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Kiezspaziergang am 9.3.2002

In Halensee

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen
Treffpunkt: Henriettenplatz

Allgemeines

Der Stadtteil Halensee ist kein offizieller Ortsteil. Halensee hat auch keine eigene Geschichte als selbständige Gemeinde wie zum Beispiel Schmargendorf oder Grunewald. Die Bezeichnung Halensee für die Gegend rund um das westliche Ende des Kurfürstendammes ist entstanden, als der Kurfürstendamm seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurde. Natürlich stammt der Name von dem nahegelegenen Halensee. Dieser See wiederum gehört überwiegend zur Villenkolonie Grunewald, nicht zum Stadtteil Halensee.

Der Kurfürstendamm wurde als Knüppeldamm angelegt, als 1542 das Jagdschloss Grunewald gebaut wurde. Er diente den kurfürstlichen Reitern als Verbindungsweg vom Berliner Schloss über die Linden durch den Tiergarten in den Grunewald.

Am 5. Februar 1873 schrieb der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck an den Geheimen Kabinettsrat von Wilmowski:

“Die Straße am Kurfürstendamm wird nach den jetzt bestehenden Absichten viel zu eng werden, da dieselbe voraussichtlich ein Hauptspazierweg für Wagen und Reiter werden wird. Denkt man sich Berlin so wie bisher wachsend, so wird es die doppelte Volkszahl noch schneller erreichen, als Paris von 800.000 Einwohnern auf 2.000.000 gestiegen ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin das Bois de Boulogne und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin mit einer Breite wie die der Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein.”

1875 wurde die zukünftige Breite des Kurfürstendammes per Kabinettsordre auf 53m festgelegt. Das ist zwar nur knapp halb so breit wie die Champs-Èlysées, aber es wurde dann beim Ausbau der Straße präzise eingehalten. Bismarck legte besonderen Wert darauf, dass in der Mitte ein Reitweg erhalten blieb.

Der Ausbau scheiterte zunächst an den fehlenden Finanzen. Schließlich wurde ein Unternehmens-Konsortium gebildet, die Kurfürstendamm-Gesellschaft. Sie erhielt 234 ha Grunewald zum Ausbau einer Villenkolonie als Gegenleistung für den Ausbau des Knüppeldamms zum Boulevard.

1877 wurde der S-Bahnhof Halensee eröffnet, damals noch unter dem Namen Bahnhof “Grunewald”.

Seit 1883 wurde der Kurfürstendamm auf 53m Breite ausgebaut, am 5.5.1886 wurde die Dampfstraßenbahnlinie Zoo-Kurfürstendamm-Grunewald eröffnet. Weil sie direkt neben dem Reitweg entlang fuhr, musste sie pferdefreundlich leise sein. Bismarck persönlich hatte sich davon überzeugt.

1889 wurde dann am Ende des Kurfürstendammes die Villenkolonie Grunewald angelegt. Am Kurfürstendamm entlang waren zwar auch schon einige Villen entstanden. Diese mussten aber fast alle wieder abgerissen werden, weil jetzt, am Ende des 19. Jahrhunderts große Miethäuser gebaut wurden.

Wie es am Ende des 19. Jahrhunderts hier aussah, das hat Theodor Fontane sehr schön beschrieben. Er veröffentlichte 1891 seinen Roman “Jenny Treibel”. Hier spielt das gerade eröffnete “Wirtshaus am Halensee” eine wichtige Rolle als Ziel einer Landpartie. Für Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, die mit Leopold, dem Sohn der Kommerzienratsfamilie Treibel, eine gemeinsame Zukunft plant, klingt “ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie vier Wochen auf Capri”…

Fontane beschreibt zunächst die Verkehrsmittel, mit denen die Ausflügler anreisen, und dann die Landschaft aus der Turmperspektive:

“Und wirklich, um vier Uhr war alles versammelt, oder doch fast alles. Alte und junge Treibels, desgleichen die Felgentreus, hatten sich in eigenen Equipagen eingefunden, während Krola … aus nicht aufgeklärten Gründen die neue Dampfbahn, Corinna aber … die Stadtbahn benutzt hatte. Von den Treibels fehlte nur Leopold …

Sehen Sie, Schmidt, wenn ich Leopold Treibel wäre …, so hätte mich doch kein Deubel davon abgehalten, hier heute hoch zu Roß vorzureiten, und hätte mich graziös … aus dem Sattel geschwungen … Und nun sehen Sie sich den Jungen an. Kommt er nicht an, als ob er hingerichtet werden sollte? Denn das ist ja gar keine Droschke, das ist ein Karren, eine Schleife.”

“Nun, liebe Freunde,” nahm Treibel das Wort, “alles nach der Ordnung. Erste Frage, wo bringen wir uns unter? Wir haben verschiedens zur Wahl. Bleiben wir hier Parterre, … oder rücken wir auf die benachbarte Veranda hinauf … Oder endlich,… sind Sie für Turmbesteigung und treibt es Sie, diese Wunderwelt, in der keines Menschen Auge bisher einen frischen Grashalm entdecken konnte, treibt es Sie, sage ich dieses von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen durchsetzte Wüstenpanorama zu Ihren Füßen ausgebreitet zu sehen?”

1904 wurden aus dem “Wirtshaus am Halensee” die “Terrassen am Halensee”, 1910 dann der “Lunapark”. Es war ein riesiger Vergnügungspark. Sein Lärm war in ganz Halensee zu hören. Zeitweise gab es an jedem Abend zum Abschluss ein großes Feuerwerk. Der Eingang befand sich unweit des heutigen Rathenauplatzes. 1935 musste der Lunapark einem Autobahnzubringer Richtung Olympiastadion weichen.

Bahnhof Halensee

Der Bahnhof Halensee wurde wie bereits erwähnt 1877 als Bahnhof “Grunewald”, eröffnet, 1884 in “Bahnhof Halensee”, umbenannt, 1894 weiter östlich an die heute Stelle verlegt und umgebaut. 1960 wurde ein Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald nach dem Mauerbau wurde der Bahnhof stillgelegt. 1985 eröffnet Opel Hesse in dem Pavillon einen Autosalon. 1993 hat die Bahn beschlossen, den Bahnhof ohne Empfangshalle zu betreiben und das Gebäude abgerissen.

Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988 überlegt, das Bahngelände hier in Halensee zu überbauen. Der Halenseegraben sollte mit einer Art Deckel versehen werden, auf dem dann 1.400 Wohnungen entstehen sollten. 1,5 Milliarden DM hat man damals für eine solche Baumaßnahme kalkuliert. West-Berlin konnte sich nicht in die Fläche ausdehnen. Deshalb suchte man solche Möglichkeiten, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der Wende wurden diese Pläne zu den Akten gelegt.

Kurfürstendammbrücke

Der Kurfürstendamm ist hier 12 m höher als an der Gedächtniskirche. Man hat einen schönen Blick nach Charlottenburg (ICC) und nach Wilmersdorf (Kraftwerk und BfA-Gebäude).

Kurfürstendamm 119/120: 70-Millionen-Bau von Helmut Jahn 1993

Henriettenplatz

Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, Luise Henriette von Oranien-Nassau.

Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde der Platz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neugestaltet mit dem Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier, den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle von Heinz Mack und einem Obelisk ebenfalls von Heinz Mack auf der anderen Straßenseite. Dieser Obelisk entspricht dem Leuchtobelisken am Europa-Center. Er stammt ebenfalls von Heinz Mack. Eine Gedenkstele für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken wurde von niederländischen Unternehmen gestiftet und ebenfalls 1987 aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem Großen Kurfürsten, angebracht.

Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurden auch die teuren, verschnörkelten Hardenberg-Leuchten entlang des gesamten Kurfürstendammes aufgestellt. Die Original-Straßenlampen waren sehr viel schlichter. Sie wurden im Krieg zerstört und in den 50er Jahren durch Peitschenlampen ersetzt. Die jetzigen Lampen wurden nach dem Vorbild der früheren Straßenlampen an der Hardenbergstraße hergestellt. Deshalb der Name “Hardenberg-Leuchten”.

Kurfürstendamm 116-118: Für die drei Wohnhäuser hinter dem Henriettenplatz wurde seit 1993 der Abriss und Neubau geplant (Widerstand der SPD in der BVV). Vor zwei Jahren wurden die Pläne aufgegeben.

Kurfürstendamm 130: Das Eckhaus an der Ecke Kurfürstendamm und Westfälische Straße wurde ebenfalls zur 750-Jahr-Feier 1987 restauriert und mit einer neuen, transparenten Kuppel versehen. Ursprünglich hatten alle Eckhäuser am Kurfürstendamm Türme, Türmchen oder Kuppeln.

