Projekt - Klimaangepasste Umgestaltung des Straßenraumes

Gotenburger Straße - Vision - Umgestaltung

Vision - klimaangepasste Umgestaltung - Gotenburger Straße

Hintergrund und Zielsetzung

Der Bezirk Mitte gehört zu den am stärksten verdichteten Stadtgebieten Berlins und ist daher in besonderem Maße von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Hohe Hitzebelastungen, eine geringe Durchgrünung sowie ein hoher Versiegelungsgrad prägen viele Quartiere. Durch fortschreitende Verdichtung und den Klimawandel werden sowohl diese Belastungen als auch die Gefährdung durch Starkniederschläge und Extremwetterereignisse weiter zunehmen.

Der hohe Versiegelungsgrad führt unter anderem zu folgenden Problemen:
  • Durch die starke Versiegelung und fehlende Retentions- und Versickerungsmöglichkeiten wird anfallendes Regenwasser größtenteils direkt in die Kanalisation geleitet. Aufgrund unzureichender Kapazitäten kann es bei Starkregenniederschlägen zur Überlastung der Kanalisation kommen.
  • Während langanhaltender Trockenperioden fehlt verdunstungsfördernde Vegetation, die für eine Kühlung der Luft und für Verschattung der Oberflächen sorgt.

Vor diesem Hintergrund sind geeignete Maßnahmen erforderlich, um die klimatisch bedingten negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung zu reduzieren.
Da der Straßenraum aufgrund des hohen Versiegelungsgrades großes Potenzial für Klimaanpassungsmaßnahmen bietet, hat das Umwelt- und Naturschutzamt die Erarbeitung eines Maßnahmenkonzeptes zur klimaangepassten Umgestaltung des Straßenraumes initiiert.

Im Rahmen dieses Projekts wurde exemplarisch in vier Gebieten untersucht, wie die Straßenräume im Bezirk an die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels angepasst werden können. Ziel ist es, Maßnahmen aufzuzeigen, die sowohl die Hitzebelastung reduzieren als auch den Umgang mit Starkregen verbessern.

Auswahl der Untersuchungsräume

Auf Grundlage einer gesamtbezirklichen Analyse wurden mehrere besonders belastete Quartiere identifiziert. Diese zeichnen sich durch eine Kombination aus hoher thermischer Belastung, starker Versiegelung, geringem Grünanteil und eingeschränkter Freiraumversorgung aus. Weitere Auswahlkriterien der Untersuchungsräume waren beispielsweise das gehäufte Vorkommen topographischer Senken (Potenzial zum Versickern von Regenwasser) oder sehr breiter Gehwege (Potenzial zum Entsiegeln).
Im weiteren Prozess wurden vier zusammenhängende Untersuchungsgebiete ausgewählt, in denen sich verschiedene Umweltbelastungen mehrfach überlagern und somit eine besonders hohe Belastung der Bevölkerung besteht oder perspektivisch zu erwarten ist.

  • Umweltbelastungskarte Bezirk Berlin-Mitte

    Umweltbelastungskarte Bezirk Berlin-Mitte, als Entscheidungsgrundlage zur Auswahl der Untersuchungsgebiete

  • Klimaangepasster Straßenraum - UG1

    Untersuchungsgebiet 1 - Bezirksregion Osloer Straße

  • Klimaangepasster Straßenraum - UG2

    Untersuchungsgebiet 2 - Bezirksregionen Parkviertel, Wedding-Zentrum

  • Klimaangepasster Straßenraum - UG3

    Untersuchungsgebiet 3 - Bezirksregionen Moabit West, Moabit Ost

  • Klimaangepasster Straßenraum - UG4

    Untersuchungsgebiet 4 - Bezirksregion Tiergarten Süd

Maßnahmenkonzept zur Klimaanpassung

Angesichts der Belastungssituation wurden konkrete Ansätze zur Klimaanpassung für die ausgewählten Untersuchungsräume entwickelt. Aufbauend auf einer Bewertung der Bestandssituation wurden verschiedene Maßnahmen zur klimaangepassten Umgestaltung entwickelt und in den Gebieten räumlich verortet.
Das Konzept umfasst unter anderem folgende zentrale Bausteine:

  • Vergrößerung von Baumscheiben für gesunde Stadtbäume

    Das Regenwasser kann in die erweiterten, großzügigen Baumscheiben abfließen und die Kanalisation entlasten. Das im Boden gespeicherte Regenwasser steht der städtischen Vegetation zur Verfügung und reduziert Trockenstress.

