Stolpersteine Leonhardtstraße 18

Die Stolpersteine wurden am 19. März 2011 verlegt.

Stolperstein für Pauline Baer

Stolperstein für Pauline Baer

HIER WOHNTE
PAULINE BAER
GEB. JABLONKA
JG. 1885
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Pauline (Paula) Jablonka wurde am 17. März 1885 in Berlin geboren. Die Namen ihrer Eltern ließen sich nicht zweifelsfrei feststellen, ihr Vater hieß wahrscheinlich Samuel. Sie hatte zwei jüngere Brüder, Max (geb. 1889) und Felix (geb. 1894).

Vor 1919 heiratete sie den Oberkantor Max Baer und zog mit ihm in die Gneisenaustraße 47 in Kreuzberg. Hier bekam das Ehepaar zwei Töchter, Rosy (*19. Juni 1919) und Vera (*14. Oktober 1921). Später zog die Familie in die Hebbelstraße 19 in Charlottenburg um.

Über Herkunft und Wirken von Paulines Mann ließ sich wenig herausfinden, wir wissen auch nicht, zu welcher Synagoge er gehörte. In den 1920er-Jahren scheint er ein geschätzter Kantor gewesen zu sein. Im Frühjahr 1923 spielte er mit dem Berliner Synagogenchor unter dem bekannten Dirigenten Leo Kopf als Solist Tonaufnahmen ein, die auf einer Schellack-Platte veröffentlicht wurden. Hier sang Max Baer unter anderem das „Kol Nidre” und „Keduscha”.

Er starb am 24. Juli 1927 mit nur 51 Jahren bei einer Urlaubsreise. Pauline war damals 42 Jahre alt, ihre Töchter acht und fünf Jahre alt. Sie blieben zunächst in der Hebbelstraße 19 wohnen. Paulines unverheirateter Bruder Max zog bei ihnen ein. In den 1930er-Jahren zogen alle in die Friedbergstraße 2 um, ebenfalls in Charlottenburg. Ab 1937 verzeichnet das Adressbuch die „Pensionärin Paula Baer” sowie ihren Bruder Max Jablonka in der Leonhardtstraße 18.

Paulines Tochter Rosy heiratete sehr jung einen Herrn Friedländer, über dessen Herkunft und Verbleib nichts herauszufinden war. Ihre Tochter Vera wurde Krankenpflegerin. Zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 war Vera im Verein jüdischer Krankenpfleger in der Iranischen Straße 4 im Wedding gemeldet, Pauline Baer, ihr Bruder Max und ihre Tochter Rosy in der Leonhardtstraße 18. Rosys Mann wurde hier nicht gezählt, allerdings drei junge Frauen namens Friedländer, möglicherweise dessen Schwestern. Rosys Ehe blieb jedoch bestehen, denn sie bekam am 27. Oktober 1942 einen Sohn, Bela Friedländer, und Pauline wurde zum ersten und letzten Mal Großmutter.

Wenige Wochen später, am 14. Dezember 1942, wurden Pauline, ihre beiden Töchter Vera und Rosy und der kleine Bela gemeinsam mit dem „25. Osttransport” vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Moabit nach Auschwitz deportiert. Wahrscheinlich wurden dort alle vier gleich nach der Ankunft ermordet. Pauline Baer geborene Jablonka wurde 57 Jahre alt, ihre Tochter Vera Baer 21 Jahre, ihre Tochter Rosy Friedländer geborene Baer 23 Jahre. Der kleine Bela war sieben Wochen alt, als man ihn mit seiner Mutter in die Gaskammer schickte.

Paulines Bruder Max Jablonka war wenige Tage vor seiner Schwester und seinen Nichten, am 9. Dezember 1942, ebenfalls nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet worden. Ihr Bruder Felix, der in Berlin eine Herrenwäschefabrik besessen und mit seiner Frau Ilse und seinem Sohn Horst in Pankow gewohnt hatte, war mit seiner Familie im letzten Augenblick nach Argentinien emigriert.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • Jüdisches Adressbuch Groß-Berlin
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
  • Rainer E. Lotz, Discographie der Judaica-Aufnahmen, 2006
Stolperstein für Max Jablonka

Stolperstein für Max Jablonka

HIER WOHNTE
MAX JABLONKA
JG. 1889
DEPORTIERT 9.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Stolperstein für Curt Joseph Zeimann

Stolperstein für Curt Joseph Zeimann

HIER WOHNTE
CURT JOSEPH
ZEIMANN
JG. 1900
DEPORTIERT 12.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Curt (Kurt) Joseph Zeimann kam am 25. Mai 1900 als Sohn von Isidor Zeimann und dessen Ehefrau Amalie geborene Brauer in Berlin zur Welt. Sein Vater stammte ursprünglich aus Pommern, seine Mutter war Berlinerin. Sie hatten ein Jahr vor Curts Geburt in Berlin geheiratet, und er scheint ihr einziges Kind gewesen zu sein. Die Familie lebte in der Berliner Straße 22 in Charlottenburg (heute Otto-Suhr-Allee). Curts Vater betrieb gemeinsam mit Curts Onkel Alfred eine Handelsgesellschaft für Schuhmacherbedarf en gros in der Kaiserstraße (heute Jacobystraße) in Mitte. Mehrere weitere Mitglieder der Familie Zeimann waren ebenfalls in dieser Branche tätig. Auch Curt wurde Kaufmann von Beruf. Wahrscheinlich arbeitete er in einem der Familienunternehmen mit.

