Ortsteil Schöneberg

Wappen Schöneberg

Schöneberg ist ein pulsierender Stadtteil und kann von sich behaupten, einmal eine richtige Stadt gewesen zu sein.

Das genaue Gründungsdatum von Schöneberg ist nicht bekannt. Erwähnt wird das Dorf Schöneberg erstmals in einer Schenkungsurkunde von 1264, wonach der Markgraf Otto III. dem Nonnenkloster zu Spandau fünf Hufe im Dorf schenkte. Das damalige Siedlungsgebiet befand sich entlang der heutigen Hauptstraße zwischen der Dominicus- und Akazienstraße. Der Name „Schöneberg“ geht nicht auf geographische Ursprünge zurück, sondern ist ein Wunschname, der Siedler_innen anlocken sollte.

Die alte Dorfkirche Schöneberg

Bildvergrößerung: Dorfkirche Schöneberg
Dorfkirche Schöneberg

Über die Ursprungskirche, die die Neuankömmlinge sicherlich zuerst aus Holz errichtet haben, ist nichts bekannt. Auch nicht, wie der 1544 bei einem Brand zerstörte Bau aussah. Gesichert ist, dass sich im heutigen Bau noch Reste der damals beim Neuaufbau verwandten Feldsteine im Mauerwerk befinden. Die Kirche ist in ihrer Geschichte mehrmals zerstört und immer wieder aufgebaut worden, letztmalig zwischen 1953-55. Hinter der kleinen Kirche befindet sich von der Hauptstraße abgewandt ein alter Friedhof mit zum Teil prunkvollen Mausoleen.

Schöneberg erhält Stadtrechte

Die große Zeit des sich entwickelnden Schönebergs kam nach der Reichsgründung im Jahr 1871. Der Verstädterungsprozess nahm eine große Dynamik auf und die Einwohnerzahl Schönebergs stieg rasant. Haben 1871 in Schöneberg noch ca. 4.500 Menschen gelebt, waren es im Jahr 1890 bereits ca. 95.000. Es entstand ein großer Landbedarf, den die Schöneberger Bauern gerne bedienten und ihre Felder als teures Bauland verkauften. Man sprach damals von den „Schöneberger Millionenbauern“.

Die Schöneberger Bahn

Bildvergrößerung: Carl-Zuckmayer-Brücke
U-Bahn und Carl-Zuckmayer-Brücke

Am 1. April 1898 war es dann endlich soweit, das aufstrebende Schöneberg erhielt Stadtrechte. Schöneberg erhielt eine eigene Bahnlinie, die am 1. Dezember 1910 fertig gestellt wurde. Der Bau der Bahn beschleunigte die Entwicklung Schönebergs enorm und war stadtplanerisch von großer Bedeutung.
Mit der Bahn sollte das gezielt für ein großbürgerliches Publikum konzipierte Bayerische Viertel vernetzt und die Attraktivität Schönebergs gesteigert werden.
Architektonisch sollte sie in würdiger Weise die Finanzkraft und Unabhängigkeit gegenüber der Stadt Berlin bekunden.
Die heutige U-Bahnlinie 4 befindet sich direkt nebem einem wunderschönen Park, der nach dem ersten Bürgermeister der Stadt Rudolph Wilde (1857-1910) benannt ist.

Rathaus Schöneberg

Bildvergrößerung: Historische Ansicht des Rathauses Schöneberg
Rathaus Schöneberg

Die Stadt Schöneberg benötigte dringend ein größeres Verwaltungsgebäude, um die wachsenden kommunalen Aufgaben erfüllen zu können. Unter Rudolph Wilde gab es die ersten Planungen für das Rathaus Schöneberg. Den Bau des Rathauses hat er nicht mehr erlebt, er verstarb am
1. November 1910.

Die Ausführung des Rathausbaus hat sein Nachfolger, Oberbürgermeister Alexander Dominicus, übernommen. Die Grundsteinlegung des von den Architekten Jürgen Bachmann und Peter Jürgensen entworfenen Rathauses erfolgte am 26. Mai 1911 und es wurde 1914 fertiggestellt.1920 verlor Schöneberg seine Stadtrechte, als es der Einheitsgemeinde Groß-Berlin angeschlossen wurde.

Das Rathaus Schöneberg hat in seiner wechselvollen Geschichte viele Veränderungen erlebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug die große Stunde dieses Hauses, als hier in der Zeit der Trennung der Stadt Berlin das Abgeordnetenhaus und der Senat von Berlin einzogen.

Spannendes im ehemaligen Ratskeller

Bildvergrößerung: Bild mit Theodor Heuss im Ratskeller
Bild mit Theodor Heuss im Ratskeller

Das vom Karikaturisten Arthur Johnson geschaffene Wandfresko im Schöneberger Rathaus zeigt den jungen Stadtverordneten Theodor Heuss im Kreise anderer Bezirkspolitiker während der Weimarer Zeit.
Während sich im oberen Teil des Bildes die Politiker_innen „ordentlich beharken“, sind sie im ehemaligen Ratskeller des Rathauses Schöneberg weinselig wieder miteinander vereint.

Das Motto der Tafelrunde lautet:
“Hart für das Wohl der Gemeinde befehden sich oben die Geister. Unten versöhnt sie des Weins friedensgebietender Geist.”
Eine sehr humorvolle, aber vielleicht auch realistische Darstellung politischen Lebens.

Berliner Politik im Rathaus Schöneberg

Bildvergrößerung: Willy Brandt
Willy Brandt
Bild: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn

Mit dem Rathaus Schöneberg verbindet man heute die ganz großen Namen der deutschen Nachkriegszeit. Von hier aus lenkten die Bürgermeister Ernst Reuter und Willy Brandt die Geschicke der geteilten Stadt.

Während der Trennung der Stadt haben sich die Bürger_innen bei Staatsbesuchen, in Zeiten politischer Bedrängnis oder auch zu Demonstrationen immer vor dem Rathaus versammelt. Jeweils über 500.000 Menschen haben sich hier eingefunden, als die Freiheitsglocke am 24. Oktober 1950 im Turm des Rathauses das erste Mal erklang und natürlich als am 26. Juni 1963 der amerikanische Präsident John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg seine berühmte Rede „Ich bin ein Berliner (..)“ hielt.

Die Berliner_innen waren von dem jungen Präsidenten, der mit dieser Rede die unumwundene Solidarität Amerikas mit der eingeschlossenen Stadt West-Berlin erklärte, hellauf begeistert. Noch heute kommen viele Besucher_innen in das Rathaus, um sich über diesen denkwürdigen Tag zu informieren.

Bayerisches Viertel

Bildvergrößerung: Löwen-Skulptur am Bayerischer Platz von Anton Rückel
Löwe-Skulptur von Anton Rückel

Das Bayerische Viertel ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und gehört heute noch zu den bevorzugten Wohnlagen im Westen der Stadt. Die Idee, hier Wohnungen für ein bürgerliches und finanzstarkes Publikum für die damalige Stadt „Schöneberg“ zu schaffen, ist aufgegangen.

Die Berlinische Boden Gesellschaft unter ihrem Mitbegründer Salomon Haberland errichtete dieses Viertel zwischen 1900 und 1914. Die Wohnhäuser mit ihren bis zu 250 m² Wohnungen verfügen bis heute noch über schöne Fassaden und sind mit ihren verzierten Türmchen und gestuften Giebeln etwas ganz Besonderes.

Die „jüdische Schweiz“

Bildvergrößerung: Stele für Albert Einstein
Stele für Albert Einstein

Das Bayerische Viertel wurde während der Weimarer Zeit auch „jüdische Schweiz“ genannt, weil sich hier viele Menschen jüdischen Glaubens angesiedelt haben. Unter ihnen Ärzte, Künstler und Intellektuelle, die für ein fortschrittliches Deutschland standen, bevor sie von den Nationalsozialisten vertrieben, inhaftiert oder ermordet wurden. Die Stolpersteine in den Straßen und die Gedenktafeln an den Häusern erinnern an ihre Geschichte und halten ihr Schicksal für uns alle wach.
Genannt seien hier stellvertretend für die vielen Schicksale Albert Einstein, der emigrieren musste, Marcel Reich-Ranicki, der hier aufwuchs und in das Warschauer Ghetto verschleppt wurde, sowie Inge Deutschkron, die mit ihrem Buch „Ich trug den gelben Stern“ anschaulich ihre Geschichte und Ängste in dieser Zeit erzählt. Von 1943-1945 lebte sie versteckt, um der Deportation zu entgehen.

Nach 1933 emigrierten viele von den 16.000 Menschen jüdischen Glaubens. 6.000 Menschen wurden in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten deportiert und ermordet.

Orte des Erinnerns

Bildvergrößerung: Ausstellungshalle Wir waren Nachbarn
Austellung "Wir waren Nachbarn"

Seit 1993 befindet sich in den Straßen des Viertels ein besonderes „Denkmal“, geschaffen von Renata Stih und Frieder Schnock. Es zeigt auf Tafeln mit Symbolen und Texten wie sich der Entrechtungsprozess der Juden von den ersten Einschränkungen im täglichen Leben bis zum Holocaust vollzogen hat.
Informativ ist zudem die kostenfreie Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schönberg. Hier wird das jüdische Leben im Bezirk anhand von Alben mit Fotos und persönlichen Berichten von Überlebenden oder ihrer Verwandten erklärt.

Dem Bezirk ist eine wache Erinnerungskultur wichtig und so wird jedes Jahr am 9. November am Mahnmal für die „Synagoge in der Münchener Straße“ an die Opfer der Pogromnacht und des Holocaust gedacht. Das Bayerische Viertel wird hier zu einem exemplarischen Ort im Bezirk und kollektiven Gedächtnis der Stadt.

Café Haberland

Bildvergrößerung: Schriftzug des Café Haberland
Café Haberland

Viele Menschen kommen in das Bayerische Viertel, um sich über die Geschichte zu informieren. Im U-Bahnhof Bayerischer Platz befindet sich heute auch ein interessanter Wandfries, der die Geschichte des Viertels erzählt. Über dem Bahnhof hat sich das Café Haberland, ein Ort der Begegnung im Kiez, angesiedelt.

Neuanfang

Bildvergrößerung: Wohnhaus Münchener Straße
Wohnhaus Münchener Straße

Während des Zweiten Weltkrieges wurden 75 % der Häuser im Bayerischen Viertel zerstört, vor allem nördlich der Grunewaldstraße klafften große Häuserlücken, die mit vierstöckigen Neubauten zwischen 1955-1959 geschlossen wurden. Neue Wohnungen waren wichtiger als Stuck und so wurden, dem Zeitgeist entsprechend, überbleibende Stuckreste in den 1960er Jahren bei Renovierungen entfernt. Später renovierte Gebäude sind denkmalpflegerisch wiederhergestellt worden und tragen zum Charme des Kiezes bei. Heute ist das Bayerische Viertel wieder ein lebenswerter Ort mit sehr engagierten Einwohner_innen, die sich für ihren Kiez stark machen und mit vielen Aktivitäten das Miteinander der Nachbarschaft, aber auch das mit vielen kleinen Geschäften angesiedelte Gewerbe fördern.

Der Viktoria–Luise-Platz

Bildvergrößerung: Viktoria-Luise-Platz
Viktoria-Luise-Platz

Mit zu den schönsten Plätzen der Stadt gehört der
Viktoria-Luise-Platz, der nach der einzigen Tochter Kaiser Wilhelms II. benannt wurde. 1898 gewann der Gartenarchitekt Fritz Encke den Wettbewerb zur Gestaltung des Viktoria-Luise-Platzes und legte den 0,7 ha großen Platz mit einem Brunnen mit einer wunderschönen Fontäne in der Platzmitte und Rasenflächen und Blumenbeeten an. Der Platz wurde 1979 denkmalgerecht wiederhergestellt. Rund um den zu Teilen verkehrsberuhigten Platz hat sich Gastronomie angesiedelt und die Altbauten entfalten ihr besonderes Flair. Viele Besucher_innen kommen hierher, um diesen luftigen Ort zu genießen.

Nollendorfplatz

Bildvergrößerung: U-Bahnhof mit Regenbogenkuppel
U-Bahnhof mit Regenbogenkuppel

Nur eine U-Bahnstation mit der Linie 4 entfernt, befindet sich der bekannte „Nollekiez“. Es ist eine der schönsten Ausgehgegenden Schönebergs. Der gut sortierte Winterfeldtmarkt ist weit über die Grenzen des Bezirkes bekannt. Schon in den 1920er Jahren gab es hier viele Treffpunkte für homosexuelle Frauen und Männer. In Schönberg ist heute die größte LSBTI-Community in Europa beheimatet. Die Regenbogenfahne ist rund um die Motz-, Eisenacher -, Fugger- und Kalckreuthstraße allgegenwärtig. Immer im Juni findet hier anlässlich der „Pride-Weeks“ zwei Tage lang das größte Lesbisch-Schwule Stadtfest Europas mit ca. 350.000 Gästen statt. Geboten wird alles, was die LSBTI-Szene interessiert.
Das Stadtfest ist ein Fest der Liebe. Hier haben Diskriminierung und Rassismus keinen Platz.

Lindenhofsiedlung mit Gärten

Bildvergrößerung: Gärten der Lindenhofsiedlung
Gärten der Lindenhofsiedlung

Ein weiterer geliebter Wohnort von Schöneberg ist die Lindenhofsiedlung. Unter dem Stichwort der „humanen Urbanisierung” haben der Schöneberger Stadtbaurat Martin Wagner und der Architekt Bruno Taut die „Lindenhofsiedlung” im Süden Schönebergs an der Grenze zu Tempelhof entworfen.
Als Genossenschaftsbau unter städtischer Beteiligung entstanden hier zwischen 1918 und 1921 zweigeschossige Reihenhäuser für sozial schwächer gestellte Menschen. Zur Siedlung gehörte ein Parkgelände mit zwei natürlichen Teichen, zu den Wohnungen jeweils 80 qm große Mietergärten.

Unter dem Druck der zunehmenden Wohnungsnot rückte man beim Bau der Ceciliengärten zwischen der Haupt- und Rubensstraße vom Reihenhauskonzept des Lindenhofs wieder ab. Nach Entwürfen von Baustadtrat Heinrich Lassen entstanden hier in den zwanziger Jahren viergeschossige Mietshäuser, die sich ohne Hinterhöfe um große Freiflächen im Blockinneren gruppieren. Für den Wohnungsbau der Weimarer Republik wird diese Bauweise mit ihren gärtnerisch gestalteten Innenhöfen typisch.

Sehenswertes

Bildvergrößerung: Rossebändiger
Rossebändiger

Schöneberg hat noch viele historisch interessante Orte zu bieten, so zum Beispiel die Rote Insel. Schauen Sie einfach einmal im Bezirk vorbei.
Das landschaftlich spannende Schöneberger Süd-Gelände wartet auf Sie und auch der Heinrich-von-Kleist-Park mit den Königskolonaden und dem Denkmal den „Rossebändigern“ ist überaus sehenswert.

Weitere Informationen über „die grünen Lungen“ des Bezirks erhalten Sie hier

Einkaufen in Schöneberg

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Akazienkiez

Einer der schönsten Einkaufskieze Schönebergs ist die langgestreckte Akazien- und Goltzstraße. Hier gibt es viele kleine Geschäfte. Italienische Feinkostläden, nette Cafés und Weinläden. Es geht kiezig zu, kommen auch viele Besucher_innen hierher, sind es aber natürlich auch die Schöneberger_innen selbst, die das besondere Flair hochleben lassen.

Hier hocken Erwachsene auf kleinen Kinderstühlen und trinken den besten Cappucino der Stadt, gehen ins geliebte Café Bilderbuch oder lassen sich bei Mimi in der Goltzstraße historisch einkleiden. Bekannt sind auch die tollen Straßenfeste „Primavera“ und das im Herbst stattfindende „Kürbisfest“

KaDeWe

Bildvergrößerung: Kaufhaus des Westens
KaDeWe

Ein Einkaufserlebnis ganz anderer Art bietet sich an der nördlichsten Spitze des Bezirks. Viele wissen nicht, dass sich das berühmte „Kaufhaus des Westens“ mit seinem gehobenen Sortiment noch in Schönberg befindet. Dieses renommierte Kaufhaus wurde am 27. März 1907 eröffnet. Es befindet sich direkt am U-Bahnhof Wittenbergplatz und ist das bekannteste Warenhaus Deutschlands. Ein Bummel durch das KaDeWe gehört in jedes Reiseprogramm der Berlin-Besucher_innen.

Einwohner_innen: 117.524 (Stand: 31.12.2014)
Fläche: 10,6 km²