  • Straßenbaumneupflanzungen

    Straßenbaumneupflanzungen sind ein zentrales Element der Klimaanpassung im urbanen Raum. Sie verbessern das Mikroklima, mindern Hitzeinseln, filtern Luftschadstoffe und fördern die Verdunstungskühlung. Öffentliche Straßenräume wurden daher auf geeignete Pflanzstandorte untersucht.

  • Grüne Inseln

    Zusätzliche Vegetation auf neu entsiegelten Flächen verbessert das Mikroklima, nimmt Regenwasser auf und schafft Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig werten die bepflanzten Flächen das Erscheinungsbild der Straße auf, strukturieren den Verkehrsraum und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Als bauliche Elemente können sie Fahrbahnen gliedern, Querungswege verkürzen und das Geschwindigkeitsniveau von Kfz-Verkehr reduzieren.

  • Grüne Gullys

    Regen versickern statt ableiten: Mit dem Ziel von Entsiegelung und Klimaanpassung hat das Straßen- und Grünflächenamt des Bezirks den „Grünen Straßenablauf“ entwickelt, der das Regenwasser in den Boden leitet und nicht direkt in die Kanalisation. Um die Straßenabläufe werden jeweils etwa 25 Quadratmeter Asphalt und Beton entfernt und durch eine bepflanzte, etwa 10 cm tiefe Versickerungsfläche ersetzt. Das Wasser kann dort zunächst aufgenommen werden und gelangt nur bei Starkregen in die Kanalisation.
    Weitere Informationen zum “Grünen Gully” finden sich hier.

  • Entsiegelung überbreiter Wege und Verkehrsflächen

    Zur Reduzierung des oberirdischen Abflusses insbesondere bei Starkregenereignissen und zur Förderung der Grundwasserneubildung werden geeignete Stellen in den Untersuchungsgebieten entsiegelt.
    Hierfür bieten sich die überbreiten Verkehrsflächen sowie wenig genutzte und gering belastete versiegelte Flächen an. Diese entsiegelten Flächen können anschließend begrünt werden, durch Bepflanzung mit Stauden, Sträuchern und Bäumen.

  • Ausschnitt Untersuchungsgebiet 1

    Ausschnitt Untersuchungsgebiet 1 - Maßnahmenkonzept

  • Ausschnitt Untersuchungsgebiet 1

    Ausschnitt Untersuchungsgebiet 1 - Maßnahmenkonzept

  • Legende Maßnahmenkonzept

    Legende - Maßnahmenkonzept

  • Legende Bestand

    Legende - Bestand

  • Maßnahmenplan - Gesamt - UG1

    PDF-Dokument (19.4 MB)

  • Maßnahmenplan - Gesamt - UG2

    PDF-Dokument (19.8 MB)

  • Maßnahmenplan - Gesamt - UG3

    PDF-Dokument (21.0 MB)

  • Maßnahmenplan - Gesamt - UG4

    PDF-Dokument (23.6 MB)

  • Maßnahmenkatalog - Symbolbeschreibung

    PDF-Dokument (648.4 kB)

Exemplarische Gestaltung des klimaangepassten Straßenumbaus

Im Rahmen der Projektbearbeitung wurden fünf Straßenzüge ausgewählt, in denen großes Potenzial zur klimaangepassten Umgestaltung der Straßenräume besteht. Für die ausgewählten Straßenzüge wurden Konzeptentwürfe erarbeitet, bestehend aus maßstabsgetreuer Darstellung (M1:500), Maßnahmensteckbrief und einer konzeptionellen Visualisierung.
Anhand der Maßnahmenplanung wird verdeutlich, welche konkreten Potenziale zur Klimaanpassung im Straßenraum vorliegen.

Die im Folgenden vorgestellten Visualisierungen bieten eine Gegenüberstellung des Ist-Zustandes (Streetview 2025) und dem potenziellen Zustand nach der klimaangepassten Umgestaltung des Straßenraumes.
Dabei werden gegenwärtig (voll-) versiegelte Flächen entsiegelt und in begrünte Bereiche umgewandelt, die die Regenwasserversickerung ermöglichen und durch Baumpflanzungen zur Verschattung beitragen. Wo der Platz es zulässt, werden Flächen mit Aufenthaltsqualität (z.B. verschattete Sitzbänke) verortet.

Visualisierung der klimaangepassten Umgestaltung des Straßenraumes - vorher/nachher

  • Sternstraße - Bestand (2025)

    Kreuzung Sternstraße/Kattegatstraße - Bestand (2025)

  • Kreuzung Sternstraße/Kattegatstraße - Vision - Umgestaltung

    Kreuzung Sternstraße/Kattegatstraße - Vision - Umgestaltung

  • Gotenburger Straße - Bestand (2025)

    Gotenburger Straße - Bestand (2025)

  • Gotenburger Straße - Vision - Umgestaltung

    Gotenburger Straße - Vision - Umgestaltung

  • Kongostraße - Bestand (2025)

    Kongostraße - Bestand (2025)

  • Kongostraße - Vision - Umgestaltung

    Kongostraße - Vision - Umgestaltung

  • Quitzowstraße - Bestand (2025)

    Quitzowstraße - Bestand (2025)

  • Quitzowstraße - Vision - Umgestaltung

    Quitzowstraße - Vision - Umgestaltung

  • Detailplanung - Sternstraße/Kattegatstraße

    PDF-Dokument (335.1 kB)

  • Detailplanung - Gotenburger Straße

    PDF-Dokument (357.4 kB)

  • Detailplanung - Kongostraße

    PDF-Dokument (288.5 kB)

  • Detailplanung - Quitzowstraße

    PDF-Dokument (1.0 MB)

  • Detailplanung - Siemensstraße

    PDF-Dokument (725.1 kB)

Ergebnis & Endbericht

Im Rahmen des Projektes wurde ein Bericht angefertigt, der neben der erarbeiteten Maßnahmenplanung eine Vielzahl statistischer Grundlagen und Kennzahlen für die jeweiligen Untersuchungsgebiete enthält. Einen großen Anteil der Projektbearbeitung bildete die Aktualisierung der digitalen Straßenbefahrung (SenMVKU, Stand 2014). Diese Planungsgrundlage wurde aktualisiert, um den Ist-Zustand des Straßenraumes möglichst exakt abzubilden. Im Projektbericht finden sich somit statistische Daten zu Versiegelungsgrad, Materialen, Baumscheibengrößen und weiteren Kenndaten.

Die tiefgehende Analyse der Untersuchungsgebiete bildete die Grundlage der Maßnahmenplanung. Es wurden Kataloge erstellt, die die verschiedenen im Straßenraum verbauten und vorhandenen Materialen dokumentieren und bildhaft darstellen. Diese Kataloge dienen dem Verständnis der nun in Form von Geodaten vorhandenen digitalen Arbeitsgrundlage.
Auf dieser Basis konnten geeignete Maßnahmen dort verortet werden, wo beispielsweise möglichst wenig Barrieren (z.B. Gehwegüberfahrten, Stromkästen, Laternen) bestehen und ein besonders großes Potenzial zur klimaangepassten Umgestaltung des Straßenraumes vorhanden ist.

Mit dem vorliegenden Konzept zur klimaangepassten Umgestaltung des Straßenraumes und insbesondere mit den erarbeiteten Detailplänen für die ausgewählten Straßenzüge, werden konkrete Potenziale zur Anpassung des Straßenraumes an die zukünftigen klimatischen Herausforderungen aufgezeigt. Die konzeptionellen Vorplanungen bieten eine wichtige Arbeitsgrundlage, um neue Flächen zur Versickerung von Regenwasser zu schaffen und das Grünvolumen im Straßenraum zu erhöhen. Die Umsetzung dieser Planungen kann maßgeblich dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität im Straßenraum für die Bevölkerung und die Anlieger zu verbessern – insbesondere im Hinblick auf die zu erwartenden klimatischen Veränderungen wie die Zunahme von Hitzetagen, Tropennächten und Starkregenereignissen.

  • Erläuterungsbericht - Klimaangepasste Umgestaltung

    PDF-Dokument (22.0 MB)