Internationaler Frauentag 2025

Wissenswertes aus der Gesundheitsberichterstattung

Am 08. März wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert. Aber was wissen wir eigentlich über Mädchen und Frauen im Bezirk Mitte? Anlässlich des Frauentages finden Sie nachfolgend eine Auswahl an Daten aus der amtlichen Statistik, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und aus bezirkseigenen Erhebungen zur gesundheitlichen und sozialen Lage von Mädchen und Frauen im Bezirk Mitte.

Mehr als 192.000 Frauen im Bezirk Mitte

Ende 2024 lebten im Bezirk Mitte insgesamt 192.462 Mädchen und Frauen. Das entspricht einem Anteil von 48,5% an der Gesamtbevölkerung. Frauen sind im Bezirk Mitte damit leicht unterrepräsentiert.

Unterteilt nach verschiedenen Altersgruppen sind 12% der weiblichen Bevölkerung unter 14 Jahre alt und somit noch im Kindesalter. 6% der weiblichen Bevölkerung fallen in das Alter der Jugendlichen und Heranwachsenden und sind zwischen 14 und 20 Jahre alt. 68% der Frauen sind zwischen 21 und 64 Jahre alt und somit im erwerbsfähigen Alter. Ältere Frauen ab 65 Jahren machen einen Anteil von 14,6% an der weiblichen Bevölkerung aus. Darunter sind 5% der Frauen bereits 80 Jahre oder älter und zählen somit zur Gruppe der hochaltrigen Frauen.

Je nach Lebensphase gewinnen im Kontext der Frauengesundheit unterschiedliche Themenfelder an Bedeutung. Während zunächst eine gesunde physische und psychische Entwicklung von Mädchen und jungen Frauen im Vordergrund stehen, werden im weiteren Verlauf Themen der reproduktiven Gesundheit, wie z.B. Menstruation, Verhütung, Schwangerschaft oder Geburt, relevant. An sie schließen sich die Wechseljahre als weitere wichtige Phase im Leben einer Frau an. Im erwerbsfähigen Alter stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein für die Frauengesundheit wichtiges Thema dar. Mit steigendem Lebensalter und einer immer höheren Lebenserwartung wird schließlich das gesunde und selbstbestimmte Älterwerden zunehmend wichtig.

80,4% der Alleinerziehenden in Mitte sind Frauen

Alleinerziehende stehen vor besonderen Herausforderungen bei der Alltagsbewältigung und haben aufgrund zahlreicher Mehrfachbelastungen, aber auch aufgrund einer häufig schlechteren sozioökonomischen Lage ein erhöhtes Risiko für körperliche und psychische Belastungen (Rattay et al. 2024). Im Bezirk Mitte leben insgesamt 14.419 Alleinerziehende. Davon sind 11.600 alleinerziehende Mütter, was einem Anteil von 80,4% entspricht.

Von allen Familienhaushalten im Bezirk entfällt etwa ein Fünftel (19,1%) auf alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern. Damit sind Mütter deutlich häufiger alleinerziehend als Väter, die 4,6% der Familien in Mitte ausmachen. Im Planungsraum Drontheimer Straße zeigt sich bezirksweit der höchste Anteil alleinerziehender Mütter. Hier besteht mehr als ein Viertel (25,4%) der Familien aus alleinerziehenden Müttern mit ihren Kindern. In den Planungsräumen Nordbahnhof und Heidestraße fällt der Anteil mit jeweils knapp 13% hingegen nur etwa halb so hoch und damit bezirksweit am geringsten aus.

Nur ein Drittel der Führungskräfte im Bezirk Mitte sind weiblich

Im Bezirk Mitte sind 86.320 Frauen erwerbstätig. Das entspricht einem Anteil von 46,3% an allen Erwerbstätigen im Bezirk. Obwohl damit nahezu die Hälfte der Erwerbstätigen in Mitte weiblich sind, sind Frauen, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, in der deutlichen Minderheit. Nur etwa jede dritte Führungskraft im Bezirk Mitte ist eine Frau (34%). Der Anteil weiblicher Führungskräfte fällt damit in Mitte nach Steglitz-Zehlendorf berlinweit am geringsten aus (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2024).

