HIER WOHNTE
HILDEGARD
BLUMENTHAL
GEB. BLOCK
JG 1897
DEPORTIERT 26.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Hildegard Blumenthal, geb. Block, wurde am 23. Dezember 1897 in Berlin geboren. Über ihr Leben ist nur wenig bekannt. Dokumentiert ist aber, dass sie 1919-1920 an der Musikhochschule in Berlin Gesang studierte, das Studium 1921-23 in Lübeck fortsetzte und es 1924-25 in Breslau abschloss. Ab 1925 war sie mit dem Namen Hilde Reiss als Chorsängerin an der Städtischen Oper Berlin engagiert. 1933 wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft entlassen, obwohl sie evangelisch getauft war. Im Berliner Adressbuch war Hilde Reiss (auch Reiß) seit mindestens 1933 bis einschl. 1935 mit der Adresse Sybelstraße 62 als Sängerin eingetragen.
Wann sie Herrn Reiss geheiratet hatte, war nicht herauszufinden. Aus dieser Ehe ging die Tochter Ilse hervor, die zum Zeitpunkt der Deportation ihrer Mutter in Freiburg im Breisgau lebte. Hilde Reiss heiratete in zweiter Ehe Herrn Blumenthal, der 1937/38 in der Sybelstraße 62 als Korrespondent verzeichnet war. Er muss allerdings 1938 oder 1939 verstorben sein, denn zum Zeitpunkt der Volkszählung vom Mai 1939 lebte nur Hildegard Blumenthal in dieser Wohnung – zusammen mit ihrer Untermieterin Frieda Bernhard. Auch in ihrer “Vermögenserklärung”, die sie – wie alle jüdischen Menschen – vor der Deportation auszufüllen hatte, bezeichnete sie sich als Witwe.
Hildegard Blumenthal wurde zunächst in das Polizeigefängnis in der Lehrter Straße gebracht und als evangelisch eingetragen. Dort musste sie am 22. Dezember 1942, einen Tag vor ihrem 45. Geburtstag, gemäß Verfügung vom 1.10.1942 (auf der Grundlage des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom 14.7.1933) die „Erklärung über Eigentum“ (Vermögenserklärung) ausfüllen und unterschreiben. Formal wurde Hildegard Blumenthals ganzes Vermögen „zugunsten des deutschen Reiches“ eingezogen. Allerdings ergab die Schätzung des Inventars ihrer Wohnung nichts Verwertbares. So stand es in der “Zustellungsurkunde”, die Hildegard Blumenthal am 27.Januar 1943 ausgehändigt wurde.
Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits aus dem Polizeigefängnis in das von den Nationalsozialisten als “Sammelstelle” missbrauchte ehemalige jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 eingewiesen worden. Erst am 3. Mai 1943 notierte der Obergerichtsvollzieher die Vermögenseinziehung als “erfolglos”. Er habe Hildegard Blumenthal “weder im Polizeigefängnis in der Invalidenstraße, noch in der Lehrter Straße noch in den Büchern des Polizeipräsidenten (Frauenabtl.) ausfindig machen” können.
Hildegard Blumenthal hatte nämlich bereits am 26. Februar 1943 zusammen mit 901 Berliner Leidensgenossen ca. 8 km durch die Stadt von Berlin-Mitte zum Güterbahnhof Grunewald marschieren müssen. Vom Gleis 17, das heute eine Gedenkstätte ist, wurde sie mit dem sogenannten “30. Osttransport”, dem auch über 100 Juden aus anderen Städten “zugeführt” wurden, nach Auschwitz deportiert. Auf der Transportliste wurde Hildegard Blumenthal als Nr. 420, ohne Beruf, ledig und arbeitsfähig registriert Ob sie noch Zwangsarbeit leisten musste oder unmittelbar nach Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde, ließ sich nicht feststellen.
Recherche und Text: Dr. Simona Curelea, ergänzt von Benedikt Leithner
Quellen:
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Berliner Adressbücher
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Gedenkbuch des Bundesarchvs
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA):Akte Nr. 36A (II) 3647
- Deportationsliste: https://www.statistik-des-holocaust.de/OT30-21.jpg, Nr. 420
- Dokumente Deutsche Oper Berlin