Stolpersteine Ludwigkirchstraße 6

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Hauseingang Ludwigkirchstr. 6
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

Diese Stolpersteine wurden am 21.9.2013 verlegt.

Bildvergrößerung: Stolperstein Oskar Franke
Stolperstein Oskar Franke
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
OSKAR FRANKE
JG. 1874
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
8.1.1943

Oskar Franke wurde am 3.März 1874 in Gerstungen bei Eisenach geboren.
Seit 1925 war er mit Gertrud Franke, geb. Wenzel verheiratet.
Oskar Franke war Mitinhaber der gutgehenden Fabrik für Kindergarderobe Oskar Franke & Nathan Mosse in Brandenburg a. d. Havel.
Die Fabrik musste er 1938 abgeben und sein Barvermögen wurde beschlagnahmt.
Ab April 1942 hatte das Ehepaar Franke in der Ludwigkirchstraße 6 einen Untermieter, den Kaufmann Paul Tarrasch, der bezeugen konnte, in welchem Maße Oskar Franke unter dem Verlust seines Unternehmens und den gegen die jüdischen Menschen gerichteten Verfolgungsmaßnahmen gelitten hat:

„…Herr Franke war gleich mir Jude und Sternträger und litt unsagbar unter den gegen die Juden gerichteten Verfolgungsmaßnahmen, namentlich auch unter dem Verlust seines früher gutgehenden Geschäfts….und lebte in ständiger Angst vor Deportation. Er war körperlich völlig gesund, litt so wie ich unterrichtet bin unter keiner Krankheit und lebte in glücklicher Ehe. Wir sprachen des Abends fast täglich über die allgemeinen Umstände, so dass ich feststellen konnte, dass er in zunehmendem Maße unter seelischen Depressionen litt…“

Von Paul Tarrasch ist nur bekannt, dass er 65 Jahre alt und „Lagerinsasse“ war. Die Zentrale Datenbank der Holocaust-Opfer der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem nennt allerdings keine näheren Daten und keinen Ort.
Eine weitere Untermieterin war Frieda Helft, geboren 1890, deportiert 1942 nach Riga, zu deren Gedenken ebenfalls ein Stolperstein gesetzt wurde.

Oskar Franke nahm sich am 8. Januar 1943 mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Er wurde am Morgen tot in seinem Schlafzimmer aufgefunden. Oskar Franke wurde am 19. Januar 1943 auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt, Gräberfeld W, Reihe 1. Seine Frau Gertrud starb am 21. Dezember 1952, nachdem sie herzkrank geworden war.

Recherche/Text: Karin Sievert

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Stolperstein Frieda Helft
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
FRIEDA HELFT
JG. 1890
DEPORTIERT 19.1.1942
RIGA
ERMORDET

Frieda Helft wurde am 26. Mai 1890 in Brandenburg (Havel) geboren. Über ihr Leben in Berlin ist wenig bekannt. Sie wohnte zur Untermiete in der Ludwigkirchstraße 6 in Wilmersdorf bei Oskar und Gertrud Franke, die noch einen weiteren Untermieter hatten: Paul Tarrasch, über dessen Schicksal wir wenig wissen, außer dass er „Lagerinsasse“ war. Oskar Franke beging Selbstmord, seine Frau Gertrud überlebte.
Nachdem sich Frieda Helft im Sammellager Levetzowstraße 7-8, einer für diesen Zweck von der Geheimen Staatspolizei der Nationalsozialisten missbrauchten Synagoge, melden musste, ist sie am 19. Januar 1942 am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald in einen Zug nach Riga gesetzt worden. 1022 Menschen wurden bei klirrender Kälte in gedeckte Güterwagen gesteckt. Darunter waren zahlreiche Alte und Kranke. Nur 19 Überlebende sind bekannt. Alle anderen wurden nach der Ankunft am 23. Januar 1942, sofern sie nicht schon erfroren oder verhungert waren, erschossen und in Massengräber geworfen, Frieda Helft angeblich in Vidzeme nördlich von Riga.

Quellen: Bundesarchiv; Zentrale Datenbank Yad Vashem; Gottwald/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005
Text: Helmut Lölhöffel