuellen Entwicklungen, welche Regeln es im Alltag einzuhalten gilt und was wir Mitarbeiter*innen gemacht haben. Dabei stand der Humor vor allem im Vordergrund. Wir merkten, dass dieser in den Medien zu kurz kommt, daher versuchten wir mit Spaß an das Thema heranzugehen. Die Reaktionen auf unsere „Hof News“ waren ausgezeichnet.

Kits Aktuell: Wie reagierten die Kinder und Jugendlichen? Gab es direkte Rückmeldungen? Wenn ja, auf welchem Weg?

Eik Schmiljun: Vor allem die Jugendlichen und die Eltern erreichten wir mit unseren Beiträgen. Die Reaktionen zeigten sich in Kommentaren und Nachrichten. Einige Jugendliche verstanden diese drastischen Veränderungen nicht und wollten sich nicht davon abhalten, ihren Alltag mit Freunden weiterzuleben. Es kostete viele Gespräche, um ihnen den Ernst der Situation deutlich zu machen. Kinder waren kaum mehr auf der Straße zu sehen und wir hatten auch kaum Chancen sie digital zu erreichen. Die meisten sozialen Plattformen haben eine Altersbeschränkung und einige von unseren Besucher*innen haben noch nicht einmal ein eigenes Smartphone. Parallel organisierte sich die Landesarbeitsgruppe für offene Kinder- und Jugendarbeit neu. Es entstanden diverse wöchentliche Panels, wo sich Jugendarbeiter*innen über ihre Arbeit austauschen konnten. Wir übernahmen hier kreative Ideen und entwickelten einige selbst weiter. Zum Beispiel entschieden wir uns dafür einen Brief an alle Kinder in Marienfelde zu senden und dies noch vor Ostern. Wir erstellten einen kurzen Brief mit Rätsel, Ausmalbildern sowie den aktuellen Notfallnummern. Die Reaktionen waren äußerst positiv und wir erhielten auch ein paar Antworten zurück. Dabei wurde bei den Kindern deutlich, dass es vielen von ihnen gut ging, aber sie sich sehr langweilten. So entstand bei uns die Idee der Brieffreundschaften und wir begannen auch regelmäßig uns telefonisch bei den Familien zu melden. Wir erhielten ausschließlich positive Rückmeldungen darauf und probieren diese analogen Angebote weiterhin aufrechtzuerhalten.

Kits Aktuell: Ziemlich schnell nach Bekanntwerden des Shutdowns wart ihr mit den ersten Videos in den sozialen Medien präsent. Wie entwickelte sich der Prozess der Ideenfindung und der Entscheidung auf den sozialen Medien präsent zu sein?

Eik Schmiljun: Kinder und Jugendliche informieren sich schon seit Jahren nicht mehr über Aushänge, sondern in sozialen Netzwerken (wie Instagram und TikTok). Facebook wird schon länger fast nur noch von Erwachsenen benutzt. Unsere Besucher*innen sind dort kaum noch zu finden. Wir waren bereits bei Instagram recht aktiv unterwegs und wollten unsere Besucher*innen auf den aktuellen Stand bringen.
Uns waren Bilder oder Texte zur Kommunikation zu unpersönlich. Wir wollten auch zeigen, dass es uns gut geht. Gerade in dieser Zeit war es immer unklar, wer bereits Corona hat und wie schnell es jemanden treffen kann. Durch das Video wollten wir Stabilität nach außen zeigen und deutlich machen, dass es weitergeht. Auch ist die Beziehungsarbeit mit den Nutzer*innen eine der wichtigsten Säulen unserer Arbeit. Uns sichtbar zu machen und interaktiv zu bleiben, schien uns sehr wichtig. Im Team brauchte es hier keine langen Diskussionen. Die Idee stand kaum im Raum, schon waren die ersten Ideen zur Gestaltung der „Hof News“ gefunden. Darüber hinaus wollten wir weiterhin für die Besucher*innen da sein und versuchten daher bereits bestehende Formate weiterzuführen.

Kits Aktuell: Könnt ihr ein paar Beispiele von euren Auftritten nennen? Z.B. 18 Uhr Nachrichten, Kochkurs, Fahrradwerkstatt, gemeinsame Onlinespiele, usw.

Eik Schmiljun: Die „Hof News“ haben wir ja bereits erläutert. Unsere bisherigen Angebote gingen bei Instagram live. Der Vorteil war, dass wir (wenn auch zeitverzögert) live mit unseren Besucher*innen in Kontakt treten konnten. Sei es beim Kochen, Gärtnern oder Bauen. Als wir größtenteils in das Home-Office geschickt wurden, begannen wir Inhalte gezielt zu produzieren. Es entstanden eine Vielzahl von Videos. Themen waren u.a. Experimentieren, Basteln, Kochen, Backen, Ostern, Rätsel, Modelleisenbahn, Seife produzieren, Fahrradselbsthilfewerkstatt, Rätsel und Disko. Mit der Zeit stieg auch die Kreativität der Jugendarbeiter*innen. So stellte eine Kollegin zum Beispiel vor kurzem ihr Pferd im Livestream vor und erklärte, worauf es zu achten gilt.
Besonders hervorheben möchte ich das gemeinsame Zocken. Unsere Jugendlichen bauten vor Corona einen Server für das Haus of fun bei Discord auf. Dort gab es bereits verschiedene Foren. Während der Corona Zeit nutzten wir den Server u.a. für Hausaufgabenhilfe, zum gemeinsamen Zocken und vieles mehr. Die Jugendlichen wurden hier kreativ, nutzten den Raum, um sich digital zu verabreden und entwickelten eigene Ideen und Projekte. So entstand eine neue Rollenspielgruppe über Video-Chat und ein eigener Minecraft-Server, auf dem Haus of fun digital nachgebaut wird.

Kits Aktuell: Könnt ihr erkennen, ob eure Angebote von Mädchen und Jungen gleichermaßen genutzt werden? Oder gibt es spezifische Angebote?

Eik Schmiljun: Die Wahrnehmung der digitalen Angebote ist sehr unterschiedlich. Bei Discord sind sehr viel mehr männlich sozialisierte Jugendliche aktiv sind. Hier spiegelt sich, dass Discord vornehmlich als Gaming-Plattform bekannt ist und dass statistisch deutlich mehr männlich-sozialisierte Menschen im Gaming aktiv sind als nicht-männliche. Ein Großteil unserer Besucher*innen finden wir bei Instagram. Unsere Einrichtung zeichnet sich generell damit aus, dass wir gleichermaßen von Jungen und Mädchen besucht werden. Aus diesem Grund ist es uns auch wichtig auf beiden Portalen vor Ort zu sein und Angebote zu schaffen.

Kits Aktuell: Ihr wart ja schon vor der Corona-Pandemie in den sozialen Medien aktiv. Wie viele Kinder habt ihr da erreicht? Sind eure Nutzer_innenzahlen gleichgeblieben? Gestiegen? Welche Posts bekamen besonders viel Aufmerksamkeit und Rückmeldung?

Eik Schmiljun: Bereits vor Corona waren wir bei Instagram, Discord und Facebook aktiv. Wir wurden bereits von vielen gelesen und wahrgenommen. Durch die Corona-Zeit hat sich unser Einzugsgebiet erweitert. Wir wurden von ehemaligen Besucher*innen erreicht, welche lange nicht mehr da waren oder gar fortgezogen waren. Wir öffneten unsere Angebote für alle Interessenten. Natürlich blieb der Hauptfokus auf den Kinder und Jugendlichen in Marienfelde.
Viel Aufmerksamkeit erreichen wir mit unseren Hof-News, Challenges und lustigen Beiträge. Wir probieren viele neue Formate aus. Dennoch sind wir eher daran interessiert live für die Kinder und Jugendlichen bei Discord oder Instagram da zu sein. Aus diesem Grund haben wir auch unsere Arbeitszeiten insofern verändert, dass von Montag bis Sonntag immer ein*e Kolleg*in live ansprechbar ist.
Insgesamt sind Qualität und Quantität unserer Social-Media-Aktivitäten enorm gestiegen. Wir erstellen sehr viel mehr Content. Inhaltlich ist es nicht mehr nur die Information über das, was im Haus passiert und passieren wird, sondern eben auch Beziehungsarbeit und Partizipationsprozesse. Und pädagogische Angebote, die vorher nur im Haus stattgefunden haben, sind in die digitale Welt umgezogen. Für uns und die Jugendlichen war dies ein intensiver und schneller Lernprozess. Wir haben alle dazugelernt. Wie schneidet man Videos? Wie beteilige ich mich konstruktiv an einer Videokonferenz?

Kits Aktuell: Konntet ihr auch Kinder und Jugendliche ansprechen, als Fans gewinnen, die vorher noch nie im Haus of fun waren? Und wenn ja, sind auch Kinder außerhalb eures Sozialraumes dabei?

Eik Schmiljun: Durch unsere digitale Arbeit erreichen wir verschieden Kinder und Jugendliche, welche bisher noch nicht im Haus of fun waren. Diese wohnen zum Teil in anderen Bezirken als auch anderen Städten. Durch Mundpropaganda erfreut sich unsere Seite einer Vielzahl neuer aufmerksamer Nutzer*innen.
Hervorheben möchte ich, dass wir als Einrichtung auch seit einigen Jahren mit Ungarn, Italien und Griechenland internationale Jugendarbeit leisten. Ehemalige Teilnehmer*innen folgen uns auf Instagram ebenfalls und beteiligen sich in Live-Streams oder verfolgen unsere Beiträge. Insofern kann man deutlich hervorheben, dass der Anspruch und der Umfang unserer Arbeit neue Herausforderungen mit sich bringen, wie man sich vorstellen kann.

Kits Aktuell: Melden sich die Kids auch telefonisch bei euch? Nutzen sie die Hausaufgabenbetreuung?

Eik Schmiljun: Unser Diensthandy wurde bisher noch nicht von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Allerdings haben wir selbst begonnen die Familien und Kinder telefonisch zu erreichen und erhielten sehr gute Rückmeldungen.
Unsere Hausaufgabenbetreuung wurde bisher nur bei Bedarf in Anspruch genommen. Wir haben zwar eine feste Sprechzeit vereinbart, die Anfragen kommen allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Daher versuchen wir nach Möglichkeit spontan Unterstützung bei den Hausaufgaben anzubieten.

Kits Aktuell: Wieviel Zeit benötigt ihr für die Vorbereitung der Filme, Posts, usw. Welche Ausstattung könnt ihr dafür nutzen, und ist diese Ausstattung in der Einrichtung vorhanden?

Eik Schmiljun: Die Vorbereitung ist umfangreicher, als wir es uns anfangs gedacht hatten. Neben der Entwicklung einer Idee kommen viele neue Fragen auf uns zu. Wie kann ich meine Privatsphäre im Home-Office gewährleisten? Wie kann ich die Kamera nutzen, wenn ich allein bin und ein Video gestalten will? Wie kann ich den Datenschutz von den Kindern und Jugendlichen in den sozialen Netzwerken einhalten?
In den letzten Wochen haben sich allerhand Fragen bei uns angesammelt. Auf Grund der aktuellen Situation in der Verwaltung ist mit einer schnellen Lösung nicht zu rechnen. Insofern stehen wir auch bei der Frage der Ausstattung am Anfang. Wir müssen unsere private Technik verwenden, um im Home-Office digital arbeiten zu können. Es fehlen technische Voraussetzungen seitens des Bezirksamts.

Kits Aktuell: Denken wir mal an die Zeit nach der Corona-Pandemie, die hoffentlich bald kommt. Welche Tools sollten aus eurer Sicht beibehalten werden, um weiterhin Kinder und Jugendliche über die sozialen Medien zu erreichen? Ist es überhaupt sinnvoll, dass eine Jugendfreizeiteinrichtung in den sozialen Medien präsent ist? Was braucht eine Jugendfreizeiteinrichtung, um professionell die Kinder auf den sozialen Medien zu erreichen?

Eik Schmiljun: Digitale Jugendarbeit wird bei uns auch nach der Corona-Zeit eine besondere Rolle spielen. Es ist uns in den letzten Wochen gelungen auf diesem Weg, einen guten Draht zu unseren Jugendlichen aufzubauen. Hier hat die Situation einen Invationsschub ausgelöst. Wir wollen die digitale Arbeit weiterhin aufrechterhalten. Wir planen weiterhin aktiv bei Instagram und Facebook zu sein. TikTok ist eine Social-Media-Plattform, welche wir derzeit testen. Für diese Arbeit braucht es für unser Team mindestens zwei dienstliche Smartphones mit Datenvolumen, um die Arbeit aufrecht zu erhalten.
Die Arbeit mit Discord bleibt weiterhin für uns ein wichtiges Element. Um zukünftig auch zockende Jugendliche besser zu erreichen, wäre die Ausstattung mit einem Gamer-PC sowie den dazugehörigen Zubehör wichtig. Aktuell haben wir unter anderem auch Kontakt zu Jugendlichen den Kontakt aufgebaut, die sehr viel am PC spielen. Um sie von dort abzuholen und eine Beziehung aufzubauen, ist eine technische Ausstattung sehr bedeutend. Insgesamt bräuchte es zu dem eine Ausstattung mit Kameras, Mikrofonen und weiterer technischer Ausstattung, um Fotos und Videos auf einem professionellen Niveau zu gestalten.
In diversen Arbeitskreisen kam auch bereits die Frage mal auf, ob wir den Jugendlichen nicht noch den letzten Rückzugsort wegnehmen, indem wir in den sozialen Netzwerken aktiv werden. Letztlich gibt es aber auch hier für jeden die Entscheidung, wem er*sie folgen möchte und wem nicht. Soziale Netzwerke gehören zum Alltag der Jugendlichen schon längst dazu. Sie informieren sich auf diesen Kanälen, präsentieren sich, kontaktieren sich und folgen ihren Idolen. Genau das sind wunderbare Punkte an denen Jugendarbeit anknüpfen kann. Soziale Netzwerke sind für die offene Kinder- und Jugendarbeit ein Medium für die pädagogische Arbeit.
In der Praxis fehlt es nicht allein an technischen Voraussetzungen. Insbesondere juristische Fragen sind zu klären. Welche Apps, Social Media-Seiten und weiteren Portale dürfen wir nutzen? Und wenn wir sie verwenden dürfen, was gilt es für uns zu beachten? Wer ist für fachliche Fragen zur digitalen Jugendarbeit der/die Ansprechpartner*in?
Wir als Jugendarbeiter*innen stehen stets der Frage gegenüber, in welchem Rahmen wir uns aktuell bewegen. Es braucht eine klare Positionierung der Verwaltung, in welchem Rahmen digitale Jugendarbeit für die kommunale Jugendarbeit möglich ist.

Kits Aktuell: Wenn die Jugenfreizeiteinrichtung wieder regulär geöffnet ist, bleibt dann überhaupt Zeit dafür die sozialen Medien zu bespielen?

Eik Schmiljun: Die offene Kinder- und Jugendarbeit wird erst sehr langsam wieder zur Routine zurückkommen können. Daher wird digitale Jugendarbeit auch in den kommenden Wochen eine große Rolle spielen, um viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. In der Zeit von Corona waren die Jugendarbeiter*innen gezwungen sich digital aufzustellen. Dennoch wird es weiterhin die stationäre Jugendarbeit brauchen. Viele Themen brauchen einen direkten Draht. Die digitale Jugendarbeit hat jedoch bewiesen, dass sie ein hilfreiches Instrument der Jugendarbeit ist.
Ob und wie weit die Ressourcen hierfür in den Einrichtungen vorhanden sind, ist natürlich unterschiedlich. Wir stehen hier als große, bezirkliche Einrichtung deutlich besser da als viele andere. Insofern wird es uns eher möglich sein die digitale Arbeit in Teilen beizubehalten, als vielen anderen.

Kits Aktuell: Lieber Eik, vielen herzlichen Dank für die spannenden Einblicke in eure Arbeit. Wir wünschen euch weiterhin gutes Gelingen und Kreativität für eure Vorhaben.

Zum Nachschauen finden Sie die Beiträge unter: https://www.instagram.com/hof_marienfelde/

Das Interview führte Beate Bruker vom Kits Aktuell Team.

zuklappen

Unterstützung für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen in den Gemeinschaftsunterkünften in Zeiten von Corona

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg sind aktuell 2.162 Menschen, davon 870 Minderjährige, in den bezirklichen Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete untergebracht.

„Die Kinder aus den Einrichtungen treffen Schul- und Kitaschließungen besonders hart, da die Unterkünfte hierfür nicht ausgestattet sind. Den Kindern fehlt es vor allem an Lernmaterialien, Lernspielen, Brettspielen und anderen Beschäftigungsmöglichkeiten,” beschreibt Rainer Schwarz, der Leiter des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg, das Problem.

Auf Anfrage des Jugendamtes, bei dem in Mariendorf ansässigen Amazon Logistikzentrum, spendete Amazon spontan und unkompliziert 2.000,00 € für die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen in den Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete in Tempelhof-Schönberg. Denn auch für diese Kinder geht der Schulunterricht nun von Zuhause weiter, und vor allem sollen die Kinder auch weiterhin die Möglichkeit haben, die deutsche Sprache zu erlernen.

Gemeinsam mit Amazon konnte das Jugendamt Lernmaterialien, Spiele, einen Drucker und einen Laptop bestellen und an die bezirklichen Flüchtlingsunterkünfte weitergeben.
Sechs Gemeinschaftsunterkünfte benannten jeweils Wünsche und Bedarfe in Höhe von 333,00 €. Diese wurden vom Jugendamt bestellt und direkt an die Unterkünfte geliefert. Zwei weitere Unterkünfte wurden über den Bezirksjugendfonds Integration des Jugendamtes gefördert.

Die Kinder haben sich sehr über die Materialien und Spiele gefreut. Die Leitungen der Einrichtungen sowie das Jugendamt bedanken sich sehr herzlich im Namen der Bewohner*innen für die engagierte Spende!

Die Koordinator*innen für den Bereich Integration im Jugendamt sind im engen Austausch mit den Betreibern der Flüchtlingsunterkünfte sowie der bezirklichen Flüchtlingskoordinatorin und dem bezirklichen Bildungskoordinator für Neuzugewanderte. Ziel ist es über die finanzielle Förderung hinaus weitere Hilfen für Familien, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit erhöhtem Unterstützungsbedarf anzubieten.

