198. Kiezspaziergang

Vom S-Bahnhof Grunewald zum S-Bahnhof Grunewald (Rundweg)

mit Bezirksstadtrat Herz

Bildvergrößerung: Kartenskizze 198. Kiezspaziergang am 09.06.2018
Kartenskizze 198. Kiezspaziergang am 09.06.2018
Bild: BA CW, ML

Treffpunkt: S-Bahnhof Grunewald / Karmielplatz
Länge : ca. 3 km

Herzlich willkommen zum 198. Kiezspaziergang. Ich bin Arne Herz, Bezirksstadtrat
für Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten, und ich werde
Sie heute auf unserem ungefähr 3 km langen Spaziergang führen. Wir werden
uns zuerst ein paar prächtige Villen in der Douglasstraße und der Koenigsallee
anschauen. Teilweise sind sie inzwischen Botschaftsresidenzen. Durch das
Hundekehlefenn spazieren wir dann am Hundekehlesee entlang zum Steffi
Graf-Stadion und dem Tennisclub LTTC Rot-Weiß Berlin. Unser Kiezspaziergang
ist ein Rundweg und endet wieder am S-Bahnhof Grunewald.

Doch ehe wir beginnen, möchte ich Ihnen den Zeit- und Treffpunkt des
Julispaziergangs mitteilen, den ich wieder mit Ihnen zusammen gehen werde. Er
findet am Samstag, den 14.7.2018, um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist am
Steubenplatz, und zwar Preußenallee / Ecke Olympische Straße. Von dort
spazieren wir durch Neu-Westend über den Brixplatz an der Dietrich-Bonhoeffer
Grundschule vorbei zum Ruhwaldpark.

Station 1: Vor dem S-Bahnhof Grunewald

Bildvergrößerung: S-Bahnhof Grunewald, Kiezspaziergang 09.06.2018
S-Bahnhof Grunewald, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 1.1: Bahnhof Grunewald

Am 1. August 1879 wurde der Bahnhof unter dem Namen Hundekehle in Betrieb genommen. Dieser Name bezog sich auf das nahe dem Bahnhof im Grunewald liegende Hundekehlefenn und den Hundekehlesee. Zu dieser Zeit besaß der Bahnhof mit vier Bahnsteigen seine größte Ausdehnung. Am 15. Oktober 1884 erhielt er seinen heutigen Namen.

Mit der Errichtung der Villenkolonie Grunewald erhielt der Bahnhof 1899 ein repräsentatives Empfangsgebäude nach Entwürfen von Karl Cornelius. Das Gebäude, ein verputzter Ziegelbau mit Sandsteinteilen, vermittelt den Eindruck eines Burgtores, über dem ein Flügelrad wie ein Wappen prangt. Gekrönt wird das Gebäude durch eine Windfahne in Form einer Dampflokomotive. Auch die restliche Bahnhofsanlage wurde zu dieser Zeit umgestaltet und die beiden Zugangstunnel, von denen heute nur noch einer in Betrieb ist, angelegt.

Zwei Bereiche des Bahnhofs Grunewald stehen jeweils als Gesamtanlagen unter Denkmalschutz. Zum einen der Komplex Ringbahn-Endstation Grunewald mit Stationsgebäude von 1879, Stellwerk, Funktionsgebäude und Gleisanlagen mit der Gedenkstätte Gleis 17, zum anderen der Komplex S-Bahnhof Grunewald, das Empfangsgebäude mit dem von Karl Cornelius entworfenen Bahnhofsgebäude von 1899, dem Tunnel und zwei Bahnsteigen.

Station 1.2: Karmielplatz / Mahnmale

Die Vernichtung der deutschen jüdischen Bevölkerung wurde am 20. Januar 1942 auf der Wannsee-Konferenz formal beschlossen. Die Deportationen aus dem ganzen Deutschen Reich und den besetzten Gebieten in die Vernichtungslager begannen jedoch bereits im Oktober 1941 und wurden von der Deutschen Reichsbahn durchgeführt. Von den Berliner Deportationsbahnhöfen Moabit und Grunewald wurden mehr als 50.000 jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen wie Vieh in die Vernichtungslager transportiert. Der erste Deportationszug verließ den Bahnhof Grunewald am 18. Oktober 1941 mit 1.013 Personen, der letzte am 5.1.1945 nach Sachsenhausen. Die Reichsbahn verlangte von der SS pro Person und gefahrenem Schienenkilometer 4 Pfennige, pro Kind 2 Pfennige, nur die Hälfte wenn mehr als 400 Menschen transportiert wurden. Für die ersten Transporte wurden noch Personenzüge verwendet, später Güterzüge.

Die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Holocaust blieb lange unbeachtet. Erst in den 1980er- und 1990er-Jahren wurden in Erinnerung an diese Ereignisse am Bahnhof Grunewald mehrere Mahnmale errichtet.

Das 1991 geschaffene Mahnmal des Berliner Senats befindet sich gleich rechts neben dem Bahnhofsgebäude. Die von der Deutschen Bahn AG 1998 errichtete Gedenkstätte Gleis 17 ist sowohl vom Weg rechts dem Bahnhof aus als auch über eine Treppe im Tunnel erreichbar. Heute gilt unsere Aufmerksamkeit aber einem der ersten Mahnmale, dieser kleinen Birkengruppe hier mit den Eisenbahnbohlen und einer Bronzetafel, auf der folgender Text steht:

18. Oktober 1941
Im Gedenken an die Menschen,
die von diesem Bahnhof
deportiert wurden
Berlin-Wilmersdorf, den 18. Okt. 1987

Das Mahnmal wurde am 18.10.1987, dem 46. Jahrestag des ersten Transports, von einer Frauengruppe der evangelischen Gemeinde Grunewald enthüllt.

Station 1.3: Karmielplatz / Bücherbox

Die Idee der Bücherbox stammt von Konrad Kutt. In der Bücherbox am Karmielplatz ist eine kleine Bibliothek zum Thema Rassismus, Nationalsozialismus und jüdisches Leben entstanden. Jeder kann hier Bücher beisteuern. Wer ein Buch bringt, nimmt ein anderes mit. So ist die ehemalige Telefonzelle eine Art Mini-Bibliothek auf der Straße und in dem Fall hier neben dem Bahnhof Grunewald, von dem aus so viele Menschen in den Tod geschickt wurden, auch ein Ort der Aufklärung. Für Ausbau und Pflege sind immer Schüler und Schülerinnen oder Auszubildende verantwortlich.

Wir gehen nun durch die Fontanestraße bis zur Bettinastraße, biegen rechts in die Bettinastraße ein, gehen später leicht links in die Douglasstraße und treffen uns wieder vor dem Haus Douglasstraße 24-28.

Station 2: Douglasstraße 24-28

Bildvergrößerung: Douglasstr. 24-28, Kiezspaziergang 09.06.2018
Douglasstr. 24-28, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 2.1: Douglasstraße / Herkunft des Namens

Die Douglasstraße wurde nach dem englischen Botaniker David Douglas benannt. Er wurde 1798 oder 1799 geboren und starb bereits 1834 bei einem Unfall wärend einer seiner vielen Exkursionen nach Nordamerika. Er führte viele Pflanzen in Europa ein, die heute noch unsere Parks und Gärten zieren. Unter anderem ist die Douglasfichte nach ihm benannt. Der Unternehmer und Gärtner John Cornelius Booth von der Kurfürstendammgesellschaft benannte 1898 die über seinen Grundbesitz führende Straße nach ihm.

Station 2.2: Douglasstraße 24-28 / Villenkolonie Grunewald

Als erstes möchte ich Ihnen etwas zur Geschichte der Villenkolonie Grunewald erzählen und werde mich dabei hauptsächlich auf den langen Aufsatz auf unserer Website von Herrn Metzger beziehen, den Sie ja sicher alle als Vorgänger von Frau Lübcke noch gut in Erinnerung haben. Ich zitiere:

Wahrscheinlich war die Villenkolonie Grunewald als “Millionärskolonie” die spektakulärste Wohnsiedlung Berlins. Sie zog Staunen, Verwunderung, Neid, Hass oder Verachtung auf sich, kalt ließ sie niemanden. Schon der Gassenhauer, der ihre Entstehung begleitete, bringt die ambivalenten Reaktionen der Berliner zum Ausdruck: “Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion”. Auch damals war es höchst unpopulär, für die Anlage einer Wohnsiedlung Bäume zu fällen, und der Grunewald war in Berlin als Erholungsgebiet sakrosankt. Auf dem Situationsplan von 1888 sehen sie den Grunewald und zwischen Halensee und Hundekehlesee östlich der Eisenbahnlinie das Gebiet der geplanten Villenkolonie. […] Beginnen wir von vorne, und das heißt: am Kurfürstendamm. Als Bismarck 1871 nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs aus Paris zurückkam, wollte er in Berlin etwas Ähnliches haben wie es die Champs-Élysées in Paris darstellten, einen prachtvollen Boulevard, der vom städtischen Zentrum in einen grünen Wald führte. Der Kurfürstendamm schien dafür wie geschaffen. […] Aber trotz des Reichskanzlers persönlichen Einsatzes war der Umbau des Kurfürstendammes nicht leicht zu realisieren, denn er musste privat finanziert werden, und private Geldgeber waren am Ausbau einer Prachtstraße, die in den Wald führte, nicht interessiert. Am Ende gelang es, unter Führung der Deutschen Bank eine Kurfürstendamm-Gesellschaft zu gründen, die bereit war, den Kurfürstendamm mit einer Breite von 53 m auszubauen, also immerhin halb so breit wie die Champs Èlysées – allerdings nur unter der Bedingung, dass sie das Vorkaufsrecht auf 234 ha Grunewaldgelände am westlichen Ende des Kurfürstendammes erhielt und dort eine Villenkolonie anlegen durfte. Die Kolonie Grunewald war also das Ergebnis eines mühsam ausgehandelten Koppelgeschäfts, und weder der Berliner Magistrat noch die Forstverwaltung waren damit einverstanden. Aber Bismarck hatte den Verkauf durch den preußischen Fiskus durchgesetzt.

Die Erschließung der 234 ha Grunewald begann 1889, als die [ich zitiere wieder]:

zusätzlich zum natürlichen Halensee im Norden und Hundekehlesee im Süden der künftigen Kolonie vier künstliche Seen angelegt [wurden]: Dianasee, Koenigssee, Herthasee und Hubertussee. Damit wollte man das sumpfige Gelände trockenlegen, Brackgewässer vermeiden und wertvolle Seegrundstücke schaffen. […]

Noch im gleichen Jahr [nämlich 1889] bot die Kurfürstendamm-Gesellschaft die ersten baureifen Grundstücke an. In den folgenden Jahren vermarktete sie sowohl ihr Baugelände am Kurfürstendamm als auch das in der Villenkolonie mit hohem Gewinn.

Hier eine Einschätzung von Paul Voigt aus dem Jahr 1901, zitiert aus dem Artikel von Karl-Heinz Metzger zur Villenkolonie:

In der Villenkolonie Grunewald ist eine Luxusstadt entstanden, die in Europa wohl ihresgleichen sucht, und die – allerdings nur den oberen Klassen – die denkbar vollkommenste Befriedigung des Wohnbedürfnisses ermöglicht. Sie ist aber gleichzeitig eine der größten Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt geworden, deren landschaftliche und architektonische Schönheiten sich zu einem Bilde von höchstem malerischen Reize vereinigen, das an heiteren Sommertagen viele Tausende hinauslockt. Die zahlreichen, prachtvollen Landhausbauten mit ihrer bunten Mannigfaltigkeit der Stilarten haben der Berliner Baukunst neue Impulse gegeben und üben einen nicht gering zu schätzenden Einfluß auf die Verfeinerung des künstlerischen Geschmackes aus […]

Nun weiter mit Karl-Heinz Metzger:

Die Villenkolonie Grunewald bot reichlich Raum für individuelle Gestaltung. Von kleinen Einfamilienhäusern und Mietvillen bis zu schlossartigen Großvillen mit ausgedehnten Parks auf bis zu 80.000 qm großen Seegrundstücken war alles möglich. Die architektonische Gestaltung war frei. Allerdings wurden bereits im Kaufvertrag zwischen der Oberförsterei Grunewald und der Kurfürstendamm-Gesellschaft strenge Auflagen für eine landhausmäßige Bebauung festgelegt.

Diese Bestimmungen waren […] flexibel genug, um eine große architektonische Vielfalt zu ermöglichen. Manche Bauherren und Architekten wurden durch die Bestimmungen zu kreativen Höchstleistungen angespornt, wenn es etwa darum ging, die maximal zugelassenen drei Geschosse auch maximal zu nutzen, etwa durch eindrucksvolle Turmgestaltungen oder extensive Dachausbauten.

Wer wohnte also nun in diesen Villen? Wenn wir die prominenten Bewohner Revue passieren lassen, an die heute zum Teil mit Gedenktafeln erinnert wird, dann waren das Bankiers und bedeutende Mäzene wie Felix Koenigs, Carl Fürstenberg, Robert und Franz von Mendelssohn, Verleger und Intellektuelle wie Samuel Fischer, die Brüder Franz, Hermann, Louis und Hans Ullstein, Alfred Kerr, Maximilian Harden und Walther Rathenau, Schriftsteller wie Gerhart Hauptmann, Hermann Sudermann, Vicki Baum und Lion Feuchtwanger, Wissenschaftler wie Max Planck, Adolf von Harnack, Werner Sombart, Hans Delbrück, Karl Abraham, Karl Bonhoeffer und Ferdinand Sauerbruch, Film- und Theaterleute wie Max Reinhardt, Albert Bassermann, Friedrich Murnau, Isadora Duncan und Engelbert Humperdinck.

Diese Zusammensetzung führte zu einem großzügigen und intellektuellen gesellschaftlichen Leben, was durch die Nationalsozialisten beendet wurde. Viele Einwohner und Einwohnerinnen mussten fliehen oder wurden ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in manchen Villen öffentliche Institutionen eingerichtet, wie zum Beispiel: das Wissenschaftskolleg in der Wallotstraße, die Europäische Akademie in der Bismarckallee, um nur zwei zu nennen.

Und noch einmal Karl-Heinz Metzger:

Heute sind die vielfältigen Spuren der Zerstörung ihres ursprünglichen Charakters unübersehbar: Auf den großen Seegrundstücken wurden zum Teil in den 50er- und 60er-Jahren Sozialwohnungen in Reihenhäusern errichtet. An vielen Stellen wurden Grundstücke geteilt und die Bebauung verdichtet, häufig mit hässlichen Flachbauten. Seit den 80er-Jahren konnte mit den vereinten Kräften des Denkmalschutzes und des Bezirksamtes die Restaurierung vieler Villen und Villengärten erreicht werden, und auch beim Neubau können inzwischen anspruchsvollere ästhetische Vorstellungen von Villenarchitektur beobachtet werden. Aber nach wie vor besteht ein großer Druck, die teuren Grundstücke durch Gewerbeansiedlung gewinnbringend zu nutzen. In manchen Fällen konnten Villen, wie wir gleich noch sehen werden, durch die Einrichtung von Botschaftsresidenzen gerettet und neu belebt werden.

