Hier finden Sie Daten zur gesundheitlichen Lage der Bevölkerung in Berlin-Mitte, wie z.B. Daten zu Geburten- und Sterbefällen, zur Lebenserwartung, zu Todesursachen oder Krankenhausdiagnosen. Die Daten werden in Form von interaktiven Karten und Tabellen dargestellt. Um die Daten abrufen zu können, fahren Sie mit der Maus über die Karte, bis ein Informationskasten erscheint. Methodische Hinweise und weitere Informationen zu den aufgeführten Merkmalen finden Sie am Ende der Seite.
Einen generellen Überblick über die gesundheitliche und soziale Lage der Berliner Bevölkerung gibt der Gesundheits- und Sozialstrukturatlas, der aus insgesamt 20 Indikatoren aus den Bereichen Erwerbsleben, soziale Lage und Gesundheit einen übergreifenden Gesundheits- und Sozialindex ableitet.
Demnach weist die Bevölkerung in Berlin-Mitte eine eher ungünstige Gesundheits- und Sozialstruktur auf und belegt im Bezirksvergleich den 10. Rang vor Spandau und Neukölln. Im Vergleich zum Jahr 2013 zeichnet sich jedoch eine positive Entwicklung ab. 2013 nahm Mitte im Bezirksranking noch den letzten Platz ein und verbesserte sich 2022 somit um zwei Rangplätze.
Auf kleinräumiger Ebene belegt der Planungsraum Nördlicher Landwehrkanal im bezirksinternen Vergleich den ersten Rang mit der günstigsten Gesundheits- und Sozialstruktur. Anzumerken ist hier jedoch, dass dieser Planungsraum vergleichsweise dünn besiedelt ist. Es folgen auf Rang zwei und drei die Planungsräume Unter den Linden Süd und Arkonaplatz. Insgesamt zeigt sich besonders im Prognoseraum Zentrum eine günstige Gesundheits- und Sozialstruktur, während Planungsräume im Gesundbrunnen, in Wedding und Teilen Moabits gesundheitlich und sozial stärker belastet sind. Insbesondere die Planungsräume Beusselkiez und Zillesiedlung, aber auch Leopoldplatz und Humboldthain Nordwest stellen Regionen mit hoher gesundheitlicher und sozialer Benachteiligung dar.
In Berlin-Mitte wurden im Jahr 2024 berlinweit erstmals die meisten Kinder geboren. In den Jahren zuvor rangierte Mitte noch hinter Pankow auf Rang zwei der geburtenstärksten Bezirke. Gleichzeitig starben in Mitte nach Friedrichshain-Kreuzberg die wenigsten Menschen. Insgesamt zeigt sich in Mitte damit ein Geburtenüberschuss, während sich in 9 der 12 Berliner Bezirke ein Geburtendefizit mit mehr Sterbefällen als Geburten ergab. Unter den Neugeborenen waren im Jahr 2023 in Mitte etwas mehr Jungen als Mädchen. Ebenfalls verstarben mehr Männer als Frauen. Knapp 80% der Sterbefälle waren 65 Jahre oder älter.
Im Zeitverlauf ist in Mitte nach einem zuletzt rückläufigen Trend 2024 wieder eine Zunahme an Geburten zu beobachten. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 208 Kinder mehr geboren. Das entspricht einer Zunahme von 8%. Jedoch haben sich auch die Sterbefälle 2024 im Vergleich zum Vorjahr erhöht (+5%).
Kleinräumig betrachtet wurden in den Planungsräumen Arkonaplatz, Humboldthain Nordwest und Heidestraße im Jahr 2024 die meisten Kinder geboren. Die wenigsten Kinder kamen in den Planungsräumen Unter den Linden, Zillesiedlung und Wilhelmstraße zur Welt, die aber auch zu den eher dünner besiedelten Planungsräumen im Bezirk zählen. In den Planungsräumen Wilhelmstraße und Unter den Linden wurden ebenfalls die wenigsten Sterbefälle gemeldet. Die meisten Sterbefälle ereigneten sich in den Planungsräumen Humboldthain Süd und Afrikanische Straße. Insgesamt gab es im Planungsraum Heidestraße den stärksten Geburtenüberschuss. Der höchste Sterbeüberschuss war in den Planungsräumen Londoner Straße und Humboldthain Süd zu verzeichnen.
