Lebens- und Umweltbedingungen

Auf dieser Seite finden Sie Daten zu allgemeinen Lebens- und Umweltbedingungen, die Einfluss auf die Gesundheit nehmen können. Die Daten werden in Form von interaktiven Karten dargestellt. Um die Daten abrufen zu können, fahren Sie mit der Maus über die Karte, bis ein Informationskasten erscheint. Methodische Hinweise und weitere Informationen zu den aufgeführten Merkmalen finden Sie am Ende der Seite.

Wohnlage

Die Wohnlage steht in einem direkten Zusammenhang mit der Gesundheit. Faktoren, wie eine unterschiedliche Exposition gegenüber Umweltbelastungen oder die Versorgung mit Infrastruktureinrichtungen können kurz- oder langfristig Auswikrungen auf den Gesundheitszustand haben (Aretz/Doblhammer/Janssen 2019).

Die Einstufung der Wohnlage erfolgt in drei unterschiedliche Gruppen, die je nach Ausprägung die Wertigkeit des Wohnumfeldes widerspiegeln. Dabei wird in überwiegend einfache, mittlere und gute Wohnlage unterschieden, die sich aus der Versorgung mit Grün- und Freiflächen, der sozialen Lage der Bevölkerung, der Versorgung mit Infrastruktureinrichtungen sowie dem allgemeinen Stadtbild ergeben. Mitte stellt sich dabei als Bezirk mit vergleichsweise hohem Anteil der Bevölkerung in überwiegend einfacher Wohnlage dar. Mit 61% zeigt sich in Mitte nach Neukölln und Spandau hier der dritthöchste Anteil. Gleichzeitig lebt aber auch knapp 16% der Bevölkerung in guter Wohnlage, was dem fünfthöchsten Anteil im Bezirksvergleich entspricht.

Kleinräumig betrachtet zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während die Wohnlagen in den Planungsräumen des Prognoseraums Zentrums sowie des südlichen Prognoseraums Moabit überwiegend als gut oder mittel eingestuft werden, zeigt sich in den übrigen Planungsräumen eine überwiegend einfache Wohnlage.

Umweltbelastung

Die Verteilung von gesundheitsschädlichen Umweltbelastungen, wie Lärm, Luftverschmutzung, bioklimatische Belastung oder mangelnde Grünversorgung werden im Berliner Umweltgerechtigkeitsatlas untersucht und in Zusammenhang mit der sozialen Lage der Bevölkerung gebracht. Mitte zählt demnach zu den Bezirken mit den höchsten durchschnittlichen Umweltbelastungen. 11 der 19 am stärksten belasteten Planungsräume in Berlin befinden sich im Bezirk Mitte. Das entspricht 21% der am stärksten belasteten Bevölkerung. Dabei zeigen sich enge Zusammenhänge zwischen Umweltbelastung und sozialer Benachteiligung.

Innerhalb des Bezirks Mitte befinden sich die Schwerpunkte der Umweltbelastung im Prognoseraum Wedding, im westlichen Moabit sowie in der historischen Innenstadt. In den Planungsräumen Schwedenstraße und Unter den Linden ist bezirksweit die stärkste Belastung zu beobachten, wobei der Planungsraum Schwedenstraße als einziger Planungsraum eine fünffache Belastung der Bevölkerung mit allen vier Umweltindikatoren (Lärm, Luftverschmutzung, Bioklima, mangelnde Grünversorgung) und zudem einer hohen sozialen Benachteiligung aufweist. Gebiete mit guter Grünflächenversorgung (Planungsräume Großer Tiergarten, Afrikanische Straße, Schillerpark oder Humboldthain Süd) weisen hingegen eine geringere Umweltbelastung auf.

Grünversorgung

Die Versorgung der Bevölkerung mit Grünflächen ist ein wichtiger Indikator für ein gesundheitsförderliches Wohnumfeld. Grünflächen wirken sich direkt und indirekt auf die Gesundheit aus, in dem sie z.B. Möglichkeiten zur Naherholung bieten, zu körperlicher Betätigung einladen, aber auch Umweltbelastungen, wie z.B. Luftverschmutzung, Lärm oder Hitze verringern (WHO 2016).

Mitte weist im Bezirksvergleich eine unterdurchschnittliche Grünflächenversorgung auf. Je Einwohner bzw. Einwohnerin stehen 13,6 m² öffentliche Grünfläche zur Verfügung. Im Berlinweiten Durchschnitt sind es 15,2 m².

Zur tatsächlichen Einschätzung der erholungswirksamen Grünversorgung wird neben der Flächengröße auch die Baustruktur der Wohnquartiere sowie die Verfügbarkeit privater oder halböffentlicher Freiflächen betrachtet. Demnach wird für 25 von 49 Planungsräumen (51%) in Mitte eine schlechte Grünversorgung ausgewiesen. Das ist berlinweit der höchste Anteil. Für lediglich 12 Planungsräume in Mitte (24,5%) kann die Grünversorgung als gut eingestuft werden.

Auf kleinräumiger Ebene ist dabei zu erkennen, dass die Grünversorgung in den Prognoseräumen Gesundbrunnen (insbesondere Bezirksregion Osloer Straße), Wedding (insbesondere Bezirksregion Wedding Zentrum) und Moabit (insbesondere Bezirksregion Moabit West) insgesamt schlechter ausfällt, als im Prognoseraum Zentrum. Auch hier befinden sich jedoch insgesamt sechs Planungsräume mit schlechter Grünversorgung.

Methodische Hinweise

  • Wie erfolgt die kleinräumige Gliederung bezirklicher Daten?

    Unterhalb der Bezirksebene wird in Berlin das Raumbezugssystem der Lebensweltlich Orientierten Räume (LOR) angewendet. Es besteht aus drei räumlichen Ebenen, die hierarchisch gegliedert sind:

    • Prognoseräume (PGR) als oberste Ebene
    • Bezirksregionen (BZR) als mittlere Ebene
    • Planungsräume (PLR) als unterste Ebene

    Jeder Prognoseraum setzt sich aus mehreren Bezirksregionen zusammen, die wiederum aus mehreren Planungsräumen bestehen. In Reaktion auf Einwohner- und städtebauliche Entwicklungen wurden die LOR 2020 modifiziert. Der Bezirk Mitte gliedert sich laut aktueller LOR-Systematik in 4 Prognoseräume, 10 Bezirksregionen und 49 Planungsräume (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen).

  • Wie erfolgt die Einteilung der Wohnlagen und wie lassen sich diese charakterisieren?

    Die Einteilung der Wohnlage erfolgt mithilfe eines sogenannten Wohnlageermittlungsmodells, das unterschiedliche Indikatoren einbezieht und daraus drei Wohnlagen unterscheidet:

    • Einfache Wohnlage: sehr wenig Grün- und Freiflächen, überwiegend ungepflegtes Stadtbild und/oder schlechter Gebäudezustand, niedriger oder sehr niedriger sozialer Status der Bevölkerung, überdurchschnittlicher Umgebungslärm, teilweise geringe Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf
    • Mittlere Wohnlage: mittlere Durchgrünung, normales Straßenbild, guter Gebäudezustand, mittlerer sozialer Status der Bevölkerung, mittlerer Umgebungslärm, durchschnittliche Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf
    • Gute Wohnlage: eher hohe Durchgrünung, gepflegtes Straßenbild, guter bis sehr guter sozialer Status der Bevölkerung, Umgebungslärm ist selten vorhanden, gute bis sehr gute Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf

    Für eine übersichtliche grafische Darstellung werden die Gebiete anhand der überwiegend vorherrschenden Wohnlage (>50%) eingeteilt. Es ist somit möglich, dass in den Gebieten neben der überwiegenden Wohnlage auch Adressen mit anderer Wohnlage vorhanden sind (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen).

  • Wie erfolgt die Einstufung als umweltbelastete Region?

    Die Einstufung als belastete oder unbelastete Region beruht auf der Auswertung und Aggregation vorhandener Daten zur Lärmbelastung, Luftbelastung, thermischen Belastung, Grünversorgung und sozialen Benachteiligung. Je nach Ausprägung werden die Daten anhand festgelegter Grenzwerte jeweils in die Kategorien „hohe Belastung“ (3), „mittlere Belastung“ (2) oder „geringe Belastung“ (1) eingeteilt.

    Zur Überlagerung der Umweltbelastung werden die Daten anschließend zusammengeführt. Mehrfachbelastung entsteht dabei durch Summierung der Indikatoren mit der Kategorie 3, sodass in der Folge eine Spannweite von Planungsräume ohne Belastung (0x Kategorie 3) bis hin zu Planungsräume mit fünffacher Belastung (5x Kategorie 3) auftreten kann.

    Zu beachten ist dabei, dass die Höhe der Exposition gegenüber gesundheitsrelevanten Umweltfaktoren trotz gleicher Intensität der Belastung unterschiedlich ausfallen kann, da sie von weiteren individuellen Faktoren, wie z.B. der genetischen Disposition oder dem Gesundheitsverhalten, abhängig ist (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen)