Stolperstein Kastanienallee 39

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Hauseingang Kastanienallee 39
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat & Flegel

Der Stolperstein für Susanne Müller wurde am 28.06.2011 verlegt.

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Stolperstein Susanne Müller
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
SUSANNE MÜLLER
GEB. BRUCK
JG. 1904
FLUCHT 1936 ITALIEN
FLUCHT 1938 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 7.9.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Susanne Müller geb. Bruck wurde am 20. April 1904 in Ratibor (Schlesien) geboren. Sie zog nach Berlin, heiratete den 32 Jahre älteren, damals in Fachkreisen bekannten Pharmakologen Dr. rer. nat. et med. Franz Robert Müller und wohnte mit ihm in Charlottenburg in der Kastanienallee 39. Müller war schon 1901 aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgetreten.

Als Eigentümer dieser 1910/11 erbauten Westend-Villa war von 1912 bis 1936 Müller mit dem Zusatz Privatdozent, später Universitätsprofessor sowie seinem Doktortitel mit der Wohnanschrift Kastanienallee 39 eingetragen. Eine zweite Adresse hatte er in der Tauentzienstraße 3. Von 1937 an stand Franz Müller nicht mehr im Berliner Adressbuch. Stattdessen war der Regierungsbaumeister a.D. Direktor Dr. Hans Hertlein als neuer Besitzer im Adressbuch registriert. Ihm gehörte die Kastanienallee 30, wo er auch wohnte und hatte das Eigentum der aus ihrer Heimat Geflüchteten erworben.

Franz Robert Müller war am 31. Dezember 1871 in Berlin geboren. Er promovierte 1898. Seit 1904 war er Privatdozent, von 1912 an Professor in Berlin. 1925 erschien das Buch „Theoretische und Klinische Pharmakologie“, das Franz Müller zusammen mit Professor Dr. med. Heinrich von Hoesslin verfasst hatte. 1933 wurde ihm die Lehrbefugnis entzogen.

1936 flüchteten Franz und Susanne Müller zunächst nach Fiesole bei Florenz in Italien, dann 1938 auf die Domaine Banégon in Südfrankreich. Dort wurde sie während der deutschen Besatzung jedoch von der Geheimen Staatspolizei aufgegiffen und festgenommen und in das Internierungslager Drancy bei Paris gesteckt. Franz Müller, der inzwischen 71 Jahre alt war, konnte sich retten und ist am 1. Oktober 1945 an seinem Exilort Banégon gestorben. Das Ende des Zweiten Weltkriegs und damit die Befreiung vom Nationalsozialismus hat er noch miterlebt.
Zu diesem Zeitpunkt war Susanne Müller längst ums Leben gebracht worden. Am 7. September 1942 wurde sie in einem Eisenbahnzug aus Drancy mit 1000 Menschen nach Auschwitz gebracht, kam dort nach einer zwei Tage dauernden quälenden Fahrt an und wurde im Alter von 38 Jahren ermordet.

Quellen: Bundesarchiv, Adressbücher, Deportationschronik, Wissenschaftliche Sammlungen an der Humboldt-Universität zu Berlin