Sein Vater starb 1920, seine Mutter kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Ein Jahr später, am 15. Februar 1934, heiratete Curt die Berlinerin Elli Grünbaum (*3. Oktober 1901). Das Paar, das kinderlos blieb, zog zunächst in die Rönnestraße und einige Jahre später in die Leonhardtstraße 18. Hier wurden sie bei der „Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 erfasst. Da sie im Adressbuch hier nicht mehr verzeichnet sind, ist anzunehmen, dass sie zur Untermiete wohnten.

Aus dem Deportationsdatum von Curt und Elli Zeimann, dem 12. März 1943, ist zu schließen, dass sie in ihren letzten Lebensjahren Zwangsarbeit verrichten mussten oder bei der Jüdischen Kultusvereinigung beschäftigt waren. Der „36. Osttransport”, der an diesem Tag vom Güterbahnhof Moabit mit knapp tausend Personen abfuhr, bildete den Abschluss der sogenannten „Fabrikaktion”, bei der die letzten in Berlin lebenden Jüdinnen und Juden, die noch für nützlich erachtet worden waren, in den Tod geschickt wurden. Der Zug erreichte einen Tag später Auschwitz. Ob das Ehepaar Zeimann dort noch arbeiten musste oder gleich nach der Ankunft vergast wurde, ist unbekannt, ihre Todesdaten wurden nicht registriert. Beide wurden mit Anfang 40 ermordet.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Arolsen Archive
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
  • Berliner Adressbücher
Stolperstein für Elli Zeimann

Stolperstein für Elli Zeimann

HIER WOHNTE
ELLI ZEIMANN
GEB.GRÜNBAUM
JG. 1901
DEPORTIERT 12.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Elli Grünbaum kam am 3. Oktober 1901 als uneheliche Tochter einer jungen Protestantin namens Hedwig Bahr in Berlin zur Welt. Deren Freund Hugo Grünbaum, der jüdisch war und ebenso wie Hedwig ursprünglich aus Pommern stammte, erkannte die Vaterschaft an und heiratete sie drei Monate nach Ellis Geburt. Das Ehepaar Grünbaum bekam danach noch vier Kinder: Die Söhne Norbert (geb. 1902), Siegfried (geb. 1904) und Hans (geb. 1910) und die Tochter Margarete (geb. 1908). Eine weitere Tochter starb im Säuglingsalter. Elli und ihre Geschwister wuchsen in Charlottenburg auf. Ellis Vater arbeitete dort als Kaufmann oder Handelsvertreter.

Ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, am 15. Februar 1934, heiratete Elli den Berliner Kaufmann Curt Joseph Zeimann (geb. 25. Mai 1900). Nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten war sie als Tochter einer Nichtjüdin und eines Juden ein „Mischling”. Gemäß der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz 1935 verlor sie durch ihre Ehe mit dem „Volljuden” Curt Zeimann ihren Sonderstatus und galt nun ebenfalls als „Volljüdin”. Das Ehepaar Zeimann, das keine Kinder bekam, zog zunächst in die Rönnestraße und dann in die Leonhardtstraße 18 in Charlottenburg. Hier wurden sie bei der „Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 erfasst. Da sie im Adressbuch hier nicht mehr verzeichnet sind, ist anzunehmen, dass sie zur Untermiete wohnten.

Eliis Eltern, die im Jargon der Nazis in einer „Mischehe” lebten, wohnten zu dem Zeitpunkt in der Steffeckstraße (heute Friedbergstraße) 26, ebenfalls in Charlottenburg. Bei ihnen wohnten auch Ellis unverheiratete Geschwister Siegfried, Hans und Margarete. Der ältester Bruder Norbert lebte mit seiner Frau Charlotte geborener Feldmann, die er 1934 geheiratet hatte, in der Augsburger Straße 42.

Elli Zeimann und ihr Mann Curt wurden zusammen mit Ellis Bruder Norbert am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Norberts Frau Charlotte war bereits eine Woche vorher ebenfalls nach Auschwitz verschleppt worden. Aus diesen Deportationsdaten lässt sich schließen, dass Elli und Curt Zeimann sowie Norbert und Charlotte Grünbaum in ihren letzten Lebensjahren Zwangsarbeit verrichten mussten oder bei der Jüdischen Kultusvereinigung beschäftigt waren; die großen „Osttransporte”, die im März 1943 vom Güterbahnhof Moabit nach Auschwitz fuhren, stellten das Ende der sogenannten „Fabrikaktion” dar, bei der die letzten Berliner Jüdinnen und Juden, die dort noch zwangsbeschäftigt waren, in den Tod geschickt wurden. Der Zug mit Elli und Curt Zeimann und Ellis Bruder Norbert Grünbaum erreichte am 13. März 1943 Auschwitz. Ob Norbert seine Frau dort noch wiedersah oder ob sie bereits tot war, wissen wir nicht. Auch ob Elli, Curt und Norbert in Auschwitz noch arbeiten mussten oder gleich nach der Selektion ermordet wurden, ist unbekannt. Elli Zeimann geborene Grünbaum, ihr Mann Curt, ihr Bruder Norbert und ihre Schwägerin Charlotte starben alle mit Anfang Vierzig.

Von Ellis Geschwistern Hans, Siegfried und Margarete verlieren sich nach 1939 die Spuren. Auf Deportations- und Opferlisten tauchen sie nicht auf. Vielleicht gelang ihnen rechtzeitig die Flucht aus Deutschland. Ellis Eltern Hedwig und Hugo Grünbaum sind im letzten regulären Berliner Adressbuch von 1943 immer noch in der Steffeckstraße 26 zu finden. Ihre Kinder Elli und Norbert hatte Hedwig Grünbaum nicht retten können, doch ihr Mann Hugo entging durch seinen „Mischehe”-Status der Deportation. Ellis Eltern starben beide in Berlin, ihr Vater 1949 und ihre Mutter 1954.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Arolsen Archive
  • MyHeritage
  • geni.com
  • mappingthelives.org
  • Berliner Adressbücher
Stolperstein für Erna Brockmann

Stolperstein für Erna Brockmann

HIER WOHNTE
ERNA BROCKMANN
JG. 1885
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO
ERMORDET 25.11.1941

Erna Brockmann wurde am 29. Oktober 1885 als Tochter des Kaufmanns Moritz Brockmann und dessen Ehefrau Pauline, geborene Wasservogel in Frankfurt an der Oder geboren. Ihr Vater war Mitinhaber des Unternehmens „Brockmann & Baresel” in der Regierungsstraße 19, das elegante Herrengarderobe herstellte und vertrieb. Erna hatte eine große Schwester namens Magda (*12. November 1882). Die Familie wohnte in der Theaterstraße 2.

Beide Schwestern zogen nach Berlin. Dort lebten auch mehrere Geschwister ihrer Mutter, die aus einer kinderreichen Breslauer Familie stammte. Die Eltern blieben in Frankfurt an der Oder und starben dort 1912 und 1913.

Magda heiratete den deutlich älteren Kaufmann Richard Isidor David (*1867), der in Offenbach in Hessen geboren war. Er hatte in Berlin-Mitte einen Leder- und Schuhwarenhandel. Die Ehe war kinderlos. Erna blieb ledig und war berufstätig. Aus den Adressbüchern ist zu entnehmen, dass sie Geschäftsführerin eines Unternehmens oder Ladens für Wirtschaftsbedarf war. Sie wohnte in den 1920er-Jahren und bis mindestens Mitte der 1930er-Jahre in einer Parterrewohnung der Krummen Straße 63 in Charlottenburg, bis sie in die Leonhardtstraße 18 umzog. Wahrscheinlich musste sie in eine kleinere Wohnung ziehen, nachdem es ihr die Nationalsozialisten unmöglich gemacht hatten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch ihr Schwager Richard Isidor musste spätestens 1937 sein Lederwarengeschäft aufgeben. Zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939, die Erna Brockmann in der Leonhardtstraße 18 erfasste, wohnten ihre Schwester Magda und ihr Schwager Richard Isidor in der Michaelkirchstraße 13 in Mitte.

Erna Brockmann musste sich im Sammellager in der entweihten Synagoge in der Levezowstraße einfinden und wurde von dort am 17. November 1941 mit dem „6. Osttransport” vom Bahnhof Grunewald in das litauische Kowno (Kaunas) deportiert. Am 25. November wurde sie dort in der Exekutionsstätte „Fort IX” erschossen. Sie wurde 56 Jahre alt.

Ihr Schwager Richard Isidor David starb im Herbst 1942 anscheinend eines natürlichen Todes. Ihre Schwester Magda wurde einige Wochen später, am 14. Dezember 1942, mit dem „25. Osttransport” nach Auschwitz verschleppt und dort wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergast. Magda David geborene Brockmann starb mit 60 Jahren.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Adressbücher Berlin und Frankfurt/Oder
  • Jüdisches Adressbuch Berlin
  • Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe Berlin
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org