HIER WOHNTE
DOROTHEA SCHENDEL
JG. 1913
FLUCHT 1939
NEUSEELAND
Dorothea Schendel, die 1913 in Hohensalza, preußische Provinz Posen, als drittes Kind aus erster Ehe von Albert Schendl mit Henriette Speter geboren wurde, besuchte in Bres-lau das „Pawelsche Lyzeum“ erlernte Stenographie und Schreibmaschine, sodass sie später in Berlin Sekretärin bei „Arthur Leyser’s Damenbekleidung“ wurde. Sie lebte damals bei ihren Eltern in der Grolmannstr. 20.
Mit Hilfe des aus Fürstenwalde stammenden Heinz Eisig, der 1937 nach Neuseeland geflüchtet war, gelang auch ihr die Flucht aus Deutschland. Die beiden kannten sich schon aus Fürstenwalde, wo Heinz Trainer im „Turnverein Eiche e. V.“ war, dem auch Dorothea angehörte. Er hatte bei der neuseeländischen Regierung Dorotheas Einreiserlaubnis erwirkt, die als Bedingung vorsah, dass die beiden binnen eines Monats nach Dorotheas Ankunft heirateten. Dorothea kam am 1. Juli 1939 in Neuseeland an – ein Rabbiner stand schon bereit – und sie heiratete Heiz Eisig am 3. Juli 1939. Dorothea bezeichnete diese Möglichkeit, ihr Leben zu retten, lebenslang als einen „Lotteriegewinn“.
Auch die Einreiserlaubnis von Heinz Eisig 1937 war von der neuseeländischen Regierung mit einer Bedingung verbunden, nämlich dass er als Landwirt zu arbeiten habe – obwohl er das nicht war. Heinz und Dorothea arbeiteten hart auf einer Farm in einem isolierten Gebiet unter sehr primitiven Lebensbedingungen – aber sie waren in Sicherheit!
Dorothea und Heinz bekamen die Tochter Merle, die am 18. Juli 1940 geboren wurde, und den Sohn Ronald George, der am 5. November 1945 das Licht der Welt erblickte. Merle heiratete später Oliver Newland, geboren als Oliver Neuländer am 11. Dezember 1939. Dessen Eltern waren in den 30ger Jahren ebenfalls aus Deutschland geflohen – aus Breslau nach Italien, Palästina, England und 1939 nach Neuseeland.