Die Jugendbibliothek Halensee musste im Jahr 2000 geschlossen werden.

Georg-Wilhelm-Straße

Benannt 1892 nach Georg Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg. Die meisten Seitenstraßen des Kurfürstendammes in Halensee sind nach brandenburgischen Kurfürsten benannt (Joachim Friedrich, Joachim II “Hektor”, Markgraf-Albrecht, Albrecht Achilles, Johann Cicero, Friedrich II “Eisenzahn”, Johann Georg, Johann Sigismund)

Nr.5-6 Pädagogisch betreuter Abenteuerspielplatz

Nr.16 Zahn-Beratungsstelle

Heilbronner Straße

Nr. 26 Investitionsvorhaben der Hapag Grundbesitz- und Bauträgergesellschaft mbH. Hier sollen drei Supermärkte von Aldi, Lidl und Getränke-Hoffmann, ein Autohaus, ein Hotel und 450 Parkplätze entstehen. Die BVV sich gegen die “drohende Zerstörung des Wohnquartiers” gewandt.

Der einstimmig gefasste Beschluss der BVV vom 21. Februar lautet:

“Das Bezirksamt wird beauftragt, alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, die durch die Investitionsvorhaben entlang der Bahn an der Heilbronner Straße drohende Zerstörung des Wohnquartiers südlich der Heilbronner Straße zu verhindern.

Das Bezirksamt wird weiterhin aufgefordert, sich bei den zuständigen Stellen im Rahmen der Begutachtung des Verkehrs und der Emmissionswerte dafür einzusetzen, dass die Belange der Anwohner im Bereich der Heilbronner-, Lützen-, Ringbahn- und Georg-Wilhelm-Straße mit berücksichtigt werden.

Der BVV ist bis zum 30.4.2002 zu berichten.”

Baustadtrat Gröhler hat von der Hapag ein Verkehrsgutachten gefordert, denn er hat erhebliche Zweifel, ob die Straßen den zusätzlichen Verkehr aufnehmen können. Rechtlich ist hier allerdings Gewerbe zulässig.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich gegen die geplanten Baumaßnahmen wendet. Auch im Internet hat sie ihre Argumente dargestellt unter www.verkehrschaos-halensee.de. (Link) Sie hat auf dieser Website auch zur Teilnahme an diesem Spaziergang aufgerufen. Deshalb nehme ich an, dass sie ihre Argumente hier darstellen will. Das kann sie gerne tun. Ich bitte nur darum, sich kurz zu fassen, denn ich glaube, die meisten Anwesenden wollen noch mehr sehen und erfahren von Halensee.

(Nr.10 Konrad-Zuse-Zentrum)

Katharinenstraße

1892 benannt nach Katharina von Küstrin, Markgräfin von Brandenburg-Küstrin

Nr.12 Schoth-Geschäftshaus, 1995/96 gebaut

Nr.5 Gedenktafel für Else Lasker-Schüler und Herwarth Walden

Kurfürstendamm

Nr.101-111

Hier befand sich von 1891 bis 1899 auf dem damaligen Gelände des Vereins für Velociped Wettfahrten ein Velodrom, eine Radrennbahn für bis zu 15.000 Zuschauer.

In einer Petition einer Gruppe von Hauseigentümern an den Magistrat der Stadt Charlottenburg hieß es am 31.10.1898:

“Als der Kurfürstendamm in seiner derzeitigen Gestalt entstanden war, wurde er sehr bald der Liebling des Publikums, namentlich der Berliner; nicht nur derjenigen, deren Endziel der Grunewald war, sonder auch Alle, die überhaupt sich im Freien ergehen wollten, benutzten ihn zu Fuß, zu Wagen und zu Pferde, und in kürzester Frist wurde eine Corsostraße ersten Ranges, welche mit ihren zweifachen Fahrdämmen, ihrem besonderen Reitwege … und ihren beiden Bürgersteigen neben den Straßenbahnen noch sicheren Raum für alle bot.

Mit dieser Sicherheit war es zu Ende, als allmählich auch der Radfahrverkehr sich des Kurfürstendammes bemächtigte. Die Gefahren für Leib und Leben, denen man seitdem daselbst, insbesondere beim Ueberqueren der Straße, ausgesetzt ist, sind allbekannt.”