Im Vergleich zu Männern sind Frauen zudem häufiger in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt und dafür seltener selbstständig tätig (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2024). Frauen übernehmen darüber hinaus häufiger unbezahlte Aufgaben innerhalb der Familie, um z.B. Kinder zu betreuen, sich um den Haushalt zu kümmern oder pflegebedürftige Angehörige zu versorgen. Hierfür nehmen Frauen länger Elternzeit und reduzieren danach auch häufiger ihre Arbeitszeit. In Deutschland wird diese unbezahlte Sorgearbeit von Frauen etwa 1,5-mal so häufig erbracht wie von Männern (Schaeper et al. 2023). Auch beim Einkommen zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei Vollzeitbeschäftigung verdienen Berliner Männer im Schnitt 12% mehr als Berliner Frauen. Je höher das Lohnniveau, z.B. durch steigende Anforderungen oder bessere Qualifikationen, desto höher ist der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern (SenASGIVA 2022).

Gleich hohe Arbeitslosenquoten von Frauen und Männern im Bezirk

Im Januar 2025 waren insgesamt 13.192 Frauen in Mitte arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anteil von 44,8% an allen im Bezirk gemeldeten Arbeitslosen. Bezogen auf die weibliche Erwerbsbevölkerung ergibt sich bei den Frauen eine Arbeitslosenquote von 12,3% (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2025). Frauen sind damit genauso häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie Männer.

Bestimmte Herausforderungen im Kontext von Arbeitslosigkeit, wie z.B. als Alleinerziehende/r die alleinige Verantwortung für Kinder zu tragen oder nach der Familienphase den Wiedereinstieg in das Berufsleben zu schaffen (Berufsrückkehrende), treten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. So sind unter den arbeitslosen Alleinerziehenden in Mitte 90% Frauen. Arbeitslose Berufsrückkehrende sind zu 86% weiblich.

Frauen in Mitte bekommen durchschnittlich 1,2 Kinder

Im Bezirk Mitte lebende Frauen bekommen durchschnittlich 1,2 Kinder. Bei ihrer ersten Geburt sind Frauen aus Mitte durchschnittlich 31 Jahre alt. Frauen, die in der Bezirksregion Tiergarten Süd leben, bekommen bezirksweit im Durchschnitt die wenigsten Kinder (0,9 Kinder). Bei Frauen aus den Bezirksregionen Wedding Zentrum, Brunnenstraße Nord und Osloer Straße fällt die zusammengefasste Geburtenziffer mit 1,3 Kindern bezirksweit hingegen am höchsten aus.

Im Jahr 2023 wurden im Bezirk Mitte insgesamt 3.516 Kinder geboren, davon waren 1.745 Mädchen, was einem Anteil von 49,6% entspricht. Damit kamen im Jahr 2023 in Mitte nach Pankow die meisten Kinder zur Welt. Insgesamt ist in den vergangenen Jahren jedoch ein Geburtenrückgang zu beobachten. Im Vergleich zu 2022 kamen in Mitte 823 Kinder weniger zu Welt, das entspricht einem Rückgang von -19%. In den Bezirksregionen Alexanderplatz und Wedding Zentrum wurden innerhalb des Bezirks die meisten Kinder geboren. In der Bezirksregion Regierungsviertel war die Anzahl an neugeborenen Kindern am geringsten.

Ein in Mitte geborenes Mädchen lebt im Schnitt 83,4 Jahre

Im Zeitraum 2019/2021 im Bezirk Mitte geborene Mädchen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83,4 Jahren. Sie leben damit 5,4 Jahre länger als zur gleichen Zeit geborene Jungen. Gründe für eine höhere Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu Männern sind u.a. ein gesünderer Lebensstil, aber auch weniger gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen (Robert Koch-Institut 2023). In den letzten Jahren ist insgesamt ein Anstieg der Lebenserwartung zu beobachten. Bei zehn Jahren zuvor (2009/2011) geborenen Mädchen fiel die Lebenserwartung noch etwa 2 Jahre geringer aus und betrug 81,3 Jahre.

Mädchen mit geringeren Entwicklungsauffälligkeiten bei den Einschulungsuntersuchungen

Für das Schuljahr 2022/2023 wurden insgesamt 3.601 im Bezirk Mitte lebende Kinder vom bezirklichen Kinder- und Jugendgesundheitsdienst erstmals schulärztlich untersucht, davon waren 1.774 Mädchen. Im Ergebnis zeigt sich, das Mädchen im Vergleich zu Jungen seltener Auffälligkeiten bei der motorischen und kognitiven Entwicklung aufweisen. Auch Sprachdefizite sind bei Mädchen zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung geringer ausgeprägt als bei Jungen. In der Folge werden Mädchen seltener von der Schulpflicht zurückgestellt als Jungen.