Die mittlere Lebenserwartung bei Geburt ist einer der wichtigsten Indikatoren zur Einschätzung der gesundheitlichen Lage einer Bevölkerung. Mithilfe der für die Berechnung der Lebenserwartung betrachteten Sterblichkeitsverhältnisse können die Lebensverhältnisse einer Bevölkerung abgebildet und Rückschlüsse auf sozioökonomische Rahmenbedingungen, Lebensstile, aber auch die gesundheitliche Versorgung im betrachteten Zeitraum gezogen werden (Diskussionspapier Präventionsindikatoren 2021).
Im Zeitraum 2019/2021 lag die mittlere Lebenserwartung bei in Berlin-Mitte geborenen Mädchen bei 83,4 Jahren. Sie fällt damit 1,4 Jahre geringer aus als in Treptow-Köpenick, wo sich im Bezirksvergleich die höchste Lebenserwartung für Mädchen bzw. Frauen zeigt. Im selben Zeitraum in Mitte geborene Jungen weisen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,0 Jahren auf. Im Vergleich zu Steglitz-Zehlendorf, dem Bezirk mit der höchsten männlichen Lebenserwartung, leben in Mitte geborene Jungen im Schnitt 2,6 Jahre weniger.
Die Lebenserwartung fällt bei in Berlin-Mitte geborenen Mädchen 5,4 Jahre höher aus als bei in Mitte geborenen Jungen. Die Geschlechtsunterschiede sind dabei in den letzten Jahren konstant geblieben. Kleinräumige Daten zur Lebenserwartung liegen nicht vor.
Neben der Lebenserwartung gilt die Säuglingssterblichkeit als wichtiger Indikator zur Beschreibung der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung. Mithilfe der Säuglingssterblichkeit können die Lebensverhältnisse abgebildet werden sowie Einschätzungen zur gesundheitlichen Betreuung und Versorgung von Schwangeren und ihren neugeborenen Kindern getroffen werden (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2011).
Von 1.000 Lebendgeborenen starben im Zeitraum 2017/19 in Berlin-Mitte 2,8 Kinder vor Vollendung des ersten Lebensjahres. Im Bezirksvergleich platziert sich Mitte damit im Mittelfeld.
Im Zeitvergleich ist die Säuglingssterblichkeit in Berlin-Mitte, wie auch in Berlin insgesamt, langfristig rückläufig. Nach einem Anstieg der Säuglingssterblichkeit im Bezirk Mitte zu Beginn der 2000er Jahre hat sie sich von 5,7 verstorbenen Säuglingen pro 100.000 Lebendgeborene im Zeitraum 2002/04 auf 2,8 verstorbene Säuglinge pro 100.000 Lebendgeborene im Zeitraum 2017/19 deutlich verringert und nahezu halbiert.
Vorzeitige Sterbefälle lassen Rückschlüsse auf erhöhte Gesundheitsrisiken zu und stehen beispielsweise mit gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen, schlechteren Wohn- und Arbeitsbedingungen, einer stärkeren Exposition gegenüber schädlichen Umweltfaktoren oder auch einem verringerten Angebot und einer schlechteren Qualität medizinischer Leistungen in Zusammenhang (Indikatorenbericht 2021 Nachhaltige Entwicklung in Berlin).
Von 100.000 Einwohnenden starben in Berlin-Mitte im Zeitraum 2017/19 etwa 183 vor dem 65. Lebensjahr und somit deutlich vor Erreichen der durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren. Im Bezirksvergleich platziert sich Mitte damit im unteren Drittel. Im Zeitvergleich hat sich die vorzeitige Sterblichkeit in Mitte jedoch deutlich verringert. Im Zeitraum 2009/11 starben in Mitte noch etwa 231 von 100.000 und damit berlinweit die meisten Personen vorzeitig. Das entspricht einem Rückgang der vorzeitigen Sterbefälle um 20,8%.
Kleinräumig betrachtet weisen die Planungsräume Beusselkiez und Lützowstraße bezirksweit die höchste vorzeitige Sterblichkeit auf. Von 100.000 Personen sterben hier mehr als 300 vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Im Planungsraum Unter den Linden Süd ist bezirksweit hingegen der geringste Anteil an vorzeitig Verstorbenen festzuhalten. Von 100.000 Personen sterben hier 33 und damit 10-mal weniger vorzeitig als in den Planungsräumen Beusselkiez oder Lützowstraße.
Die Statistik über Todesursachen liefert wichtige Informationen zum Sterbegeschehen. Anhand weltweit einheitlicher Standards zur Erhebung (ICD-10) wird auf Basis amtlicher Todesbescheinigungen jedem Sterbefall eine Todesursache zugeordnet. Damit stellt die Todesursachenstatistik eine Vollerhebung dar und liefert wichtige Hinweise für die Gesundheitsforschung und Gesundheitspolitik (Destatis).
Im Jahr 2023 waren die meisten Sterbefälle im Bezirk Mitte auf Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99) zurückzuführen. Darunter fallen z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck. 795 Personen starben 2023 an einer Krankheit des Kreislaufsystems. Das entspricht einem Anteil von 29,4% an allen Todesfällen der Bevölkerung in Mitte. An zweiter Stelle mit 665 Verstorbenen stehen bösartige Neubildungen (C00-C97), also Krebserkrankungen, auf die 24,6% der Todesfälle im Jahr 2023 entfallen. Als dritthäufigste Todesursache folgen mit 233 Todesfällen Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99) mit einem Anteil von 8,6% an allen Todesfällen. Dazu zählen z.B. Lungenentzündungen, Asthma oder auch Grippeerkrankungen. 148 Todesfälle (5,5%) wurden durch eine nicht natürliche Ursache, z.B. Verletzungen, Vergiftungen, Unfälle oder vorsätzliche Selbstbeschädigungen (S00-T98), hervorgerufen. Zwischen den Geschlechtern zeigen sich insgesamt nur geringfügige Unterschiede.
In der aktuellen Todesursachenstatistik sind keine Hochrechnungen auf eine vergleichbare Bezugsbevölkerung (üblicherweise Fälle je 100.000 Personen, altersstandardisiert) enthalten. Vergleiche zwischen den Bezirken oder mit dem Berliner Durchschnitt sowie Zeitvergleiche können daher nicht vorgenommen werden.
Im Gesundheits- und Sozialstrukturatlas werden insgesamt fünf der zehn am häufigsten behandelten Diagnosen in Berliner Krankenhäusern näher betrachtet. Dazu zählen Herzinsuffizienz (ICD-10 I 50), Angina Pectoris (ICD-10 I 20), Bösartige Neubildungen der Bronchien und der Lunge (ICD-10 C 34), Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (ICD-10 F 10) und die sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit (ICD-10 J 44). Die ausgewählten Diagnosen stehen in einem engen Zusammenhang mit der sozialen Lage, lassen Rückschlüsse auf gesundheitsrelevante Verhaltensweisen zu und werden zudem von Lebens- und Umweltbedingungen beeinflusst (Gesundheits- und Sozialstrukturatlas 2022).
Von den betrachteten Diagnosen waren in Berlin-Mitte Krankenhausbehandlungsfälle aufgrund von alkoholbedingten psychischen und Verhaltensstörungen am häufigsten. Mit 389 Fällen pro 100.000 Personen werden in Mitte fast doppelt so viele Personen mit dieser Diagnose stationär behandelt als in Steglitz-Zehlendorf mit 196 Fällen pro 100.000 Personen. Auch Behandlungsfälle aufgrund von Angina Pectoris (Schmerzen und Druckgefühl im Brustkorb) sind in Mitte vergleichsweise hoch. In keinem anderen Bezirk gab es 2018 mehr stationäre Behandlungsfälle aufgrund dieser Diagnose. Kleinräumige Daten zu stationären Behandlungsfällen sind nicht verfügbar.
