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Bezirksgeschichte

Historisches Foto vom Bahnhof Friedrichstraße
Bild: gors4730 - Fotolia.com

Der Bezirk Mitte wurde am 1. Januar 2001 durch die Fusion der ehemaligen Bezirke Tiergarten, Wedding und Mitte gegründet. Die Geschichte des Bezirks ist untrennbar mit der Gesamtdeutschen und Gesamtberliner Geschichte verbunden.
Alle Epochen seit der offiziellen Stadtgründung im Jahr 1237 – und auch noch aus der Zeit davor – haben hier ihre Spuren hinterlassen.

Mittelalterliche Siedlungen

Berlin/Cölln und Wedding sind etwa zur gleichen Zeit entstanden. Während allerdings das Dorf “Weddinge” an der Panke zur Zeit seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1251 schon wieder verlassen war, gewann die Siedlung an der Spree zunehmend an Einfluss.

Die Stadt Cölln, 1237 erstmals urkundlich erwähnt, lag auf der Spreeinsel.
Berlin erstreckte sich vom nordöstlichen Spreeufer etwa bis zur heutigen Waisenstraße.

Ein Teil der Weddinger Feldmark war bis ins 16. Jahrhundert im Besitz von Berliner Bürgern. Auch die große Stadtheide, Terrain des späteren kurfürstlichen Tiergartens und der Siedlung Moabit, gehörte seit dem 13. Jahrhundert zu Berlin und wurde als Viehweide und zur Gewinnung von Brennholz genutzt.

Die Städte Berlin und Cölln entwickelten sich aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage und durch die Förderung des Landesherrn zum Haupthandelsort der Mark Brandenburg. Im 14. Jahrhundert lebten innerhalb der mit fünf Toren versehenen Stadtmauer ca. 8.000 Menschen.

Die stetig gewachsene Selbständigkeit endete Mitte des 15. Jahrhunderts, als der Landesherr gewaltsam den “Berliner Unwillen” niederschlug, einen Aufstand der Bürger gegen die Einschränkung ihrer städtischen Freiheiten. Von nun an stand die Stadt unter strenger Kontrolle der Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern. Ihr Machtzentrum war das Schloss auf der Spreeinsel, dessen erster Bau Mitte des 15. Jahrhunderts fertig gestellt war.

Im Umland erwarben die Kurfürsten systematisch große Ländereien. Die Erträge aus Viehzucht und Fischerei dienten dem Unterhalt des Hofes. Von der Nutzung der Wälder und Heidegebiete als Jagdreviere zeugen die Anlage des Tiergartens sowie des Kaninchengartens in der Nähe der heutigen Badstraße im Wedding.

Die Residenzstadt

Hatte die Stadt ihre politische Selbständigkeit weitgehend eingebüßt, so brachte der Rang einer Residenz doch auch Vorteile mit sich. Die Bevölkerungszahl stieg stetig, neue Behörden wurden eingerichtet, Handel und Gewerbe profitierten langfristig vom Bedarf des Hofes. Trotz dieser Fortschritte nahm die Doppelstadt jedoch bis ins 17. Jahrhundert hinein einen vergleichsweise bescheidenen Rang ein. Auch die 1539 durchgeführte Reformation – für andere Städte der Beginn eines raschen Aufstiegs – änderte wenig an dieser Tatsache.

Die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges führten auch in Berlin und Brandenburg zu wirtschaftlichem Niedergang und Entvölkerung. Bei Kriegsende bot sich ein trostloses Bild:
Das Schloss und viele Gebäude wiesen schwere Schäden auf, die neuen Vorstädte waren niedergebrannt, von ehemals 12.000 Einwohnern war gerade noch die Hälfte übrig geblieben.

Der Wiederaufbau gelang jedoch erstaunlich schnell. Zur besseren Verteidigung ließ Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) einen modernen Festungsring anlegen. Berlin wurde Garnisons- und Festungsstadt. Als Verbindungsweg zwischen Schloss und Tiergarten entstand 1647 die Straße “Unter den Linden”.

