Siemensstadt, Infotafel 8 Fred Forbat

Geißlerpfad 11

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Infotafel 8 Fred Forbat, 7.8.2007, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Tafeltext:
Fred Forbat konnte in beiden Bauabschnitten sehr unterschiedliche Zeilenbauten errichten. Sein erster Wohnblock schließt die Häring’sche Zeilenbebauung nach Osten zum Geißlerpfad hin ab. Seine Zeile hat an der Eingangsseite eine Ziegelverblendung in Erdgeschosshöhe, die auch in den angebauten Läden am Süd- und Nordende fortgesetzt wird, während die Gartenseite weniger plastisch formuliert wird. Kurz nach Fertigstellung des I. Bauabschnittes wurde mit der Erweiterung der Siedlung begonnen. Forbat fiel die dankbare Aufgabe zu, einen viergeschossigen Brückenbau zu entwerfen, der den zentralen Gründstreifen der Anlage nach Osten abgrenzt. Nach Norden schließt sich eine dreistöckige, leicht abknickende Zeile an. Ragen an der Straße lediglich die vorspringenden Dächer der Hauseingänge hervor, so öffnen sich an der Gartenseite Loggien in der ganzen Wohnungsbreite und geben “ungestörte Aussicht auf die Hauptgrünfläche ohne jedes Gegenüber” – wie Forbat formuliert.
Der dreigeschossige nördliche Blockabschnitt schließt die Siedlung nach Osten ab. Die asymmetrisch aufgefasste Straßenseite erhält ihre plastische Wirkung durch abgerundete, leicht vortretende Gebäudeteile, die zusammen mit den durchgehend verglasten Treppenhäusern dem Block eine vertikale Gliederung geben. Der Wohnblock enthält pro Etage eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern und eine geräumigere mit variablen Grundrisslösungen, über die Forbat schrieb: “Durch Weglassen der einen oder der anderen Zwischenwand und in einem Fall durch Umlegen der Küche neben das Bad sind drei weitere Abwandlungen für andersgeartete Wohnbedürfnisse geschaffen worden.” Alle vier Varianten wurden ausgeführt.
Mit großem Gespür für das Detail schaffte es Forbat, eine sorgfältig gestaltete und zugleich klar gegliederte Architektur zu verwirklichen, die leider heute immer noch zu wenig beachtet wird und wegen ihrer Freiheiten zum Geheimtipp unter Architekturinteressierten geworden ist.
Die von Forbat geplante umfangreiche Erweiterung der Siedlung nach Osten, die mit niedrigen Ladenbauten den Goebelplatz zu einem Einkaufszentrum aufwerten sollte, kam nicht zur Ausführung.

Fred Forbat
1897 Pecs, Ungarn – 1972 Stockholm
Architekt und Stadtplaner

Fred Forbat arbeitete von 1920-1922 im Atelier von Walter Gropius, 1925-1928 als Chefarchitekt im Baukonzern von Adolf Sommerfeld in Berlin.
1930 nahm er einen Siedlungs- und Städtebau-Lehrauftrag an der Itten-Schule an.
1932 ging er als Mitarbeiter der staatlichen Städtebauorganisation “standardgorprojekt” in die UdSSR.
1933 war er Grabungsarchitekt des Deutschen Archäologischen Institutes in Olympia, dann freier Architekt in Pecs.
1938 emigrierte er nach Schweden, war im Städtebau in Lund und Stockholm tätig und Professor an der TH Stockholm.