Freilandartenschutz

Ruhe- und Fortpflanzungsstätten an und in Gebäuden

Das Bundesnaturschutzgesetz stellt sämtliche heimische Arten mit nur wenigen Ausnahmen unter besonderen Schutz. Damit ist es verboten, sie selbst oder ihre Entwicklungsformen der Natur zu entnehmen bzw. zu zerstören. Das gleiche gilt auch für Nester oder Winterquartiere. Manche Arten nutzen ihre Nester und Quartiere über viele Jahre immer wieder. Diese stehen auch dann unter Schutz, wenn sie aktuell nicht genutzt werden (§ 44 BNatSchG).
Gerade an Gebäuden findet sich eine Vielzahl an Arten, die dort dauerhaft nistet oder überwintert, z. B. Mauersegler, Schwalben, Haussperlinge, Fledermäuse. Ihre Ruhe- und Fortpflanzungsstätten stehen häufig Sanierungsarbeiten im Wege. Zur Durchführung von baulichen Maßnahmen können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden (§ 45 BNatSchG). Dies ist in Berlin für bestimmte Fälle durch eine allgemeine Rechtsverordnung, die sogenannte Gebäudebrüterverordnung geschehen. Dadurch wird bei Sanierungen (ohne Dach) oder Abrissen das Verfahren zur Beantragung einer Befreiung auf ein Anzeigeverfahren umgestellt.

Folgende Unterlagen sind einzureichen:

  • Beschreibung des Bauvorhabens (inkl. Adresse)
  • Angaben zur Bauherrin / zum Bauherrn und ggf. der Bevollmächtigten
  • Art, Anzahl und Lage der im Gebäude vorhandenen Niststätten, die durch die Maßnahmen zerstört werden
  • Zeitraum der Maßnahmen
  • Konzept zum ökologischen Ausgleich (Art, Anzahl und Lage der Ersatzniststätten)
  • Zeitpunkt zur Fertigstellung des ökologischen Ausgleichs

Es wird empfohlen, sich für die Erfassung der vorhandenen Ruhe- und Fortpflanzungsstätten sowie die Erstellung des Ausgleichskonzepts professionelle Unterstützung zu suchen.

Für andere Fälle ist weiterhin eine Befreiung vom Zerstörungsverbot (§ 67 BNatSchG) bei der Obersten Naturschutzbehörde zu beantragen.

Weitere Informationen

Nutzung von Baumhöhlen durch Vögel und Fledermäuse

In Bäumen vorhandene Höhlen werden häufig von Vögeln oder Fledermäusen besiedelt und sind ganzjährig geschützt. Sollen sie bei Fäll- oder Schnittarbeiten zerstört werden, ist bei der Unteren Naturschutzbehörde im Vorhinein ein Antrag auf Ausnahme oder Befreiung zu stellen. Dazu sind Informationen u. a. zu Ort, Anzahl der Baumhöhlen, Umfang der Arbeiten, methodischem Vorgehen und ggf. zur Baugenehmigung einzureichen.
Baumhöhlen, die aktuell durch Tiere genutzt werden, können nicht beseitigt werden. Daher ist auch im Falle einer Ausnahme oder Befreiung vor deren Zerstörung die Abwesenheit von Tieren und ihren Entwicklungsformen sicherzustellen.

Sommerrodungsverbot

In der Zeit vom 1. März bis zum 30. September eines Jahres ist es verboten, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche oder andere Gehölze abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen (§ 39 BNatSchG). Dies dient dem Schutz wild lebender Tierarten, da in dieser Zeit die Jungen aufgezogen werden. Auf Antrag kann eine Befreiung vom Sommerrodungsverbot gewährt werden (§ 67 BNatSchG), wenn größere Schnitt- oder Fällmaßnahmen im überwiegenden öffentlichen Interesse in diesem Zeitraum notwendig sind oder es bei einer Verschiebung der Maßnahmen zu einer unzumutbaren Belastung kommen würde und sie mit den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege vereinbar sind.

Eine Befreiung kann nicht erteilt werden, wenn aktives Brutgeschehen vorhanden ist. Das Tötungsverbot (§ 44) gilt nicht nur für die mobilen Alttiere, sondern auch für deren Eier und Jungtiere.

Schutz von Vögeln vor Kollisionen mit Glasfassaden

Vögel können an Glasscheiben verunglücken. Dies geschieht besonders häufig, wenn sich in den Scheiben für die Tiere interessante Strukturen spiegeln, z. B. Vegetation, oder wenn die Scheiben transparent sind und die Vögel versuchen hindurchzufliegen. Damit kann die Ausgestaltung eines Gebäudes gegen das Tötungs- und Verletzungsverbot (§ 44 BNatSchG) verstoßen, so dass Vermeidungsmaßnahmen notwendig werden. Diese können von der Unteren Naturschutzbehörde angeordnet werden. Bauherrinnen /Bauherren wird daher dringend geraten, bei der Planung von Neubauten den Aspekt des Vogelschutzes zu berücksichtigen und sich rechtzeitig beraten zu lassen. Auch Bestandsgebäude können betroffen sein, so dass nachträgliche Maßnahmen notwendig werden.

Weitere Informationen

Aufgaben anderer Ämter / Behörden / Einrichtungen

Berliner Umweltportal
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Bild: Michael Richert

Weitere Informationen zum Thema Artenschutz finden Sie im Berliner Umweltportal, den gemeinsamen Seiten der Umwelt- und Naturschutzbehörden des Landes Berlin