Das Stadtgebiet wurde nach Westen erweitert.

1662 erhielten der Friedrichswerder, westlich des Spreekanals, einige Jahre später die Dorotheenstadt, zwischen den “Linden” und der Spree, eigene Rechte und Verwaltungen. 1688 wurde im Gebiet südlich der “Linden” mit der Anlage der Friedrichstadt begonnen.

Die Bevölkerungsverluste suchte man durch aktive Einwanderungspolitik auszugleichen. Ein Jahrhundert nach der gewaltsamen Vertreibung der Berliner Juden aus der Stadt bot im Jahr 1651 der Kurfürst 50 wohlhabenden jüdischen Familien aus Wien erstmals wieder Asyl und Aufenthaltsrecht. 1714 errichtete die neue jüdische Gemeinde in der Heidereuthergasse ihre erste Synagoge.
Die größte Zuwanderergruppe stellten die Hugenotten dar, aus Frankreich geflohene Protestanten, denen Religionsfreiheit und Starthilfen angeboten worden waren. Der Zuzug von 6.000 Flüchtlingen bedeutete nicht nur einen erheblichen Bevölkerungszuwachs; das Fachwissen der geschickten Handwerker belebte auch nachhaltig das Gewerbeleben der Residenz.

Während der Regierung des Kurfürsten Friedrich III. (1688-1713) – seit 1701 König in Preußen – erfuhr die Stadt einen beträchtlichen Aufschwung. Das Schloss der “Haupt – und Residenzstadt Berlin” wurde aufwendig im Barockstil ausgebaut. Auf dem späteren Gendarmenmarkt legte man 1701 die Grundsteine für die deutsche und die französische Kirche. Mit dem Zeughaus entstand eines der schönsten heute noch erhaltenen Gebäude des Stadtzentrums.

Das Umland

Auch vor den Toren der Stadt machte sich der Aufschwung bemerkbar. Der 1601 zur Versorgung des Hofs angelegte “Weddinghof” an der Panke entwickelte sich zu einem ersten Siedlungskern des heutigen Ortsteils.

Zunächst als Vorwerk im Besitz des Landesherrn, wurde das Gut und seine Ländereien im 18. Jh. an Berliner Bürger verpachtet und 1817 an die Stadt Berlin verkauft. Im Jahr 1705 ließ König Friedrich I. die Panke aufstauen und kanalisieren, um zu Schiff vom Charlottenburger zum Niederschönhausener Schloss fahren zu können.

Der so entstandene Schönhauser Graben verlief vom heutigen Humboldthafen bis etwa zur Schönwalder Straße, wo er das alte Pankebett erreichte. Wenige Jahre später wurde pankeaufwärts eine Walkmühle errichtet; ein ehemaliges Mühlengebäude aus dem Jahr 1844 befindet sich noch heute an dieser Stelle.
Mit dem an der Westgrenze des umzäunten Tiergartens errichteten “Stakensetzerhaus” begann 1670 die Siedlungsgeschichte des späteren Moabit. Ein hugenottischer Siedler richtete hier ein Wirtshaus ein, das bald zum beliebten Ausflugsziel der Berliner wurde. Als 1699 das Schloss Charlottenburg fertiggestellt war, wurde ein Verbindungsweg durch den Tiergarten bis zu den “Linden” angelegt, die “Charlottenburger Chaussee” (heute Straße des 17. Juni). Ab 1717 versuchte eine Gruppe von Hugenotten, Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht anzubauen.

Die bibelkundigen Siedler nannten das zugewiesene Land “terre de Moab” (Moabiterland). Das Projekt scheiterte jedoch – die Franzosen verkauften schließlich ihre Grundstücke an wohlhabende Berliner, die sich hier Sommerhäuser errichteten. Der neue Ort Moabit entwickelte sich langsam, 1724 zählte man erst 34 Einwohner. 60 Jahre später entstand auf dem Gelände einer der erfolglosen Maulbeerbaumplantagen das Schloss Bellevue mit angrenzendem Park.

1745 errichteten ebenfalls Hugenotten nahe dem heutigen Haus der Kulturen der Welt einige Zelte und boten Ausflüglern Erfrischungen an. Aus diesen improvisierten Restaurationen wurden später beliebte Ausflugsgaststätten, die Adresse “In den Zelten” existiert heute noch. Der sparsame “Soldatenkönig” Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) machte der ersten kulturellen Blüte Berlins ein jähes Ende, setzte jedoch den Auf – und Ausbau der Stadt fort.

1721 entstand mit der Charité die erste zeitgemäße medizinische Ausbildungsstätte mit öffentlichem Krankenhausbetrieb. Die militärisch nutzlos gewordene Festung wurde geschleift, im westlichen Stadtgebiet entstanden in kurzer Zeit neue Straßen und Gebäude. Umgeben wurde die vergrößerte Stadt nun von einer Mauer, die Desertionen aus dem gefürchteten Militärdienst verhindern sollte und an deren 14 Toren die Verbrauchssteuer “Akzise” erhoben wurde. Durch Eingemeindungen von Vorstädten hatte sich 1740 das Stadtgebiet fast verdoppelt.

König Friedrich II. (1740-1786) – der spätere “Alte Fritz” – machte Preußen zur Großmacht und Berlin zu seiner repräsentativen Hauptstadt. Als neues Zentrum von Kunst und Wissenschaft wurde die Stadt auch architektonisch aufwendig um- und neugestaltet. In städtebaulicher Hinsicht bestimmte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der an antiken Vorbildern orientierte klassizistische Stil das Gesicht der Stadt. Karl Friedrich Schinkel, ebenso genialer wie produktiver Königlicher Baurat, entwarf mit dem Alten Museum, dem Schauspielhaus, der Neuen Wache, der Friedrich-Werderschen Kirche und der Schlossbrücke eine Reihe eindrucksvoller Bauwerke, die das Stadtzentrum bis heute prägen.

Die Entwicklung vor den Toren der Stadt verlief zunächst vergleichsweise bescheidener, blieb jedoch nicht ohne nachhaltige Wirkungen. Zur Stärkung der Wirtschaftskraft des Umlandes und der Versorgung der Stadt förderte FriedrichII. die Ansiedlung von “ausländischen” Handwerkern. 1752 wurden vor dem Rosenthaler Tor 60 Bauhandwerker mit ihren Familien aus Thüringen in der nach ihrer Herkunft “Neu – Vogtland” genannten Kolonie angesiedelt. Ihnen folgten 1772 zehn Gärtner mit ihren Familien, die sich vor dem Hamburger Tor niederließen. In der Nähe der Mühle an der Panke legte im Jahr 1758 der Hofapotheker Dr. Heinrich Wilhelm Behm eine Bade- und Trinkkuranstalt an, auf die der Name des heutigen Ortsteiles “Gesundbrunnen” zurückgeht.

Militärische Einrichtungen

Seit 1730 diente der heutige Platz der Republik als Exerzierplatz – im Volksmund treffend als “Sahara” bezeichnet.
Um 1840 konnten die Stadtplaner Lenné und Schinkel die Militärübungen auf die Fläche des heutigen Fritz-Schloss-Parks am Lehrter Bahnhof verlegen, da die dortige Pulverfabrik nach Spandau umgezogen war.

Der ehemalige Exerzierplatz wurde 1844 begrünt und auf dem neu benannten Königsplatz nach 1870 die Siegessäule errichtet.
Am neuen Exerzierplatz entstanden mehrere Kasernen, die zusammen mit den Justizbauten und den Fabrikanlagen den Stadtteil bis heute geprägt haben. Auch nördlich der Panke wurden ab 1747 Exerzierplätze angelegt, an die heute die Weddinger Exerzierstraße erinnert.

Stadterweiterung und Märzrevolution

Ausgangspunkt für die Ausdehnung der Stadt in nördliche Richtung war unter anderem auch das Invalidenhaus, das für versehrte Soldaten der Schlesischen Kriege errichtet worden war. In der Nachbarschaft entstand 1804 die Königliche Eisengießerei, die als Musteranstalt zum Grundstein für die spätere Maschinenindustrie im Norden Berlins werden sollte.

Im Zuge der Förderung des Straßenbaus ließ Friedrich II. die Brunnenstraße vom Rosenthaler Tor zum Gesundbrunnen befestigen. In Richtung Tegel führten ab 1800 die ebenfalls gepflasterte Chausseestraße und Müllerstraße, die Berlin mit dem überregionalen Wegenetz verbanden. Im Zusammenhang mit der Parzellierung der Kämmereiheide entstand 1827 die heutige Moabiter Turmstraße.
Zwischen 1828 und 1835 entstanden nach Entwürfen Schinkels vier Vorstadtkirchen mit ähnlichem Grundriss :
die St. Elisabeth – Kirche an der Bergstraße, die St. Johannis – Kirche in Moabit, die St. Pauls – Kirche am Gesundbrunnen und die Nazareth – Kirche am Leopoldplatz. Ziel der Baumaßnahme war neben der seelsorgerischen Betreuung die moralische Disziplinierung der “sittenlosen” vorstädtischen Bevölkerung.

Mit der preußischen Reform zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zur Etablierung einer Stadtverordnetenversammlung.

Auch das Bildungswesen wurde erneuert.

1810 eröffnete die Friedrich – Wilhelm – Universität (heute Humboldt – Universität) . Das geistige Leben bestimmten in dieser Zeit auch die zahlreichen Salons, in denen man sich über die Schranken von Konfession und Herkunft hinweg zu freiem Gedankenaustausch traf. Weniger tat sich allerdings auf der politischen Ebene.

Versprochene Reformen wurden nicht eingeleitet, das Volk blieb weiterhin von politischer Mitwirkung ausgeschlossen. Die Unzufriedenheit führte – im Zusammenwirken mit einer wirtschaftlichen Krise – im Jahr 1848 auch in Berlin zur Revolution. In mehreren Volksversammlungen in den “Zelten” im Tiergarten forderte man fundamentale Freiheitsrechte. Am 18. März brachen schließlich im Stadtzentrum blutige Barrikadenkämpfe aus, an denen auch die sogenannten “Rehberger” vom Wedding und Kanalarbeiter aus Moabit teilnahmen, die dort in staatlichen Arbeitsprogrammen beschäftigt waren.

Trotz des Anfangserfolges der Revolution kam es jedoch letztlich zu keiner dauerhaften Neugestaltung der Machtverhältnisse.

Industrialisierung

Technische Innovationen, die Einführung der Gewerbefreiheit und der Beginn einer Bodenreform bahnten den Weg für die Anfänge der Industrialisierung. Vor dem Oranienburger Tor siedelten sich seit 1823 Eisengießereien und Maschinenbaubetriebe an. Der Volksmund nannte diese Industriezone nach den glühenden Essen und rauchenden Schloten “Feuerland”.

Zu den bedeutendsten Betrieben an der Chausseestraße gehörte die Maschinenbauanstalt von August Borsig. Der “Lokomotivkönig” expandierte schon ein Jahrzehnt nach der Gründung des Betriebes:
1847 errichtete er ein Eisenwerk in der heutigen Straße Alt-Moabit
1850 erwarb er eine Maschinenfabrik in der Kirchstraße.

Auch andere Industriezweige entstanden:
1835 gründete F.A.Schumann in Alt-Moabit seine Porzellanmanufaktur, knapp zwei Jahrzehnte später eröffnete in der Nähe H. Schomburg eine Fabrik für elektotechnisches Porzellan.

Seit 1851 führte Ernst Schering die “Grüne Apotheke” in der Chausseestraße 23. In einem angeschlossenen Fabrikgebäude spezialisierte er sich auf die Herstellung von Fotochemikalien.

Um 1860 setzte eine erste Randwanderung der Industrie ein, man verlegte die Betriebe weiter in das Umland hinaus. So verlagerte z.B. Louis Schwartzkopff seinen Lokomotivbau in die damalige Weddinger Ackerstraße, Schering eröffnete 1871 die “Chemische Fabrik auf Aktien vorm. Schering” in der Müllerstraße, heute noch Firmensitz der Schering AG. 1886 wurde das Borsigwerk in der Chausseestraße geschlossen und nur noch in Moabit produziert. Doch auch hier waren die Jahre gezählt.
1897 verlegte man die gesamte Fabrik nach Tegel.

Die Expansion der Industrie und der Bedarf an Arbeitskräften wirkte sich in den Vororten auf Bevölkerungszahlen, Bebauung sowie Verkehr aus. Hatte man im Jahr 1817 auf dem Wedding und am Gesundbrunnen gerade 356 Einwohner gezählt, so lebten dort 5 Jahrzehnte später schon über 10000.
Während die Bevölkerungszahlen im Zentrum der Stadt zurückgingen, sollte sie im Jahr 1917 mit ca. 337.000 im Wedding den Höchststand erreichen.

Ähnlich war die Entwicklung in Moabit.

1820 wohnten hier 247 Menschen, 1858 bereits knapp 10.000 und 1910 rund 190.000 Einwohner.

Die ursprünglich eingeschossigen Kolonistenhäuser waren schon um 1850 von zwei- bis dreistöckigen Vorstadtgebäuden und ab 1880 dann von mehrgeschossigen “Mietskasernen” abgelöst worden, deren Wohnungen miserabel ausgestattetet und völlig überbelegt waren. Zu den bekanntesten Beispielen des Wohnungselends gehörte “Meyers Hof” in der Weddinger Ackerstraße, in dessen sieben Hinterhöfen ca. 2.000 Menschen auf engstem Raum zusammenleben mussten.

Gegen den Willen der Berliner Stadtverordneten, die hohe Kosten für den baulichen und sozialen Bedarf fürchteten, wurde schließlich die Eingemeindung des Wedding, Moabits und anderer Siedlungen zum 1.1.1861 durch königliche Kabinettsorder verfügt.

Hauptstadt des Kaiserreichs

Mit der Reichsgründung 1871 begann eine neue Epoche.
Die alte Berliner Mitte erhielt nun auch die Funktionen der Hauptstadt des neuen Kaiserreichs.
Während des wirtschaftlichen Aufschwungs zogen Banken und Handelsgeschäfte verstärkt in die repräsentative Stadtmitte, luxuriöse Hotels und prunkvolle Warenhäuser wurden gebaut. Der 1905 fertig gestellte, monumentale Dom am Lustgarten brachte den Geltungsdrang des wilhelminischen Kaiserreiches auch architektonisch zum Ausdruck.

An den südlichen Tiergartenrand zog es die wohlhabenden Bürger, Vergnügungsparks etablierten sich, zusehends verdrängten imposante Villen die kleinen Landhäuser. Herrschaftliche Mietshäuser bildeten ein elegantes Wohnviertel, den “Alten Westen”, in dem sich auch viele Botschaften ansiedelten. Eine weiteres Wohngebiet entstand ab 1874 nahe dem Schloss Bellevue: das Hansaviertel, ein gepflegtes Quartier des gehobenen Mittelstandes. 1885 schenkte der Kaiser der Stadt Berlin die Siegesallee, auf der sich vom Kemper- bis zum Königsplatz die Statuen brandenburgisch-preußischer Herrscher reihten, im Volksmund respektlos “Puppen” genannt.

Dem Glanz des Zentrums stand die Armut im Wedding und in Moabit gegenüber. Kirchliche Einrichtungen und bürgerliche Vereine versuchten die sozialen Mißstände zu lindern. Die Arbeiterkolonie in der Reinickendorfer Straße und die Schrippenkirche in der Ackerstraße nahmen sich der Arbeits- und Obdachlosen an. Der Berliner Asylverein errichtete 1896 in der Wiesenstraße das Obdachlosenasyl “Wiesenburg”.
Der 1869 angelegte Volkspark Humboldthain sollte Ausgleich für die ungesunden Arbeits- und Wohnverhältnisse bieten.

1872 richtete man zur Bekämpfung von Seuchen in der Turmstraße ein Barackenlazarett ein, Vorläufer des Krankenhauses Moabit. 1906 wurde mit dem Rudolf-Virchow-Krankenhaus im Wedding das modernste Krankenhaus dieser Zeit eröffnet.

Wedding und Moabit waren jedoch nicht nur Orte sozialen Elends.
Entlang der Bad- und der Müllerstraße boten zahlreiche Gaststätten, Festsäle und Theater Vergnügungen an. Auch an der Turmstraße und in Alt-Moabit gab es zahlreiche Brauereischänken und Gesellschaftshäuser.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden neue Ansätze für ein sozial gerechteres Wohnen sichtbar.
Genossenschaftliche Wohnungsunternehmen errichteten neuartige und qualitativ hochwertigere Wohnanlagen.
Mit der Anlage des Schillerparks entstand 1909 eine weiterer großer Park im Wedding.

Weimarer Republik

Die Bildung der neuen Einheitsgemeinde Groß-Berlin 1920 änderte den kommunalen Aufbau Berlins.Aus 8 Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken entstanden 20 Verwaltungsbezirke.
Die “Goldenen Zwanziger Jahre” waren nur in kultureller Hinsicht eine glänzende Zeit – durch Inflation, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit gerieten viele Berliner in große Not.

Von allen Berliner Bezirken wies Wedding die höchste Arbeitslosigkeit auf.
Arbeitsbeschaffungsprogramme sollten die Lage wenigstens vorübergehend bessern. So legten Notstandsarbeiter 1928 den Volkspark Rehberge an – die dritte grüne Oase für den bevölkerungsreichen Berliner Norden. Der vorwiegend von Arbeitern bewohnte “Rote Wedding” entwickelte sich im Laufe der Weimarer Republik zur Hochburg der linken Parteien. Seit 1926 versuchte hier auch die NSDAP Fuß zu fassen, was in den folgenden Jahren zu erbitterten Kämpfen führte, die Dutzende Todesopfer forderten.

Soziale Konflikte gab es auch im Moabiter Beusselkiez , wo sich die Massenarmut in Mieterstreiks und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei äußerte.

Nationalsozialismus

Der frühere Bezirk Mitte war in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur Bühne für propagandistische Selbstdarstellungen des Regimes, aber ebenso wie Tiergarten und Wedding auch Tatort der Unterdrückung. Politisch und “rassisch” missliebige Beamte und Angestellte wurden aus dem Amt entfernt.

1936 wurde das Rathaus Tiergarten errichtet – ohne Saal für eine demokratisch gewählte Bezirksverordnetenversammlung, die von den Nationalsozialisten bereits vorher aufgelöst worden war. Viele Menschen, unter ihnen vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, bezahlten ihren Widerstand gegen das Regime mit Zuchthausstrafen, KZ-Haft oder ihrem Leben.

1940 begann nach Jahren zunehmender Diskriminierung die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde wie das Altenheim in der Großen Hamburger Straße, die Synagoge in der Moabiter Levetzowstraße oder das Jüdische Krankenhaus im Wedding wurden zu Sammellagern und Durchgangsstationen auf dem Weg in die Vernichtung. Bei Kriegsende hatten von etwa 40 000 jüdischen Einwohnern im heutigen Bezirksgebiet nur wenige hundert Menschen überlebt.

Bomben und Endkämpfe des Zweiten Weltkrieges verwandelten das Stadtzentrum in eine Trümmerlandschaft. Bei Kriegsende waren über zwei Drittel des Wohnraums zerstört, viele öffentliche Gebäude und Kultureinrichtungen vernichtet oder schwer beschädigt.

Relativ gut erhaltene Industrieanlagen wurden 1945 von den sowjetischen Besatzungstruppen, teils auch von westlichen Alliierten, demontiert.

Nachkriegszeit und Wiederaufbau

Der allmähliche Wiederaufbau vollzog sich in einer politisch gespaltenen Stadt, deren historischer Mittelpunkt nun im sowjetischen Sektor lag. Dort war kurz nach Etablierung der BRD im Westen die DDR gegründet worden, deren Einheitspartei SED nicht nur ideologisch einen neuen Aufbruch versprach. Das Bild der historischen Innenstadt änderte sich in den Nachkriegsjahrzehnten nachhaltig:
1950 wurde das beschädigte Schloss gesprengt, an seinem Standort errichtete man ein Vierteljahrhundert später den Palast der Republik.

In Tiergarten musste die durch Kriegszerstörung und Demontage darniederliegende Industrie auf die Produktion von Friedensgütern umgestellt werden. Nach der Trümmerbeseitigung setzte der Wohnungsbau ein, der 1957 einen Höhepunkt in der Errichtung des neuen Hansaviertels anläßlich einer Internationalen Bauausstellung fand.
Mit der Produktionsgenehmigung für Schering zu Beginn des Jahres 1946 begann im Wedding der industrielle Aufbau.

Die Berliner Mauer

Hinweistafel Verlauf Berliner Mauer
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Der wohl einschneidendste Akt in der Nachkriegsgeschichte Berlins war der Bau der Mauer im August 1961.

Durch sie wurden die Bezirke Mitte, Tiergarten und Wedding von ihren historisch gewachsenen Verbindungen abgeschnitten. In der Bernauer Straße, deren südliche Häuserfront die Grenze zum Bezirk Mitte bildete, gelang immer wieder Menschen in teils dramatischen Aktionen die Flucht. Andere bezahlten ihren Versuch, der Diktatur zu entkommen, mit ihrem Leben.

Der Mauerbau trennte nicht nur gewaltsam die Menschen, er traf auch das Wirtschaftsleben empfindlich:
Wie im Wedding gingen auch in Tiergarten viele Geschäfte, Kinos und Restaurants in den angrenzenden Gegenden zugrunde. Fast alle größeren Industrieunternehmen wanderten in westliche Bundesländer ab.

Der östliche Stadtbezirk Mitte wurde in der Folgezeit zum repräsentativen Zentrum der “Hauptstadt der DDR” ausgebaut. Rekonstruktion historischer Bausubstanz ging dabei andernorts einher mit großangelegten Umgestaltungen, denen ganze Straßenzüge zum Opfer fielen. Breite Verkehrsschneisen durchzogen nun die Stadt, der Alexanderplatz wurde auf die dreifache Fläche vergrößert, Fischerinsel und Leipziger Straße mit Hochhäusern bebaut.

Erst zur 750-Jahr-Feier Berlins versuchte man, sich wieder mehr an historischen Gegebenheiten zu orientieren. In einer Mischung aus nostalgischen Gebäudeformen und Betonplattentechnik wurde das Nikolaiviertel errichtet, heute eine der touristischen Hauptattraktionen.

Im Wedding wurde im Rahmen eines Sanierungsprogramms ein großer Teil der nicht im Krieg zerstörten Wohnhäuser abgerissen. Ab 1961 war das Gebiet an der Brunnenstraße als “Schaufenster des Westens” größtes Sanierungsgebiet Europas. Seit den siebziger Jahren war der Bezirk vom anhaltenden Verlust industrieller Arbeitsplätze besonders betroffen. Durch die Schließung der AEG-Werke hatte die Elektrobranche ihre führende Rolle in diesem Gebiet verloren. Neue Bedeutung gewann der Bezirk mit der 1971 eröffneten Technischen Fachhochschule Berlin an der Luxemburger Straße als Standort für Forschung und Lehre.

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung war auch in Tiergarten von einem großen Strukturwandel gekennzeichnet. Durch das Industriesterben gingen auch in den Tiergartener Gewerbegebieten Tausende Arbeitsplätze verloren.

Von gesamtstädtischer Bedeutung war nach dem Bau der Mauer die Errichtung des Kulturforums am Kemperplatz. Südlich des Tiergartens entstand nach einem städtebaulichen Konzept des Stadtplaners Hans Scharoun eine Reihe hochrangiger Kulturbauten:
Staatsbibliothek (West), Neue Nationalgalerie, Kunstgewerbemuseum und Philharmonie mit dem Kammermusiksaal. Nach dem Mauerfall folgten Kunstbibliothek und Gemäldegalerie.

Nach der Wende

Luftbild mit Potsdamer Platz und Großem Tiergarten
Potsdamer Platz mit dem Großen Tiergarten
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Die Wende und die folgende Vereinigung der beiden Stadthälften haben insbesondere den alten Bezirk Mitte erneut tiefgreifenden Veränderungen unterworfen.

Das Zusammenwachsen der Stadt wurde besonders sichtbar am Potsdamer Platz, der sich von einem staubigen “Wüstenfort” zu einem ebenso hochmodernen wie künstlichen Stadtquartier entwickelt hat.
Der Hauptstadtbeschluss veränderte die gesamte Stadtplanung und hat den drei ehemaligen Innenstadtbezirken auch viele
gesamtstaatliche Einrichtungen gebracht. Der Reichstag – nicht länger Provisorium der Nachkriegszeit – ist Tagungsort des Deutschen Bundestages. Bundesministerien haben ihren Sitz im neuen Bezirk Mitte, am Tiergarten haben sich erneut zahlreiche Botschaften niedergelassen.

Gewaltige Bauten bescherte der neuen Mitte auch die Verkehrsplanung
Der Tiergarten-Tunnel ist fertiggestellt, aus dem ehemaligen Lehrter (Kopf-) Bahnhof ist der neue Berliner Hauptbahnhof geworden – größter Kreuzungsbahnhof Europas. Die vormalig industriell geprägten Bezirke Tiergarten und Wedding haben sich von Produktions- zu Dienstleistungszentren gewandelt. Auch die Bevölkerungsstruktur hat sich geändert. In Tiergarten und Wedding sind rund 30 % der Bewohnerinnen und Bewohner ausländische Immigranten, die inzwischen in der dritten Generation hier arbeiten und leben. Im inzwischen chic gewordenen Ortsteil Alt-Mitte hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts über die Hälfte der Einwohnerschaft ausgetauscht.

Der Bezirk heute

Der seit 2001 bestehende Großbezirk Mitte von Berlin ist eine neue Größe in einer Stadt geworden, die im 21. Jahrhundert auch neue urbane Aufgaben zu bewältigen hat.
Dazu gehört es, die Bewohnerinnen und Bewohner “mitzunehmen” in eine neue Zeit, in der gerade angesichts der rasanten Entwicklung dem Verständnis der unmittelbaren Lebensumwelt, der lokalen Identität also, große Bedeutung zukommen wird.
Fragen an die Vergangenheit des eigenen Lebensumfeldes, also die Beschäftigung mit Geschichte “vor Ort”, kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten.