HIER WOHNTE
PAULINE BAER
GEB. JABLONKA
JG. 1885
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Pauline (Paula) Jablonka wurde am 17. März 1885 in Berlin geboren. Die Namen ihrer Eltern ließen sich nicht zweifelsfrei feststellen, ihr Vater hieß wahrscheinlich Samuel. Sie hatte zwei jüngere Brüder, Max (geb. 1889) und Felix (geb. 1894).
Vor 1919 heiratete sie den Oberkantor Max Baer und zog mit ihm in die Gneisenaustraße 47 in Kreuzberg. Hier bekam das Ehepaar zwei Töchter, Rosy (*19. Juni 1919) und Vera (*14. Oktober 1921). Später zog die Familie in die Hebbelstraße 19 in Charlottenburg um.
Über Herkunft und Wirken von Paulines Mann ließ sich wenig herausfinden, wir wissen auch nicht, zu welcher Synagoge er gehörte. In den 1920er-Jahren scheint er ein geschätzter Kantor gewesen zu sein. Im Frühjahr 1923 spielte er mit dem Berliner Synagogenchor unter dem bekannten Dirigenten Leo Kopf als Solist Tonaufnahmen ein, die auf einer Schellack-Platte veröffentlicht wurden. Hier sang Max Baer unter anderem das „Kol Nidre” und „Keduscha”.
Er starb am 24. Juli 1927 mit nur 51 Jahren bei einer Urlaubsreise. Pauline war damals 42 Jahre alt, ihre Töchter acht und fünf Jahre alt. Sie blieben zunächst in der Hebbelstraße 19 wohnen. Paulines unverheirateter Bruder Max zog bei ihnen ein. In den 1930er-Jahren zogen alle in die Friedbergstraße 2 um, ebenfalls in Charlottenburg. Ab 1937 verzeichnet das Adressbuch die „Pensionärin Paula Baer” sowie ihren Bruder Max Jablonka in der Leonhardtstraße 18.
Paulines Tochter Rosy heiratete sehr jung einen Herrn Friedländer, über dessen Herkunft und Verbleib nichts herauszufinden war. Ihre Tochter Vera wurde Krankenpflegerin. Zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 war Vera im Verein jüdischer Krankenpfleger in der Iranischen Straße 4 im Wedding gemeldet, Pauline Baer, ihr Bruder Max und ihre Tochter Rosy in der Leonhardtstraße 18. Rosys Mann wurde hier nicht gezählt, allerdings drei junge Frauen namens Friedländer, möglicherweise dessen Schwestern. Rosys Ehe blieb jedoch bestehen, denn sie bekam am 27. Oktober 1942 einen Sohn, Bela Friedländer, und Pauline wurde zum ersten und letzten Mal Großmutter.
Wenige Wochen später, am 14. Dezember 1942, wurden Pauline, ihre beiden Töchter Vera und Rosy und der kleine Bela gemeinsam mit dem „25. Osttransport” vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Moabit nach Auschwitz deportiert. Wahrscheinlich wurden dort alle vier gleich nach der Ankunft ermordet. Pauline Baer geborene Jablonka wurde 57 Jahre alt, ihre Tochter Vera Baer 21 Jahre, ihre Tochter Rosy Friedländer geborene Baer 23 Jahre. Der kleine Bela war sieben Wochen alt, als man ihn mit seiner Mutter in die Gaskammer schickte.
Paulines Bruder Max Jablonka war wenige Tage vor seiner Schwester und seinen Nichten, am 9. Dezember 1942, ebenfalls nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet worden. Ihr Bruder Felix, der in Berlin eine Herrenwäschefabrik besessen und mit seiner Frau Ilse und seinem Sohn Horst in Pankow gewohnt hatte, war mit seiner Familie im letzten Augenblick nach Argentinien emigriert.
Recherche und Text: Christine Wunnicke
Quellen:
- Yad Vashem
- Gedenkbuch des Bundes
- Berliner Adressbücher
- Jüdisches Adressbuch Groß-Berlin
- MyHeritage
- mappingthelives.org
- Rainer E. Lotz, Discographie der Judaica-Aufnahmen, 2006