189. Kiezspaziergang

Vom Hohenzollernplatz zum Fest der Nationen am Prager Platz

Mit Bezirksbürgermeister Naumann

Bildvergrößerung: 189. Kiezspaziergang Kartenskizze vom 09.09.2017
189. Kiezspaziergang Kartenskizze vom 09.09.2017 Bild: BA CW, ML

Treffpunkt: U-Bahnhof Hohenzollernplatz, östlicher Ausgang
Länge: ca. 1,6 km

Herzlich willkommen zu unserem 189. Kiezspaziergang. Unser Kiezspaziergang beginnt hier am Hohenzollernplatz mit der Kirche am Hohenzollernplatz, wo uns Herr Chust empfangen wird. Dann gehen wir durch die Nassauische Straße zur Kirche zum Heiligen Kreuz und in die Landhausstraße zur Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik. Auf dem Nikolsburger Platz erfahren wir etwas zum deutsch-spanischen Kindergarten Aventura, zur Cecilien-Grundschule und zum Spielplatz Zirkus Aladin. Der Spaziergang endet am Prager Platz mit dem Fest der Nationen.

Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt unseres Oktoberspaziergangs mitteilen. Wir treffen uns am Samstag, den 14.10.17, um 14 Uhr in der Forckenbeckstraße 2 vor dem Gelände der BSR, der Berliner Stadtreinigung. Dort werden wir nicht nur begrüßt werden, sondern es werden uns auch einige Kehrmaschinen vorgeführt. Das Gebäude nebenan gehört zu dem Konzern Vattenfall, dort werden zur Zeit drei neue gasgefeuerte Heizwassererzeuger errichtet. Von da aus gehen wir dann auf das Gelände der ehemaligen Zigarettenfabrik Reemtsma, wo uns der Eigentümer des Geländes, Herr Allner, empfangen und mit uns durch einen Teil der Gebäude gehen wird. Zum Schluss wird es noch eine kleine Überraschung geben. Der Kiezspaziergang wird in der Kantine der Tabakfabrik enden.

Station 1: Hohenzollernplatz

Station 1.1: Hohenzollernplatz
Der Hohenzollernplatz trägt seinen Namen seit dem 14.11.1901. Er ist nach dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern benannt, was ja bekanntermaßen für Berlin, Preußen und das Deutsche Reich eine bedeutende Rolle spielte. Die Hohenzollern werden erstmals 1061 in der Chronik eines Mönches genannt. Eine Linie der Familie beherrschte ab 1192 die Burggrafschaft Nürnberg und ab 1415 die Mark Brandenburg, womit sie dann für uns hier relevant wurde. Mit der Krönung Friedrich I. entstand im Jahr 1701 das Königreich Preußen und nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde Wilhelm I. 1871 Kaiser im neu geschaffenen Deutschen Kaiserreich. Die Hohenzollernherrschaft endete am 9. November 1918 in der Novemberrevolution durch die Ausrufung der Weimarer Republik.

Der U-Bahnhof entstand zwischen 1909 und 1913 beim Bau der Wilmersdorf-Dahlemer-Untergrundbahn. Die damals eigenständige Gemeinde Wilmersdorf wollte mit einer aufwändigen Gestaltung die Attraktivität des umliegenden Neubaugebiets fördern. Die Gestaltung übernahm Wilhelm Leitgebel. Die beiden Zugänge sind aus Muschelkalk. Oberhalb der Lampen saßen Adler aus Bronze, das Wappentier der Hohenzollern. Die schmiedeeisernen Zugangstore hatten Eichen- und Lorbeerblätter als Schmuckmotiv. Die Treppen münden in repräsentative Vorhallen. Vom ursprünglichen Bauwerk sind ein metallener Hydrantenschrank, ein Betriebshäuschen und ein Kiosk erhalten. 2012 wurde der Bahnhof restauriert und mit einem Aufzug ausgestattet.

Station 1.2: Delphinbrunnen am Hohenzollernplatz
Der Delphinbrunnen wurde 1968 von Hans Bautz geschaffen, in Bronze gegossen und in hier in dem Betonbecken hier aufgestellt.

Station 1.3: Kirche am Hohenzollernplatz
Ende der 20er-Jahre wuchs die Bevölkerung im Norden von Wilmersdorf stark an und die Wilmersdorfer Kirchen: Auenkirche, Hochmeisterkirche und Grunewaldkirche, reichten nicht mehr aus. Deshalb kaufte die Kirchengemeinde Berlin-Wilmersdorf 1927 das Grundstück auf dem Hohenzollernplatz. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, bei dem die Jury sich für keinen Entwurf entscheiden konnte. Daraufhin wurde das Architekturbüro Fritz Höger mit dem Entwurf beauftragt, den Ossip Klarwein erarbeitete.

Das verwinkelte, verhältnismäßig kleine Grundstück war nicht einfach zu bebauen. Es sollten Kirche, Gemeindesaal, Gemeindehaus mit Konfirmanden- und Vereinsräumen, Schwesternstation, Jugendheim und sechs Wohnungen für Geistliche und Kirchenangestellte entstehen. Um alle räumlichen Anforderungen zu erfüllen, wurde der Gemeindesaal einige Meter tief in das Erdreich unter die Kirche verlegt. Die Grundfläche des Hauptraumes der Kirche ist 40 m lang und 14 m breit. Die Höhe beträgt 20 m. Die Vorhalle ist 18 m hoch. Der Innenraum des Betonskelettbaus ist mit dreizehn spitzbögigen Stahlbetonbindern ausgestattet. Der Turm hat eine Höhe von 66 m. Die Kirche ist eines der bedeutendsten Bauwerke des Expressionismus und wurde 1933 eingeweiht.

Klarwein musste 1934 vor den Nazis fliehen und zog mit seiner Familie nach Palästina. Bei den Novemberangriffen 1943 wurde die Kirche stark zerstört. Erst 1955 konnte sie wieder geweiht werden.

Station 2: Kirche am Hohenzollernplatz

Wir gehen nun in die Kirche hinein. Hier begrüße ich ganz herzlich Herrn Chust, den Küster der Kirche am Hohenzollernplatz.
In der Kirche gibt es regelmäßig Kunstausstellungen. Herr Chust wird uns gleich darüber und ein weiteres Highlight, den Noon-Song berichten.

Vielen Dank, Herr Chust!

Wir begeben uns nun zur Nassauischen Straße 17. Auf dem Weg dorthin befinden sich zahlreiche Stolpersteine. Wir befinden uns hier in einem Stadtquartier, in dem vor 1933 viele jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen lebten. In Wilmersdorf betrug der Anteil der jüdischen Bevölkerung 14%, im Vergleich dazu war der Anteil der jüdischen Bevölkerung im ganzen Deutschen Reich 0,8%.
Die 117 Namen aller ehemaligen Mitbürger und Mitbürgerinnen, denen auf unserem Weg bis zum Nikolsburger Platz durch Stolpersteine gedacht wird, können Sie nach dem Kiezspaziergang im Internet nachlesen:
Erich Wolff, Gertrud Besas geb. Cohn, Dr. Georg Besas, Amalie Sorauer, Rudolf Spiegel-Wolff, Charlotten Spiegel-Wolff, Dan Spiegel-Wolff, Margarete Stern, Franziska Wollenberg, Hella Flörsheim, Max Borchart, Max Blumenfeld, Georg Blumenfeld, Marianne Klatt, Salomon M. Landau, Rose Landau, Siegfried Levy, Margarete Levy, Julius Lewinsohn, Hans Nathan, Kurt Paechter, Martha Prager, Siegfried Mottek, Willi A. Rothschild, Irene Wulff, Leonhardt Beifus, Lieselotte Paula Beifus, Rudolf Beifus, Ilse Blumenthal, Bianca Blumenthal, Elisabeth Lichtenstein geb. Schönwald, Dr. Otto Mendelsson, Wolfgang A. Mendelsson, Liane Mayer, Alice Mayer, Elise Auguste Halberstädter geb. Ostermann, Julia Kapralik-Keller, Elsa Linder geb. Epstein, Ursula Linder, Erika Blum, Betty Blum geb. Sandmann, Hildegard Blum, Louis Casper, Gertrud Kalischer, Emil Efim Siedner, Siegfried Zehden, Lucie Zehden geb. Sarner, Leopold Cohn, Gertrud Cohn geb. Baer, Hedwig Heimann geb. Schachmann, Ilse Heimann, Helene Werner geb. Caro, Georg Stodola , Sally Gross, Martha Gross, Emma Friedländer geb. Aronade, Carl Stern, Elise Bloch geb. Pincus, Max Auerbach, Selma Jacobi, Bruno Klein, Toni Klein geb. Fraenkel, Valentin Kroto, Ella Kroto geb. Friedländer, Meta Levinsohn geb. Prager, Fritz Moses, Jenny Aronson geb. Prager, Julius, Heinz und Lucia Cohn, Elsbeth Lappe, Manfred und Hildegard Rosenthal, Mariam Winter geb. Eisenberg, Antonie Tosi Salomon, Paul Heimann, Julian Jaskulski, Ruth Jaskulski geb. Triebel, Hilda Monte, Alfred Hamburger, Elsa Majewski geb. Katz, Margarete Thoman geb. Oppenheim, Max Thoman, Hans Oskar Friedländer, Gertrud Fraenkel, Jenny Cahen-Leudesdorff geb. Buseck, Gertrud Cohn geb. Ohnstein, Edith Karpf, Heinz Löwenthal, Arthur Löwenthal, Sarah Franziska Löwenthal, Emmy Gottheiner geb. Blumenthal, Max Gottheiner, Doris Ivers, Helmut Theodor Winkler, Louise Stock, Kurt Pindikowski, Erna Solmsen geb. Landauer, Elise Hahn geb. Salomon, Abraham Adolf Löwenberg, Friedrich Raphael, Eva Cahn geb. Elsner, Carl Cahn, Hedwig Bertha Cohn, Nanny Louise Friedmann, Hans-Peter Goldemann, Margarete Haase, Emilie Josephine Jacobi geb. Mayer, Edith Senger geb. Riess, Herta Sonnenberg, Alfred Zeidler, Luise Zeidler, Fritz Arthur Wolfsohn, Irene Wolfsohn, Pia Wolfsohn geb. Zielinsky, Alfred Wolfsohn und Thekla Wolfsohn geb. Simon.