zuklappen

„Überall und nirgends – Kinder aus suchtbelasteten Familien wahrnehmen“

Studien auf Basis einer konservativen Schätzung gehen von insgesamt mindestens 3 Millionen Kindern in Deutschland aus, die mit einem alkohol- oder drogenabhängigen Elternteil aufwachsen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist aber von einer erheblichen Dunkelziffer und somit von einer noch höheren Gesamtzahl betroffener Kinder auszugehen.
„Sucht wirkt sich auf das gesamte familiäre System aus. Insbesondere die Entwicklung der Kinder kann durch suchtbedingte Belastungsfaktoren (z.B. starke Stimmungswechsel, häufige Streits, Trennungen, Unberechenbarkeit, Unzuverlässigkeit, Vernachlässigung, verbale, körperliche oder sexualisierte Gewalt sowie Isolation der Familie und Tabuisierung der Problematik) gravierend beeinträchtigt und das Wohl des Kindes gefährdet werden.²
„Die entsprechenden Folgen für die Kinder können sehr tiefgreifend sein und neben körperlichen Schädigungen vor allem psychische Probleme hervorbringen. Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Risiko, selbst suchtkrank zu werden oder andere psychische Störungen zu entwickeln, stark erhöht ist. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn bestimmte, wichtige Schutzfaktoren nicht vorhanden sind oder nur wenig gefördert werden.
In den letzten Jahren wurden verschiedene Angebote zur Unterstützung von betroffenen Kindern geschaffen. Dennoch ist die Versorgung jener Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend gewährleistet und muss dringend verbessert werden.“ ² Fachstelle für Suchtprävention Berlin gGmbH, Januar 2017
³ (Thomasius et al., 2008; Klein, 2007; Moesgen, 2014) Kinder von suchtkranken Eltern – Grundsatzpapier zu Fakten und Forschungslage
Eingeladen und initiiert hatte die „Facharbeitsgruppe zur Kooperation: Zum Schutz von Kindern aus suchtbelasteten Familien vor Kindeswohlgefährdung“. Diese Kooperations-vereinbarung wird seit 2011 – über die Absichtserklärung hinaus – von der multiprofessionellen Arbeitsgruppe im Bezirk aktiv und lebendig gestaltet, indem sie sich für die Verbesserung der Situation von Kindern und ihren suchtbelasteten Familien engagiert einsetzt und nicht zuletzt mit ideenreicher Planung, Organisation und Einsatzfreude diesen weiteren Fachtag ermöglicht hat.
So stieß das Thema auch wieder auf ein breites Interesse und 150 Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Berufsfeldern und Arbeitsbereichen wie Kitas, Schulen, freien Trägern der Jugendhilfe, dem Gesundheitswesen (Suchthilfeträger, Kliniken, Therapieeinrichtungen, freien Praxen), dem Jobcenter, dem Gesundheits- und Jugendamt nutzten die Gelegenheit sich vertiefendes Hintergrundwissen anzueignen und sich zu den unterschiedlichen Aspekten miteinander auszutauschen.
In seiner Begrüßungsansprache bezog Herr Oliver Schworck, Bezirksstadtrat für Jugend, Umwelt, Gesundheit, Schule und Sport, die aktuellen Forschungsergebnisse ein und hob hervor, dass die erhöhten Belastungen, denen Kinder suchterkrankter Eltern ausgesetzt sind, nicht nur gravierende Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben haben können, sondern darüber hinaus auch das Leben nachfolgender Generationen beeinträchtigen.
Er betonte, dass wir im Bezirk schon einiges auf den Weg gebracht haben, aber dies auf dem Hintergrund der aktuellen Zahlen natürlich nicht ausreichend sei. Diesbezüglich erhoffe er sich von den aktuellen politischen Vorgaben, wie dem Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchterkrankter Eltern“ des Deutschen Bundestages und dem Förderprogramm des GKV-Bündnisses für Gesundheit, dass diese den Ausbau und die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Unterstützungsleistungen für Kinder und Familien in den Kommunen und Bezirken wesentlich befördern.
Daneben sei es ihm ein wichtiges, grundlegendes Anliegen, das Thema Sucht und Suchterkrankung zu entstigmatisieren und es als Querschnittsthema Ressort übergreifend zu verankern. Dies gelte insbesondere in der Kindertagesbetreuung, in Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen, um ein Klima zu schaffen, in dem wertfrei und ohne Scham über Sucht gesprochen und Unterstützung barrierefrei bei den betroffenen Familien ankommen kann.
Sein besonderer Dank galt allen Akteur*innen, Fachkräften und Unterstützer*innen, die sich im Bezirk für Kinder und ihre suchtbelasteten Familien engagieren und diese Veranstaltung ermöglicht haben und nicht zuletzt auch den vielen anwesenden Teilnehmer*innen.
Weitere Grußworte sprach Frau Köhler-Azara, die als Landesdrogenbeauftrage unserer Einladung an die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung nachgekommen war. Eingangs gab sie einen Überblick über die aktuelle Situation zum Drogen- und Suchtmittelmissbrauch in Berlin. Abhängigkeit verursacht großes persönliches und familiäres Leid und auch hohe gesellschaftliche Kosten für die Behandlung von Folgeschäden. Diesbezüglich hob sie die Suchtprävention als tragende Säule der Berliner Drogen- und Suchtpolitik hervor. Sie bietet die Chance, bereits bei den Ursachen für eine Suchterkrankung anzusetzen und eine Abhängigkeit im Vorfeld zu verhindern. So braucht es zunehmend nicht nur Unterstützungsangebote für Betroffene jeden Alters, sondern expliziert für deren Kinder. Seit 2006 konnten wir in Berlin wahrnehmen, dass hier zunehmend der Fokus auf die gesundheitliche Entwicklung der Kinder gerichtet wurde. So führte sie denn auch die seit 2010 berlinweit geltende Rahmenvereinbarung zum Schutz von Kindern suchtkranker Eltern vor der Gefährdung des Kindeswohls an, die als Grundlage für die Entwicklung der bezirklichen Kooperationen dient und betonte die Erforderlichkeit von Zusammenarbeit nicht nur der Sucht- und Jugendhilfe.
Aspekte in den beiden Vorträgen am Vormittag:
Herr Dr. Darius Chamoradi Tabatabai, leitender Chefarzt der Hartmut-Spittler Entwöhnungsklinik am Vivantes Auguste Viktoria Klinikum, hielt einen sehr informativen und umfassenden Powerpoint gestützten Vortrag zu unterschiedlichsten Aspekten des Themas: „Ökonomie und Kinderschutz – ein volkswirtschaftliches Plädoyer“. Von umfassenden (in ihrer Wirkung erschlagenden) Zahlen von Suchterkrankungen und deren voraussichtlichen Entwicklungstrends, der gesellschaftlichen Haltung gegenüber dem Stigma Sucht und Suchtmittelerkrankten, zu den volkswirtschaftlichen Folgen und den Herausforderungen im Kinderschutz. Dem entgegen stünde der akute Fachkräftemangel in Kliniken, Schulen, den Regionalen Sozialpädagogischen Diensten der Jugendämter etc. und es braucht in allen Bereichen auskömmliches und qualifiziertes Personal. Er verdeutlichte mit Nachdruck, dass wir es uns als Gesellschaft schlichtweg nicht „leisten“ können, für die betroffenen gefährdeten Kinder nicht frühzeitig in ausreichendem Maße resilienzfördernde Unterstützungen zu etablieren.
Dem 2. Vortrag: „Kind im Blick“ von und mit Frau Christine Ordnung, Institutsleiterin des ddif (Deutsch-Dänisches Institut für Familientherapie und Beratung) folgten wir nicht auf Powerpoint-Folien, sondern erlebten diesen sehr anschaulich – mit Vortrags unüblichen Utensilien, wie einem Seil, einigen Hula-hoop-Reifen, einem Staubwedel und Luftballons und der Mitwirkung von Teilnehmer*innen aus dem Auditorium. Verdeutlicht wurde, das Beziehung, Prozess und Dialog die wesentlichen Grundpfeiler der Pädagogik und in der Familientherapeutischen Arbeit sind und dass alle beteiligten Fachkräfte immer wieder ihre eigenen Haltungen und Anteile im Erleben des Kindes und seiner Bezugspersonen reflektieren müssen.
Arbeitsphase am Nachmittag
In den fünf angebotenen Workshops: (I) von der Sensibilisierung und Wissensvermittlung zum Thema, (II) Pädagogik/Beziehungsarbeit, (III) Gesprächsführung: Wie öffnet man das Thema in der Familie, (IV) Netzwerkarbeit und Kooperationen im Kinderschutz, (V) Projektvorstellungen und Angebote für Kinder, gab es neben informativen Inputs Gelegenheit für intensiven anregenden fachlichen Austausch und Vereinbarungen für die künftige Zusammenarbeit.
Wir verbrachten diesen arbeitsintensiven Tag in angenehmer und anregender Atmosphäre – auch Dank der Unterstützung des aufmerksamen Catering-Teams „Tages-Werkstatt“ vom Notdienst, welches mit vielen Leckereien für unser leibliches Wohlbefinden und für´s „Durchhalten“ sorgte. Unser besonderer Dank gilt hier nochmals herzlich allen Vortragenden, Akteur*innen und Sponsoren für ihre tatkräftige und großzügige Unterstützung. In alphabetischer Reihenfolge: Hartmut-Spittler-Entwöhnungsklinik/ Vivantes; NACOA Deutschland – Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V.; Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e. V.; Paritätischer Wohlfahrtsverband; St. Joseph-Krankenhaus; Tannenhof Berlin-Brandenburg GgmbH und Mitarbeiter*innen des Bezirksamtes aus der Planungs- und Koordinierungsstelle, dem Gesundheits- und Jugendamt.
Bericht: Kinderschutzkoordinatorin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, Frau Hucklenbroich

zuklappen

Lachen, lernen, erleben und vernetzen: der KJP-Vorstandsworkshop 2020

KJP Vorstandworksdhop 2020
KJP Vorstand 2020
Bild: KJP

Das Wochenendprogramm bot von „aktives Zuhören“ über „Reden schreiben – Tipps und Tricks“ bis hin zu „Wer ist wer? Politiker_innen und deren Zuständigkeiten“ verschiedenste Richtungen, in die sich der Vorstand am Wochenende fortbildete.
Am Freitag sah der Zeitplan den Austausch des gesamten Teams über die verschiedenen Erwartungen an das Wochenende sowie das gegenseitige Kennenlernen durch Spiele vor.
Am Samstagvormittag stellten uns Pascal und Emily die Politiker_innen des Bezirks und ihren Zuständigkeitsbereichen vor. Anschließend wurden alle Vorstandsmitglieder von Maike und Oliver dazu aufgefordert, eine Kurzpräsentation zur Vorstellung des KJPs für Außenstehende zu erarbeiten, die dann vor Publikum gehalten und ausgewertet wurde. Nach einem leckeren Mittagessen wurden dann mit dem Wannsee als Hintergrund Fotos des aktuellen Vorstandes gemacht. Danach übte das Team in Kleingruppen mit Sammys Unterstützung aktives Zuhören, wodurch sich interessante Gespräche ergaben, durch die sich neue und bekannte Gesichter des KJP-Vorstandes noch besser kennenlernen konnten. Nach einer kurzen Pause folgte eine von Ida vorbereitete Arbeitszeit, während der sich der Vorstand den Prozess von der Projektidee zur Umsetzung selbst aneignete. Nachdem alle sich mit einem Snack versorgt hatten, erklärten Emily und Pascal, worauf es bei der Leitung einer Gruppe ankommt. Diese Erkenntnisse konnten in einem Rollenspiel direkt angewandt werden. Darauffolgend konnten sich alle beim Abendessen stärken und anschließend ein Puzzle von Mascha und Leia zum Ablauf des KJP-Jahres lösen. Außerdem stellte Hanna Tipps und Tricks zum Reden schreiben vor. Als unterhaltsames und herausforderndes Abendprogramm hatte Ida Themen für Stegreifreden vorbereitet, die in ca. vier Minuten von einem Vorstandsmitglied erläutert werden sollten. Dieses Abendprogramm schulte die rhetorischen Fähigkeiten aller Redner_innen und sorgte für Spaß. Nach diesem humorvollen Programmpunkt stand noch die Wahl der Vorstandssprecher_innen auf der Tagesordnung. In diesem Jahr werden Ida und Pascal dieses Amt bekleiden.

Am Sonntagmorgen galt es, die Zimmer aufzuräumen und ein letztes Frühstück einzunehmen. Anschließend blickte der Vorstand auf ein ereignisreiches, spaßiges und produktives Wochenende zurück und verglich die anfangs geäußerten Erwartungen mit der Realität. Dabei wurde deutlich, dass das Wochenende allen Spaß und neues Wissen brachte und der Gruppenzusammenhalt wuchs.
Demzufolge ist das Wochenende eine wertvolle Basis für die Zusammenarbeit innerhalb des Vorstands und ein erfolgreiches, bewegendes KJP-Jahr 2020.

Bericht: Ida – Vorstandssprecherin – Fotos: KJP

zuklappen

Neujahrsgruß

Ansicht Bus der Linie 94
Linie 94

Wir wollen diese Gelegenheit nutzen um Sie erneut auf die Kooperation zwischen dem Jugendamt Tempelhof-Schöneberg und der Linie 94 e.V. aufmerksam zu machen. Auch in 2020 besteht für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Flüchtlingshilfe in Tempelhof-Schöneberg die Möglichkeit einen der umgebauten Doppeldeckerbusse kostenfrei für Ausflüge zu nutzen. Anbei berichten wir über einen beispielhaften Ausflug aus 2019.

Am ersten Adventswochenende startete der Bus für Integration mit zwanzig Mädchen aus drei unterschiedlichen Gemeinschaftsunterkünften in Tempelhof-Schöneberg zu einem letzten Ausflug in 2019 ins Berliner Umland. Bei bestem kalt-sonnigen Winterwetter ging es erst zum Weihnachtsbaumschlagen und anschließend auf den historischen Weihnachtsmarkt in Potsdam.

Zunächst führte der Weg zum Werderaner Tannenhof. Nach einer Tanzeinlage in der Sonne vor dem Bus ging es in den Wald. Jede Gruppe Mädchen bekam die Möglichkeit, sich einen eigenen Baum auszusuchen und gemeinsam zu fällen, zu tragen und einzutüten (manchmal nicht nur die Bäume).

Nach dem Weihnachtsbaumschlagen ging es zum historischen Potsdamer Weihnachtsmarkt. Das hübsch beleuchtete Schloss, die großen Feuer und die festliche Stimmung wissen zu gefallen. Jedoch ist den meisten Mädchen nach dem ganzen Tag an der frischen Luft schnell ein wenig zu kalt. Nach knapp zehn schönen Stunden außerhalb von Berlin geht es zurück nach Hause, wo die Weihnachtsbäume von Familien und Unterkunfts-mitarbeiter*innen freudig entgegengenommen wurden. Nach einer wärmenden Tasse Tee wurden die Bäume direkt aufgestellt und festlich dekoriert.

zuklappen