Fördervorhaben: Uferrenaturierung durch Wasserpflanzenetablierung im Lietzensee im Einklang mit dem Gartendenkmal

Projektkennziffer: 1352-R6-B

Laufzeit: 08.2021-12.2023

  • Denkmalgeschützte Uferbefestigung am Lietzensee

    Denkmalgeschützte Uferbefestigung am Lietzensee

  • Grosse Kaskade am Lietzensee

    Grosse Kaskade am Lietzensee

  • Blick von der Gartenwirtschaft Stella auf den Lietzensee

    Blick von der Gartenwirtschaft Stella auf den Lietzensee

  • Geplante Filterschicht bepflanzt

    Geplante Filterschicht bepflanzt

Veranlassung

Der im Berliner Ortsteil Charlottenburg liegende Lietzensee ist eine grüne Oase mitten in Berlin und bietet den Anwohnern und Gästen der Stadt ein Ort zur Ruhe und Erholung. Der gesamte weitläufige Lietzenseepark inkl. des Lietzensees steht als Gartendenkmal unter Denkmalschutz.

Der Lietzensee ist ein von Grundwasser gespeistes, relativ flaches Gewässer und besitzt eine 6,4 ha große Wasserfläche. Er wird optisch zweigeteilt durch den Fahrdamm der Neuen Kantstraße. Lediglich ein schmaler Wasserdurchlass verbindet den nördlichen und den südlichen Teil. Die Uferlinie des Lietzensees ist vollständig als befestigtes Ufer durch eine Konstruktion aus Eichenbohlen und -kanthölzern ausgebaut. Wasserdurchlässiges Trennvlies wurde uferseitig als Sperre an Bohlen befestigt. Aufgrund der Uferverbauung ist eine natürliche Uferzone mit ausgedehnten Pflanzenbeständen im Lietzensee nicht vorhanden.
Naturnahe Uferzonen haben vielfältige wichtige ökologische Funktionen und limnologische Bedeutung. Sie tragen sowohl zum Artenreichtum als auch zur Herstellung des ökologischen Gleichgewichts und zur natürlichen Zusammensetzung der Fischpopulation bei. Fische wie der Hecht benötigen zur Fortpflanzung sogenannte „Unterwasserweiden“, um ihren Laich geschützt abzulegen. Nicht nur Hechte, sondern auch verschiedene andere Kleinlebewesen, wie Libellen, Wasserkäfer, Schnecken, aber auch verschiedene Fischarten und Vögel, sind auf bewachsene Uferzonen angewiesen, die einen natürlichen Übergang vom Land ins Wasser darstellen. Darüber hinaus tragen naturnahe Uferzonen zu einer Verbesserung der Wasserqualität bei, indem sie dem See Nährstoffe entziehen und Sauerstoff an das Gewässer abgeben.

Die Wasserqualität im See ist darüber hinaus eng mit der Grundwasserqualität des Zustroms verbunden, da der Lietzensee ein vom Grundwasser gespeicherter See ist. Voruntersuchungen im Grundwasser zeigen z. T. hohe P-Konzentrationen im Sickerwasser und Grundwasser im Einzugsgebiet des Lietzensees. Darüber hinaus ist es bekannt, dass Kolmationsprozesse, die durch Ablagerung von feinen organischen Materialen (in diesem Fall Blaualgen) hervorgerufen werden, das Porenvolumen des Sohlsubstrates reduzieren und die Gewässersohle verfestigen. Diese Prozesse wirken sich auf die hydraulische Wechselwirkung zwischen See- und Grundwasserkörper und somit auch auf die Seewasserqualität aus.

Durch die fehlende Ufervegetation und das hohe Nährstoffangebot, vor allem an Phosphor, treten aktuell ganzjährig dominierende schädliche Blaualgen (Cyanobakterien) im Lietzensee auf, die bei Kontakt mit dem belasteten Wasser eine erhebliche gesundheitliche Gefahr für Mensch und Tier darstellen.

Ziele

Ziel des Fördervorhabens ist die Etablierung von Wasserpflanzen zur Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen, zur Schaffung von Fortpflanzungsmöglichkeiten für den Hecht sowie zur nachhaltigen und dauerhaften Herstellung des ökologischen Gleichgewichts im Lietzensee.

Methoden

Zur Verbesserung der Wasserqualität des Lietzensees wurden im Zeitraum 2020-2023 umfangreiche Seesanierungsmaßnahmen durchgeführt. Im Rahmen des EU-Förderprojektes „Uferrenaturierung durch Wasserpflanzenetablierung im Lietzensee im Einklang mit dem Gartendenkmal“ hat das Umwelt– und Naturschutzamt Charlottenburg-Wilmersdorf
- Teilbereiche des Ufers mit Röhricht neubepflanzt,
- eine Seewasserfilteranlage im See installiert, die dem See überschüssige Nährstoffe entzieht und
- begleitende Untersuchungen des See– und Grundwassers, sowie der Flora und Fauna,
durchgeführt.

Seit 2024 ist die installierte Seewasserfilteranlage im Lietzensee in Betrieb.
Die Anlage besteht aus insgesamt 19 Filtersträngen die entlang des Seeufers im Nord- sowie Südteil des Lietzensees eingebracht wurden. Da sich die Anlage nahezu vollständig im Gewässer befindet, erkennt man die Anlage nur anhand der Luftblasen, die an einigen Uferbereichen an der Wasseroberfläche sichtbar sind.

Förderhinweis

Das Vorhaben „Uferrenaturierung durch Wasserpflanzenetablierung im Lietzensee im Einklang mit dem Gartendenkmal“ (Projektlaufzeit: 08/2021 bis 12/2023) wird mit rund 2,3 Mio € im Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin (Förderkennzeichen 1352-R6-B). Dieses Vorhaben wurde als Teil der Reaktion der Union auf die Covid-19-Pandemie finanziert.

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Gewässeraufsicht:

Dr. Christian Menz, Tel.: 030 9029-18820
Dr. Huyen Le, Tel.: 030 9029-18827