200. Kiezspaziergang

Vom CityCube zum Palais am Funkturm: Ein Spaziergang auf dem Messegelände

mit Bezirksbürgermeister Naumann

Treffpunkt: Messedamm 26 / Eingang am City Cube
Länge : ca. 1,5 km

Herzlich willkommen zu unserem 200. Kiezspaziergang. Wir haben uns für heute etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Wir werden nämlich von Herrn Höger und Herrn Pfeiffer über die Messe Berlin geführt. Hierzu begrüße ich ganz herzlich Herrn Höger, Pressesprecher der Messe Berlin, sowie Herrn Pfeiffer, Leiter Event Engineering. Ich freue mich sehr über diese Einladung der Messe Berlin zu unserem ganz besonderen Kiezspaziergangsjubiläum. Unser Kiezspaziergang wird im Palais am Funkturm enden.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den nächsten Kiezspaziergang ankündigen. Er wird am Samstag, den 8.9.2019, stattfinden. Beginn ist wie immer 14 Uhr. Wir treffen uns vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin, Straße des 17. Juni 135. Vor 50 Jahren war die Studentenbewegung auf ihrem Höhepunkt. Das Audi-Max der TU war einer der wichtigsten Diskussionsorte in Berlin. Zehn Jahre später tagte dort auch der TUNIX-Kongress, der die Studentenbewegung abschloss und eine neue Ära einleitete. Zudem werden wir uns anschauen, was seit unserem letzten Kiezspaziergang im Januar 2015 von den Planungen in der Hertzallee alles umgesetzt wurde. Der Kiezspaziergang endet auf dem neu angelegten Steinplatz. Dort werden wir von den Künstlerinnen Katharina Lottner und Steffka Amman empfangen, die die derzeitige Simultan-Installation Steinplatz Reloaded auf dem Steinplatz geschaffen haben.

Eingang des City Cube

 City Cube
Bild: Frau Lübcke

Nun aber erst einmal zu unserem heutigen Spaziergang. Bevor wir uns von Herrn Höger und Herrn Pfeiffer über das Gelände führen lassen, möchte ich Ihnen noch etwas zur Geschichte des Messegeländes erzählen.
Die Entstehung des Messegeländes hat mit dem großen Verkehrsprojekt der Ost-West-Verbindung vom Berliner Schloss zum Truppenübungsgelände bei Döberitz zu tun, das um 1900 auf Initiative Berlins und des Militärs geplant wurde. Die damals noch selbständige Großstadt Charlottenburg betrachtete dieses Heerstraßenprojekt zunächst sehr skeptisch und hatte kein Interesse an einer breiten Militärstraße mitten durch Charlottenburg. Charlottenburg verhandelte hart und stimmte erst zu, nachdem es als Gegenleistung zu einem günstigen Preis das heutige Messegelände erwerben konnte.
1902 wurden schließlich alle Häuser an der Südseite der Bismarckstraße abgerissen, um die Straße zu verbreitern und über den Kaiserdamm zur Heerstraße zu verlängern. 1914 baute am heutigen Standort des Zentralen Omnibusbahnhofes der Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller eine erste riesige Ausstellungshalle von 240 Meter Länge und 74 Meter Breite.