Mädchen scheinen damit zunächst bessere Voraussetzungen für den Start in die Schule zu haben als Jungen. Beim Verlassen der Schule und den dabei erreichten Schulabschlüssen liegen Frauen und Männer in Mitte hingegen nahe beieinander. 69% der Frauen in Mitte mit einem Schulabschluss verfügen über Fach- oder Hochschulreife. Bei den Männern sind es mit 68% nahezu genauso viele (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2024).

Frauen leben gesünder als Männer

Bestimmte Verhaltensweisen können sich direkt auf die Gesundheit auswirken. Dazu zählen z.B. der Konsum von Tabak und Alkohol, das durch Ernährung und Bewegung beeinflusste Körpergewicht oder die Inanspruchnahme von Präventions- und Vorsorgeangeboten. Berliner Frauen zeigen dabei ein gesünderes Verhalten als Berliner Männer (SenASGIVA 2022).

Die eher gesundheitsförderliche Lebensweise von Frauen im Vergleich zu Männern bestätigen auch bezirkliche Daten zum Gesundheitsverhalten älterer Menschen. Ältere Frauen sind demnach häufiger normalgewichtig. Im Vergleich zu Männern geben sie zudem häufiger an, nie in ihrem Leben geraucht zu haben und keinen oder nur moderat Alkohol zu trinken. Auch in Bezug auf die Inanspruchnahme von Präventions- und Vorsorgeuntersuchungen verhalten sich Frauen gesundheitsbewusster als Männer. So zeigt die bezirkliche Befragung zur Gesundheit älterer Menschen, dass Frauen regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen (z.B. Krebs- und Zahnvorsorge) wahrnehmen, sich häufiger einem Gesundheits-Check-Up unterziehen und sich vermehrt impfen lassen (z.B. gegen Grippe).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufigste Todesursache bei Frauen im Bezirk Mitte

Von insgesamt 1.259 im Jahr 2023 in der Sterbestatistik erfassten weiblichen Todesfällen in Mitte verstarben die meisten aufgrund von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Sie waren für 31,6% der weiblichen Todesfälle verantwortlich. Frauen leiden dabei am häufigsten an der ischämischen Herzkrankheit, bei der sich Blutgefäße verengen und die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels behindert wird. Auch ein Schlaganfall, der zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn führt, ist bei Frauen eine häufige Diagnose innerhalb der Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Robert Koch-Institut 2023).

Zweithäufigste Todesursache bei im Bezirk Mitte lebenden Frauen sind bösartige Neubildungen (Krebserkrankungen), die für 24,1% der weiblichen Todesfälle verantwortlich sind. Krebs der Brustdrüse ist dabei mit Abstand die häufigste Krebsneuerkrankung bei Berliner Frauen. Es folgen Krebserkrankungen der Bronchien und der Lunge und des Darms (Klinisch-Epidemiologisches Krebsregister Brandenburg-Berlin 2024).

5% der weiblichen Todesfälle gehen auf unnatürliche Ursachen zurück, z.B. Unfälle, Verletzungen oder auch Suizid.

Fazit

Anlässlich des diesjährigen Frauentages erfolgte nur eine kleine Auswahl an verfügbaren Daten zur Frauengesundheit im Bezirk Mitte. Hinter den über 192.000 in Mitte lebenden Mädchen und Frauen stehen jedoch eine Vielzahl an individuellen Lebensformen und -realitäten, die im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Die aktuelle Datenlage kann dieser Heterogenität häufig nicht gerecht werden. So fehlt es beispielsweise an Daten zur Gesundheit lesbischer, queerer oder transgeschlechtlicher Frauen sowie intergeschlechtlicher Personen. Gleiches trifft auf Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrungen oder Frauen mit Behinderungen zu (Robert Koch-Institut 2023) – um nur einige der vielen Gruppen zu benennen. Auch in der Forschung und Wissenschaft, z.B. bei der Untersuchung frauenspezifischer Erkrankungen, zeigen sich viele Datenlücken. Diese „Gender-Data-Gap“ zu schließen, stellt aus Sicht der Gesundheitsberichterstattung eine ebenfalls wichtige Aufgabe im Kontext von Geschlechtergerechtigkeit dar.

Datenzusammenstellung als Faktenblatt zum Download

  • Internationaler Frauentag 2025. Wissenswertes aus der GBE

    PDF-Dokument (720.7 kB) - Stand: 03.2025, annähernd barrierefrei

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