Aber es wurde noch schlimmer. In einem Berlin-Führer von 1905 heißt es über den Kufürstendamm:

“Weg von 2 Stunden. Sogenannte Prachtstraße mit prunkvollen Häuserfassaden, Kuppeln, Türmen, blumengeschmückten Balkonen, Vorgärten, Reitweg. Vorsicht vor Automobilen!”

Und im Berlin-Baedeker von 1908:

“Allee Kurfürstendamm: An schönen Tagen ist sie von zahlreichen eleganten Automobilen und Wagen belebt.”

In “Berlin für Kenner” 1912:

“Viele Automobile, elegantes Leben und Berlin-W-Typen”.

Nr.106 Baudenkmal VW-Porsche-Haus, gebaut 1904 von Siegfried Ascher, Umbau 1956 von Hans Simon, ehem. VW-Pavillon der Fa Winter, Diskussion um Multiplex-Neubau und Fitness-Center.

Nr.101 1991 entstand hier ein Streit um Abriss des Hauses wegen angeblicher Lebensgefahr für die Mieter. Mitte der 90er Jahre wurde ein Rohbau erstellt, aber die vom Bezirksamt ausgestellte Baugenehmigung wurde nicht genutzt, weil der Eigentümer keinen Wohnraum schaffen wollte. Nach der längsten Baupause am Kurfürstendamm, soll jetzt ein Hotelbau entstehen und Ende des Jahres eröffnet werden.

Nr.100 Das Haus war 1993 einsturzgefährdet, nachdem ein Zahnarzt in seiner Wohnung im 2. Stock eigenmächtige Umbauten vorgenommen hatte. Nach langen Auseinandersetzungen, Abriss und Neubau entstand jetzt für 23 Millionen DM die Seniorenresidenz mit 128 Ein- bis Drei-Zimmer-Appartements für alte Menschen. Außerdem gibt es eine Pflegestation, Friseur, Kiosk und einen Wellness-Bereich.

Nr. 140 im Gehweg an der Bushaltestelle seit 1990 Gedenkstein für Rudi Dutschke

In dem Haus am Kurfürstendamm 140 befand sich damals das Büro des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund). Nach einer Demonstration auf dem Kurfürstendamm wurde Rudi Dutschke auf dem Weg ins Büro von einem Rechtsradikalen angeschossen.

Der Kurfürstendamm war nicht nur Schaufenster des Westens, sondern seit Mitte der 60er Jahre auch eine politische Bühne. Es gab hier Militärparaden der Alliierten, Triumphzüge von Staatsgästen wie John F. Kennedy und Königin Elisabeth und Demonstrationen von Studenten, Gewerkschaften, Krankenschwestern, Ärzten, Hausbesetzern usw..

Nr. 142 Generalkonsulat der Türkei

Nr.142-147 Kurfürstendamm-Center, 1971/72 gebaut, eine der Bausünden der 70er Jahre am Kurfürstendamm, wie das inzwischen abgerissene Kudamm’Eck (1970-72) und das Kudamm-Karree (1970-75). Alle diese Großprojekte nahmen keine Rücksicht auf die traditionelle Bebauung am Kurfürstendamm. Sie wurden höher und größer als die sonstigen Bauten.

1945, nach dem Krieg waren am Kurfürsendamm von 235 Häusern noch 43 bewohnbar. Zunächst entstanden viele notdürftig instand gesetzte Behelfsbauten. Die in den folgenden Jahrzehnten durch Neubauten ersetzt wurden. Deshalb ist heute eine sehr gemischte Bebauung am Kurfürstendamm zu sehen. Allerdings war auch die ursprüngliche Bebauung, die vor dem Ersten Weltkrieg zwischen 1890 und 1910 entstand, sehr uneinheitlich. Man sprach abschätzig von “Kurfürstendamm-Architektur” und meinte damit protzige, überladene Fassaden in den unterschiedlichsten Stilen. Es gab damals die Auffassung, dass der Architekt erst den Rohbau fertig stellte und dann den Bauherrn fragte: Welche Architektur soll’s denn nun sein. Die wurde dann als Fassade gewissermaßen angeklebt. Vorgetäuschte Giebel, nutzlose Türme, Säulen und Schnörkel waren an der Tagesordnung. In den 20er Jahren hat man dann vielfach den Stuck abgeschlagen. Immerhin aber hatte man sich an die Fluchtlinien und Traufhöhen gehalten und Vorgärten vor jedem Haus angelegt. Damit war es dann in den 70er Jahren vorbei.