In den Kriegsjahren wurde sie zunächst nicht genutzt. Aber bald nach dem Ersten Weltkrieg, 1921, präsentierte die Automobilindustrie ihre erste Ausstellung in Halle l. Die Existenz dieser Halle und des freien Geländes in ihrer Nachbarschaft gab schließlich den Ausschlag dafür, dass die Wahl für den Ausbau des Berliner Ausstellungsgeländes auf Charlottenburg fiel.
Noch im gleichen Jahr entstanden zwei neue Ausstellungshallen, die Automobilhalle II auf dem genannten Gelände und südlich davon am Messedamm die Halle der deutschen Funkindustrie, in der gleich nach ihrer Fertigstellung im Dezember 1924 die erste Große Deutsche Funk-Ausstellung durchgeführt wurde. Die Halle baute man ganz aus Holz, um Störungen des Sende- und Empfangsbetriebs zu vermeiden.
Daneben entstand nach den Plänen des Architekten Heinrich Straumer das 138 Meter hohe Stahlskelett des Funkturms, der am 3. September 1926 zur dritten Großen Deutschen Funkausstellung eröffnet wurde. Die 400 Tonnen schwere Stahlrahmenkonstruktion enthält in 55 m Höhe ein zweigeschossiges Restaurant und in 125 m Höhe eine Aussichtsplattform. Der Lange Lulatsch ist ein Wahrzeichen des Messegeländes und ganz Berlins. Als Sendemast wird er heute nur noch für den Polizeifunk genutzt. Im Moment wird der Funkturm restauriert, wird aber in ein paar Tagen wieder zugänglich sein.
1926 fand in den Hallen am Kaiserdamm erstmals die Grüne Woche statt, 1929 und 1930 wurden zwei weitere Hallen von Martin Wagner und Hans Poelzig gebaut. 1935 vernichtete ein Brand die hölzerne Funkhalle. Im gleichen Jahr eröffnete man weiter südlich die Deutschlandhalle, die als Sporthalle und Veranstaltungsstätte das Messegelände ergänzen sollte. Sie wurde von Franz Ohrtmann und Fritz Wiemer als Stahlkonstruktion zu den Olympischen Spielen 1936 für 10.000 Zuschauer als Mehrzweckhalle errichtet. Die 117 m lange und 83 m breite Dachkonstruktion aus Stahl galt als architektonische Meisterleistung Sie war damals die größte Mehrzweckhalle weltweit und wurde von den Nationalsozialisten für Massenveranstaltungen benutzt. 2011 wurde die Deutschlandhalle abgerissen und durch den City Cube ersetzt. Dazu hören Sie nachher noch mehr.
Richard Ermisch baute 1935/36 an der heutigen Masurenallee die monumentale 32 Meter hohe Ehrenhalle, die 1937 fertig wurde. Nur die äußeren Partien mit den beiden runden Eckbauten sind erhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Messehallen stark beschädigt. Die beiden Automobilhallen nördlich der Neuen Kantstraße und Masurenallee wurden später abgetragen und machten Platz für die Stadtautobahn und den Zentralen Omnibusbahnhof. Schon 1945 begann der Wiederaufbau der Hallen südlich der Masurenallee, und 1948 fand erstmals wieder eine Grüne Woche statt. Zur Ersten Deutschen Industrieausstellung im Oktober 1950 wurden bereits neue Hallen fertig gestellt. Aber erst 1957 hatte man wieder die gleiche Ausstellungsfläche wie in der Vorkriegszeit erreicht. 2003 wurde das Areal durch den Haupteingang Süd ergänzt. Die in Charlottenburg ansässige Messe Berlin GmbH, wie sie heute heißt, gilt als Berlins größter Initiator von Geschäftsreisen. Sie stellt einen Konzern dar, der zu den zehn umsatzstärksten Messegesellschaften der Welt zählt. Die Messe Berlin organisiert und veranstaltet regionale, nationale und internationale Messen, Ausstellungen, Kongresse und sonstige Ereignisse, die im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Menschen nach Berlin gebracht hat.
Mehr dazu wird Ihnen aber nun Herr Pfeiffer und Herr Höger erzählen.

Palais am Funkturm

Funkturm
Bild: Thomas Wolfes

Hier endet unser Kiezspaziergang. Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei der Messe Berlin für das große Engagement und den wundervollen Rahmen bedanken, den sie für unseren 200. Kiezspaziergang geschaffen haben. Vielen, vielen Dank! Bevor ich Sie nun in Ihr Wochenende entlasse, möchte ich Ihnen noch einmal den Treffpunkt für den Kiezspaziergang am 8. September nennen. Wir treffen uns um 14 Uhr vor dem Hauptgebäude der TU in der Straße des 17. Juni 135. Schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal!