Stolperstein Gasteiner Straße 11

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Hausansicht Gasteiner Str. 11
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde am 9.4.2009 verlegt.

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Stolperstein für Georg Oppel
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
GEORG OPPEL
JG. 1875
VERHAFTET MÄRZ 1933
COLUMBIAHAUS
GEFOLTERT VON SA
TOT AN FOLGEN
17.4.1936

Georg Oppel wurde am 10. Februar 1875 in Schlochau (Człuchów, Westpreußen) geboren.
Er war kaufmännischer Angestellter, stammte aus einer jüdischen Familie und war bereits SPD-Mitglied, als er 1919 im Bezirksamt Wilmersdorf zu arbeiten begann. 1920 wurde er in die Bezirksversammlung Wilmersdorf und von ihr 1921 zum besoldeten Stadtrat gewählt. Im Rahmen der Preußischen Abbauverordnung strich die BV Wilmersdorf, in der die Bürgerlichen die Mehrheit hatten, 1924 seine Stelle und versetzte ihn in den einstweiligen Ruhestand. 1925/265 war er Stadtverordneter im Wahlkreis Wilmersdorf. 1926 und 1930 wählte ihn die BV Wilmersdorf zum unbesoldeten Bezirksstadtrat.

1928 wurde Georg Oppel Kommissarischer und später Ordentlicher Direktor des Arbeitsamts Berlin-Ost. Bei den vorgezogenen Neuwahlen 1933 wurde er wieder in die BV Wilmersdorf gewählt. Nach dem SPD-Verbot vom Juni und der Verordnung zur Sicherheit der Staatsführung vom Juli 1933 wurde ihm das Mandat entzogen und die Tätigkeit als Bezirksverordneter verboten. Oppel war bereits Ende März 1933 von der SA verhaftet und im Tempelhofer Gestapo-Gefängnis Columbia-Haus in Tempelhof misshandelt worden. Noch vor Ablauf seiner Amtszeit als unbesoldeter Stadtrat beurlaubte ihn das Bezirksamt Wilmersdorf mit dem Vermerk „Jude, Sozialdemokrat“.

Am 30. Juni 1933 wurde ihm von der Reichsanstalt für Arbeit gekündigt. Im August 1933 wurde diese Kündigung in eine fristlose Entlassung als Arbeitsamtsdirektor umgewandelt. Nach seiner Haftentlassung war er arbeitsunfähig. Ruhestandsbezüge wurden ihm zunächst verweigert, später erhielt er eine „jederzeit widerrufliche“ Rente von 99 Reichsmark im Monat. Am 16. März 1936 starb er in Berlin an den Folgen der Misshandlungen während der Haft.

Seine Witwe Olga Oppel erhielt ein Jahr lang keine Rente und dann einen Betrag von 55 Reichsmark im Monat. Der Sohn Adolf war 1933 aus dem Justizdienst entlassen worden, die Tochter Liselotte verlor durch die Auflösung der Gewerkschaften ihre Arbeit. 1942 wurde sie verhaftet und deportiert. Olga Oppel erhielt 1943 die letzte Nachricht von ihrer Tochter aus dem Gefängnis von Riga.
Olga Oppel schrieb 1952:

Mein Ehemann wurde am 29. III. 1933 zusammen mit einer Reihe anderer Angestellter von dem Lichtenberger SA-Sturm aus seinem Dienstgebäude des Arbeitsamts Berlin Ost, Boxhagenerstr., unter den damals üblichen Umständen abgeholt und wurde in das Columbia-Haus gebracht. […] Nach den späteren Angaben meines Ehemannes, die durch die sichtbaren Verletzungen bestätigt wurden, ist mein Ehemann über einen Bock gelegt worden und mit Peitschen und Latten geschlagen worden. Von diesen Mißhandlungen hat mein Ehemann schweren Schaden an den Nieren erlitten, daß er für die Zukunft arbeitsunfähig wurde. […] Auch eine vorgenommene Operation brachte keine Heilung.

Biografische Zusammenstellung: Verein Aktives Museum e. V.

Dieser Stolperstein ist Teil einer Gruppe von 8 Stolpersteinen, die auf Initiative des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. von Erika Albers, Ursula und Winfried Büchau, Myriam von Oppen, Monica und Oliver Puginier, Monika Richarz, Ingrid Schmidt und André Schmitz gespendet und am 9.4.2009 verlegt wurden. Mit diesen Stolpersteinen wird an Berliner Stadtverordnete erinnert: