211. Kiezspaziergang am 13.7.19 mit dem Stellvertretenden Bezirksbürgermeister Arne Herz

Vom S-Bahnhof Messe Süd zum Ökowerk

Bildvergrößerung: Kartenskizze 211. Kiezspaziergang vom 13.7.2019
Kartenskizze 211. Kiezspaziergang vom 13.7.2019
Bild: BA CW, ML

Treffpunkt: S-Bahnhof Messe Süd – Südlicher Ausgang
Länge : ca. 3,7 km

Herzlich willkommen zu unserem heutigen Kiezspaziergang. Ich freue mich sehr, Sie heute durch die Waldschulallee zu führen mit den Stationen Mommsen-Stadion, Heinz-Galinski-Schule und Waldgrundschule und Wald-Gymnasium. Beiden Schulen bin ich sehr verbunden, da ich meine gesamte Schulzeit dort verbracht habe. Dazu aber später mehr. Wir machen dann einen langen Spaziergang durch den Wald, ehe wir unseren Endpunkt das Naturschutzzentrum Ökowerk erreichen, wo Frau Kehl, die Geschäftsführerin des Ökozentrums, uns erwartet.

Doch bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Ausgangspunkt des Augustspaziergangs mitteilen. Mein neuer Kollege, Bezirksstadtrat Wagner, wird Sie am Samstag, den 10. August, führen. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der nordöstlichen Ecke Fürstenbrunner Weg / Spandauer Damm. Von dort aus geht es zur Trauerhalle des Bestattungsinstituts Grieneisen, wo Frau Luckey Sie als Vertreterin von Grieneisen empfangen wird. Im Anschluss daran werden Sie auf dem Gelände der DRK Kliniken Westend etwas zur Geschichte dieses alten Krankenhauses hören. Ihr Weg führt Sie dann weiter zum Luisenkirchhof und dem alten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhof. Neben alten Grabstätten haben beide Friedhöfe neue Bestattungskonzepte entwickelt. Herr Höhne, der Chefplaner der beiden Friedhöfe, wird Sie dort begleiten. Der erste Teil des Kiezspaziergangs endet am Ausgang des Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhofs.

Wenn das Wetter nicht zu nass und nicht zu heiß ist, gibt es einen zweiten Teil. Dieser geht weiter an der Spree entlang. Am anderen Spreeufer befinden sich die Siemenswerke, die einen neuen Campus Siemensstadt und die Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn planen. Der Kiezspaziergang endet im Schlosspark Charlottenburg am Belvedere.

Station 1: Messe Süd

Arne Herz begrüßt
Arne Herz begrüßt
Bild: BA CW, ML

Wir stehen hier vor dem S-Bahnhof Messe Süd. Er hieß früher Bahnhof Eichkamp, da er die Siedlung Eichkamp mit dem Rest von Berlin verbindet. Er ist Teil der ehemaligen Vorortbahn nach Spandau. Diese gesamte Bahn steht einschließlich Brücken und Bahnhöfen unter Denkmalschutz. Der Entwurf des S-Bahnhofs Messe Süd stammt von Richard Brademann, Bauzeit war von 1927 bis 1930. Das Empfangsgebäude ist ein mit dunklen Klinkern verblendeter Mauerwerkbau im Stil der neuen Sachlichkeit mit expressionistischen Elementen. Mit dem Bau der Deutschlandhalle hier in der Nähe wurde 1935 der Bahnhof von Fritz Hane und Hugo Röttcher erweitert. Deshalb wurde er 1946 in Bahnhof Deutschlandhalle umbenannt.

Von 1980 bis 1998 war der S-Bahn-Verkehr auf dieser Strecke eingestellt. Im Juni 2002 bekam der Bahnhof den jetzigen Namen Messe-Süd.

Wir gehen nun durch die Grünanlage und treffen uns wieder gegenüber dem Haus Waldschulallee 7.

Station 2: Gegenüber der Waldschulallee 7

Station 2.1: Waldschulallee / Herkunft des Namens

1904 wurde in Charlottenburg für gesundheitlich schwache Schüler aus den Mietskasernen der Stadt die erste deutsche Waldschule errichtet, 1909 daneben die ‘Höhere Schule’, das heutige Wald-Gymnasium. Die Waldschulallee erhielt 1925 ihren Namen, weil sie zu den beiden Schulen führt.

Station 2.2: Waldschulallee 7 / Stolperstein für Hans und Anna Magud, Eva Baruch und Clara Grau

Vor dem Haus Waldschulallee 7 liegen vier Stolpersteine. Zwei sind für das Ehepaar Magud aus Oberschlesien. Die beiden wohnten von 1934 bis 1940 in dem Haus Waldschulallee 7. Hans Magud war zum Studium nach Berlin gekommen, doch brach er dieses wegen der antisemitischen Strömungen an der Friedrich-Wilhelm-Universität ab. Danach arbeitete er in der Kohlen- und Außenhandelsreederei Caesar Wollheim. 1936 zog Clara Grau zu ihnen, offiziell als Haushälterin, sie war damals schon 77 Jahre alt. Wahrscheinlich konnte sie so ihren neuen Wohnsitz legalisieren. Clara Grau wurde 1859 bei Kaliningrad geboren. Zuvor hatte sie lange als Lehrerin in der Vogelschen Schule, einem Mädchenseminar, gearbeitet. Zudem zog Eva Baruch bei ihnen ein. Man nimmt an, dass die Maguds die beiden Frauen zum einen als Schutz vor ihrer Verfolgung aufgenommen haben. Da ihnen nach der Kürzung bzw. Streichung ihrer Pensionsbezüge aber auch Geld fehlte, spielten dabei wahrscheinlich auch die dadurch erzielten Untermietseinnahmen eine Rolle. 1940 wurden die Maguds gezwungen, ihr Haus an die Gemeinnützige Wohnungs- und Heimstätten GmbH Dachau, eine SS-Organisation, zu verkaufen. Das Ehepaar und Clara Grau wohnten von da an in verschiedenen so genannten „Judenwohnungen“ mit anderen Verfolgten auf sehr beengtem Raum zusammen, zuletzt in der Rosenheimer Str. 27 in Schöneberg. Eva Baruch zog ins Jüdische Krankenhaus, wo sie Schwesternschülerin war. Im November 1942 verhaftete die Gestapo das Ehepaar und brachte es in ein Durchgangslager. Am 16.12.1942 wurden beide mit dem „77. Altentransport“ in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Aus Mitteln des Zwangsverkaufs des Hauses mussten sie die Kosten der Deportation bezahlen. Der 80-jährige Hans Magud starb bereits nach einem Monat, am 26.01.1943. Anna Magud überlebte das Konzentrationslager schwer krank und starb 75-jährig am 26.09.1953. Clara Grau zog aus der Wohnung in der Rosenheimer Straße zu ihrem Neffen in die Wilhelm-Gustloff-Straße 51, der heutigen Dernburgstraße, am Lietzensee. Die Deportation der 82-jährigen war auf den 28.9.1942 festgesetzt. Einen Tag davor begingen beide Selbstmord. Eva Baruch wurde mit 19 Jahren zusammen mit ihren Eltern nach Riga deportiert und dort am 28.10.1942 in den Wäldern von Bikernieki ermordet.

Wir gehen nun bis zum Tor der Waldschulallee 29.

Station 3: Waldschulallee 29

Station 3.1: Schulaufsicht Charlottenburg-Wilmersdorf

Für das Schulwesen in Berlin ist die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie zuständig. Die Schulaufsichtsbehörde trifft Entscheidungen über die Grundsatzangelegenheiten der öffentlichen Schulen, wie z.B. die Grundlagen der Schulorganisation und des Unterrichts sowie die Aufstellung des Schulentwicklungsplanes. Sie übt darüber hinaus die fachliche Aufsicht aus. In Berlin ist die Schulaufsichtsbehörde vorrangig beratend und unterstützend tätig: Auf Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schulen wird besonders großer Wert gelegt.

Jeder Bezirk hat eine Außenstelle der Schulaufsichtsbehörde. Dort findet die konkrete Arbeit vor Ort statt. Zum Beispiel ist die Schulaufsicht Charlottenburg-Wilmersdorf für die Schulentwicklungsplanung zuständig, aber auch für die Fortbildung der Lehrkräfte. Eine wichtige Aufgabe ist zudem das Beschwerdemanagement und der Dialog mit den Eltern. Die Schulaufsicht entscheidet auch über Versetzungen von Lehrern und Lehrerinnen.

Eine weitere Einrichtung der Schulaufsicht ist das SIBUZ, das Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Beratungs- und Unterstützungszentrum. Das SIBUZ berät und unterstützt Lernende und Lehrkräfte, Schulen und Eltern bei Lernproblemen der Schüler und Schülerinnen oder Schwierigkeiten im sozialen Miteinander in der Schule. Es wird aber auch Coaching, Supervision und Mediation für Lehrkräfte angeboten.

Station 3.2: Waldschulallee 29 / Ernst-Adolf-Eschke-Schule

Auf dem Gelände der Schulaufsicht Charlottenburg-Wilmersdorf befindet sich zudem die Ernst-Adolf-Eschke-Schule, eine Förderschule für gehörlose und schwerhörige Kinder auf der Ebene Grundschule und Sekundarstufe I. Sie betreut Kinder bzw. Jugendlich von der vorschulischen Frühförderung bis zur beruflichen Bildung.

Station 3.3: Waldschulallee 29 / Sinneswandel – Kita für Gehörlose

Die Kindertagesstätte Sinneswandel betreut taube, schwerhörige und hörende Kinder. Sie setzt den Schwerpunkt auf visuell-orientierte Kommunikation. Zudem wird durchgängig zweisprachig kommuniziert. Das bedeutet gesprochene deutsche Sprache und deutsche Gebärdensprache stehen gleichberechtigt nebeneinander.

In der Kita gibt es sechs Gruppen mit je 11 bis 14 Kindern ab dem vollendetem ersten Lebensjahr. 20 Plätze sind für hörgeschädigte Kinder reserviert. Die Kinder können montags bis freitags in der Zeit zwischen 6:00 und 18:00 Uhr betreut werden Es wird jeden Tag frisch gekocht. Im Außenbereich stehen die Kindern 2000 m² zur Verfügung.

Getragen wird die Kindertagesstätte von dem Verein Sinneswandel gGmbH, der noch weitere pädagogische Arbeitsbereiche betreut, wie zum Beispiel Betreutes Wohnen, den Kinder- und Jugendclub und die Förderung von Kindern an der Adolf-Eschke-Schule,

Station 3.4: Waldschulallee 41-43 / Wally-Wittmann-Anlage

Die Sportplätze, die wir von hier sehen können, gehören zum Mommsenstadion. 2007 erhielten sie den Namen der Sportlerin Wally Wittmann, die auch als Gundel Wittmann bekannt ist. Sie war sowohl Leichtathletin als auch Handballspielerin und gehörte in den 20er- und Anfang der 30er-Jahren zu den Weltranglisten-Besten. Zur Erinnerung an Wally Wittmann wurde eine Gedenktafel enthüllt, auf der steht:

Wally-Wittmann-Sportanlage
benannt nach der deutschen Leichtathletin
Wally “Gundel“ Wittmann
geboren am 18.9.1905 in Berlin
gestorben am 28.5.1990 in Berlin
Mitglied des Sport-Club Charlottenburg und des Sport-Club Brandenburg
1924 Deutsche Meisterin im Speerwerfen
1926 Weltrekord und Deutsche Meisterin über 100 m
1928 Weltrekord mit der Staffel des SCC über 4 × 200 m
1929 Weltrekord mit der Staffel des SC Brandenburg über 4 × 200 m
1932 Weltrekord mit der Nationalstaffel über 4 × 200 m

Lange Zeit eine der besten Berliner Handballspielerinnen
Vorstandsmitglied SCC Frauenhandball 1950 – 1968

Zu den Leichtathletikanlagen gehören mehrere Laufbahnen, Hochsprunganlagen, Kugelstoßanlagen, Weitsprunganlagen, Dreisprunganlagen, eine Stabhochsprunganlage und eine Rollsportanlage und eine Gymnastikhalle mit Tischtennis und Geräten für Krafttraining, auch Tennisplätze und Fußballplätze sind da.

Wir gehen nun zum Mommsenstadion und treffen uns wieder auf der Grünanlage vor dem Haupteingang.

Station 4: Waldschulallee 34-42 / Mommsenstadion

Wir stehen hier vor dem Mommsenstadion, das 1930 von dem Bauhaus-Architekt Fred Forbát entworfen wurde und selbstverständlich unter Denkmalschutz steht. Fred Forbát ist uns schon aus der RING-Siedlung in Siemensstadt bekannt, wo er wichtige Gebäude entworfen hat. Er wurde 1897 in Pécs in Ungarn geboren. Forbát war nicht nur Architekt, sondern auch Stadtplaner, Hochschullehrer und Maler. Er gilt als bedeutender Vertreter des Neuen Bauens und arbeitete in Deutschland, Ungarn, Griechenland, Schweden und in der Sowjetunion. Von 1920 bis 1922 arbeitete er zeitweise mit Walter Gropius zusammen. Er hatte zudem einen Lehrauftrag am Bauhaus in Weimar. 1928 erwarb er die deutsche Staatsangehörigkeit. Von 1929 bis 1930 war er Mitglied der Sachverständigenkommission der kommunalen Wohnungsfürsorge der Stadt Berlin. Von 1930 bis 1931 lehrte er Stadtplanung und Wohnungswesen an der Ittenschule und war außerdem ständiger Mitarbeiter der Baufachzeitschrift Wohnungswirtschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds.

1933 ging er nach Moskau und arbeitete dort als Experte für Stadtplanung. Da er 1933 nicht mehr nach Deutschland zurück konnte, verbrachte er drei Monate in Athen, wo er archäologische Arbeiten ausführte. Danach kehrte er für fünf Jahre in seine Geburtsstadt Pécs zurück und arbeitete dort als freier Architekt. Hier erfuhr er vom Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit und vom Verbot, in Deutschland die Berufsbezeichnung Architekt zu führen. Daraufhin nahm er die ungarische Staatsangehörigkeit wieder an. 1938 folgte er einer Einladung nach Schweden und blieb dort bis zu seinem Tod 1972. Auch er beteiligte sich 1957 an der Internationalen Bauausstellung Interbau in Berlin. 1969 wurde er Mitglied der Akademie der Künste West-Berlins.

Das Mommsenstadtion ist ein langgestreckter verputzter Tribünenbau mit zwei verglasten Treppenhäusern und langen Balkonen, die über halbovalem Grundriss vorgezogen sind. Die Fassade ist 104 m lang. Auf den Eingängen sitzen vollständig mit Glas verkleidete Eisengerippe, die den Blick auf die geschwungenen Treppen freigeben. Der Tribünenbau beinhaltet im nördlichen Teil einen etwas breiteren Saaltrakt, der als Turnhalle genutzt wird. Auf der Tribüne gibt es 1.805 Sitzplätze und 13.200 Stehplätze. Das Mommsenstadion hat einen Fußballrasenplatz mit Flutlichtanlage. Das Gelände ist etwa 35.000 m² groß.

1934 zog das zuvor heimatlose und auf verschiedene Standorte verteilte Theodor-Mommsen-Gymnasium in den Tribünentrakt des Stadions ein, ein Vorläufer des heutigen Heinz-Berggruen-Gymnasiums. Der damalige Direktor Neuhaus machte die Schule zu einer nationalsozialistischen Musteranstalt, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs das Tribünengebäude nutzte. Vom Gymnasium erhielt das Mommsenstadion seinen heutigen Namen. Theodor Mommsen wurde 1817 geboren und starb 1903. Er war einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Seine Werke und Editionen zur römischen Geschichte sind auch für die heutige Forschung noch von grundlegender Bedeutung. Für sein Werk mit dem Titel Römische Geschichte wurde er 1902 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

1936 wurden im Mommsenstadion die Olympischen Fußballmeisterschaften ausgetragen. 1938, 1941, 1949, 1953 war hier der Austragungsort für das Internationale Stadionsfest, besser bekannt als ISTAF. Das Internationale Stadionsfest findet seit 1921 statt und ist ein Leichtathletik-Wettbewerb. Im Laufe der Zeit wurden beim ISTAF 16 Weltrekorde aufgestellt.