Im Vergleich der Jahre 2011 und 2018 haben sich die stationären Behandlungsfälle von alkoholbedingten psychischen und Verhaltensstörungen, Angina Pectoris sowie Herzinsuffizienz in Mitte verringert. Der deutlichste Rückgang zeigt sich bei der Behandlung von Angina Pectoris mit 53 Fällen pro 100.000 Personen weniger als im Jahr 2011. Die stationäre Behandlung bösartiger Neubildungen der Lunge und der Bronchien sowie sonstiger obstruktiver Lungenerkrankungen hat sich zwischen 2011 und 2018 hingegen leicht erhöht.
2023 lebten in Berlin-Mitte 26.560 Personen mit einer Schwerbehinderung. Das entspricht 7% der Gesamtbevölkerung und stellt verglichen mit den anderen Berliner Bezirken einen eher geringeren Anteil dar. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Mitte zu den jüngeren Berliner Bezirken zählt, das Risiko für Schwerbehinderung jedoch mit steigendem Alter zunimmt. Häufigste Ursache der Schwerbehinderung waren mit insgesamt 8.440 Fällen Querschnittlähmung, zebrale Störungen, geistig-seelische Behinderungen sowie Suchterkrankungen. Mit 7.050 Fällen stellten Beeinträchtigung der Funktion von inneren Organen bzw. Organsystemen die zweithäufigste Art der Schwerbehinderung dar.
Die Zahl der in Berlin-Mitte lebenden schwerbehinderten Menschen ist in den letzten Jahren kontinuierlich rückläufig und hat sich von 28.740 im Jahr 2015 auf 26.560 im Jahr 2023 verringert.
Methodische Hinweise
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Wie erfolgt die kleinräumige Gliederung bezirklicher Daten?
Unterhalb der Bezirksebene wird in Berlin das Raumbezugssystem der Lebensweltlich Orientierten Räume (LOR) angewendet. Es besteht aus drei räumlichen Ebenen, die hierarchisch gegliedert sind:
- Prognoseräume (PGR) als oberste Ebene
- Bezirksregionen (BZR) als mittlere Ebene
- Planungsräume (PLR) als unterste Ebene
Jeder Progrnoseraum setzt sich aus mehrere Bezirksregionen zusammen, die wiederum aus mehreren Planungsräumen bestehen. In Reaktion auf Einwohner-und städtbauliche Entwicklungen wurden die LOR 2020 modifiziert. Der Bezirk Mitte gliedert sich laut aktueller LOR-Systematik in 4 Prognoseräume, 10 Bezirksregionen und 49 Planungsräume (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen).
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Wie erfolgt die Bildung des Gesundheits- und Sozialstrukturindexes?
Der Gesundheits- und Sozialstrukturatlas gibt einen Überblick über die gesundheitliche und soziale Lage der Berliner Bevölkerung. Die zugrundeliegenden Berechnungen erfolgen in der Regel einmal pro Legislaturperiode und ermöglichen es, regionale Unterschiede und besonders benachteiligte Regionen sichtbar zu machen sowie zeitliche Entwicklungen abzubilden. Die Ableitung der Gesundheits- und Sozialstruktur erfolgt anhand von 20 Indikatoren aus den Bereichen Erwerbsleben, Soziale Lage und Gesundheit. Erstere münden in den Erwerbs- und Sozialindex. Alle drei Bereiche bilden den Gesundheits- und Sozialindex. Aus den berechneten Indizes werden schließlich Schichten von günstig bis ungünstig abgeleitet. Auf Ebene der Bezirke wird dabei in 5 Schichten und auf Ebene der Planungsräume in 7 Schichten unterschieden. Im Bereich Gesundheit werden die Indikatoren Lebenserwartung, vorzeitige Sterblichkeit, Säuglingssterblichkeit sowie Behandlungsfälle bestimmter ICD-10 Diagnosen im
Krankenhaus berücksichtigt (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege 2022)
letzte Aktualisierung: 17.12.2025
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