Internationaler Männertag 2025

Wissenswertes aus der Gesundheitsberichterstattung

Der 19. November steht jährlich im Zeichen des internationalen Männertags – ein Tag, um u.a. auf das Thema Männer- und Jungengesundheit und damit zusammenhängende Problemlagen aufmerksam zu machen. Ganz in diesem Sinne wollen auch wir genauer hinschauen und haben ausgewählte Eckdaten zur gesundheitlichen Lage von Jungen und Männern im Bezirk Mitte zusammengestellt.

Knapp 205.000 Jungen und Männer leben im Bezirk Mitte

Zum Stichtag 31.12.2024 lebten insgesamt 204.542 Jungen und Männer im Bezirk Mitte. Mit einem Anteil von 51,5% an der Gesamtbevölkerung zeigt sich in Mitte ein leichter Männerüberschuss und gleichzeitig der berlinweit höchste Anteil männlicher Bevölkerung. Jungen und Männer sind vor allem im jüngeren und mittleren Lebensalter – insbesondere zwischen 30 und 65 Jahren – in der Überzahl, während im höheren Lebensalter der Anteil an Frauen über dem der Männer liegt.

Männer haben ein höheres Gesundheitsrisiko

Männer verhalten sich weniger gesundheitsbewusst als Frauen. Sie rauchen häufiger und stärker, sind häufiger von Übergewicht betroffen, ernähren sich ungesünder und trinken häufiger Alkohol (SenASGIVA 2022; Richter et al. 2021; Olderbak et al. 2023). Auch illegale Drogen werden von Männern häufiger konsumiert als von Frauen (Olderbak et al. 2023). Im Vergleich zu Frauen werden Männer daher auch in Suchthilfeeinrichtungen häufiger betreut. Ein besonders deutlicher Männerüberschuss zeigt sich bei Verhaltenssüchten, wie Glücksspiel oder exzessiver Mediennutzung, aber auch substanzgebundene Problematiken sind bei Männern verbreiteter als bei Frauen (SenWGP 2024). Männer weisen zudem ein erhöhtes Unfallrisiko auf. Im Jahr 2024 verunglückten insgesamt 55 Menschen auf Berliner Straßen tödlich, davon waren 36 männlich (65,5%). 10 von 11 verunglückten Radfahrenden waren im vergangenen Jahr Männer (91%) (Polizei Berlin 2024). Auch im Beruf erleiden Männer häufiger Unfälle als Frauen. Mehr als zwei Drittel der meldepflichtigen Unfälle in Deutschland betrifft Männer (DGUV 2024). Dies bestätigen auch Daten zu schwerbehinderten Menschen in Berlin, nach denen Männer deutlich häufiger (76,7%) eine Schwerbehinderung aufgrund von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten aufweisen als Frauen (AfS 2023). Bezirkliche Daten zu diesen Zusammenhängen liegen nicht vor. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Befunde auch auf die Bevölkerung in Mitte übertragbar sind.

Männer sind sportlich aktiver

Auf der anderen Seite haben Männer im Vergleich zu Frauen eine höhere Bewegungs- und Sportorientierung. Bereits im Kindes- und Jugendalter sind Jungen sowohl im organisierten Sport als auch in der Freizeit aktiver als Mädchen (KIT 2024) und auch im Erwachsenenalter ist die körperliche Aktivität von Männern höher als von Frauen (RKI 2012; 2014). Dabei sind Radfahren, Joggen/Laufen, Schwimmen und Fußball bei der männlichen Bevölkerung in Berlin die beliebtesten Sport- und Bewegungsformen (SenIS 2018). Auch hierzu fehlt es an bezirklichen Daten.

Männer schätzen ihre Gesundheit subjektiv besser ein, sind aber objektiv häufiger krank

Eigenen Auskünften zufolge fühlen sich Männer gesünder und empfinden eine höhere gesundheitsbezogene Lebensqualität als Frauen. Sie nehmen somit seltener körperliche, seelische oder funktionale Beeinträchtigungen im Alltag wahr (RKI 2014). Objektiv sind Männer allerdings häufiger krank, wie z.B. Daten der Krankenhausdiagnosestatistik zeigen. Demnach werden in Mitte lebende Männer häufiger im Krankenhaus behandelt als Frauen, z.B. aufgrund von Erkrankungen des Kreislauf-, Atmungs- oder Verdauungssystems. Auch Behandlungen im Krankenhaus aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen sowie Neubildungen sind bei Männern in Mitte häufiger als bei Frauen. In der Literatur wird diese Diskrepanz u.a. mit einem anderen Umgang mit Gesundheit und Krankheit erklärt, indem z.B. Krankheitsanzeichen von Männern länger ignoriert werden und Gesundheit auch dann noch als gegeben angesehen wird, wenn bereits objektive Verschlechterungen eingetreten sind, allerdings soziale und berufliche Erwartungen noch erfüllt werden können (RKI 2014).

Männer in Mitte sterben 1,8-mal häufiger vorzeitig als Frauen

Ein zwischen 2019 und 2021 in Mitte geborener Junge hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78 Jahren. Er stirbt damit im Schnitt 5,4 Jahre früher als ein im selben Zeitraum im Bezirk Mitte geborenes Mädchen. Auch im Vergleich zu in anderen Bezirken geborenen Jungen unterscheidet sich die Lebenserwartung. Beispielsweise leben in Steglitz-Zehlendorf geborene Jungen durch-schnittlich 2,6 Jahre länger als in Mitte, während Jungen aus Lichtenberg durchschnittlich 0,5 Jahre früher versterben. Im Bezirksvergleich rangiert Mitte damit im Mittelfeld. Im Zeitvergleich hat sich die Lebenserwartung erhöht. Einem zwischen 2009 und 2011 in Mitte geborenen Jungen wurde noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 75,9 Jahren prognostiziert (SenGS 2012/2013). In den letzten 10 Jahren hat sich die Lebenserwartung von Jungen im Bezirk somit um 2,1 Jahre erhöht.

Geschlechtsunterschiede zeigen sich auch bei der vorzeitigen Sterblichkeit, also dem Versterben vor Erreichen des 75. Lebensjahres. Von 100.000 Männern sterben in Mitte im Schnitt 398 vorzeitig. Bei den Frauen sind es mit 225 deutlich weniger. Männer sterben somit 1,8-mal häufiger vorzeitig als Frauen. Im Bezirksvergleich platziert sich Mitte auf Rang 9 mit höheren vorzeitigen Sterberaten in Spandau, Lichtenberg, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg, während in allen anderen Bezirken weniger Männer vor Erreichen des 75. Lebensjahres versterben. Im Vergleich zu Steglitz-Zehlendorf mit der günstigsten Ausprägung versterben in Mitte 1,4-mal so viele Männer vorzeitig.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen verursachen die meisten männlichen Todesfälle

Die meisten Männer (wie auch Frauen) in Mitte versterben aufgrund von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sowie an bösartigen Neubildungen (Krebs). Mehr als die Hälfte der männlichen Todesfälle gehen auf eine dieser beiden Erkrankungsgruppen zurück. Häufige Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind dabei koronare Herzkrankheiten, die sich z.B. im Herzinfarkt manifestieren, Herz-Rhythmus-Störungen, worunter z.B. das Vorhofflimmern fällt, oder die Herzinsuffizienz (Deutsche Herzstiftung 2025). Bei den Krebsneuerkrankungen sind bei Männern am häufigsten die Prostata, die Bronchien und Lungen oder der Darm betroffen (Klinisch-Epidemiologisches Krebsregister Brandenburg-Berlin 2022). Auf Rang drei und vier der häufigsten Todesursachen folgen Krankheiten des Atmungssystems sowie Symptome oder Befunde, die nicht klassifiziert werden können, für die also keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann oder die nicht spezifisch genug sind, um sie einem bestimmten Diagnosekapitel zuzuordnen. Dies geschieht beispielsweise, wenn Personen im häuslichen Umfeld versterben und die hinzugezogenen Ärztinnen und Ärzte keine oder kaum Informationen über die bisherige Krankheitsgeschichte haben. Auf Rang fünf folgen Verletzungen, Vergiftungen oder andere Zustände, die durch äußere Ursachen entstanden sind. Im Vergleich zu Frauen zeigt sich bei den drei häufigsten Todesursachen die gleiche Rangfolge, wobei Männer seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dafür aber etwas häufiger an bösartigen Neubildungen und Krankheiten des Atmungssystems versterben als Frauen. Auch nicht näher klassifizierte Todesursachen sind bei Männern häufiger als bei Frauen, bei denen diese Diagnosegruppe erst auf Rang sechs der häufigsten Todesursachen gelistet ist (Bezirksamt Mitte 2025).

Maßnahmen zur Früherkennung und Vorsorge, wie z.B. Gesundheits-Check-Ups oder Krebsfrüherkennungsuntersuchungen können geeignete Mittel sein, um die Behandlungschancen zu erhöhen und Todesfälle zu vermeiden. Forschungsbefunde zeigen jedoch, dass solche Angebote von Männern seltener als von Frauen in Anspruch genommen werden (BZgA 2022). Dies bestätigen auch bezirkliche Daten zur Gesundheit älterer Menschen. Demnach gehen ältere Männer in Mitte seltener regelmäßig zur Krebsvorsorge und nehmen auch das Angebot zum Gesundheits-Check-Up seltener in Anspruch (Bezirksamt Mitte 2021).

Männer sind häufiger von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffen

In Berlin leben rund 56.000 Wohnungslose, darunter etwa 6.000 Obdachlose und 2.000 verdeckt Wohnungslose, die bei Angehörigen oder Bekannten unterkommen. Rund drei Viertel der Obdachlosen und verdeckt Wohnungslosen sind Männer (SenASGIVA 2024). Die Gründe hierfür sind vielfältig. So verlassen Männer bei Paar- und Familienkonflikten z.B. häufiger die gemeinsame Wohnung als Frauen. Zudem verzichten Männer in Notsituationen häufiger darauf, Hilfe- und Unterstützungsleistungen in Anspruch zu nehmen (Berliner Stadtmission o.J.).

Obdachlose sind häufig Opfer von Gewalt. Im Jahr 2024 wurden in Berlin insgesamt 506 Gewaltdelikte an Obdachlosen verübt. Mehr als ein Viertel (26,1%) der Gewaltdelikte ereignete sich dabei in Mitte. Berlinweit ist Mitte damit der Bezirk mit den meisten Gewaltvorfällen gegenüber Obdachlosen. 98 der 132 Gewaltopfer (74,2%) in Mitte waren Männer (Abgeordnetenhaus Berlin 2025). Auch gesundheitlich sind Obdachlose benachteiligt. Sie haben ein höheres Risiko zu erkranken und zu versterben. Erkrankungen der Haut, Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen, aber auch Infektions-, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind dabei häufige Gesundheitsprobleme (Charité Berlin 2024, Caritasverband Berlin 2025). Zudem gestaltet sich die Gesundheitsversorgung obdachloser Menschen häufig schwierig, da Angebote der Regelversorgung aufgrund von fehlendem Krankenversicherungsschutz häufig nicht in Anspruch genommen werden können.

Zusammenfassung

Männer weisen im Vergleich zu Frauen ein höheres Gesundheitsrisiko auf, was sich z.B. in riskanteren gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen, aber auch höheren Krankheits- und Sterblichkeitszahlen zeigt. Die beobachteten Unterschiede sind dabei nicht nur durch das biologische Geschlecht zu erklären, sondern werden auch von soziokulturellen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst, die sich kontinuierlich weiterentwickeln und verändern (RKI 2014).

Die Wichtigkeit von zielgruppenspezifischen Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung speziell für Männer wird jedoch häufig unterschätzt. Dabei ist es wichtig, unterschiedliche Lebensentwürfe und Lebenswelten zu berücksichtigen und auf die Heterogenität innerhalb der Zielgruppe der Männer einzugehen. Die Datenlage ist hier jedoch häufig nicht differenziert genug, um fundierte Aussagen treffen zu können, sodass wichtige Aspekte der Männergesundheit häufig noch unberücksichtigt bleiben. Noch mehr gilt dies für LSBTIQ*-Personen, über die bislang kaum belastbare Daten zur gesundheitlichen Lage verfügbar sind (Pöge et al. 2020). Wünschenswert wäre daher eine Verbesserung der geschlechtsdifferenzierten Datenlage, insbesondere auch auf kleinräumiger Ebene, um zielgerichtete Maßnahmen planen und umsetzen zu können.

Datenzusammenstellung als Faktenblatt

  • Internationaler Männertag 2025. Wissenswertes aus der GBE

    PDF-Dokument (540.9 kB) - Stand: 11/2025, annähernd barrierefrei

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