Mahnmal Gleis 17:
Deportationszüge starteten neben dem Bahnhof Grunewald auch vom Güterbahnhof Moabit und vom Anhalter Bahnhof.
Der erste Deportationszug vom Bahnhof Grunewald fuhr am 18. Oktober 1941 mit 1013 Juden nach Litzmannstadt (heute: Łódź). Mit diesem Tag begann die systematische Deportation der Juden aus Berlin. Bis April 1942 fuhren die Züge hauptsächlich in die osteuropäischen Ghettos nach Litzmannstadt, Riga und Warschau. Ab Ende 1942 waren fast nur noch in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und das Konzentrationslager Theresienstadt Fahrtziel. Allein in die “Todesfabrik Auschwitz” fuhren vom Bahnhof Grunewald etwa 35 Züge mit insgesamt rund 17.000 Juden ab. Der letzte Zug fuhr von hier aus am 5. Januar 1945 nach Sachsenhausen.
Die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Holocaust blieb in der Nachkriegszeit lange unbeachtet.
Erst Mitte der 90er-Jahre führte die Deutsche Bahn AG einen begrenzten Wettbewerb für die Errichtung eines zentralen Mahnmals durch, das an die Rolle der Reichsbahn unter der nationalsozialistischen Diktatur erinnern sollte. Ausgewählt wurde ein Entwurf des Architektenteams Nicolaus Hirsch, Wolfgang Lorch und Andrea Wandel, das am 27. Januar 1998 eingeweiht wurde. Beidseits des Gleises 17, von dem die meisten Deportationszüge abfuhren, wurden 186 gusseiserne Platten verlegt. An den so entstandenen “Bahnsteigkanten” dieser Platten sind in chronologischer Folge alle Fahrten von Berlin mit Anzahl der Deportierten und dem Zielort dokumentiert. Zunächst bescheiden im Äußeren, beeindruckt es den Besucher beim Betreten der Eisengussplatten durch seine weitläufige Dimension, die sich beim Begehen erschließt. Beim Abschreiten der Gleise wird wirklich begreifbar, wie viele Transporte und wie viele jüdische Männer, Frauen und Kinder es gewesen sind. Durch dieses Begreifen wird ein
emotionaler Zugang zu den Opfern ermöglicht. Die Vegetation, die sich im Lauf der Jahre einen Teil des Gleises erobert hat, ist als Symbol dafür, dass nie wieder ein Zug von diesem Gleis abfahren wird, in das Mahnmal einbezogen worden. Das Mahnmal Gleis 17 bildet in der Erscheinung einen Kontrapunkt zum Denkmal für die ermordeten Juden Eu-ropas. Im Gegensatz zu dem großen Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor ist der Bahnhof Grunewald ein authentischer Ort, der mit dem tatsächlichen historischen Geschehen des Holocaust in Verbindung steht.