SFZ-Buchrezension: Kinder stärken mit dem "Haus der Schulfähigkeit" - Lernen in Spiel und Bewegung.

Bauschke, Julia; Hanstein, Sabine (2025): Kinder stärken mit dem „Haus der Schulfähigkeit“ – Spielesammlung. Lernen in Spiel und Bewegung.

www.haus-der-schulfaehigkeit.de, 160 Seiten

Bauschke, Hanstein

Dr. Gesina Volkmann schreibt:

Die Spielesammlung richtet sich an pädagogische Fachkräfte, die Kinder im letzten Jahr vor der Schule betreuen und sie mit Spielen und Bewegung optimal auf die Schule vorbereiten wollen.

Das Buch orientiert sich am Haus der Schulfähigkeit, ein Modell, das die Basisfähigkeiten und Kompetenzen für einen gelungenen Schulstart abbildet. Das Haus besteht aus 12 Bausteinen, die aufeinander aufbauen und gemeinsam die Basis für das Lernen in der Schule bilden. Es wird von unten nach oben aufgebaut. Kein Baustein darf fehlen, denn jede Lücke würde das Haus zum Einsturz bringen. Jeder Baustein bekommt in der Spielesammlung ein eigenes Kapitel:

1. Gleichgewicht
2. Tiefensensibilität
3. Berührungswahrnehmung
4. Körperschema & Tonus
5. Visuelle Wahrnehmung
6. Auditive Wahrnehmung
7. Raumorientierung
8. Sprache und Gedächtnis
9. Aufmerksamkeit und Selbstregulation
10. Soziale und emotionale Fähigkeiten
11. Phonologische Bewusstheit
12. Mathematische Grundkompetenzen

Die Autorinnen ergänzen mit diesem Buch ihr Vorschulprogramm Segel setzen, Leinen los! Auf Piratenreise im letzten Kitajahr. Ziel des Buches ist es, den pädagogischen Fachkräften eine gut strukturierte Spielesammlung zur Verfügung zu stellen, die nicht nur schnell die richtigen Spielangebote und Impulse für das letzte Jahr in der Kita bereithält, sondern auch das nötige Hintergrundwissen.

Jedes Kapitel erklärt eingangs kurz und anschaulich die Bedeutung der jeweiligen Fähigkeit für die Schulfähigkeit und die Gesamtentwicklung des Kindes. Dann werden einige ganzseitige Spiele vorgestellt, die jeweils in die drei Abschnitte „Du brauchst …“ „Und so geht’s“ und „Das steckt drin“ gegliedert sind. Anschließend findet man ca. ein Dutzend Spiele, die mit einer Zeichnung und wenigen Sätzen erklärt sind und zwei Listen mit passenden „Spiele-Klassikern“ und „Spielen aus dem Handel“, die jeder Fachkraft sicher bekannt sind und in vielen Kitas vorhanden. Ergänzt werden die Spielanleitungen durch kurze Texte, die auf Verhaltensweisen von Kindern aufmerksam machen, die mit der jeweils beschriebenen Teilfähigkeit Schwierigkeiten haben. So bekommt man Tipps, wie man die Kinder bei der Bewältigung und Weiterentwicklung unterstützen kann. Im Anhang findet man die Spiele nach weiteren Kriterien sortiert, zum Beispiel nach dem für die Spiele benötigten Material. Das Buch wird durch Links zu Kopiervorlagen sowie zu weiterführenden Tipps und Spielideen aus anderen Titeln der Autorinnen ergänzt.

Viele der Spiele lassen sich ohne Material, mit einfachsten Mittel, wie Kreppband oder Kreidemarkierungen auf dem Boden oder mit üblichem Kindergarteninventar spielen. Für einige Spiele gibt es Kopiervorlagen. Man braucht also keine teuren fertigen Materialien, sondern „nur“ die Spielidee und schon kann man die Kinder mit pädagogischem Handeln und Sprache in ihrer Entwicklung fördern und begleiten. In allen Spielen steckt viel Bewegung. Man merkt der Sammlung an, dass es sich um vielfach in der Praxis erprobte Spiele handelt.

Manche der Teilfertigkeiten im Haus der Schulfähigkeit sind sicherlich allen pädagogischen Fachkräften bewusst. Klar muss man Sprache und Gedächtnis, soziale und emotionale Fähigkeiten sowie phonologische Bewusstheit und mathematische Grundkompetenzen bei Vorschulkindern stärken. Was aber tun, wenn das nicht gelingt, weil die Basis für die Teilfertigkeiten fehlt? Hier hilft das Buch weiter: Die Basis des Hauses bildet Gleichgewicht, Tiefensensibilität und Berührungswahrnehmung. Das Gleichgewicht hat direkten Einfluss auf die Aufmerksamkeit. Nur ein Kind, was den Kopf und den Körper in sicherem Gleichgewicht halten kann, hat Ressourcen frei, dem Unterrichtsstoff zu folgen. Die Tiefensensibilität liefert uns Informationen aus der Tiefe unseres eigenen Körpers: in welcher Position stehen die Gelenke zueinander, wie stark sind welche Muskeln angespannt. Das ist wichtig, um gezielte feinmotorische Bewegungen auszuführen. Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan und liefert Informationen über Berührungen. Auf der Basis dieser drei Fähigkeiten kann sich die vierte Fähigkeit, „Körperschema und Tonus“ entwickeln: die Vorstellung von unserem eigenen Körper, wo ist oben und unten, vorne und hinten, links und rechts. Erst wenn ich diese Informationen sicher am eigenen Körper auch in Form von Körperspannung erfahre, kann ich es auch auf meine Umgebung übertragen. Die nächste Etage des Hauses bilden die visuelle und die auditive Wahrnehmung. Die Auge-Hand-Koordination ist eine wichtige Grundlage für das Schreiben. Figur-Grundwahrnehmung ist nicht nur beim Sehen wichtig, auch beim Hören müssen wir Hintergrundgeräusche ausblenden, um uns auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Erst danach können sich die oberen Stockwerke, die Raumorientierung, Sprache und Gedächtnis sowie die Aufmerksamkeit und Selbstregulation entwickeln, bis hin zu den abstrakteren Fähigkeiten, wie das Nachdenken über Sprache in Form vom Phonologischer Bewusstheit und das Nachdenken über Mengen als mathematische Grundkompetenzen.

Je höher man im Haus der Schulfähigkeit kommt, umso komplexer sind die Spiele. Deshalb empfiehlt es sich immer wieder durch Beobachtung herauszufinden, ob die Kinder über die entsprechenden Vorläuferfähigkeiten schon verfügen oder erst daran arbeiten. Vielfach ist es besser, gezielt Spiele aus den vorherigen Kapiteln, bzw. den Sockeletagen anzubieten und somit wirklich alle Bausteine und ihre Teilfähigkeiten zu stärken.

Die Spielesammlung passt sehr gut zu dem am Sprachförderzentrum Berlin-Mitte vertretenen Konzept der aufbauenden Sprache. Der im Buch beschriebene Baustein „Sprache und Gedächtnis“ setzt nämlich einen Wortschatz und eine Sprachfähigkeit voraus, die leider bei vielen Kindern im Vorschulalter noch nicht gegeben ist. Auch bei Spielen in den unteren Etagen, wird einiges an Wortschatz vorausgesetzt, der unserer Erfahrung nach bei vielen Kindern am Übergang Kita-Grundschule noch nicht gegeben ist. Das Prinzip der aufbauenden Sprache zeigt, wie man den Sprachstand der Kinder beim Spielen einschätzt und fördert. Kombiniert man beide Ansätze wird man auch den sprachschwachen Kindern gerecht. Die Spielesammlung ist nicht nur für Kindern im Jahr vor der Schule geeignet, sondern auch für die ergänzende Förderung und Betreuung in der Schule.

Das Buch steht in der SFZ-Präsenzbibliothek zur Einsichtnahme bereit.

Weiteres zum Haus der Schulfähigkeit und der dazu empfohlenen Elternarbeit kann hier nachgelesen werden.