Station 2.3: Douglasstraße 24-28 / Landhaus Erxleben

Die Villa wurde 1907 von den Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser für den Bankier Julius Erxleben gebaut. Die Villa ist für die Villenkolonie Grunewald ungewöhnlich. Sie wirkt monumental und verspielt zugleich und hat eine für diese Architekten typisch vielfältige Dachlandschaft, die durch das große Walmdach zusammengehalten wird. An der Ecke wurde ein stämmiger Turm gebaut. Auffallend sind die zahlreichen kleingesprossten Fenster mit unterschiedlichen Formen und Proportionen. Es gibt viele kleine Details und trotzdem wirkt das Gebäude schwer. Im Inneren sind einige Elemente erhalten, so der Kamin, der wohl aus der Renaissance stammt, die Diele, das Treppengeländer u.a. Das Grundstück reichte früher bis zur Auerbachstraße. Auf einem großen Teil befindet sich heute der Tennisclub LTTC Rot-Weiß Berlin, zu dem wir gegen Ende unseres Spaziergangs noch kommen werden.

Das Haus diente in den 50er-Jahren als Filmkulisse unter anderem für Edgar-Wallace-Filme. Hier lebte zeitweilig Renate Holm. Sie wurde 1931 als Renate Franke in Berlin geboren. 1961 gelang ihr als Opernsängerin an der Wiener Staatsoper der große Durchbruch. Meist unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan sang sie an allen großen Opernbühnen, häufig mit Rudolf Schock oder Fritz Wunderlich. Außerdem wirkte sie in rund dreißig Musik- und Heimatfilmen mit. Auch die 1923 geborene Ursula Meissner lebte hier. Als 20jährige Schauspielerin am preußischen Staatstheater versteckte sie 1943 Konrad Latte und seine Eltern. Konrad Latte war damals Organist an der Dahlemer Sankt Annen-Kirche. Wegen seiner jüdischen Herkunft geriet er immer mehr in Bedrängnis, überlebte aber die Nazizeit dank der Hilfe von Ursula Meissner und anderen. Später wurde er als Leiter des Berliner Barock-Orchesters bekannt.

Station 2.4: Douglasstraße 22 und 22 A

Ganz anders das Doppelhaus hier rechts in der Douglasstraße 22, 22 A.

Die Doppelvilla in der Douglasstraße 22-22a erbaute 1901/02 als Architekt und Bauherr der Maurermeister Wilhelm Körner. Die Anlage setzt sich aus zwei Teilbauten mit spiegelgleichen Grundrissen zusammen – ablesbar an der Anordnung der Fenster -, besitzt aber, und das ist charakteristisch für ihre Entstehungszeit, zwei völlig verschieden gestaltete Fassaden. Bei der Nr. 22 mit Fachwerkgiebeln und hohem Feldsteinsockel überwiegt die Idee der Landhausarchitektur, die Nr. 22a hingegen zitiert mit ihrem geschwungenen Neorenaissancegiebel und dem süddeutschen Bauten nachempfundenen Erker Elemente aus der Villenarchitektur. Verschliffen wird dieser Kontrast durch die nahezu identischen Innenachsen und das gemeinsame steile Satteldach. Solch eklektischer Umgang mit Baudetails gehörte schon zu den Charakteristika des großen Mietvillenkomplexes an der Koenigsallee/Ecke Hagenstraße, den Körner 1896 ausgeführt hatte.

So erläutert das Landesdenkmalamt Berlin die Denkmalwürdigkeit des Hauses.

In dem Haus Nr. 22 wohnte von 1919 bis zu seiner Auswanderung in die USA 1927 Friedrich Wilhelm Murnau, der in diesem Haus lebenslanges Wohnrecht besaß. Murnau ist der bekannteste deutsche Stummfilmregisseur. Berühmt ist sein 1922 gedrehter Film Nosferatu, eine Symphonie des Grauens, eine Verfilmung des Dracula-Themas. Murnau wurde 1888 in Bielefeld geboren und starb 1931 in Kalifornien

Station 3: Zwischen Douglasstraße 20 und 18

Bildvergrößerung: Haus Epstein, Douglasstr. 15-17, Kiezspaziergang 09.06.2018
Haus Epstein, Douglasstr. 15-17, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 3.1: Douglasstraße 15-17 / Haus Epstein

Gegenüber befindet sich das Haus Epstein, das sich der Rechtsanwalt Max Epstein von dem berühmten Theaterarchiteken Oskar Kaufmann bauen ließ, der auch das Theater am Kurfürstendamm und das Renaissancetheater, beide in Charlottenburg, entworfen hat. Es wurde zwischen 1922 und 1925 gebaut und ist damit ein Beispiel aus der Weimarer Zeit und nicht, wie die meisten Villen in der Grunewald-Kolonie, aus der Gründerzeit. Hier in der Nähe baute Kaufmann eine weitere Villa, die Villa Konschewski, die wir nachher von weitem über den See sehen werden.

Oskar Kaufmann wurde 1873 in Österreich-Ungarn geboren und starb 1956 in Budapest. Seine wichtigsten Bauwerke entstanden zwischen 1895 und 1933. 1933 ging er ins Exil nach Palästina, wo er in Tel Aviv das berühmte Habimah-Theater baute. Er konnte aber nicht an seine Erfolge in Berlin anknüpfen und entschloss sich 1939 nach Europa zurückzukehren. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konnte er nicht nach Großbritannien weiterreisen und lebte erst einmal fast mittellos in Ungarn. Erst nach dem Krieg bekam er wieder Aufträge. Er arbeitete bis zu seinem Tod für das staatliche Budapester Entwurfsbüro für Städtebau und realisierte noch einige Theaterumbauten.

Nun aber zu unserem Gebäude hier, das durch seine Bauweise einen „schwingenden, rhythmischen Charakter“ bekommt, wie das Landesdenkmalamt in seiner Begründung schreibt, und weiter: Die Besonderheit der Architektur unterstreichen die schlanken, hohen Rundbogentüren und die expressionistisch anmutenden Obergeschoßfenster, die den gesamten Bau umziehen. Das Haus Epstein ist ein herausragendes Beispiel dafür, daß eine auf herkömmliche Elemente nicht verzichtende Architektur durch individuelle Gestaltung durchaus als “modern” eingestuft werden kann, ohne sich den modernistischen Strebungen ihrer Zeit unterzuordnen.

Station 3.2: Douglasstraße 20

Die Villa in der Douglasstraße 20 baute sich der Architekt Heinrich Franßen 1898. Sie ist mit zahlreichen Zitaten aus der Gotik geschmückt.

Station 3.3: Douglasstraße 18

Daneben das Haus Nummer 18 stammt wieder aus der Weimarer Zeit. Es wurde von 1924 bis 1925 von dem Architektbüro Breslauer & Salinger gebaut. In dem Haus werden barocke Elemente aufgenommen. Die Verteilung von Öffnungen und Wandflächen und der umlaufende Putz führen aber dann doch zu einer Verortung in der Architektur der zwanziger Jahre. 1953 wurde das Haus zum Flüchlingsheim umgebaut. Heute ist es wieder ein Wohnhaus.

Wir gehen nun ein Stück weiter bis zur Nummer 14.

Station 4: Douglasstraße 11 / Villa des Grafen von Griebenow

Die Villa gegenüber wurde von 1912 bis 1913 von Hugo Maass für den Grafen von Griebenow gebaut. Hugo Maass baute für den Grafen von Griebenow noch ein weiteres Haus in der Douglasstraße 2, das wir gleich noch sehen werden und das ganz anders aussieht.

Die Villa hat ein extrem hohes ausgebautes Mansardwalmdach und ist zur Straße hin eingeschossig. Bemerkenswert ist die Doppelvorfahrt. Das abfallende Terrain machte Aufschüttungen notwendig, so daß an den von hohen geschwungenen Giebeln dominierten Nebenseiten ein zusätzliches Geschoss gewonnen wurde. Interessant an der Vorderfront ist die durch ionisierende Säulen gebildete Portalhalle, über der sich ein von einem Giebel abgeschlossener Erker mit einem Relief befindet. Der Grundriss wurde bei einem früheren Umbau, 1934, stark verändert.

Wir überqueren nun die Straße, nächster Stopp ist gegenüber der Einfahrt des Hauses Nr. 12.