Auf dem Weg zur Kirche am Heiligen Kreuz überqueren wir die Güntzelstraße. Achten Sie auf der rechten Seite auf die Metzgerei Bachhuber, die nur Fleisch in Bioqualität verkauft und einen sehr guten Ruf hat. Sie war eine der ersten Bio-Fleischereien in unserer Stadt. Wenn Sie mal Zeit haben, schauen Sie sich den Laden an, die Wände sind mit Original-Jugendstilkacheln verkleidet.

Station 3: Nassauische Straße 17

Als erstes begrüße ich ganz herzlich Herrn Trautmann, der uns gleich seine Kirche und Gemeinde vorstellen wird. Zuvor aber noch etwas zum Namen der Straße und der hier nicht mehr hängenden Gedenktafel.

Station 3.1: Nassauische Straße / Herkunft des Namens
Das Herzogtum Nassau gehörte von 1866 bis 1945 zu Preußen, die Straße wurde bereits 1866 nach dem Herzogtum benannt.

Station 3.2: Gedenktafel für Franz Pfemfert
Am 28.11.1989 wurde an der Kirche eine Gedenktafel für Franz Pfemfert enthüllt, die aber nach der Renovierung leider noch nicht wieder angebracht worden ist.
Auf der Gedenktafel steht:

BERLINER GEDENKTAFEL
Hier lebte und arbeitete von 1911 bis 1933
FRANZ PFEMFERT
20.11.1879 – 26.5.1954
Publizist, Begründer und Herausgeber der Zeitschrift
“Die Aktion” (1911-1932)
Engagierte sich für expressionistische Kunst und Literatur,
machte seine Zeitschrift zum Sprachrohr
gegen Nationalismus und Militarismus.
Emigrierte 1933, zuletzt nach Mexico-City.
Starb verarmt im Exil.

An diesem Ort wohnte aber nicht nur Franz Pfemfert, sondern auch seine ebenso bedeutende Frau Alexandra Ramm-Pfemfert. Sie war Mitarbeiterin bei der von ihrem Mann herausgegebenen Zeitschrift Die Aktion, schrieb Rezensionen und übersetzte literarische Texte und politische Aufsätze aus dem Russischen. Zudem organisierte sie die Lesungen des Aktionskreises sowie die Aktionsbälle, die dazu beitrugen die Zeitschrift zu finanzieren. Beide standen anarchistischen Kreisen nahe. Sie engagierten sich auch während des Ersten Weltkrieges gegen Militarismus, indem sie in ihrer Zeitschrift Anti-Kriegsgedichte abdruckten oder kritische Montagen von kriegsverherrlichenden Meldungen anderer Zeitungen veröffentlichten. Auch gaben sie Sondernummern heraus, die sich der Kultur jeweils eines „Feindeslandes“ widmeten.

Alexandra Ramm-Pfemfert eröffnete am 1917 die Aktions-Buch- und Kunsthandlung mit Antiquariat in der Kaiserallee 222 (heute Bundesallee), die bis 1927 bestand. Von 1917 bis 1918 fanden hier auch Ausstellungen mit Werken von Karl Schmidt-Rottluff, Egon Schiele und anderen statt. 1929 lernte sie durch ihre Übersetzungstätigkeit Trotzki kennen, dessen Werk sie späterhin herausgab und übersetzte.

1933 flohen die Pfemferts über die Tschechoslowakei und Frankreich nach Mexiko, wo Franz Pfemfert 1954 starb. Alexandra Ramm-Pfemfert kehrte 1955 nach Berlin zurück, wo sie bei ihrer Schwester in der Laubenheimer Straße 23 bis zu ihrem Tod wohnte. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt, auf ihrem Grabstein steht nun zum Gedenken auch der Name ihres in Mexiko bestatteten Mannes.

Station 3.3: Kirche zum Heiligen Kreuz
Wir befinden uns hier in der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde, diese gehört zu den Bekenntniskirchen. Sie nennt sich selbstständig, weil sie kein Konkordat, also keinen Vertrag mit dem Staat geschlossen hat. Finanziert wird sie daher nicht durch die Kirchensteuer, sondern durch freiwillige Beiträge ihrer Mitglieder, durch Spenden und Kollekten. Es gibt ungefähr 280 Gemeindemitglieder.

Vor allem in Preußen, Sachsen, Hessen und Hannover sind zwischen 1817 und 1880 selbständige lutherische Minderheitskirchen entstanden. Auslöser war eine vom Staat initiierte Vereinigung von lutherischen und reformierten Kirchen zu einer einheitlichen evangelischen Kirche, was die sogenannten Minderheitskirchen nicht wollten. Die Minderheitskirchen schlossen sich 1972 zur Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde zusammen.

Das Kirchengebäude, in dem wir uns befinden, wurde zwischen 1907 und 1908 von Heinrich Straumer entworfen. Es ist eine symmetrische Vierflügelanlage in geschlossener Bebauung mit einschiffiger Langhauskirche und querrechteckigem Turmaufbau. Der Mauerwerkbau wurde mit roten Ziegeln verblendet. Die Architektur zeigt Nachwirkungen des Jugendstils und Anklänge an die beginnende Moderne.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche erheblich zerstört und nach dem Krieg wieder vereinfacht aufgebaut. 2015 wurde der Kirchturm grundlegend saniert, mit dem Ziel, das große Portal von 1908 wieder sichtbar werden zu lassen. Die Jugendstilfassade bleibt allerdings verborgen, sie wird an der neuen Fassade nur andeutungsweise aufgenommen. Ein Taufstein, Altarfenster, -kreuz und -leuchter wurden 1973 von Eva Limberg und Renate Strasser geschaffen.

Nun übergebe ich das Mikrofon an Herrn Trautmann:

Vielen Dank, Herr Trautmann!

Wir gehen nun ein Stück zurück, biegen rechts in die Güntzelstraße, dann die nächste rechts in die Landhausstraße und treffen uns vor der Hausnummer 33-35 wieder.

Station 4: Landhausstraße 33-35

Als erstes möchte ich ganz herzlich Herrn Kropp, den Pflegedirektor, und Frau Kuc, Stationsleiterin der Station 3 der Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik, begrüßen. Aber bevor sie uns ihre Klinik vorstellen werden, möchte ich noch etwas zur Landhausstraße sagen.

Station 4.1: Landhausstraße / Herkunft des Namens
Die Straße war bereits in einem Plan von 1901 eingezeichnet und ist nach einem Landhaus an der Berliner Straße benannt, in dem sich ein Restaurant befand.

Station 4.2: Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik
Die Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik wurde 2007 eröffnet. Sie ist eine Spezialklinik zur Versorgung psychisch Kranker. Sie hat vier Stationen, drei Tageskliniken und eine Institutsambulanz. Die psychosomatische Tagesklinik in der Uhlandstraße 97 hat Ende 2016 ihre Arbeit aufgenommen, der offen geführte Teil der Schizophrenie-Station Anfang 2017.
Zu den Behandlungsschwerpunkten der Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik gehören

  • Affektive Störungen (z.B. Depression),
  • Schizophrenie,
  • Abhängigkeitserkrankungen,
  • alterspsychiatrische Erkrankungen wie z. B. Demenz und Altersdepression,
  • Gedächtnissprechstunde.

Nun gebe ich das Mikrofon an Herrn Kropp, der uns mehr zu seiner Einrichtung sagen kann.

Vielen Dank, Herr Kropp! Vielen Dank, Frau Kuc!

Wir gehen nun wieder zurück und treffen uns wieder am Nikolsburger Platz zwischen dem Kindergarten Aventura und der Cecilien-Schule.

Station 5: Nikolsburger Platz

Station 5.1: Nikolsburger Platz / Herkunft des Namens
Der Nikolsburger Platz heißt seit dem 16.3.1888 nach der Stadt Nikolsburg, die heute Mikulov heißt und an der Grenze zu Österreich in Südmähren in der Tschechischen Republik liegt. Nikolsburg wurde 1249 erstmals urkundlich erwähnt, da der Markgraf Ottokar II. das Dorf an Heinrich I. von Liechtenstein schenkte. 1560 wurde es für 60.000 böhmische Thaler an einen reichen Ungarn verkauft.

Station 5.2: Aventura / Deutsch-spanische Kita
Hier befinden sich in Trägerschaft eines privaten Vereins drei deutsch-spanische Kindergärten. Die Erzieher und Erzieherinnen sprechen muttersprachlich entweder Deutsch oder Spanisch, so dass die Kinder problemlos in beiden Sprachen aufwachsen. Die Kindergärten heißen Aventura, was auf Deutsch Abenteuer bedeutet. Es gibt die Aventura Trautenaustraße für die Kinder von 1 bis 3 Jahren, die Aventura Nikolsburger Platz für Kinder ab drei Jahren und die Aventureros, die Abenteurer, das sind die Kinder, die ein Jahr vor der Schule sind. Im Sommer werden Tische und Stühle hinausgestellt und draußen gegessen. Es gibt sogar eine eigene Köchin, die mediterrane Kost kocht.

Station 5.3: Cecilien-Grundschule
Die Cecilienschule wurde 1909/1910 von Otto Herrnring für die höhere Mädchenschule erbaut. Der Architekt Herrnring, der von 1852 bis 1921 lebte, ist uns schon öfter auf unseren Spaziergängen begegnet. Er hat viele Schulen in unserem Bezirk gebaut.

Die Cecilienschule wurde 1910 von der Kronprinzessin Cecilie eingeweiht, deren Namen sie trägt. Die Schulanlage besteht aus einer dreigeschossigen Baugruppe mit zwei parallel verlaufenden Haupttrakten. Dazwischen befinden sich Lichthof, Wandelhalle, Treppenhaus und Nebenräume mit Giebeln. Im vorderen Haupttrakt befinden sich Aula, Turnhalle, Fachklassen und Wohnungen, im rückwärtigen Teil sind die Klassenräume angeordnet. Der Mauerwerksbau ist verputzt und wird durch Flächen, die in rotem Sandstein gehalten sind, verziert. Zusätzlich ist die Fassade mit Turmerkern und Korbbogenportalen gegliedert. Die architektonische Gestaltung enthält Anklänge an die beginnende Moderne, sowie auch an die deutsche Renaissance. Sie kostete 932.000 Goldmark. Sie hatte bereits Zentralheizung und eine Schulbibliothek. Es gab einen Gesangsaal mit Noten- und Instrumentenraum, ein Chemielabor, einen Zeichensaal und Atelier, einen Raum für physikalische Experimente, eine Turnhalle mit Umkleide-, Sanitäts- und Geräteraum und einen Raum für Fahrräder. Die Schulanlage steht unter Denkmalschutz.

Ab November 1918 wurde das Gebäude für die Unterbringung von Truppen genutzt, der Unterricht wurde in die Viktoria-Luise-Schule verlegt. Am 10. Januar 1919 zog die Bürgerwehr in die Cecilienschule ein. Fünf Tage später wurde der KPD-Politiker Karl Liebknecht nach seiner Verhaftung in einer Wohnung in der Mannheimer Straße in dem Schulhaus verhört. Danach wurde er in das Hotel Eden gebracht, wohin auch Rosa Luxemburg verschleppt wurde. Noch in derselben Nacht wurden die beiden ermordet.

1933 war von den 600 Schülerinnen jede zweite jüdischer Herkunft. 2012 wurde vor der Schule in der Trautenaustraße die Gedenkstele für die ermordeten Schülerinnen der Cecilienschule aufgestellt.

Die Cecilienschule wurde 2003 renoviert und mit der Hans-Fechner-Grundschule zusammengelegt und ist seitdem eine gebundene Ganztagsschule. Unterricht ist von Montag bis Donnerstag bis 16 Uhr, freitags bis nach dem Mittagessen. Lehrerinnen und Erzieher betreuen die Klassen zusammen.

Eine ehemalige Schülerin der Cecilien-Schule, erzählt den Kiezspaziergängern und –gängerinnen, warum die Cecilienschule zur Cäcilienschule umbenannt wurde:
Nach der Revolution von 1918 war die Monarchie nicht mehr so gerne gesehen und die Schule wurde deshalb nach Cäcilie benannt, die als Schutzpatronin der Musik gilt. Mit der Zusammenlegung mit der Hans-Fechner-Grundschule bekam die Schule ihren alten Namen nach der Kronprinzessin Cecilie zurück.

Station 5.4: Spielplatz Zirkus Aladin
Der Spielplatz Zirkus Aladin versucht die Zirkuswelt nachzuempfinden. Es gibt ein Zirkuszelt mit Klettermöglichkeiten, ein Karussell und einen Elefanten. Am Eingang steht sogar ein Kassenhäuschen. Eine Klangsäule aus Granit erzeugt je nach Geschicklichkeit Klänge und Töne. Wasserspiele ergänzen das Areal. Für Jugendliche stehen Tischtennis-Platten und Ballspiel-Käfige zur Verfügung.

Wir gehen nun über den Platz und treffen uns wieder vor dem Pangea-Haus in der Trautenaustraße 5.

Station 6: Trautenaustraße 5

Station 6.1: Trautenaustraße / Herkunft des Namens
Die Trautenaustraße hat ihren Namen seit 1908 nach der Stadt Trautenau, die heute Trutnov heißt und im Riesengebirge in Ostböhmen in der Tschechischen Republik liegt. In und um Trautenau fanden entscheidende Schlachten des Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 statt.

Station 6.2: Pangea-Haus / Interkulturelles Zentrum
Hier befand sich in den 30er-/40er-Jahren eine Privatklinik, zuletzt war die Volkshochschule Wilmersdorf in dem Gebäude untergebracht.

Das Pangea-Haus ist ein interkulturelles Zentrum, in dem viele Organisationen ihren Sitz haben. Der Name Pangea kommt aus dem Griechischen und heißt PAN (=ganz, alles) und GAIA (=Erde), also die ganze Erde, und spielt auf die Zeit vor 150 bis 300 Millionen Jahre an, als die Erde nicht in Kontinente unterteilt war. Im Zusammenhang mit dem Pangea-Haus soll der Name das Gemeinsame betonen.

Im Pangea-Haus arbeiten gemeinnützige Vereine, private und institutionelle Bildungsträger aus vier Kontinenten. Es gibt zahlreiche Angebote: Sprachkurse, Bildungs- und Beratungsangebote, kulturelle Veranstaltungen und Treffen. Das Pangea-Haus gehört dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der damit die interkulturelle Arbeit fördert. 2010 wurde das Pangea-Haus zur Förderung der Netzwerkarbeit und des interkulturellen Dialogs gegründet.

Heute präsentiert sich der Verein auf dem Fest der Nationen, wo wir ja gleich hinkommen.

Station 6.3: Kulturabteilung der Botschaft des Königreichs Saudiarabien
An der Ecke zur Bundesallee befindet sich die Kulturabteilung des Königreichs Saudi-Arabien.

Wir gehen nun zu unserer letzten Station, dem Fest der Nationen auf dem Prager Platz.

Station 7: Prager Platz

Station 7.1: Prager Straße 36
Alfred Grenander ist uns auf unseren Kiezspaziergängen schon öfter begegnet. Grenander hat etwa 70 Bahnhöfen der Hoch- und Untergrundbahn in Berlin entworfen, z.B. den U-Bahnhof Olympiastadion, den Sie beim August-Spaziergang gesehen haben. Grenander wurde 1863 in Schweden geboren und starb 1931 in der Prager Straße 36.

Station 7.2: Prager Platz
Der Platz wurde 1870 von Johann Anton Wilhelm von Carstenn als südöstlicher Repräsentations- und Schmuckplatz in der von ihm konzipierten Carstenn-Figur gebaut. Die Carstenn-Figur ist ein städtebauliches Ensemble, zu dem außerdem der Nikolsburger Platz, auf dem wir soeben waren, und der nördliche Fasanen- und Nürnberger Platz gehören. 1888 erhielt der Prager Platz seine heutige Bezeichnung. Der Name erinnert an den Prager Frieden am 23. August 1866, der den Krieg zwischen Preußen und Österreich beendete. 1904 erhielt der Platz eine Grünanlage nach Plänen von Richard Thieme und 1907 Wohngebäude im Stil der späten Gründerzeit.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war der Prager Platz ein kulturelles Zentrum des Berliner Westens. In den umliegenden Straßen lebten Künstler und Intellektuelle wie Albert Einstein und Egon Erwin Kisch. Erich Kästner wohnte nur zwanzig Meter vom Platz entfernt und erwähnte 1928 den Blick auf ihn im Prolog zu seinem Kinderbuch Emil und die Detektive. Das Café Prager Diele an der Ecke Trautenaustraße war in den frühen 1920er-Jahren ein Treffpunkt russischer Intellektueller, die als Emigranten oder „Revolutionstouristen“ in Berlin wohnten. Zu ihnen zählten die Schriftsteller Vladimir Nabokov, Ilja Ehrenburg, Boris Pasternak und Maxim Gorki.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Randbebauung durch Bombardements und Feuer nahezu völlig zerstört. Mehrere Jahrzehnte bildete er eine Straßenkreuzung, die von Stadtbrachen umgeben war. 1986 wurde der Platz in Anlehnung an die historische Struktur neu gestaltet. Die Mittelinsel wurde mit einer Rasenfläche, Randrabatten, hölzernen Sitzbänken und Hecken versehen, im Zentrum wurde ein Springbrunnen errichtet. 1987 wurden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Kopfbauten an den Straßeneinmündungen gebaut. 2002 wurde die letzte Baulücke durch ein Einkaufszentrum mit 17 Gewerbeeinheiten, einem Hotel und einem Fitnesscenter geschlossen.

Die Granitskulptur am Rande des Platzes wurde 2007 zum Andenken an den in Prag geborenen Dichter Rainer Maria Rilke aufgestellt. Sie ist das Werk des Bildhauers Miroslav Vochta und ein Geschenk der Stadt Prag. Sie ist 3,3 m hoch. In den Stein sind Zitate von Rilke eingraviert.

Station 7.3: Prager Platz / Fest der Nationen
Wir veranstalten hier alljährlich unser traditionelles “Fest der Nationen”. Dies ist das 32. Mal. Am Eingang hier verkauft die Regimentskameradschaft Wilmersdorf, unterstützt von der 5. Kompanie des Wachbataillons eine leckere Erbsensuppe. Die Einnahmen kommen dieses Jahr unserer Gartenarbeitsschule „Ilse Demme“ zugute. Wir freuen uns über jeden Esser!

Hier endet nun unser Kiezspaziergang. Der nächste findet am Samstag, den 14.10.2017, statt und beginnt um 14 Uhr in der Forckenbeckstraße 2 vor dem Gelände der Berliner Stadtreinigung. Er endet in der Mecklenburgischen Straße 32 auf dem Gelände der ehemaligen Reemtsa-Tabakfabrik. Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit auf dem Fest der Nationen und anschließend einen guten Nachhauseweg.