Sprachbildung geht auch anders – Warum Fremdsprachen einen wichtigen Teil beitragen
Wir kennen Sprachbildungskonzepte und Sprachförderprogramme, werden uns aber selten gewahr, dass Sprachbildung nicht nur im Deutschen stattfindet. Bei der English Summer Debate im Juli, ein prestigeträchtiges Event mit über 30 teilnehmenden Schulen aus ganz Berlin, das dieses Mal am am Lessing-Gymnasium ausgerichtet wurde, ist eines deutlich geworden: Sprachbildung hat viele Gesichter. Bei Formaten wie einer Debatte ist dieses Gesicht vor allem mündlich, interaktiv, lebendig und nicht zuletzt demokratiefördernd, tauschen sich die Teilnehmenden doch über Positionen aus, wägen ab und begegnen ihren Konkurrent*innen mit rhetorischem Geschick und durchschlagenden Argumenten. Hier wird nicht nur die sprachliche Kompetenz ausgebildet, sondern auch das Zuhören und Kompromiss-Schließen.
Am Wettbewerb nahmen Schüler*innen verschiedener Schulen aus Berlin-Mitte teil, darunter auch das Gymnasium Tiergarten, die Ernst-Schering-Schule, das Diesterweg-Gymnasium und das John-Lennon-Gymnasium. Gymnasien und Integrierte Sekundarschulen begegneten sich dabei in einer lebhaften, wertschätzenden Wettbewerbsatmosphäre. Es wurde argumentiert, widersprochen, nachgefragt und gelacht. Vor allem aber wurde Sprache als wirksames Instrument erlebt.
Die Erfolge von Schülerinnen mit ganz unterschiedlichen sprachlichen Sozialisationen machten zudem sichtbar, dass Sprachbildung immer auch Begabungsförderung sein kann. Wer im schulischen Alltag vielleicht nicht sofort durch schriftsprachliche Sicherheit auffällt, kann beim Debating analytische Stärke, Schlagfertigkeit, Ausdrucksvermögen und Präsenz entfalten. Solche Fähigkeiten zu entdecken und öffentlich anzuerkennen, erweitert den Blick auf das, was sprachliche Kompetenz ausmacht.
Dass auf Englisch debattiert wurde, eröffnete dabei einen besonderen Erfahrungsraum. Für die meisten Teilnehmenden ist Englisch eine erlernte Sprache, in der nicht jedes Wort mühelos verfügbar ist. Alle müssen Vokabeln lernen, sprachliche Unsicherheiten aushalten, nach Formulierungen suchen und den Mut aufbringen, trotzdem zu sprechen. Diese gemeinsame Erfahrung kann Hemmschwellen senken und zugleich Empathie für Menschen fördern, die sich im Alltag häufig in einer für sie noch fremden Sprache verständigen müssen.
Der Wettbewerb schuf außerdem öffentliche Sichtbarkeit für Schulen, die häufig vor allem im Zusammenhang mit Förderbedarf wahrgenommen werden. Natürlich steckt viel Arbeit mit den Schüler*innen dahinter, sich auf eine Debatte vorzubereiten, dafür aber bleiben Teilnehmenden und Publikum vor allem die Leistungen in den Wettkämpfen in Erinnerung. Hier stehen nicht Defizite im Mittelpunkt, sondern Leistung, Talent und Erfolg. Das stärkt Schüler*innen und verleiht auch ihren Schulen die Anerkennung, die ihnen gebührt.
Der Summer Debate war ein ansteckend lebhaftes, zugängliches und zugleich anspruchsvolles Ereignis. So kann Sprachbildung ebenfalls aussehen: diskussionsfreudig, laut, kompetitiv und mit hörbar viel Freude.
Nicole Wellhöfer, SFZ Berlin-Mitte