Stolperstein Lohmeyerstraße 1

Der Stolperstein für Max Todtenkopf wurde am 20. September 2010 verlegt.

Stolperstein für Max Todtenkopf

Stolperstein für Max Todtenkopf

HIER WOHNTE
MAX TODTENKOPF
JG. 1891
VERSTECKT GELEBT
DEPORTIERT 15.6.1944
AUSCHWITZ
ERMORDET

Max Todtenkopf wurde am 08. Mai 1891 in Neustettin in Pommern (Szczecinek, Polen) geboren. Für seine Eltern, den aus dem Dorf Muskendorf im Kreis Konitz (Charzykowy, Polen) stammenden Kaufmann Adolf Todtenkopf (*12. Dezember 1865) und dessen aus Cellin im Kreis Neustettin (Jelenino, Polen) stammende Ehefrau Henriette geborene Michaelis (*17. April 1858), war er das dritte von insgesamt fünf Kindern. Seine ältere Schwester Clara (*8. Juli 1888) wurde nur fünf Tage alt. Seine Schwester Selma (*17. August 1889) war ca. zwei Jahre älter als er. Auch sein jüngerer Bruder Walter (*9. August 1893) starb ein paar Tage nach der Geburt. Zehn Jahre nach Max kam sein jüngster Bruder Herbert Bernhard (*4. Juli 1901) zur Welt.

Seine ältere Schwester Selma heiratete am 31. August 1909 in Neustettin den aus Dortmund stammenden Kaufmann Salomon, genannt Salo, Rosenberg (*24. September 1874).

Als sein jüngster Bruder Herbert am 22. Juli 1922 mit 21 Jahren die zwölf Jahre ältere, aus Kabott im Kreis Bromberg (Polen) stammende Dentistin Margarete Editha Buges (*31. März 1889) heiratete, gab er als Beruf Kaufmann an. In der Heiratsurkunde ließ er vermerken, dass er das am 13. Juli 1919 zu Berlin geborene Kind Heinz Herbert Hugo als das seinige anerkenne. Nach der Heirat studierte er Medizin. Zwei Jahre später starb Herbert Bernhard Todtenkopf als Student der Medizin mit 23 Jahren in Sankt Blasien, wo er sich zur Erholung aufhielt.

Wie sein Vater wurde auch Max Kaufmann von Beruf. Mit 18 Jahren,1909, gründete er eine Fabrik und ein Geschäft für Nahrungs- und Genussmittel in der Nachodstraße 17 in Wilmersdorf und ließ diese Firma ins Handelsregister eintragen. In den 1920er- Jahren führte ihn das Telefonbuch mit dem Zusatz „Fabrik, Spirituosen- und Weinvertrieb” in der Bredowstraße 6. Sein Vater Adolf Todtenkopf führte 1925 eine Wein- und Spirituosengroßhandlung in der Bochumer Straße 1 in Berlin-Moabit.

Max war ledig, hatte aber eine Lebenspartnerin, die ebenfalls in Neustettin geborene Nicht-Jüdin Hedwig Lohrke (*12. Juli 1892). Mit ihr bekam er ca. einen Monat vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine Tochter, Gerda Lohrke (*23. Dezember 1932). Hedwig und Gerda wohnten ganz in seiner Nähe, in der Mindener Straße 24 in Berlin-Charlottenburg. Max war damals 41 Jahre alt. Zwei Jahre später, 1935, verkündeten die Nationalsozialisten die sogenannten Nürnberger Gesetze. Sie verboten Eheschließungen, sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Personen „deutschen oder artverwandten Blutes“. Aufgrund dessen durften Max und Hedwig nicht heiraten.

Seine Firma wurde spätestens 1937 „arisiert“ und 1938 aus dem Handelsregister gelöscht. Juden durften keine Geschäfte mehr führen. Laut Berliner Adressbuch von 1938 wohnte er in der Lohmeyerstraße 9 (heute Nr. 1) in Berlin Charlottenburg und arbeitete als Vertreter. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 war er ebenfalls in der Lohmeyerstraße 9 in Berlin-Charlottenburg gemeldet. Im Berliner Adressbuch von 1939 und 1940 war er nicht mehr eingetragen.

Seine Eltern wohnten zu der Zeit in der Hufelandstraße 10 in Berlin-Prenzlauer Berg, wo auch seine Schwester Selma und sein Schwager Salo Rosenberg gemeldet waren. Max Mutter starb mit 74 Jahren am 12. September 1940. Noch im gleichen Jahr, ca. drei Monate später, starb auch sein Vater am 3. Dezember 1940 kurz vor seinem 75. Geburtstag.

Max leistete Zwangsarbeit in der Fabrik der Firma Hermann Henseler, Maschinen- und Apparatebau in der Hollmannstraße 32. Sein Wochenlohn betrug 40 RM. Wann Max die Wohnung in der Lohmeyerstraße 9 gekündigt wurde, konnte nicht recherchiert werden. 1942 hatte er ein möbliertes Zimmer bei Max Maier (*4. Januar 1888) in der Mecklenburgallee 14 (heute Marathonallee) im Ortsteil Neu Westend in Berlin-Charlottenburg gemietet. Hier bekam er vermutlich im Dezember 1942 den Deportationsbefehl in den Osten. In seiner 1944 ausgefüllten Vermögenserklärung gab er an, dass er seit Januar 1943 „illegal“ lebte. Sein Hauptmieter Max Maier wurde im Rahmen der „Fabrikaktion“ von der Gestapo festgesetzt und mit dem 32. Osttransport am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert.

Ein Jahr und drei Monate lebte Max Todtenkopf untergetaucht – ohne Wohnung und Lebensmittelkarten – in Berlin. Im Mai 1944 wurde er von sogenannten jüdischen „Greifern“ aufgespürt und von der Gestapo verhaftet. Zunächst wurde er in das Sammellager in der Schulstraße 78, der ehemaligen Pathologie des Jüdischen Krankenhauses in Berlin-Wedding, interniert.

Seine Vermögenserklärung unterschrieb er am 26. Mai 1944. Mit dem 54. Osttransport wurde er zusammen mit 28 weiteren Personen, darunter auch Kinder, am 15. Juni 1944 nach Auschwitz deportiert. Hier verlor sich seine Spur. Nach dem Krieg wurde er für tot erklärt.

Mit Wirkung vom 8. Mai 1941, Max’ 50. Geburtstag, ließ sich seine Lebensgefährtin Hedwig Lorzig nach dem Krieg posthum mit Max Todtenkopf vermählen, so war es auf ihrer Sterbeurkunde 1975 vermerkt. Die Plätterin (Büglerin) Hedwig Emma Anna Todtenkopf geborene Lohrke, wohnhaft in Mindener Straße 24 in Berlin-Charlottenburg, starb mit 82 Jahren am 24. März 1975.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 38125, Max Todtenkopf