Station 5: Einfahrt Douglasstraße 12

Station 5.1: Douglasstraße 12 / Haus Flechtheim

Gegenüber der Villa Harteneck steht das Haus Flechtheim, es ist eindeutig als Architektur der zwanziger Jahre zu erkennen und wurde zwischen 1928 und 1929 von Otto Rudolf Salvisberg für Julius Flechtheim gebaut. Julius Flechtheim war Jurist und Honorarprofessor und Leiter der Rechtsabteilung der I.G. Farben. 1933 wurden ihm die Lehrbefugnis und danach auch alle anderen Ämter entzogen. Er arbeitete zunächst noch als juristischer Berater und unterstützte auch Verwandte, unter anderem seinen Cousin, den Kunsthändler Alfred Flechtheim, von dem er zahlreiche Kunstwerke erwarb. Wie Sie sich sicher erinnern, haben wir ja letztes Jahr im Juli zusammen die Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum gesehen. Alfred Flechtheim flüchtete bereits 1933 aus Deutschland, Julius Flechtheim mit seiner Familie erst im April 1938 nach Zürich, wo er 1940 starb.

Der Architekt des Hauses Flechtheim, Otto Rudolf Salvisberg aus der Schweiz, arbeitete von 1905 bis 1930 in Deutschland. Besonders bekannt sind von ihm die Siedlung Onkel-Toms-Hütte in Dahlem und die Weiße Stadt in Reinickendorf, an denen sich exemplarisch die Siedlungsentwicklung des 20. Jahrhunderts von der Gartenstadtidee bis zur Moderne nachvollziehen lässt.

Beim Haus Flechtheim arbeitet Salvisberg mit den klaren Formen der Neuen Sachlichkeit. Hier der Kommentar des Landesdenkmalamts:

Die Einfriedungsmauer, die nach dem älteren Ortsstatut nicht gestattet gewesen wäre, kommentiert bereits die horizontale Lagerung der Baukörper. Einfriedung und Bauwerk, verbunden durch Wegeführung und seitliche Pergola, bilden eine auch hinsichtlich des Materials architektonische Einheit, die in dieser Konsequenz neu war und in Grunewald singulär blieb. Die mit breiten Putzfugen belebte Klinkermauer wird zu einem Gestaltungsfaktor der Architektur. In die knapp gefaßten Baukuben unter minimal geneigten Walmdächern sind die Fenster klar eingeschnitten […] Dekorative Elemente sind allein das für Salvisberg typische travertinverkleidete Portal und wenige Hausteinglieder. Die große Raumdisposition, die zum Garten hin die Folge der Repräsentationsräume legte und im Obergeschoß Schlafräume und Bäder aufnahm, forderte konsequent die Ausgliederung eines niedrigen, im rechten Winkel zur Straße vorgeschobenen Wirtschaftsflügels mit Garage, Chauffeurwohnung und Mädchenkammern, so daß das Haus Flechtheim wegen seiner Größe und inneren Disposition durchaus als großbürgerlich einzustufen ist. Von den in Grunewald erhaltenen Bauten […] kommt dem Haus Flechtheim höchster Rang zu.

Salvisberg starb beim Skifahren im Dezember 1940 in Arosa.

1989 wurde das Haus vom Land Berlin gekauft, 1992 dem Bezirk Wilmersdorf übertragen und schließlich nach jahrelangem Leerstand an die Republik Irland verkauft, die es als Residenz für die irische Botschaft vorbildlich restaurierte.

Station 5.2: Douglasstraße 10 / Gedenktafel für Alfred Kerr

In der Douglasstraße 10 wohnte von 1929 bis 1933 Alfred Kerr.

Auf der Gedenktafel am Zaun steht:

Hier lebte bis zu seiner Emigration
im Jahre 1933
ALFRED KERR
Theaterkritiker, Schriftsteller
und Dichter
*25.12.1867 Breslau +12.10.1948 Hamburg

Hier noch einmal ein Zitat aus dem Artikel zur Villenkolonie Grunewald von Karl-Heinz Metzger:

Alfred Kerr, der große Kritiker, hat über 20 Jahre in der Villenkolonie gelebt und manche der Abendgesellschaften beschrieben, an denen er teilgenommen hat. Mit der ihm eigenen Boshaftigkeit hat er die Grunewalder charakterisiert: “Die Mehrzahl der Bewohner des Grunewaldes waren einfach schwere Kapitalisten. Gepflegte Bauern im Millionärskaff.” Aber letztendlich kam auch Alfred Kerr zu einer für seine Verhältnisse geradezu überschwänglich positiven Bewertung der Villenkolonie. 1924 fasste er sie für die Jubiläumsausgabe des “Grunewald-Echos” zusammen: “Ich bin mit Berlin versöhnt, seit ich draußen wohne …”

Kerr war einer der einflussreichsten deutschen Kritiker in der Zeit vom Naturalismus bis 1933. Er veröffentlichte vor allem in Zeitungen und Zeitschriften. Kerr sah in der Kritik eine eigene Kunstform und schuf dafür einen treffenden, geistreich-ironischen und oft absichtlich saloppen Stil. Über Prag floh er 1933 nach London.

Seine Tochter Judith Kerr beschrieb in ihrem Buch Als Hitler mein rosa Kaninchen stahl die überstürzte Flucht des Vaters, dem die Familie bald folgte:

“Warum ist Papa so plötzlich weggefahren?”
“Weil ihn gestern jemand angerufen und ihn gewarnt hat, daß man ihm vielleicht den Paß wegnehmen würde. Darum habe ich ihm einen kleinen Koffer gepackt, und er hat den Nachtzug nach Prag genommen – das ist der kürzeste Weg aus Deutschland hinaus.”
“Wer könnte ihm denn seinen Paß wegnehmen?”
“Die Polizei. In der Polizei gibt es ziemlich viele Nazis.”
“Und wer hat ihn angerufen und ihn gewarnt?”
Mama lächelte zum ersten Mal.
“Auch ein Polizist. Einer, den Papa nie getroffen hat; einer, der seine Bücher gelesen hat, und dem sie gefallen haben.”

Wir gehen nun in den Park der Villa Harteneck.

Station 6: Park der Villa Harteneck

Die Villa Harteneck wurde von 1910 bis 1912 von Adolf Wollenberg für den Chemiefabrikanten Carl Harteneck gebaut. Sie hebt sich von den anderen Grunewald-Villen durch ihren öffentlich zur Schau gestellten Schlosscharakter ab und ist nicht nur ein Hauptwerk des nach der Jahrhundertwende noch einmal auflebenden Neoklassizismus, wie das Landesdenkmalamt schreibt, sondern eine der bemerkenswertesten Anlagen aus der Kaiserzeit in Grunewald überhaupt. Und weiter:

Der Gegensatz zum Haus Flechtheim könnte kaum größer sein. Während sich dieses aus dem Straßenbild fast zurückzieht, setzt jenes gewichtige Akzente. Dabei behält sein Architekt Adolf Wollenberg, […], die Hauptausrichtung zum Garten bei. […] Die Gewichtung der Straßenseite wird durch die Folge von Hauptgebäude und niedrigem, um einen Innenhof gruppierten Wirtschaftsflügel erzeugt. Die Tordurchfahrt in Form einer renaissancistischen Säulenhalle verbindet beide.

Das schlossartige Äußere der Villa wird besonders hier an der Gartenfront deutlich. Sie erinnert mit ihrem Mittelteil, das sich zum Park hin öffnet, an die offenen Arkaden antiker Architekturen. Die doppelstöckige Galerie verbindet die beiden übergiebelten Seitenvorsprünge.

Der Architekt Adolf Wollenberg wurde 1874 in Breslau geboren und starb 1950/51 in London. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts baute er zahlreiche Villen und Wohn- und Geschäftshäuser in Berlin. Er war ein passionierter Kunstsammler. Der Schwerpunkt seiner Sammlung lag bei Gemälden des niederländischen und italienischen Barocks. Da er für sich als Jude keine Zukunft in Deutschland sah, ging er bereits 1933 ins Exil, zuerst nach Paris und später nach London, wo er auch starb.

In der Zeit des Nationalsozialismus war hier der Privatwohnsitz von Wilhelm Canaris, einem deutschen Admiral mit einer widersprüchlichen Biographie. Im Ersten Weltkrieg war er Agent und U-Boot-Kommandant. Während der Weimarer Republik stand er den Freikorps und der rechtsradikalen und republikfeindlichen Organisation Consul nahe, die für den Mord an Walther Rathenau verantwortlich gemacht wird. Dazu kommen wir später noch. Canaris war zudem mitverantwortlich für die deutsche Beteiligung auf Francos Seite im Spanischen Bürgerkrieg. Im Zweiten Weltkrieg war er Leiter des militärischen Nachrichtendienstes. Ab 1938 unterstützte er jedoch auch konservative Widerstandskämpfer und konnte durch seine Arbeit auch zahlreiche Juden retten. 1944 oder 1945 fand die Gestapo sein Tagebuch und fand dadurch heraus, dass er Kontakte zu Widerstandskreisen hatte. Canaris wurde verhaftet und im April 1945 hingerichtet.

Nach einer Restaurierung zwischen 1981 und 1985 war ein Teil der Villa bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts die Residenz der südafrikanischen Botschaft. 1985 restaurierte das Gartenbauamt in Zusammenarbeit mit der Gartendenkmalpflege den Garten und machte ihn als öffentlichen Park zugänglich, während das Haus in Privatbesitz blieb. Inhaber ist heute das Hamburger Designer-Duo Ulrich Stein und Herwig Kramer, die das Haus 2014 umfangreich renovierten und als Die Villa wiedereröffneten.

Die Parkanlage zeigt sehr schön die Dreiteilung, die für die Gärten der Grunewaldvillen typisch war, heute aber kaum noch sonst irgendwo erhalten ist: in diesem vorderen, repräsentativen Teil, in dem wir uns befinden, wurde ein Ziergarten angelegt und architektonisch auf das Haus bezogen, er besteht aus einem geometrischen, gestuften Rasenparterre mit dem ovalen Fontänebecken in der Mitte und der steinernen Pergola auf der anderen Seite als architektonischem Kontrapunkt. Im Kontrast dazu steht der zur Fontanestraße hin [von mir aus links] abfallende Landschaftsgarten mit altem Wald- und Parkbaumbestand, der an den Wald erinnern sollte, der sich hier ursprünglich befand. Der Erwerbsgarten, ein Küchengarten mit Treibhäusern, ist nicht erhalten. Der Park deutet mit seinem abgeknickten Verlauf und seiner Rinnenform den ehemaligen Verlauf der Grunewaldseenkette zwischen Hundekehlesee und Dianasee an.

Zudem ist er Teil des bezirklichen Uferwanderweg-Konzeptes. Vom Dianasee aus gibt es über die Fontanestraße einen Zugang. Der Anschluss in die andere Richtung an den Hundekehlesee ist allerdings in absehbarer Zukunft nicht möglich, weil unter anderem der Tennisclub Rot-Weiß von seinem Grundstück nichts abgeben möchte.

Die Grünflächen an der Villa Harteneck werden überwiegend von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unseres Grünflächenamts gepflegt. Baumpflegearbeiten werden an externe Firmen vergeben. Der Brunnen wird im Moment noch von der Firma Wall betrieben.

Die Anlage ist ein eingetragenes Gartendenkmal und müsste von Seiten der Grünpflege mit deutlich intensiveren Pflegegängen ausgestattet werden. Dies kann vom Grünflächenamt schon lange nicht mehr geleistet werden, da nicht genügend Personal und Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Aufgrund dieser Situation wurden bereits Rosenbeete und Beete mit Wechselbepflanzung entfernt und durch Rasen ersetzt. Die aufwändige Pflege zum Beispiel der Kieswege, die regelmäßiges Harken erfordert, damit kein Wildkraut wachsen kann, können wir im Moment nicht leisten. Wir hoffen sehr, dass wir in dem Bereich in naher Zukunft etwas ändern können.

Wir verlassen nun den Park nach links und treffen uns wieder vor der Hausnummer 3.

Station 7: Gegenüber Douglasstraße 2

Bildvergrößerung: Eckhaus Koenigsallee, Douglasstr. 2, Kiezspaziergang 09.06.2018
Eckhaus Koenigsallee, Douglasstr. 2, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 7.1: Douglasstraße 3 / Residenz der australischen Botschaft

Hinter Ihnen befindet sich die Residenz der australischen Botschaft.

Station 7.2: Douglasstraße 2 / Eckhaus Koenigsallee

Gegenüber ist eine weitere Villa des Grafen von Griebenow, die, wie die Villa in der Douglasstraße 11 am Anfang der Straße, ebenfalls von Hugo Maas gebaut wurde. Man kann daran sehen, über was für ein unterschiedliches stilistisches Repertoire Maas verfügte. Die beiden zur Straßen ausgerichteten Fassaden des Eckhauses sind stilistisch sehr unterschiedlich, wie Sie selbst gleich sehen werden. Die zur Koenigsallee liegende Seite ist sehr symmetrisch gestaltet, auf unserer Seite hingegen wird das Dach „als Umrisslinie und Überstand [eingesetzt], unter dem die Fenster – unterschiedlich in Größe, Form und Proportionierung — in das Spannungsverhältnis zur Wandfläche gesetzt sind“, wie das Landesdenkmalamt schreibt.

Wir biegen nun rechts in die Koenigsallee ein und treffen uns wieder vor der Gedenktafel für Walther Rathenau in der Koenigsallee 65.

Station 8: Koenigsallee 65

Bildvergrößerung: Residenz des türkischen Botschafters, Koenigsallee 64, Kiezspaziergang 09.06.2018
Residenz des türkischen Botschafters, Koenigsallee 64, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 8.1: Koenigsallee / Herkunft des Namens

Die Koenigsallee wurde 1895 nach dem Bankier Felix Koenigs benannt, der zu den Begründern und Finanziers der Villenkolonie Grunewald zählte.

Station 8.2: Koenigsallee 65 / Wohnhaus Walther Rathenau

In der Koenigsallee 65 steht das ehemalige Wohnhaus von Walther Rathenau. Es wurde 1910 von Rathenau gemeinsam mit dem Architekten Johannes Kraaz entworfen. Rathenau lebte hier bis zu seiner Ermordung durch ein rechtsradikales Attentat. Eine Gedenktafel erinnert daran:

Dieses Haus erbaute
und bewohnte von
1910 -1922
WALTHER
RATHENAU
Reichsaußenminister

Wer war Walther Rathenau? Viele von ihnen wissen das natürlich. Rathenau wurde 1867 in Berlin geboren. Er war Industrieller, Schriftsteller und Politiker. Sein Vater war Emil Rathenau, der unter anderem Namen 1886/1887 die AEG gegründet hatte. Walther Rathenau hätte sich lieber der Kunst zugewandt oder eine Militär- oder Diplomatenkarriere absolviert. Doch letztendlich fügte er sich den Wünschen seines Vaters und studierte von 1886 bis 1889 in Straßburg, Berlin und München Physik, Chemie und Maschinenbau, aber auch Philosophie.

Rückblickend schrieb er über seine Jugendzeit:

In den Jugendjahren eines jeden deutschen Juden gibt es einen schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn ihm zum ersten Male voll bewußt wird, daß er als Bürger zweiter Klasse in die Welt getreten ist und keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien kann.

1893 bis 1898 leitete er den Aufbau der von der AEG gegründeten Elektrochemischen Werke in Bitterfeld und Rheinfelden. Danach war er in leitenden Positionen für die AEG tätig. Seit 1904 vereinigte er nach und nach mehr als 80 Aufsichtsratsposten auf sich und hatte damit eine führende Stellung in der deutschen Wirtschaft inne. In der kritischen Rezessionszeit der deutschen Elektroindustrie setzte er sich erfolgreich für Konkurrenzverminderung durch Kartelle, Syndikate und Fusionen ein.

Rathenau war zudem auch als Schriftsteller tätig. Er befasste sich kulturkritisch mit Kapitalismus und Materialismus und veröffentlichte Artikel, unter anderem in der Wochenzeitschrift Die Zukunft und Der Volkserzieher, und zahlreiche Bücher. Seine wichtigsten Werke sind: Zur Kritik der Zeit, Zur Mechanik des Geistes und Von kommenden Dingen.

Rathenau war Mitbegründer der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei, die 1918 unter anderem aus der Fortschrittlichen Volkspartei und der Nationalliberalen Partei hervorgegangen war.

Politisch setzte er sich für eine stärkere Beteiligung des liberalen, industriell tätigen Bürgertums in der Außenpolitik ein und versuchte, die deutsche Kolonialpolitik zu beeinflussen. Rathenau stellte ein planwirtschaftliches Modell auf, das besagt, dass der Markt und die zentrale staatliche Planung sich nicht unbedingt ausschließen müssen. Planwirtschaft lasse sich, daran glaubte nicht nur Rathenau, als notwendige Ergänzung zum Marktmechanismus begreifen. Sie könne dabei helfen, sowohl soziale Schieflagen zu vermeiden, als auch der Rohstoff- und Ressourcenverschwendung entgegenzutreten. Und sie sei ein Mittel gegen überzogene Profite. Ansätze davon wurden sowohl von Lenin als auch von Albert Speer übernommen. 1921 wurde Rathenau Wiederaufbauminister im Kabinett des Reichskanzlers Joseph Wirth und 1922 Außenminister im zweiten Kabinett Wirth.

Am 24. Juni 1922, einem Samstag, wollte Rathenau von seinem Haus hier zum Auswärtigen Amt fahren. Weder er noch sein Chauffeur merkten, dass sie verfolgt wurden. Kurz vor der Kreuzung Erdener / Ecke Wallotstraße zwischen Koenigs- und Halensee wurde er aus einem überholenden Auto von Rechtsradikalen erschossen. Dieses Attentat war durch Hetzkampagnen vorbereitet worden. So heißt es in einem Lied:

Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau!

Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, sich für demokratische Werte und gegen Verrohung auch bei so etwas Trivialem wie zum Beispiel Liedtexten einzutreten.

Der Nachlass von Rathenau liegt zur Zeit in Moskau und steht dort der Forschung zur Verfügung. Teile seiner Gemäldesammlung gingen als Stiftung an das Städel Museum in Frankfurt am Main.

Station 8.3: Koenigsallee 62 / Meissner Porzellan

Vor uns ist die Villa Roderbourg, ein autorisiertes Fachgeschäft für Meissner Porzellan. Mit Dekret vom 23. Januar 1710 wurde die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur“ gegründet. Deren erste Produktionsstätte war ab Juni 1710 die Albrechtsburg. Sie bot vor allem Schutz für das Herstellungsgeheimnis des weltweit ersten Hartporzellans. Um dieses zu wahren, wurde stets nur einem kleinen Kreis von Mitarbeitern ein Bruchteil des Geheimnisses mitgeteilt. Dennoch gelang es dem geflohenen Chemiker Samuel Stöltzel, die Rezepturen nach Wien zu bringen, wo 1718 mit der Wiener Porzellanmanufaktur auch die erste Konkurrenz für das Porzellan aus Meißen entstand. In Berlin wurde die erste Porzellanmanufaktur von dem Kaufmann und Wollfabrikanten Wilhelm Caspar Wegely gegründet. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten musste er sein Unternehmen verkaufen. Johann Ernst Gotzkowsky sanierte die Manufaktur. 1763 kaufte dann König Friedrich der Große das Unternehmen, seitdem heißt es Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin.

Station 8.4: Koenigsallee 64 / Residenz des türkischen Botschafters

Die weiße Villa daneben wurde 1912 bis 1913 für den Bankier Erich Goldschmidt, wie die Villa Harteneck, von Adolf Wollenberg gebaut. Seine „[…] monumentale Wirkung [beruht], wie das Landesdenkmalamt schreibt, vor allem auf dem mächtigen geschwungenen Mansarddach, das auf dem Hauptgeschoß geradezu zu lasten scheint und auf dem Spannungsverhältnis der relativ klein bemessenen Rundbogenfenster zur flächig geschlossenen Wand. Zur absichtsvollen Komposition gerät das Formenspiel der Mittelachse: Eine breite, rund ausschwingende Terrasse trägt den beträchtlich kleineren gerundeten und durchfensterten ehemaligen Speisesaalerker, dessen bekrönender Balkon zum vierachsigen Dachhaus vermittelt, das mit seinem korbbogenförmigen Giebel wiederum auf die Breite der Terrasse zurückverweist. Diesem sehr wirkungsvollen Zusammenspiel der Bauglieder ordnet sich der Dekor unter – die Neorokoko-Köpfchen in den Scheiteln der Rundbogenfenster, die schmiedeeisernen Brüstungsfelder und die Pilaster am Erker. Die Betonung des Monumentalen und die Repräsentation zur Straße trennt dieses Bauwerk von der an sich vergleichbar hierarchisch organisierten Villa Rathenau.“

In der Spätzeit des Nationalsozialismus wurde die Villa enteignet. 1953 wurde das Deutsche Rote Kreuz Hausherr und richtete dort ein Kinderkrankenhaus ein. 1963 wurde die Villa zu einem DRK-Wohnheim umgebaut und ab 1976 war es das Gästehaus des Deutschen Roten Kreuzes.

Heute dient es der türkischen Botschaft als Residenz.

Station 8.5: Gottfried-von-Cramm-Weg / Herkunft des Namens

Wir haben soeben den zum Gottfried-von-Cramm-Weg führenden Oberhaardter Weg überquert. Der Weg, der am Haupteingang des Tennisclubs LTTC Rot-Weiß Berlin endet, wurde 1983 nach dem Tennisspieler Gottfried von Cramm benannt, der im Volksmund der Tennis-Baron hieß. Gottfried von Cramm wurde 1909 geboren und starb 1976. Er spielte mehr als hundert Spiele für Deutschland im Davis-Cup und gewann davon 82 Spiele. Eigentlich wollte von Cramm Diplomat werden und ging deshalb 1928 nach Berlin, um Jura zu studieren. Er spielte in seiner Freizeit Tennis beim LTTC Rot-Weiß Berlin. Dort wurde sein Talent entdeckt. Schon 1929 war er auf Platz 10 der deutschen Rangliste. 1931 gewann er seinen ersten internationalen Titel. Von Cramm war von 1934 auf Platz 3 der Weltrangliste und zwischen 1935 bis 1937 auf Platz 2. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich maßgeblich am Wiederaufbau des deutschen Tennisverbandes und war 1948 Mitbegründer des Deutschen Tennis-Bundes. Durch sein Engagement wurde der Deutsche Tennis-Bund bereits 1950 wieder in den Internationalen Tennisverband (ITF) aufgenommen. Als populärster Tennisspieler seiner Zeit war von Cramm ein großer Vertreter des Fair Play. Nach seiner Finalniederlage bei den US-amerikanischen Meisterschaften in Forest Hills 1937 lobte ihn der siegreiche Donald Budge [ich zitiere]: Er spielte schönes, einfach beneidenswert schönes Tennis, das war ihm wichtiger als der Sieg!“

Station 8.6: Gustav-Freytag-Straße

Die nächste Straße, die wir überqueren, ist die Gustav-Freytag-Straße. Sie wurde 1909 nach dem Journalisten und Schriftsteller Gustav Freytag benannt. Er wurde 1816 geboren und starb 1895. Freytag war auch politisch aktiv, kritisierte zum Beispiel die Niederschlagung des schlesischen Weberaufstandes und war zeitweise Abgeordneter der Nationalliberalen Partei.

1844 erschien Freytags erstes Stück Die Brautfahrt oder Kunz von der Rosen, ein Lustspiel über Kaiser Maximilian. Er schrieb zahlreiche Theaterstücke und Romane. Zwischen 1859 und 1867 entstand sein kulturgeschichtliches Hauptwerk Bilder aus der deutschen Vergangenheit in vier Bänden. Freytag schilderte darin die deutsche Geschichte am Beispiel ausgewählter Quellentexte, das Werk gehörte zu den beliebtesten deutschen Geschichtswerken des 19. Jahrhunderts.

Station 8.7: Pumpwerk der Berliner Wasserbetriebe

Station 9: Koenigsallee 75 / Reiterstaffel

Die Wache Grunewald war der Standort der Reiterstaffel der Berliner Polizei. 2002 wurde sie mit 24 Pferden vom Bund übernommen. Inzwischen ist die Reiterstaffel nach Blumberg im Barnim umgezogen und das Grundstück liegt brach. Wir sind gespannt, was mit diesem Filetgrundstück am See passieren wird.

Station 10: Einfahrt Koenigsallee 77 / Hundekehlefenn

Das Naturschutzgebiet Hundekehlefenn verbindet in der sogenannten glazialen Rinne den Gruenwaldsee mit dem Hundekehlesee. Das Gebiet gliedert sich in einen sumpfig-morastigen, heute weitgehend verlandeten Teil, sowie in offene Wiesenflächen mit lichtem Birkenbestand. Das Hundekehlefenn gehört zu den letzten in Berlin existierenden Gebieten mit der ursprünglichen Flora und Fauna. Es gibt Moorweiher und Reste von Erlenbruchwäldern.

Wir gehen nun weiter und nehmen den ersten Waldweg nach rechts, spazieren dann am Hundekehlesee entlang und treffen uns gegenüber der Villa Konschewsky wieder.

Station 11: Hundekehlesee

Bildvergrößerung: Hundekehlesee, Kiezspaziergang 09.06.2018
Hundekehlesee, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 11.1: Hundekehlesee

Der 7,8 ha große und 4 Meter tiefe Hundekehlesee gehört zur Grunewaldseenkette und ist damit ein natürlicher See. Mit Entstehung der Villenkolonie Grunewald wurde das östliche Seeufer bebaut. Von hier aus gut zu sehen ist beispielsweise die terrassenförmige Gartenanlage der Villa Konschewski.

Station 11.2: Villa Konschewski

Die Villa wurde 1923 von Oskar Kaufmann für Dr. Moritz Konschewski errichtet, dem Generaldirektor der Papierfabrik AG Köslin im ehemaligen Pommern. Manche bezeichnen die Villa auch als Oskar-Kaufmann-Villa. Von Oskar Kaufmann haben wir heute bereits die Villa Epstein in der Douglasstraße 15-17 gesehen. Die Villa Konschewski erinnert in ihrem Äußeren an ein Rokoko-Schlösschen. Die weiten Flügel rechts und links sind in barocker Weise geschwungen. Die Villa wurde von Moritz Konschewski nie bezogen, sondern aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in Einzelwohnungen aufgeteilt. Das Hauptgebäude wurde um 2005 denkmalgerecht restauriert und ausgebaut. Als Kompromiss für die Investoren wurde mit Zustimmung des Landeskonservators der Abriss des Remisengebäudes erlaubt, an dessen Stelle ein Neubau entstand, der terassenförmig zum Hundekehlesee hin abfällt.

Am Ende des Sees haben wir einen schönen Blick auf das Steffi-Graf-Stadion. Dort ist unser nächster Halt.

Station 12: Zwischen Hundekehlesee und Steffi-Graf-Stadion

Bildvergrößerung: Steffi-Graf-Stadion, Kiezspaziergang 09.06.2018
Steffi-Graf-Stadion, Kiezspaziergang 09.06.2018
Bild: BA, VIZ

Station 12.1: Steffi-Graf-Stadion

Das Steffi-Graf-Stadion, vor dem wir jetzt stehen, wurde 1996 mit 7000 Plätzen gebaut und gehört zum Tennisclub LTTC Rot-Weiß Berlin. 2004 wurde das Stadion, das bis dahin Berliner Tennis-Arena hieß, zu Ehren von Steffi Graf nach ihr umbenannt.

Station 12.2: LTTC Rot-Weiß Berlin

Der Tennisclub wurde 1897 als LAWN-TENNIS-TURNIER-CLUB gegründet. Er war ein Zusammenschluss der Spielvereinigungen Königgrätzer und Lutherstraße. Die Bezeichnung Lawn Tennis wurde aus dem Englischen übernommen – lawn heißt auf Deutsch Rasen – obwohl es hier nie Rasentennisplätze gegeben hat. Später, als die Mitglieder mit rot-weißen Bändern am Hut Tennis spielten, kam der Zusatz ROT-WEISS hinzu.

Von wesentlicher Bedeutung war die Bezeichnung TURNIER CLUB, denn laut Gründungsprotokoll sollte der Club ein internationales Turnier um die Meisterschaft von Berlin ausrichten, was dann auch mit dem sogenannten Pfingst-Turnier umgesetzt wurde. Zuerst wurde auf gemieteten Plätzen gespielt, bis durch Vermittlung der Prinzessin Louise Sophie von Preußen, der Schwester der Kaiserin, der Club das Gelände hier für 750.000 Goldmark vom Forstamt kaufen konnte. Die neue Tennisanlage mit Clubhaus wurde 1907 dem ersten Pfingst-Turnier eingeweiht, das sich in der Tenniswelt bald einen Namen machte und zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Berlin wurde. Später wurde es auch Tradition, dass die deutsche Tenniselite Mitglied im Club wurde, allerdings zu einem wesentlich geringeren Mitgliedsbeitrag als „normale“ Mitglieder, die einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von mehr als € 1000,00 bezahlen.

1943 wurde die Anlage bei einem Luftangriff völlig zerstört. Durch das Engagement von Gottfried von Cramm bekam der Verein 1948 von der britischen Militärregierung die Anlage zurück. Der Magistrat von Berlin förderte den Wiederaufbau. Ab 1950 fand auch wieder das Pfingstturnier um die internationale Meisterschaft von Berlin statt. Das neue Clubhaus wurde 1958 von dem Architekten Paul Baumgarten gebaut. Es steht inzwischen unter Denkmalschutz.

Die Tradition des Pfingstturniers endete mit der Einführung des professionellen Tennis, die Preisgeldvorstellungen der Profis waren für den Club zu hoch. Ab 1979 konnten dann die German Open für die Damen beim LTTC Rot-Weiß Berlin durchgeführt werden. Nach dem Rücktritt von Steffi Graf ging das Interesse von Besuchern und Fernsehanstalten am Turnier jedoch stark zurück, was zu großen finanziellen Problemen für den Deutschen Tennis-Bund führte. 2004 verkaufte er die Rechte an der Veranstaltung an den Tennisverband von Katar, dadurch konnte das Turnier noch bis 2008 in Berlin stattfinden. Seit 2009 ist der Club Austragungsort für die Internationalen Jugendmeisterschaften. Am nächsten Wochenende startet das das diesjährige Turnier hier.

Wir gehen nun um die Anlage herum und treffen uns wieder vor der Auerbachstraße Nr. 7

Station 13: Auerbachstraße 7

Station 13.1: Auerbachstraße 7 / Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein

Wir stehen wir vor dem Haus des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin. Er wurde 1874 gegründet und ist Berlins älteste Selbsthilfeorganisation für blinde und sehbehinderte Menschen. Gleichzeitig fungiert der Verein auch als Interessensvertreter gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. In Berlin gibt es rund 25.000 blinde und sehbehinderte Menschen.

Der ABSV, so die Abkürzung, berät blinde und sehbehinderte Menschen, deren Familien, Freunde und Arbeitgeber zu sozialrechtlichen und medizinischen Fragen sowie zu praktischen Hilfsmitteln. Er macht sich außerdem stark für den Abbau von Barrieren in öffentlichen Einrichtungen und im Verkehr.

Station 13.2: Auerbachstraße 5 / Gästehaus des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins

Es gibt auch Unterstützung für Reisen für sehbehinderte Menschen, unter anderem das Gästehaus hier nebenan in der Auerbachstraße 5. Das Gästehaus verfügt über 3 Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Das Doppelzimmer kostet 75 Euro, das Einzelzimmer 50 Euro pro Nacht. Mitglieder des Vereins erhalten das Doppelzimmer für 65 Euro, das Einzelzimmer für 45 Euro pro Nacht. Alle Preise sind inklusive Frühstück. Der Aufenthaltsraum ist mit einem Internetzugang ausgestattet.

Unsere letzte Station ist wieder vor dem S-Bahnhof Grunewald, und zwar treffen wir uns auf der Grünfläche des Karmielplatzes.

Station 14: Karmielplatz

Station 14.1: Karmielplatz / Herkunft des Namens

Wir sind hier am Karmielplatz, der seinen Namen anlässlich der 30jährigen Städtepartnerschaft am 18.10.2015 zwischen der Stadt Karmiel in Israel und Charlottenburg-Wilmersdorf erhielt. Seit 33 Jahren pflegt der Bezirk Wilmersdorf und jetzt Charlottenburg-Wilmersdorf eine lebendige Partnerschaft mit Karmiel. Neben gegenseitigen Besuchen politischer Delegationen liegt ein Schwerpunkt der partnerschaftlichen Aktivitäten im Jugendaustausch und dem Austausch von Fachkräften innerhalb der Verwaltungen. Aber auch im kulturellen sowie im Sportbereich gibt es Begegnungen und Projekte.

Karmiel liegt im Norden Israels und entstand ab 1961 im arabisch besiedelten Gebiet. Die Stadt ist ein Beispiel für zukunftsorientierte Stadtplanung. Sie wurde von Anfang an für 120.000 Einwohner geplant und die verschiedenen Stadtviertel dem zukünftigen Bauplan entsprechend nach und nach gebaut. Heute leben in Karmiel etwa 50.000 Einwohner, während es 1989 noch 22.000 waren. Seit 1988 wird in Karmiel ein internationales traditionelles Tanzfestival mit überregionaler Ausstrahlung veranstaltet. Bürgermeister ist Adi Eldar. In Karmiel gibt es unter anderem Textilindustrie, Baugewerbe, Plastik-, Holz-, Eisen- und Stahlverarbeitung, sowie Hi-Tech Firmen. Die etwa 80 Firmen und Werkstätten beschäftigen ca. 8000 Menschen, nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus dem Umland.

Station 14.2: Karmielplatz / Auerbachstraße 2 / Stolperstein / Frida Kalischer

Das 1899 als „Nickel’sches Haus“ erbaute Wohnhaus an der Auerbachstraße 2 in Berlin-Grunewald gehörte 1920 der Jüdischen Gemeinde. 1921 kaufte es Ismar Freund. In jenen Jahren wohnten hauptsächlich Ministerialräte, Rechtsanwälte und Fabrikbesitzer in dem Haus. 1939 zog die Schriftstellerin Frida Kalischer in den 3. Stock ein, wo sie 4½ Zimmer mit Balkon bewohnte, für die sie 180 Reichsmark Miete an Frau Dr. Freund in Jerusalem zahlte.

Der Stolperstein vor dem Haus wurde von der Hausgemeinschaft gespendet und am 15.10.2014 – dem Gedenktag zum Beginn der Deportationen vom Bahnhof Grunewald am 18.10.1941 – in Anwesenheit von Hausbewohnern und zahlreichen Gästen verlegt.

HIER WOHNTE
FRIDA KALISCHER
JG. 1883
DEPORTIERT 14.12.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 31.12.1943

Frida Kalischer wurde am 12. März 1883 in Berlin als Frida Cohn geboren. Bekannt geworden ist ihr Buch Der Stern über der Schlucht, das 1920 erschien. Sie schrieb es unter dem Künstlernamen Fried Kalser.

Ein Jahr und zwei Monate lang hatte sie aus nächster Nähe miterlebt, wie seit dem 18. Oktober 1941 massenhaft Berliner Juden in langen Marschkolonnen oder in Lastwagen ankamen, am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald in Züge gepfercht und abtransportiert wurden. Eines Tages kam sie selbst auf die Deportationsliste und musste eine Vermögenserklärung abgeben, die einige Aufschlüsse über ihr Leben gibt und belegt, wie skrupellos sich die Nationalsozialisten am Eigentum der Juden bereicherten. In ihrer geräumigen Wohnung hatte sie drei Untermieter untergebracht: Annelies Heuser, die mietfrei ein Zimmer bewohnte, sich aber Ende 1942 in einem Krankenhaus befand, und das Ehepaar Lothar und Charlotte Chodziem, das 1½ Zimmer zur Verfügung hatte und 72 Reichsmark anteilige Miete zahlte. Ihn kennzeichnete Kalischer als „Jude“ und sie als „arisch“. Diese von den Nazis so genannte „Mischehe“ dürfte ihm das Leben gerettet haben, sie „wandern nicht aus“, schrieb Kalischer in das Formular. Frida Kalischer war eine gebildete und nach damaligen Verhältnissen wohlhabende Frau. Ihr Vermögen und der Wert ihrer Einrichtung wurde 1942 auf 75.000 Reichsmark geschätzt, wovon ihr schon 15.692,50 Reichsmark als „Reichsfluchtsteuer“ abgenommen wurden. Sie besaß einen dreiteiligen Bibliothekschrank aus Eichenholz mit 150 Büchern und ein weiteres Regal mit 250 bis 300 Büchern, die teilweise „jüd[ische] Inh[alte]“ hätten, notierten die amtlichen Plünderer im Gewand von Gerichtsvollziehern.

Am 13.12.1942 wurde sie zunächst ins Sammellager an der Hamburger Straße gebracht und von dort wieder auf den Vorplatz des Bahnhofs Grunewald getrieben. Ziel des mit mehr als 800 Menschen besetzten Zuges, von den NS-Behörden als 25. Osttransport eingruppiert, war Auschwitz. Dort wurde Frida Kalischer im Alter von 60 Jahren an Silvester 1943 ermordet. Das Stadtbüro der Berliner Handelsgesellschaft, bei der sie ihr Konto führte, schrieb im damals üblichen Stil an die Behörde des Oberfinanzpräsidenten: „Wie uns das Einwohnermeldeamt Berlin unter dem 11.2. mitteilt, ist Fräulein Kalischer am 14.12.1942 nach dem Osten übergeführt worden.- Heil Hitler!“

Hier endet unser Kiezspaziergang.

Zum Schluss möchte ich Sie noch auf den Langen Tag der StadtNatur aufmerksam machen. Er findet am nächsten Wochenende, vom 16. Juni bis 17. Juni, statt und bietet ein umfangreiches Programm mit rund 500 Führungen an 150 Orten. An der Seite von über 350 Experten und Expertinnen erfahren die Besucherinnen und Besucher nicht nur, welche tierischen Bewohner direkt vor ihrer Haustür leben, sondern sie lernen auch Naturräume kennen, die sonst unzugänglich sind. Das Programm finden Sie im Internet.

Unser nächster Kiezspaziergang führt uns durch Neu-Westend zum Ruhwaldpark. Wir treffen uns am 14. Juli 2018, um 14 Uhr am Steubenplatz, und zwar Preußenallee / Ecke Olympische Straße. Ich wünsche Ihnen einen guten Nachhauseweg und ein schönes restliches Wochenende. Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal!