Fischbestand im Engelbecken

nicht heimische Fische im Engelbecken

Fische im Engelbecken

Probebefischung

Das Berliner Fischereiamt hat am 18.05.2020 in Amtshilfe eine Fischbestandserfassung im Engelbecken vorgenommen. Auf Grundlage der Fangergebnisse wurde ein Fischbestand von rd. 1.350 kg Fischen ermittelt, also 1,35 Tonnen. Die Fischbestandsdichte liegt damit bei 1.520 kg pro Hektar. Das ist für ein nur ca. einen Meter tiefes Parkgewässer mit einer Größe von rd. 9.000 m² ein erheblicher Fischbestand. Normal (bzw. auch schon erhöht) wäre in vergleichbaren Gewässern ein Bestand zwischen 200-400 kg Fischen pro Hektar.

Der extrem hohe Fischbestand war vor allem durch das Aussetzen von Fischen und die stetige Fütterung entstanden. Ohne den Eintrag von Nährstoffen würde sich kein so hoher Fischbestand einstellen.

Die Ergebnisse der Probefischung des Fischereiamtes stehen hier zum Download bereit:

  • Ergebnisse der Probefischung im Engelbecken vom 18.05.2020

    PDF-Dokument (394.0 kB)
    Dokument: Fischereiamt Berlin

Bewertung des Fischbestandes

Die im Mai 2020 durchgeführte Fischbestandserfassung ergab sowohl ein Ungleichgewicht zwischen der Gewässergröße und der darin befindlichen Menge an Fischen als auch zwischen Räuber- und Beutefischen. Die heimischen Arten Plötze, Blei und Giebel dominierten.

Als nicht heimische Fische wurden Afrikanische Zwergwelse festgestellt, weiterhin Hybriden und Zierformen des Goldfisches aus China. Das fast vollständige Fehlen von Raubfischen entspricht nicht dem natürlicherweise zu erwartenden Zustand. Eigentlich sollte das Verhältnis bei 20-30 % Raubfischen gegenüber 70-80 % Beutefischen liegen.

Aufgrund dieser Ergebnisse sowie der laut den 2019 und 2020 durchgeführten Fachgutachten zur Gewässerqualität ermittelten extremen Phosphatbelastung wurde vom Umwelt- und Naturschutzamt die Durchführung einer Fischbestandsreduzierung verfolgt.

Die Ziele der Entnahme von Fischen waren:
  • über die Biomasse der Fische wird die im Gewässer vorhandene Nährstoffmenge reduziert, indem ein Teil des darin gebundenen Phosphats entnommen wird
  • durch Reduzierung zooplankton-fressender Friedfische kann sich der Bestand filtrierender Kleinkrebse erholen und deren Filterleistung gefördert werden
  • dies führt wiederum zur Verbesserung der Sichttiefe und der Wuchsbedingungen für Wasserpflanzen und Röhricht
  • durch Verringerung der am Gewässergrund „gründelnden“ Fische wird verhindert, dass diese im Sediment gebundene Nährstoffe zurück in den Kreislauf bringen

Am 9. März 2021 fand eine digitale Infoveranstaltung statt, an der neben dem Bezirksamt Mitte Vertreter*innen der Naturschutzverbände, der vor Ort engagierten Initiativen und Vereine sowie weitere Anlieger*innen teilnahmen. Gemeinsam wurde – teils auch kontrovers – über das Für und Wider einer Fischbestandsreduzierung diskutiert.

Nach fachlicher Abwägung der vorliegenden Informationen wurde die Maßnahme vom Bezirksamt Mitte als dringend erforderlich eingeschätzt, um zu einem verträglicheren ökologischen Gleichgewicht im Gewässer zu kommen und ein im Sommer drohendes Fischsterben zu verhindern. Das Fischereiamt Berlin wurde vom Bezirk um die Durchführung in Amtshilfe gebeten. Zu den Gründen für die Fischbestandsentnahme siehe auch die Pressemitteilung Nr. 085/2021 vom 12.03.2021).

1. Fischbestandsentnahme

Eine erste Fischbestandsentnahme wurde am 16.03.2021 durch das Berliner Fischereiamt im Engelbecken durchgeführt.

Bei der Durchführung der Befischung wurde darauf geachtet, dass weder die Schildkröten noch die Wasservögel zu Schaden kamen. Vertreterinnen und Vertreter des Umwelt- und Naturschutzamtes sowie die Stadtnatur-Rangerinnen waren vor Ort, um über die Ziele der Befischung aufzuklären. Bei der Maßnahme wurden die Vorgaben des Tierschutz- und Fischereirechts eingehalten. Die Tötung von Fischen erfolgte fachgerecht durch Mitarbeitende des Fischereiamtes, die den erforderlichen Sachkundenachweis besitzen.

Bedauerlicherweise konnten bei der Maßnahme im März 2021 nicht so viele Fische entnommen werden wie geplant. Da sich die Fische aufgrund der mit 6°C noch sehr geringen Wassertemperatur überwiegend unten am Gewässergrund aufgehalten hatten, konnten sie mit dem Elektrofischereigerät nicht entnommen werden. Bei wärmeren Wassertemperaturen ist diese Methode erfolgreicher; allerdings musste der frühe Termin für die Maßnahme gewählt werden, bevor die Fische mit dem Laichen beginnen.

Am 16.03.2021 wurden somit 98 kg Fische im Engelbecken gefangen, wobei zwei Zander mit 10 kg lebend wieder zurückgesetzt wurden. Also wurden 88 Kilo Fische entnommen.

Gefangene Fische März 2021

  • 1 Butterfly-Koi (50 cm)

    2 kg

  • kleine Plötzen

    0,5 kg
  • kleine Bleie

    2,5 kg

  • Giebel 20-30 cm (natur+rot)

    73 kg

  • 1 Schuppenkarpfen (90 cm)

    10 kg

  • 2 Zander (80-90 cm)

    10 kg – lebend wieder ins Gewässer zurückgesetzt

  • Gesamt

    98 kg

Mit dem Stellnetz wurden ca. drei Viertel der Fische und mit dem Elektrofischereigerät ca. ein Viertel gefangen. Aufgrund der bei der kalten Wassertemperatur überwiegenden Entnahme mit dem Netz wurden eher wenige größere Exemplare entnommen, während bei der ersten Erfassung im Mai 2020 mehr kleine Fische (sehr viele Plötzen) festgestellt wurden.

Insbesondere größere Giebel scheinen im Engelbecken sehr dominant zu sein. Bemerkenswert ist der große Anteil an nicht heimischen Fischen, offensichtliche “Gartenteichfische” aus dem Baumarkt (auch der Schuppenkarpfen zählt dazu), die verantwortungslos im Engelbecken ausgesetzt worden sind.

Raubfischeinsatz

Um die Balance zwischen Fried- und Raubfischen im Engelbecken zu verbessern, natürliche Nahrungsketten herzustellen und die Selbstregulierung des Fischbestandes in die Wege zu leiten, hat das Berliner Fischereiamt am 26.03.2021 acht adulte Hechte in das Engelbecken gesetzt (Größe siehe unten). Angestrebt wird ein Raubfisch-Anteil von 20 bis 30 Prozent.

Im März 2021 eingesetzte Hechte:

  • 1 x

    52 cm

  • 1 x

    62 cm

  • 1 x

    78 cm

  • 1 x

    83 cm

  • 2 x

    90 cm

  • 1 x

    92 cm

  • 1 x

    96 cm

2. Fischbestandsentnahme und Ausblick

Am 20.10.2022 fand die zweite planmäßige Befischung des Engelbeckens statt (Pressemitteilung Nr. 281/2022 vom 17.10.2022 siehe hier). Die Pressemitteilung Nr. 291/2022 vom 21.10.2022 zur Bilanz der Fischentnahme ist hier zu finden.

Das Fischereiamt Berlin hat bei einer günstigen Wassertemperatur von 12,3 °C u.a. Plötzen, Giebel, Bleie, Hechte, Flussbarsche, Gründlinge und Güster gefangen. Die Raubfischarten Hecht und Flussbarsch wurden direkt nach dem Fang wieder ins Engelbecken zurückgesetzt. Die zwei Exemplare der ganzjährig geschützten Fischart Gründling wurden in ein anderes Gewässer umgesiedelt. Insgesamt wurden 146 Weißfische entnommen (rund 5 kg). Die Fangmenge blieb deutlich unter dem erwartetem Wert.

Kormoran am Engelbecken

Kormoran im Engelbecken

Es ist somit erfreulicherweise festzustellen, dass der Fischbestand im Engelbecken ein verträgliches Maß erreicht hat. Die in der Vergangenheit durchgeführten Maßnahmen wie die erste Reduktionsfischung im März 2021 zeigen offenbar Erfolg. Die damals zahlreich gefangenen größeren Giebel konnten in ihrem Bestand deutlich reduziert werden. Die eingesetzten Raubfische (Hechte) haben ebenfalls zur Minimierung beigetragen. Die gesichteten Exemplare schienen gut genährt zu sein.

Weitere Gäste sorgen für eine stetige Reduktion des Fischbestandes. Am Engelbecken tummeln sich zunehmend mehr Kormorane, auf deren Speiseplan ausschließlich Fisch steht. Bis zu 500 Gramm Fisch verspeist ein Kormoran täglich; karpfenartige Fische wie der Giebel werden bis zu einer Länge von ca. 35-40 cm von den Vögeln gefressen.

Alles in allem ist festzustellen, dass vorerst keine weiteren fischereilichen Maßnahmen stattfinden müssen. Das Bezirksamt Mitte und das Fischereiamt Berlin sind auf einem guten Weg, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen und das Engelbecken langfristig zu erhalten. Ziel wird es auch in Zukunft sein, einen verträglichen Fischbestand zu etablieren, das Gewässer vor einem Umkippen und einem Fischsterben zu bewahren sowie als Lebensraum zu erhalten. In einem nächsten Schritt soll das Problem der Nährstoffbelastung angegangen werden.

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