HIER WOHNTE
ELSE SCHENDEL
GEB. WOLFFHEIM
JG. 1888
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942
Else Schendel wurde als Else Wolffheim am 18. Februar 1888 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der aus Berlin stammende Kaufmann Hermann Wolf Wolffheim und dessen aus Pleschen (Pleszew, Polen) stammende Ehefrau Wilhelmine geborene Pfeiffer (geb. 28. Juli 1854). Kurze Zeit nach Elses Geburt starb ihre Mutter am 30. März 1888. Ihr Vater heiratete am 6. Mai 1890 in zweiter Ehe die aus Posen stammende Regina Landsberg (geb. 4. Februar 1862), die Elses Stiefmutter wurde. Aus der zweiten Ehe seines Vaters bekam Else zwei Halbgeschwister, Johanna Erna (geb. 24. März 1891) und Walter Hermann (geb. 12. Dezember 1895).
Wann und wo Else ihren späteren Ehemann, den aus Glatz in Schlesien (Kłodzko, Polen) stammenden Kaufmann Hermann Schendel (geb. 20. Februar 1880), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 25-jährige Else und der 33-jährige Hermann heirateten am 9. Juni 1913 in Berlin und zogen anschließend nach Chemnitz in Sachsen, wo Hermann schon vor der Hochzeit gewohnt hatte. Sie wurden Eltern von zwei Töchtern, die beide in Chemnitz geboren wurden. Gerda Margarete kam am 29. Juli 1914 und zwei Jahre später kam Margit Ursula am 12. April 1916 zur Welt.
Elses Vater Hermann Wolffheim starb am 28. August 1916 im Alter von 70 Jahren in Berlin. Am 18. Februar 1923 heiratete ihr jüngerer Bruder Walter in zweiter Ehe Emma Küchler (geb. 17. November 1893) in Berlin. 1931 starb die Stiefmutter Regina mit 69 Jahren, daraufhin zog ihre unverheiratete Schwester Erna zu Else nach Chemnitz in die Langestraße 22.
Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Else 45 Jahre alt. Ihre älteste Tochter Gerda heiratete am 4. März 1935 mit 20 Jahren Hans Werner Meyerhofer. Ein Jahr später, am 24. März 1936, starb Elses Ehemann und Vater ihrer Kinder Hermann Schendel mit 56 Jahren in Chemnitz. Else wurde mit 48 Jahren Witwe. Am 23. Dezember 1937 heiratete ihre Schwester mit 46 Jahren den 61-jährigen Ingenieur Julius Katzky in Berlin. Sie zog zu ihm in die Lessingstraße 24 in Berlin-Lichtenrade. Vermutlich zogen Else und ihre Tochter Margit daraufhin auch nach Berlin. Sie fanden eine Wohnung in der Sächsischen Straße 72 in Berlin-Wilmersdorf.
Elses älteste Tochter Gerda gelang mit ihrem Ehemann am 23. August 1938 die Emigration nach New York in den USA. Walter Wolffheim wohnte mit seiner Ehefrau in der Wrangelstraße 92 in Berlin-Kreuzberg. Er starb am 21. September 1938 im Jüdischen Krankenhaus an einer Lungenembolie.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Else noch zusammen mit ihrer 23-jährigen Tochter Margit in der Sächsischen Straße 72 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Ende August 1939 gelang auch Margit noch in letzter Minute die Flucht nach Großbritannien. Else blieb allein zurück. Im Februar 1941 zog ihre Schwägerin Emma, die Witwe ihres Bruders Walter, zu ihr zur Untermiete in den vierten Stock im Vorderhaus der Sächsischen Straße 72. Emma musste Zwangsarbeit bei Siemens & Halske im Wernerwerk in der Jungfernheide in Berlin-Siemensstadt leisten.
Else bekam Ende August 1942 den Deportationsbefehl in den Osten. Zusammen mit 800 Leidensgenossinnen und -genossen sollte sie am 31. August 1942 deportiert werden. Der 19. Osttransport verließ aber erst am 5. September 1942 den Güterbahnhof Moabit und erreichte am 8. September 1942 den Bahnhof von Riga in Lettland. Hier wurden die Deportierten in einem nahegelegenen Wald erschossen und in Massengräbern verscharrt. Else Schendel geborene Wolffheim starb mit 54 Jahren.
Ihre Schwester Erna verlor zehn Tage später, am 18. September 1942, ihren Ehemann Julius Katzky, der an Herzmuskelschwäche starb. Einen Monat später, am 19. Oktober 1942, wurde auch Erna mit dem 21. Osttransport nach Riga deportiert und am 22. Oktober 1942 dort ermordet.
Ihre Schwägerin Emma Wolffheim wurde von der Gestapo bei der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 an ihrem Arbeitsplatz bei Siemens festgesetzt und anschließend in ein Sammellager gebracht, wo sie am 28. Februar ihre Vermögenserklärung unterschrieb. Mit dem 34. Osttransport wurde sie am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert und vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Die Wohnung in der Sächsischen Straße 72 versiegelte die Gestapo Ende Februar 1943. Sie blieb acht Monate unbewohnt, bis sie am 28. Oktober 1943 geräumt wurde.
Am 13. August 1946 emigrierte auch Margit von Großbritannien nach New York zu ihrer Schwester Gerda. Gerda wurde 96 Jahre und Margit wurde 82 Jahre alt.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
- My Heritage
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 40696, Emma Wolffheim