Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind die Buchläden als „geistige Tankstellen“ hoffentlich noch offen. Aber selbst wenn nicht, ein paar Buchtipps, denn auch der lokale Buchhandel verschickt ggf. Bücher oder verkauft sie teilweise außer Haus – also kein Grund Herrn Bezos noch reicher zu machen.
Den mexikanischen Drogenkrieg und seine weltweiten Verästelungen und politischen Implikationen beschreibt Don Winslow in seiner monumentalen Trilogie „Tage der Toten“, „Das Kartell“ und „Jahres des Jägers“ erschütternd, zutiefst bewegend, spannend und augenöffnend. Die westliche Drogenpolitik verhindert weder Leid noch Tod, sondern sie macht nur die Drogenbarone unfassbar reich und mächtig. Auch auf Englisch gut zu verstehen (beschert einem ein bisschen mehr Lesezeit).
Ungeschminkt, aber doch sehr viel versöhnlicher berichtet Saša Stanišić (Gewinner des Deutschen Buchpreises) in „Herkunft“ über seine Jugend als aus Bosnien nach Deutschland geflüchteter Junge – von Ausgrenzung, Aufnahme, Missverständnissen, Traumata und unverhoffter Herzlichkeit, wie etwa durch den Zahnarzt, der Flüchtlinge kostenlos behandelt, weil „Marx gute Ideen hatte, aber keine Ahnung von guten Zähnen“ und davon, wie unersetzbar unsere Großmütter sind. Ein Buch voll sprühendem Humor, herzerwärmend und genau richtig in einer Zeit, in der das Fremde Ablehnung statt Neugier weckt.
„Der Joker“ von Markus Zusak, berühmt geworden durch seine „Bücherdiebin“, ist das Buch, aus dem ich bereits mehrmals in 9. Klassen vorgelesen habe – und es war immer muxmäuschenstill und hinterher wurde wild diskutiert. Denn dieses Buch ist in seiner Sprache so alltagsnah, cool und lakonisch, dass Jung und Alt, belesen oder nicht, sofort in der Geschichte des erfolg- und mittellosen Taxifahrers Ed Kennedy eintauchen, der unvermittelt mit den großen Fragen des Lebens und den Abgründen des menschlichen Verhaltens konfrontiert wird und darauf verblüffende und doch so naheliegende Antworten findet. Über dieses Buch kann die ganze Familie ab 12 Jahren diskutieren.