Nr.94-95 Wohn- und Geschäftshaus von 1959

Markgraf-Albrecht-Straße

1908 benannt nach Albrecht I “Der Bär”, Markgraf von Brandenburg

Nr.11-12 Gedenktafel für die Synagoge “Friedenstempel” Halensee

Die Synagoge bot Platz für 1450 Menschen und war damit eine der großen Berliner Vereinssynagogen. Die Synagoge war gestiftet worden von dem Besitzer des Lunaparks, Prof. Dr. jur. Salomon Goldberg. Er erwarb 1922 das als Acker ausgewiesene Grundstück. Es wurde eine Vereinssynagoge nach liberalem Ritus. 1929 wurde sie von der Berliner Jüdischen Gemeinde erworben. Sie wurde damit zur Gemeindesynagoge. Nach 1933 erlebte sie einen Aufschwung, weil immer mehr Juden, die von den Nationalsozialisten terrorisiert wurden, hier die Gemeinschaft suchten. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannte auch diese Synagoge.

Erich Kästner, der damals in der Roscherstraße wohnte, hat diese Nacht beschrieben:

“In jener Nacht fuhr ich, im Taxi auf dem Heimweg, den Tauentzien und Kurfürstendamm entlang. Auf beiden Straßenseiten standen Männer und schlugen mit Eisenstangen Schaufenster ein. Überall krachte und splitterte Glas. Es waren SS-Leute, in schwarzen Reithosen und hohen Stiefeln, aber in Ziviljacken und mit Hüten. Sie gingen gelassen und systematisch zu Werke. Jedem schienen vier, fünf Häuserfronten zugeteilt. Sie hoben die Stangen, schlugen mehrmals zu und rückten dann zum nächsten Schaufenster vor. Passanten waren nicht zu sehen. Erst später, hörte ich am folgenden Tag, seien Barfrauen, Nachtkellner und Straßenmädchen aufgetaucht und hätten die Auslagen geplündert.”

Ein Charlottenburger Augenzeuge ergänzt Kästners Bericht:

“Andere Trupps zogen nach der Fasanenstraße, drangen in das Gotteshaus, in die Synagoge ein und setzten sie in Brand. Hoch loderten die Flammen, als, von empörten Passanten alarmiert, die Feuerwehr eintraf. Und dann geschah das Unfassbare, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt: Die Feuerwehr durfte nicht löschen, die Polizei durfte nicht den Mob verjagen! Hilflos standen die Löschmannschaften vor der brennenden Synagoge: Die SA-Männer hinderten sie am Auslegen der Schläuche, und die Polizei drehte dem schamlosen Schauspiel den Rücken.”

Wie die Ruine der Synagoge in der Fasanenstraße wurd auch diese Ruine 1959 abgerissen und an ihrer Stelle das heutige Wohnhaus gebaut, ähnlich wie in der Prinzregentenstraße 69-70 und in der Franzensbader Str. 7-8.

Damaschkestraße

1950 benannt nach dem Sozialpolitiker und Pädagogen Adolf Wilhelm Ferdinand Damaschke (vorher hieß die Straße seit 1892 “Küstriner Straße”)

Lehniner Platz

Kurfürstendamm Nr.153-156 Hier fanden am Anfang des 20. Jahrhunderts noch Flottenspiele statt, in einer Art Wasserzirkus mit Tribünen für 4.000 Besucher. 1905 wurden “Die letzten Tage von Pompeji” vorgeführt, 1908 Tennisplätze angelegt, im Winter eine Eisbahn, bis der Verleger Rudolf-Mosse das Gelände kaufte und 1927 von Erich Mendolsohn bebauen ließ. Es war damals die einzig übrig gebliebene Baulücke am Kurfürstendamm.

Mendelsohn baute das “Universum-Kino”, gegenüber das Kabarett der Komiker (KadeKo) und einen Wohnkomplex entlang der Cicerostraße mit Tennisplätzen im Innenbereich. Im Haus des KadeKo wurde das Café Leon eingerichtet. Es wurde zum Stammcafé von Erich Kästner, der 1931 von der Prager Straße in die Roscherstraße gezogen war. Das “Universum-Kino” wurde nach 1945 zunächst als “Capitol”, später bis 1973 als “Studio” weiterbetrieben. In dem Bau residierte nach dem Krieg das Prominentenlokal Ricci. Nach Totalabriss und äußerlich originalgetreuem Wiederaufbau seit 1978 durch Jürgen Sawade wurde das Haus 1981 als Schaubühne am Lehniner Platz eröffnet.

Die gesamte Anlage wurde in den 20er Jahren als revolutionär empfunden und von der Architekturkritik begeistert gefeiert. Das Universum-Kino galt als erstes Kino-Gebäude, das nicht mehr wie ein traditionelles Theaterhaus aussah, sondern dem neuen Medium angemessen erschien. 1925 gab es in Berlin 342 Kinos mit insgesamt 150.000 Plätzen. Die prächtigsten Uraufführungskinos gab es am Kurfürstendamm, allerdings rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche herum. Es ist paradox, dass 1981 in die Außenhülle ein Theater einzog.

Das KadeKo war eines der berühmtesten Kabaretts der 20er Jahre, in dem auch noch in den 30er Jahren gewagte Anspielungen gemacht wurden. Werner Finck zum Beispiel fragte noch im Jahr 1936 von der Bühne herunter den anwesenden Spitzel im Publikum: “Kommen Sie noch mit – oder muß ich mitkommen?”. In einem berühmten Sketsch “Beim Schneider” interpretierte er den Hitlergruß als “Aufgehobene Rechte”. Seit dem 1.6.1945 spiele das Kabarett der Komiker im “Café Leon” ein Notprogramm. Im April 1948 eröffnete in seinen Räumen das “British Centre” mit Film-Club und Musik-Club

Kurfürstendamm

Nr.77-89 fehlen, die Deutsche Allgemeine Zeitung DAZ fragte am 9.5.1936: “Hat jemand zufällig dreizehn Häuser gesehen?”

Nr.76 1917-24 Malik-Verlag von Wieland Herzfelde, der hier eine Dachwohnung bewohnte. Er verlegte expressionistische und zunehmend pazifistische Literatur und Bildbände, darunter die berühmten bissigen Bilder von George Grosz und die Plakate von John Heartfield.

Albrecht-Achilles-Straße

1911 benannt nach dem Kurfürsten von Brandenburg Albrecht III “Achilles”

Nr.65 Sekis (ehem. Krankenhaus Wilmersdorf)

Nr.62-64 Baudenkmal, früheres Krankenhaus Wilmersdorf, heute Landesversorgungsamt Berlin, 1938-40 von M. Braunstorfinger und Felix Halmbach gebaut

Paulsborner Straße

Hochmeisterplatz

Hochmeisterkirche, 1908-10 gebaut als Backsteinbau von Otto Schnock im romanischen Stil. Zunächst war der Olivaer Platz als Bauplatz vorgesehen, aber nachdem im Zusammenhang mit dem Ausbau des Kurfürstendammes der Stadtteil Halensee sehr schnell gewachsen war, entschloss man sich, hier, mitten in dem neuen Vierteil die Kirche zu bauen Sie wurde am 11.9.1910 eingeweiht als dritte evangelische Kirche in Wilmersdorf (nach der Auenkirche und der Grunewaldkirche). Das große Gemeindehaus an der Paulsborner Str. 86 mit dem als Konzertsaal geschätzten “Hochmeistersaal” wurde am 15.9.1929 eingeweiht. 1935 wurde die Kirche umfassend renoviert. Der damit beauftragte Architekt Stahl-Urach ließ den reichen Innenschmuck entfernen, zum Beispiel die Decken- und Wandgemälde, Mosaike und Kandelaber. Ein schlichter Raum sollte entstehen, der die Besucher auf das Wort konzentrieren sollte. Nach schweren Kriegsschäden wurde die Kirche 1953-58 wiederhergestellt durch Erwin Rettig. Am 31. Oktober 1958 wurde sie vom damaligen Bischof von Berlin und Brandenburg, Otto Dibelius, wieder eingeweiht.

Westfälische Straße

Nr. 37 Baudenkmal, Mietshaus, Eingangsflur, 1898-99 von Fritz Mittag

Nr.45 Baudenkmal, Mietshaus, 1895 von Wilhelm Prescher

Henriettenplatz