1948 wurde das Stadion trotz stärkerer Kriegsschäden von der britischen Besatzungsmacht für den Vereins- und Breitensport freigegeben. Zudem beherbergte ein Teil des Mommsenstadions übergangsweise eine Kindertagesstätte. Von 1950 bis 1956 wurde es saniert und bis 1987 kontinuierlich erweitert und modernisiert. 2002 fanden hier die Deutschen Mehrfachmeisterschaften statt. Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 trainierte hier die deutsche Nationalmannschaft. Dafür wurden das Mommsenstadion und das umliegende Gelände für über eine halbe Million Euro modernisiert.

Im Mommsenstadion sind Tennis Borussia Berlin, der SC Charlottenburg und die Berlin Rebels, unsere Charlottenburg-Wilmersdorfer American Football Mannschaft, beheimatet.

Wir gehen nun bis zum TU Sportzentrum in der Waldschulallee 71.

Station 5: Waldschulallee 71 / TU Sportzentrum

Das TU Sportzentrum ist eine von mehreren Trainingsstätten der Technischen Universität Berlin. Sie steht allen Bürgern und Bürgerinnen offen, nur die Preise sind unterschiedlich, je nachdem ob man Mitglied der TU ist oder nicht.

Im Sportzentrum gibt es Handball, Fußball und Badminton, aber auch ein Fitness-Studio und Familiensport

Die nächste Station ist vor der Heinz-Galinski-Grundschule.

Station 6: Zwischen Waldschulallee 73 und 75

Heinz-Galinski-Schule
Heinz-Galinski-Schule
Bild: BA CW, ML

Station 6.1: Waldschulallee 73/ Jüdische Grundschule / Heinz-Galinski-Schule

Die Heinz-Galinski-Schule ist eine staatlich anerkannte private Ganztagsschule, die die Schüler und Schülerinnen von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet. Träger der Schule ist die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Die Schule ist auch offen für Kinder anderer Religionen. Zurzeit lernen 270 Schülerinnen und Schüler in 17 Klassen. Die maximale Klassenfrequenz beträgt 24 Schülerinnen und Schüler. Jede Klasse wird im Unterricht und im Freizeitbereich durch eine Erzieherin begleitet und hat einen Freizeitraum sowie Fachunterrichtsräume zur Verfügung.

Unterrichtet wird nach dem Berliner Rahmenplan unter besonderer Berücksichtigung jüdischer Inhalte und Traditionen, das heißt es findet auch Hebräisch- und jüdischer Religionsunterricht statt. Zu den jüdischen Traditionen gehören die jüdischen Feiertage und freitags das Kabbalat Schabbat. In der Schule gibt es eine Küche, in der für die Schüler und Schülerinnen mittags koscheres Bio-Essen gekocht wird. Toll für die Eltern ist auch, dass die Kinder mit einem Minibus von zu Hause abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Da die Heinz-Galinski-Schule eine Privatschule ist, werden auch Schulgebühren erhoben.

Die jüdische Grundschule wurde 1986 mit 25 Schülern und Schülerinnen in Charlottenburg gegründet. Nach der Maueröffnung zogen viele Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Berlin. Es wurde mehr Platz und damit ein neues Schulgebäude gebraucht. Den Auftrag bekam der israelische Architekt Zvi Hecker. In seiner Architektur benutzt Hecker zwei unterschiedliche Motive, um die Neugier und die Lebensfreude von Kindern auszudrücken. Die einzelnen Gebäude greifen wie die Blätter einer Sonnenblume ineinander, die für Hecker ein Symbol für Natur und Leben sind. Und betrachtet man das Gebäude von einem Flugzeug aus, sieht es aus wie ein aufgeschlagenes Buch. Im Hebräischen heißt Schule, Beit Sefer, Haus des Buches, so dass schon die Architektur auf den Zweck des Gebäudes hinweist.

1995 wurde die neue Schule in der Waldschulallee eröffnet und nach dem langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Heinz Galinski, benannt.

Station 6.2: Waldschulallee 75 / Waldhaus – Kinderhaus

Das Gebäude nebenan wurde für die Olympischen Spiele 1936 von dem Architekten Otto Schellenberg entworfen. Es war Sitz der Sportärzte, die sich um die Athleten und Athletinnen kümmerten. Das Gebäude ist aus Metallfertigteilen errichtet. Seit 1988 steht es unter Denkmalschutz.

Seit 1974 ist es eine Kinderbetreuungseinrichtung. Sie entstand in der Kinderladenzeit der 1970er-Jahre aus einer Eigeninitiative der Eltern heraus, die das Haus anmieteten. Am Anfang gab es eine Gruppe dreijähriger Kinder, später kamen weitere Gruppen und ein Schülerladen dazu, die betreuten Kinder waren zwischen drei und zwölf Jahre alt. 1979 wurde der Verein Kinderhaus Waldschulallee e.V. gegründet und seitdem wird die Einrichtung aus öffentlichen Mitteln gefördert.

Seit 2005 sind nur noch Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in altersgemischten Gruppen im Kinderhaus. 2007 kam dann noch eine Gruppe für ein- bis dreijährige Kinder dazu. Zehn Erzieher und Erzieherinnen kümmern sich um die Förderung und das Wohlergehen der Kinder.

Das Kinderhaus ist sehr flexibel, was die Raumgestaltung und Raumnutzung angeht. Alle vier Gruppen haben ihre eigenen Gruppenräume sowie eine Küche. Des Weiteren bietet das Haus einen Aktionsraum, ein Atelier für kreatives Gestalten, einen Ruheraum, einen Wickelraum und vieles mehr. Der Garten bietet den Kindern vielfältige Bewegungsmöglichkeiten sowie Spiel- und Gestaltungsräume. Einmal in der Woche gibt es Musik- und Sportunterricht. Für den letzten wird die TU-Sporthalle genutzt.

Station 7: Waldschulallee 83-93 / Schulgarten der Waldschule

Station 7.1: Waldgrundschule

Ich begrüße ganz herzlich Herrn Seidler, den kommissarischen Leiter der Waldgrundschule, der uns heute über das Gelände führen wird.

Die Waldschule wurde 1904 gegründet. Die Initiative ging von dem Charlottenburger Stadtschulrat Hermann Neufert und dem Kinderarzt Prof. Dr. Bendix aus. Die beiden hatten eine Schrift verfasst mit dem Titel Gründung einer Waldschule für Gemeindeschulkinder. Aufgrund des Mangels an frischer Luft und Bewegung gab es zahlreiche gesundheitlich angegriffene Kinder. Diese sollten durch ärztliche Betreuung und Bewegung an frischer Luft wieder zu Kräften kommen, um dann wieder in den normalen Gemeindeschulen unterrichtet werden zu können.

Am 1. August1904 nahm sie ihren Betrieb mit 95 Kindern und vier Lehrern auf. Zunächst befand sie sich in einer Schul- und einer Wirtschaftsbaracke am Sachsenplatz (dem heutigen Brixplatz). Bald wurde das Gebäude zu klein und man zog 1905 auf ein Gelände am Spandauer Damm zwischen Ruhwaldpark und dem Krankenhaus Neuwestend, wo heute Kleingartenkolonien sind. 1910 stellte die Stadt Charlottenburg 60.000 m² am heutigen Standort zur Verfügung. Die Holzhäuser vom Spandauer Damm wurden abgebaut und hier wieder aufgebaut. Die Schülerzahlt hatte sich inzwischen auf 260 Schüler erhöht, die von dem Rektor und neun Lehrern bzw. Lehrerinnen unterrichtet wurden. Die Kinder wurden von Schulärzten ausgesucht und von Krankenschwestern betreut.

Bis zum Ersten Weltkrieg war die Schule eine reine Sommerschule. Ab 1918 war sie eine ganzjährig geöffnete Ganztagsschule. 1928 begann der Ausbau der Waldschule in dem damals zeitgemäßen Pavillonstil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die bei Bombenangriffen beschädigten Holzhäuser zuerst repariert, später dann abgerissen und durch pavillonartige Steinbauten ersetzt. Inzwischen war die Waldschule zu einer gewöhnlichen Grundschule mit einem Einschulungsbezirk geworden. 1968 erhielt die Wald-Volksschule offiziell den Namen Wald-Grundschule.

Zur Schule gehören außerdem das Verwaltungsgebäude, eine große Sporthalle, ein großer Musiksaal mit Bühne, zwei große Spielplätze, der Schulgarten, auf dem wir uns befinden, zwei Bolzplätze und zwei Freiluftklassen. Der Schulgarten wurde 2016 beim Lenné-Projekt ausgezeichnet.

Station 7.2: Waldschulallee / Wald-Gymnasium

Die Wald-Oberschule wurde 1910 als Sonderschule für erholungsbedürftige Kinder gegründet. Der Schulbetrieb fand in Holzbaracken oder im Freien statt und beschränkte sich auf das Sommerhalbjahr. Im Winter kehrten die Schüler und Schülerinnen wieder in ihre jeweiligen Stammschulen zurück. Wilhelm Krause, seit 1921 an der Schule, betrieb als Direktor die Umwandlung in eine Ganztagsschule. Es wurden nun für die Schüler und Schülerinnen gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Unterrichtszeit organisiert: zum Beispiel Theateraufführungen, Spiele, Ausflüge und Schwimmen in einem Bad, das sich inzwischen auf dem Gelände befand. Ab 1928 konnte man an der Schule die Mittlere Reife ablegen, ab 1936, nach der Erweiterung zur Oberrealschule, das Abitur.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Holzhäuser für militärische Zwecke genutzt und waren nach dem Krieg schwer verwüstet. Doch schon am 6. Juni 1945 wurde die Wald-Oberschule wieder eröffnet, und zwar als normale, allen Kindern offenstehende Schule mit Halbtagsbetrieb. In den 1950er-Jahren wurden auch Schüler und Schülerinnen aus der DDR aufgenommen, die aus politischen Gründen nicht zur Erweiterten Oberschule (EOS) zugelassen worden waren.

Ab 1956 wurden in knapp 20 Jahren die seit der Gründung der Schule charakteristischen Holzbaracken durch ebenerdige Steinhäuser ersetzt. Der Bau einer neuen Turnhalle, eines Verwaltungsgebäudes und, nach Einführung der reformierten Oberstufe 1973, eines großen zweistöckigen Oberstufengebäudes folgte. Erhalten blieb das weitläufige Parkgelände mit hohen alten Bäumen und ausgedehnten Rasenflächen.

Zum hundertjährigen Jubiläum wurde ein Erweiterungsbau für Naturwissenschaften errichtet mit je einem Chemie- Biologie- und Physikraum.

Ich danke ganz herzlich Herrn Seidler für die spannende Führung. Wir verlassen nun das Schulgelände über den Hinterausgang und machen dann einen längeren Spaziergang durch den Wald. Wir treffen uns wieder auf der Teufelsseechausee.

Station 8: Teufelsberg

Vor uns befindet sich, verdeckt durch die hohen Bäume, der Teufelsberg. Er ist stolze 120 m hoch, die zweithöchste Erhebung in Berlin. An seiner Stelle wurde in den 1940er-Jahren die Wehrtechnische Fakultät gebaut. Sie wurde nie vollendet und gleich nach dem Krieg wurde der Rohbau gesprengt und abgerissen. Die Gebäuderuinen wurden mit Trümmern aus dem ganzen Stadtgebiet aufgeschüttet. 22 Jahre lang luden bis zu 800 Lastzüge täglich bis zu 7000 Kubikmeter Schutt ab. Bis 1972 wurden insgesamt 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt hier abgeladen. Das entspricht grob einem Drittel der Trümmer zerbombter Berliner Häuser und etwa 15.000 Gebäuden. Man kann also auf diesem Berg sozusagen die deutsche Geschichte auf ihren Trümmern erlaufen und sich eine Vorstellung verschaffen, wie gigantisch die Vernichtungen des 2. Weltkriegs allein in Berlin waren.

Bereits in den 1950er-Jahren begann die US-Armee sich für den Berg als Station für eine Abhöranlage und für die Flugüberwachung zu interessieren. Zuerst war die Anlage mobil, später wurden feste Gebäude errichtet. Insbesondere die drei Flugkorridore zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik wurden kontrolliert. Westberlin lag aber inmitten des sowjetischen Einzugsgebiets und bot daher in den Zeiten des Kalten Krieges hervorragende Spionage-Möglichkeiten. Weit in die Warschauer-Pakt-Staaten hinein wurden der Funkverkehr und Telefongespräche abgehört.

1972 wurde der Berg mit Sand und Mutterboden angereichert und mit ca. einer Million Bäumen bepflanzt. Der Senat von Berlin legte einen Skihang mit Skilift, eine Rodelbahn und eine Sprungschanze an, so dass man in dem eingeschlossenen Westberlin nicht nur Schlittschuhlaufen auf den zugefrorenen Seen, sondern sogar Ski laufen konnte. Seinen Namen hat der Teufelsberg vom nahegelegenen Teufelssee. Wo der Name des Teufelssees her kommt, ist nicht bekannt, aber es könnte sein, dass es hier in vorchristlicher Zeit einen Kultort gab. Ein kleiner Teil der Teufelsberg-Grünanlage blieb von der militärischen Nutzung verschont. Dort wurde am Südhang in den 1970er- und 1980er-Jahren Wein angebaut, aus dem das Wilmersdorfer Teufelströpfchen gekeltert wurde.

Nach der Maueröffnung wurde die Anlage bis 1999 als Flugsicherungsradar-Station genutzt. Seitdem verfällt die Station. Die Pläne eines Investors, eine Hotelanlage zu errichten, scheiterten. Seit April 2006 ist das Gelände als Wald ausgewiesen, also als nichtbebaubares Gelände. Am 30. Oktober 2018 wurde der Teufelsberg aus städtebaulichen und historischen Gründen unter Denkmalschutz gestellt. Hier ein Zitat von Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, bei der Bekanntgabe der Unterschutzstellung:

Der Teufelsberg ist ein einzigartiges und vielschichtiges Geschichtsdenkmal des 20. Jahrhunderts, das in dieser Art wohl nur in Berlin – als Hauptstadt des Nazireichs und geteilter Stadt im Kalten Krieg – entstehen konnte.

Die verfallenen Gebäude der Abhöranlange sind derzeit unkontrollierten Veränderungen ausgesetzt. Trotzdem sind die einzelnen Bauten, die Türme und die Kuppeln noch vorhanden und bilden die charakteristische weit in die Stadt wirkende Struktur und Silhouette. Jeder Berliner kennt die künstliche Landschaft mit ihren Anlagen und ihrer Geschichte. Sie ist Ausflugsziel von Experten, Historikern, Veteranen des Kalten Krieges und vielen Touristen aus aller Welt.

Nun wandern wir die Teufelsseechaussee hinunter zum Naturschutzzentrum Ökowerk. Wir treffen uns unten auf dem Festplatz genannten Areal zwischen dem Bistro und dem Maschinenhaus wieder.

Station 9: Naturschutzzentrum Ökowerk

Ökowerk
Ökowerk
Bild: BA CW, ML

Ich möchte ganz herzlich Frau Kehl, die Geschäftsführerin des Naturschutzzentrums Ökowerk, begrüßen. Sie wird uns nun die Geschichte des Ökowerks erzählen und berichten, was hier für tolle Projekte durchgeführt werden. Am Schluss gibt es für diejenigen, die noch Lust haben ein Schmankerl: Frau Kehl wird Ihnen nämlich das Maschinenhaus zeigen. Die anderen können sich vor dem Aufstieg zum S-Bahnhof Heerstraße im Bistro stärken.

Vielen Dank, Frau Kehl!

Hier beende ich nun den 211. Kiezspaziergang. Diejenigen unter Ihnen, die noch Lust haben, folgen Frau Kehl ins Maschinenhaus, die anderen können sich das Gelände anschauen oder ein bisschen im Bistro verweilen. Der Rückweg bis zum S-Bahnhof Heerstraße ist ungefähr 2,5 km lang.

Ehe Sie nun aber alle auseinanderströmen, möchte ich Sie noch einmal an den Treff- und Zeitpunkt des nächsten Kiezspaziergangs mit meinem Kollegen Bezirksstadtrat Wagner erinnern. Treffpunkt ist am Samstag, den 10.8.2019, um 14 Uhr an der nordöstlichen Ecke Fürstenbrunner Weg / Spandauer Damm.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit hier im Ökowerk und anschließend einen guten Nachhauseweg. Tschüss, bis zum nächsten Mal!