Stolperstein Ludwigkirchstraße 11a

Bildvergrößerung: Hausansicht Ludwigkirchstr. 11A
Hausansicht Ludwigkirchstr. 11A
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde am 9.4.2009 verlegt.

Link zu: Stolperstein für Rudolf Perl
Stolperstein für Rudolf Perl
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
RUDOLF PERL
JG. 1907
VERHAFTET 1933
FLUCHT 1934 SPANIEN
FLUCHT IN DEN TOD<
6.7.1934

Rudolf Perl wurde am 6. Januar 1907 in Berlin geboren. Er war Sohn eines jüdischen Arztes, absolvierte eine Banklehre und eine Ausbildung zum Fürsorger.

1930 wurde Rudolf Perl in einer Klinik in Nordhausen angestellt. Im Mai 1932 heiratete er Ruth Rothschild, im Herbst 1932 kehrte er nach Berlin zurück. Er trat aus der Jüdischen Gemeinde aus und wurde Mitglied der KPD.

Bei den vorgezogenen Neuwahlen 1933 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. Wie allen Kommunisten wurde ihm noch vor der ersten Sitzung das Mandat entzogen, indem er von der neuen Versammlung ausgeschlossen wurde. Ende April 1933 wurde Rudolf Perl festgenommen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt mit Verdacht auf Paratyphus krank und bettlägerig war. Bis Mitte Juni 1933 war er in Haft.

Im November 1933 floh er mit seiner Frau über die Tschechoslowakei, Österreich und Frankreich in die Schweiz. Da beide keine gültigen Pässe besaßen, wurden sie überall nach kurzer Zeit wieder ausgewiesen. Völlig mittellos erreichten sie 1934 Spanien. Ruth Perl fand Arbeit auf der Insel Ibiza, ihr Mann blieb in Barcelona zurück und nahm sich am 6. Juli 1934 das Leben.

Dies schrieb seine Frau Ruth 1956:

Es war sein Abschiedsbrief, worin er mir erklärte, dass er infolge der Unmöglichkeit, irgendwelche Arbeit zu finden, weil er keine Arbeitserlaubnis in Barcelona erhalten konnte, und wegen seiner durch seine Erkrankung völlige Arbeitsunfähigkeit seine Lage als so hoffnungslos und verzweifelt erkenne, dass er keinen anderen Ausweg mehr sehe, als aus dem Leben zu scheiden.

Ruth Perl wanderte 1935 nach Palästina ein, wo ihre Schwester in einem Kibbuz lebte. Später heiratete sie wieder, hieß Ruth Wagner und lebte 1956 in Haifa. Von dort stellte sie in Berlin einen Antrag auf Entschädigung.

Biografische Zusammenstellung: Verein Aktives Museum e. V.

Dieser Stolperstein ist Teil einer Gruppe von 8 Stolpersteinen, die auf Initiative des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. von Erika Albers, Ursula und Winfried Büchau, Myriam von Oppen, Monica und Oliver Puginier, Monika Richarz, Ingrid Schmidt und André Schmitz gespendet und am 9.4.2009 verlegt wurden. Mit diesen Stolpersteinen wird an Berliner Stadtverordnete erinnert: