HIER WOHNTE
LOTTE SCHILLER
JG. 1886
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942
Lotte Schiller Pariser Straße 47
Lotte Schiller, geboren am 8. November 1886 in Berlin, war das einzige Kind ihrer Eltern Moritz Schiller und Hortense Schiller geborene Frank.
Moritz Schiller war von Beruf Kaufmann und wohnte damals mit seiner Ehefrau in der Schützenstraße 31 in Berlin Mitte. In dem großen Haus, in dem sich u.a. die renommierte „Poudre- und Schminkenfabrik Leichner“ befand, hatte Moritz Schiller seine Wohnung und betrieb zusammen mit seinem Kompagnon A. Philipsborn seine kaufmännischen Geschäfte. (Das Haus brannte 1945 völlig aus, an seiner Stelle steht heute das Verlagshaus Axel Springer.)
Als Moritz Schiller am 14. Oktober 1904, noch im Berufsleben stehend, 49-jährig starb, wohnte die Familie in Moabit, Spener Straße 21. (siehe unten, Todesanzeige) Dorthin waren sie 1895 gezogen. Moritz war inzwischen als „Agent“ in den Adressbüchern eingetragen.
Nach dem Tod ihres Mannes zog Hortense mit ihrer 18-jährigen Tochter Lotte nach Wilmersdorf in die Pfalzburger Straße 2. Es gibt keine Hinweise darüber, wie die beiden Frauen ihren Lebensunterhalt bestritten, auch nicht, ob Lotte einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung machen konnte, oder ob sie etwas durch einfache Arbeiten zum Haushaltsgeld beigesteuert hat.
Ab 1935 sind weder Hortense noch Lotte in den Adressbüchern namentlich verzeichnet. Es dürfte das Jahr gewesen sein, in dem sie ihre eigene Wohnung aufgeben mussten und zur Untermiete in die Pariser Straße 47 zogen.
Dort waren sie zur Zeit der Minderheiten–Volkszählung vom 17.Mai 1939 gemeldet, sie mussten aber bald darauf zwangsweise umziehen in die Konstanzer Straße 3.
Lottes Mutter starb am 17. Mai 1942 im Jüdischen Krankenhaus im Wedding. Die Todesursache ist auf der Sterbeurkunde nicht vermerkt.
Lotte war nun völlig auf sich gestellt. Sie wurde im Alter von 56 Jahren am 5. September 1942 von der Konstanzer Straße 3 abgeholt und mit dem „19. Osttransport“ nach Riga deportiert. Abfahrtsbahnhof war der Güterbahnhof Moabit. Der Transport umfasste 796 Jüdinnen und Juden, darunter 25 Kinder. Nach Ankunft in Riga erschoss man bis auf 80 Männer, die wegen ihrer handwerklichen Fähigkeiten ausgesucht wurden, alle anderen Menschen. Lottes Todestag wurde auf den 8. September 1942 datiert.
Lottes Onkel mütterlicherseits Albert und seine Frau Edith Frank wurden am 14. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und kamen dort zu Tode.
Die Cousine Ilona Kelmy, Tochter von Albert und Edith, die über Paris nach Monaco geflüchtet war, wurde dort verhaftet und ebenfalls im September 1942 nach Auschwitz deportiert, der Cousin Hans Frank starb 1944 im Jüdischen Krankenhaus Berlin an Fleckfieber, nur die Cousine Nelly konnte ihr Leben durch Flucht nach Palästina retten.
Sie hinterlegte in der Gedenkstätte Yad Vashem Gedenkblätter für ihre Cousine Lotte Schiller und ihre Eltern Albert und Edith Frank.
Recherche und Text: Karin Sievert, Stolperstein Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf
Quellen:
- Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
-
Brandenburgisches Landeshauptarchiv
- Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin
- Deportationslisten
- Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
- Yad Vashem – Opferdatenbank
- Arolsen Archives
- Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz