23. August 2025
Als das Tuch das neue Straßenschild “Anton-Wilhelm-Amo-Straße” freigibt, bricht Jubel aus. Hunderte Menschen waren gekommen, um die Umbenennung der Mohrenstraße zu feiern. Viele von Ihnen, darunter zahlreiche Vertreter*innen der afrikanischen Community in Berlin, hatten jahrelang für den neuen Straßennamen gekämpft. Der Begriff “Mohr” ist aus ihrer Sicht rassistisch und diskriminierend.
Ab sofort ehrt die Straße zwischen Hausvogteiplatz und Wilhelmstraße Anton Wilhelm Amo, den ersten afrikanischstämmigen Gelehrten an einer preußischen Universität. Er wurde Anfang des 18. Jahrhunderts im heutigen Ghana geboren und als Kind nach Europa gebracht. Dort studierte er Philosophie und Rechtswissenschaft.
Seine Geschichte stehe für eine antikoloniale Erinnerungskultur und eine neue Geschichtsschreibung, hieß es bei der Umbenennungsfeier am 23. August. An diesem Tag wird seit 1998 an die Opfer des Sklavenhandels und die Abschaffung der Sklaverei erinnert.
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger bedauerte in ihre Rede, dass die Gegner der Umbenennung diese bis zur letzten Minute verhindern wollten. Am 21. August legten sie vor dem Verwaltungsgericht Berlin Rechtsmittel gegen den Vollzug der Umbenennung ein. Diesem gab das Gericht statt. Nach einer Beschwerde des Bezirksamts Mitte am nächsten Tag, wies das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) dies zurück.
Erst wenige Stunden vor Beginn der feierlichen Umbenennung herrschte somit Klarheit. Remlinger dankte allen, die sich für die Umbenennung der Straße eingesetzt haben. Den Gegnern bot sie an: “Lassen Sie uns gerne diskutieren, ich bin bereit zum Gespräch.” Die Entscheidung, die Straße umzubenennen sei demokratisch beschlossen worden, rechtmäßig und ohne Willkür getroffen. Der neue Straßenname passe in einen Bezirk, in dem Menschen aus 191 Nationen friedlich, gewaltfrei, wertschätzend und respektvoll miteinander leben.
Im August 2020 hatte die Bezirksverhandlung beschlossen, die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umzubenennen. Mehrere Anwohner klagten dagegen. Diese Klage wies das Verwaltungsgericht Berlin 2023 ab. Nachdem die Gegner Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegten, entschied das OVG am 9. Juli 2025, dass die Umbenennung rechtmäßig sei. Im Dezember 2025 wird die BVG den U-Bahnhof Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenennen.