Stolpersteine Prinzregentenstraße 7

Hauseingang Prinzregentenstr. 7

Hauseingang Prinzregentenstr. 7

Die Stolpersteine für Flora und Lina Jacoby, Rosa und Leo Kaiser, Hans Kozlowski, Fritz Moser, Margot L Neumann, Philipp, Betty und Alfred Robert wurden am 12. April 2010 verlegt.

Der Stolperstein für Rudolf Robert wurde 18. Oktober 2024 verlegt.

Stolperstein für Flora Jacoby

Stolperstein für Flora Jacoby

HIER WOHNTE
FLORA JACOBY
JG. 1877
DEPORTIERT 19.1.1942
RIGA
ERMORDET

Flora Jacoby wurde am 6. April 1877 in Treptow an der Rega (Trzebiatów, Polen) im Landkreis Greifenberg im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern geboren. Für ihre Eltern, den Handelsmann Hermann Jacoby (*1836) und dessen Ehefrau Johanna Jacoby geborene Neumann (*1838), war sie das fünfte Kind von insgesamt sechs Kindern. Arthur (*15. Januar 1867) war zehn Jahre, Siegfried (*23. August 1868) neun Jahre, Berthold (*1. November 1869) acht Jahre, und Therese (*25. Dezember 1870) sieben Jahre älter als sie. Ihre Schwester Lina (*24. April 1879) kam zwei Jahre nach ihr auf die Welt.

Die Familie Jacoby siedelte vermutlich Anfang der 1890er-Jahre nach Berlin über. Flora wurde hier Buchhalterin von Beruf.

Am 28. August 1896 heiratete der zweitälteste Bruder Siegfried die aus Berlin stammende Johanna Tuchler (*2. September 1874). Am 15. März 1900 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Martin Julius nannten.

Ein Jahr nach Siegfried heiratete auch der drittälteste Bruder Berthold am 18. März 1897 die sieben Jahre ältere Schneiderin Dora Bottstein (*18. Mai 1962). Berthold war Schneidermeister für Damenkonfektion und leitete seit 1908 eine „Konfektions-Arbeitsstelle“ in der Zellestraße 10 in Berlin-Friedrichshain. Die Ehe blieb kinderlos.

Am 27. April 1904 meldete das jüdische Krankenhaus den Tod von Hermann Jacoby, Floras Vater. Er war mit 68 Jahren als Rentier gestorben. Die Familie wohnte damals in der Friedrichstraße 16 in Berlin-Mitte. Flora war zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt.

Die älteste Schwester Therese wurde Kontoristin von Beruf und heiratete mit 48 Jahren am 27. März 1919 den 41-jährigen Kaufmann Otto Wiener (*9. Januar 1878). Sie wohnten in der Siemensstraße 79 in Berlin-Steglitz.

Floras ältester Bruder, der Kaufmann Arthur Jacoby, heiratete mit 52 Jahren am 26. August 1919 Johanna Silberstein (*2. Februar 1872). Er wohnte damals in der Brunnenstraße 16. Siegfried Jacoby, der zweitälteste Bruder, war Treuzeuge und lebte zu der Zeit mit seiner Familie in Halle an der Saale.

Floras Mutter Johanna Jacoby geborene Neumann starb mit 82 Jahren am 23. März 1920. Sie hatte bis zum Schluss mit ihren beiden unverheirateten Töchtern, der damals 43-jährigen Flora und der 41-jährigen Lina, in der Prinzregentenstraße 7 in Wilmersdorf zusammengewohnt. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Etwa einen Monat später, am 27. April 1920, wurde Wilmersdorf der 9. Verwaltungsbezirk der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin.

1928 wanderte Floras einziger Neffe Martin Julius Jacoby nach New York City in den USA aus.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurden die Rechte der Juden und Jüdinnen immer mehr eingeschränkt. Am 1. April 1933 verkündete das Nazi-Regime den Boykott jüdischer Händler, Handwerker, Anwälte und Ärzte, begleitet von intensiver antisemitischer Propaganda, die behauptete, dass der Boykott eine Reaktion auf die feindliche Einstellung ausländischer Juden gegenüber dem neuen Regime sei.
Am 10. Dezember 1936 wanderten Floras 68jähriger Bruder Siegfried und ihre Schwägerin, die 62jährige Johanna, nach New York City zu ihrem Sohn Martin aus.

Noch 1940 standen Flora und ihre Schwester Lina im amtlichen Fernsprechbuch von Berlin, jeweils mit dem Zwangsnamen „Sara“. Den Schwestern blieb der Umzug in eine Zwangswohnung erspart. Anfang des Jahres 1942 erhielten sie als erste der Familie den Deportationsbefehl. Wo es hinging, wussten sie nicht. Zusammen mit 1004 Leidensgenossen und -genossinnen transportierte die Gestapo sie am 19. Januar 1942 mit dem 9. Osttransport in das Ghetto Riga. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen in Ghetto starben sie vermutlich kurze Zeit später. Flora Jacoby starb mit 64 Jahren. Lina Jacoby starb mit 62 Jahren.

Ihr Neffe Martin wurde am 15. Februar 1942 zur US-Army einberufen. Einen Monat später, am 19. März 1942, starb sein Vater Siegfried mit 73 Jahren eines natürlichen Todes in New York.

Bei der „Vergeltungsaktion“ nach dem Anschlag der jüdischen Widerstandsgruppe um Herbert Baum auf die Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies“ wurde Berthold Jacoby am 27. Mai 1942 verhaftet, in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort am 8. Juni 1942 erschossen. Bertholds 80-jährige Witwe Dora deportierte die Gestapo am 20. August 1942 nach Theresienstadt und einen Monat später in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie am 23. September 1942 ermordet wurde.

Floras Bruder Arthur wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt und von dort am 26. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo er mit 75 Jahren ermordet wurde.

Ihre Schwester Therese und deren Ehemann Otto Wiener deportierte die Gestapo am 3. Oktober 1942 auch nach Theresienstadt. Therese Wiener geborene Jacoby starb mit 73 Jahren am 17. Februar 1943 an Darmkatarrh. Otto Wiener starb einen Monat später, am 29. März 1943, mit 65 Jahren.

Zur Erinnerung an Berthold und Dora Jacoby wurden 2016 Stolpersteine in der Zellestraße 10 in Berlin-Friedrichshain verlegt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein für Lina Jacoby

Stolperstein für Lina Jacoby

HIER WOHNTE
LINA JACOBY
JG. 1879
DEPORTIERT 19.1.1942
RIGA
ERMORDET

Lina Jacoby wurde am 24. April 1879 in Treptow an der Rega (Trzebiatów, Polen) im Landkreis Greifenberg im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern geboren. Lina erhielt ihren Namen in Erinnerung an die verstorbene Mutter ihres Vaters, Lina Jacoby geborene Exiner. Für ihre Eltern, den Handelsmann Hermann Jacoby (*1836) und dessen Ehefrau Johanna Jacoby geborene Neumann (*1838), war sie das jüngste Kind von insgesamt sechs Kindern. Arthur (*15. Januar 1867) war zwölf Jahre, Siegfried (*23. August 1868) elf Jahre, Berthold (*1. November 1869) 10 Jahre, Therese (*25. Dezember 1870) neun Jahre und Flora (*6. April 1877) zwei Jahre älter als sie.

Die Familie Jacoby siedelte vermutlich Anfang der 1890er Jahre nach Berlin über. Lina war noch ein Kind von ca. 11 Jahren. In Berlin erlernte sie den Beruf einer Verkäuferin und Buchhalterin.

Am 28. August 1896 heiratete der zweitälteste Bruder Siegfried die aus Berlin stammende Johanna Tuchler (*2. September 1874). Am 15. März 1900 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Martin Julius nannten.

Ein Jahr nach Siegfried heiratete auch der drittälteste Bruder Berthold am 18. März 1897 die sieben Jahre ältere Schneiderin Dora Bottstein (*18. Mai 1962). Berthold war Schneidermeister für Damenkonfektion und leitete seit 1908 eine „Konfektions-Arbeitsstelle“ in der Zellestraße 10 in Berlin-Friedrichshain. Die Ehe blieb kinderlos.

Am 27. April 1904 meldete das Jüdische Krankenhaus den Tod von Hermann Jacoby, Linas Vater. Er war mit 68 Jahren als Rentier gestorben. Die Familie wohnte damals in der Friedrichstraße 16 in Berlin-Mitte. Lina war zu dem Zeitpunkt 25 Jahre alt.

Die älteste Schwester Therese, Kontoristin von Beruf, heiratete mit 48 Jahren am 27. März 1919 den 41-jährigen Kaufmann Otto Wiener. Sie wohnten in der Siemensstraße 79 in Berlin-Steglitz.

Linas ältester Bruder, der Kaufmann Arthur Jacoby, heiratete mit 52 Jahren am 26. August 1919 Johanna Silberstein (*2. Februar 1872). Er wohnte damals in der Brunnenstraße 16. Siegfried Jacoby, der zweitälteste Bruder, war Treuzeuge und lebte zu der Zeit mit seiner Familie in Halle an der Saale.

Linas Mutter Johanna Jacoby geborene Neumann starb mit 82 Jahren am 23. März 1920. Sie hatte bis zum Schluss mit ihren beiden unverheirateten Töchtern, der damals 43-jährigen Flora und der 41-jährigen Lina, in der Prinzregentenstraße 7 in Wilmersdorf zusammengewohnt. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Etwa einen Monat später, am 27. April 1920, wurde Wilmersdorf der 9. Verwaltungsbezirk der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin.

1928 wanderte Linas einziger Neffe, Martin Julius Jacoby, nach New York City in den USA aus.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurden die Rechte der Juden und Jüdinnen zunehmend eingeschränkt. Am 1. April 1933 verkündete das Nazi-Regime den Boykott jüdischer Händler, Handwerker, Anwälte und Ärzte, begleitet von intensiver antisemitischer Propaganda, die behauptete, dass der Boykott eine Reaktion auf die feindliche Einstellung ausländischer Juden gegenüber dem neuen Regime sei.

Am 10. Dezember 1936 wanderten Linas 68-jähriger Bruder Siegfried und ihre Schwägerin, die 62-ährige Johanna, nach New York City zu ihrem Sohn Martin aus.

Noch 1940 standen Lina und ihre Schwester Flora im amtlichen Fernsprechbuch von Berlin, jeweils mit dem Zwangsnamen „Sara“. Den Schwestern blieb der Umzug in eine Zwangswohnung erspart. Anfang des Jahres 1942 erhielten sie als erste der Familie den Deportationsbefehl. Wo es hinging, wussten sie nicht. Zusammen mit 1004 Leidensgenossen und -genossinnen transportierte die Gestapo sie mit dem 9. Osttransport in das Ghetto Riga. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto starben sie vermutlich kurze Zeit später. Lina starb mit 62 Jahren. Flora Jacob starb mit 64 Jahren.

Ihr Neffe Martin wurde am 15. Februar 1942 zur US-Army einberufen. Einen Monat später, am 19. März 1942, starb sein Vater Siegfried mit 73 Jahren eines natürlichen Todes in New York.

Bei der „Vergeltungsaktion“ nach dem Anschlag der jüdischen Widerstandsgruppe um Herbert Baum auf die Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies“ wurde Berthold Jacoby am 27. Mai 1942 verhaftet, in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort am 8. Juni 1942 erschossen. Bertholds 80-jährige Witwe Dora deportierte die Gestapo am 20. August 1942 nach Theresienstadt und einen Monat später in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie am 23. September 1942 ermordet wurde. Für Berthold und Dora Jacoby wurden 2016 Stolpersteine in der Zellestraße 10 in Berlin-Friedrichshain verlegt.

Linas Bruder Arthur wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt und von dort am 26. September 1942 ebenfalls in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo er mit 75 Jahren ermordet wurde.

Ihre Schwester Therese und deren Ehemann Otto Wiener deportierte die Gestapo am 14. September 1942 nach Theresienstadt. Therese starb mit 73 Jahren am 17. Februar 1943 an Darmkatarrh. Ihr Ehemann Otto starb einen Monat später, am 29. März 1943.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein für Rosa Kaiser

Stolperstein für Rosa Kaiser

HIER WOHNTE
ROSA KAISER
GEB. FALKENBERG
JG. 1881
DEPORTIERT 9.12.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Rosa Kaiser wurde als Rosa Falkenberg am 30. Januar 1881 in Hammerstein (Czarne, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Bäckermeister Moritz Falkenberg und dessen Ehefrau Fritze Falkenberg geborene Engel, war sie das dritte von insgesamt vier Kindern. Ihr Bruder Albert (*21. November 1878) war drei Jahre älter, ihr Bruder Leo (*8. Dezember 1879) zwei Jahre älter und ihr Bruder Felix ein Jahr jünger als sie. Die Familie wohnte in Konitz (Chojnice, Polen) ca. 100 km südwestlich von Danzig.

Ihr ältester Bruder Albert wurde Kaufmann von Beruf. Er heiratete am 23. Oktober 1911 Frieda Stern (*10. April 1887) in Berlin. Sie wurden Eltern eines Sohnes, den sie Meinhard (*13. April 1915) nannten.

Wo und wann Rosa ihren späteren Ehemann, den aus Wongrowitz bei Bromberg (Wągrowiec, Polen) stammenden Klempnermeister Max Mannheim Kaiser (*26. Mai 1882), genannt Max, kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 24. Oktober 1912 in Berlin. Ihr Sohn Leo kam am 11. Mai 1914 zur Welt. Rosa wurde mit 33 Jahren Mutter. Am 12. Mai 1914 zeigten Rosa und Max hocherfreut die Geburt eines „strammen“ Jungen in der Zeitung an. Sie wohnten damals in der Grenadierstraße 28 (heute Almstadtstraße) in Berlin-Mitte.

Das Glück der kleinen Familie hielt nicht lange an. Als der Erste Weltkrieg am 28. Juli 1914 anfing, wurde Rosas Ehemann Max umgehend in das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 20 eingezogen. Nach kurzem Einsatz an der Front starb er den „Heldentod“. Am 24. November 1914 stand der Wehrmann Max Kaiser auf der Verlustliste. Rosa wurde alleinerziehende Kriegerwitwe.

Rosas jüngster Bruder Felix starb kurz vor Kriegsende am 12. September 1918 an der Westfront in Frankreich. Damals lebten die Eltern in Wittenberg. Am 12. April 1924 starb Rosas Schwiegervater – Leos Großvater, der Schneidermeister Simon Kaiser. Leo war damals nicht ganz 10 Jahre alt. Wann Rosas Eltern starben, konnte nicht recherchiert werden.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, mietete sie für sich und ihren 19-jährigen Sohn Leo eine Zwei-Zimmer-Wohnung im II. Stock rechts des Gartenhauses in der Prinzregentenstraße 7 in Berlin-Wilmersdorf. Die Miete betrug 65 RM. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie zu der Zeit als Näherin.

1941 heirateten ihr Sohn Leo und Irene, genannt Irma, Gumpert (*25. Februar 1916). Irma zog daraufhin zu ihnen in die Zwei-Zimmer-Wohnung.

Anfang Dezember 1942 bekamen die drei den Deportationsbefehl für den Osten. Rosa unterschrieb die Vermögenserklärung am 7. Dezember 1942 im Sammellager der Großen Hamburger Straße 26. Mit dem 24. Osttransport deportierte die Gestapo sie am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz, wo sie sie ermordeten. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 –
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 18194 Rosa Kaiser geborene Falkenberg, Leo Kaiser und Irma Kaiser geborene Gumpert
Stolperstein für Leo Kaiser

Stolperstein für Leo Kaiser

HIER WOHNTE
LEO KAISER
JG. 1914
DEPORTIERT 9.12.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Leo Kaiser wurde am 11. Mai 1914 in Berlin geboren. Er war das einzige Kind des Klempnermeisters Max Mannheim Kaiser (*26. Mai 1882) und dessen Ehefrau Rosa Kaiser geborene Falkenberg (*30. Januar 1881). Sie wohnten damals in der Grenadierstraße 28 (heute Almstadtstraße) in Berlin-Mitte.

Das Glück der kleinen Familie hielt nicht lange an. Als der Erste Weltkrieg am 28. Juli 1914 begann, wurde Leos Vater Max umgehend in das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 20 eingezogen und fiel nach kurzem Einsatz an der Front. Mit einem halben Jahr wurde Leo Halbwaise und seine Mutter Rosa alleinerziehenden Kriegerwitwe.

Als Leo zehn Jahre alt war, starb am 12. April 1924 sein Großvater, der Schneidermeister Simon Kaiser. Seine Mutter verdiente den Familienunterhalt als Näherin.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, mietete seine Mutter, für sich und den19-jährigen Leo eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Gartenhaus im II. Stock rechts in der Prinzregentenstraße 7 in Berlin-Wilmersdorf. Die Miete betrug 65 RM.

Wann und wo Leo seine spätere Ehefrau, die aus Berlin stammende Irene, genannt Irma, Gumpert (*25. Februar 1916) kennenlernte, ist nicht bekannt. Irma war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 bei ihren Eltern Ewald und Irene Gumpert in der Schwedenstraße in Berlin-Wedding gemeldet. Der 27-jährige Leo und die 25-jährige Irma heirateten 1941. Das junge Ehepaar wohnte zusammen mit Leos Mutter in der Zwei-Zimmer-Wohnung Prinzregentenstraße 7. Eine Umsiedlung in eine Zwangswohnung blieb ihnen erspart.

Ab 1940 musste Leo Zwangsarbeit bei der „Elektro-Glimmer- und Preßwerke Scherb und Schwer KG“ in der Lehderstraße 34-35 in Berlin-Weißensee für 27 RM wöchentlich leisten.
Bei der Firma Scherb & Schwer handelte es sich um das ehemalige Unternehmen von Dr. David Jaroslaw, der 1907 in Berlin die erste Glimmerwaren-Fabrik gegründet hatte. Sein Sohn Dr. Benno Jaroslaw saß u.a. auch im Aufsichtsrat der Firmen AEG und Siemens. 1933 wurde die Firma „arisiert” und hieß fortan „Scherb & Schwer, vormals Jaroslaw“. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb auf die Rüstungsproduktion abgestimmt. Ca. 1.500 Arbeiter, darunter Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, waren dort bis Kriegsende beschäftigt. Irma arbeitete als Zwangsarbeiterin bei Siemens & Halske im Wernerwerk in Siemensstadt. Sie erhielt 20 bis 23 RM monatlich.

Anfang Dezember 1942 wurde den Kaisers der Deportationsbefehl zugestellt. Ihre Vermögenserklärungen unterschrieben sie am 7. Dezember 1942 im Sammellager der Großen Hamburger Straße 26. Die Gestapo deportierte Leo zusammen mit seiner Ehefrau Irma und seiner Mutter Rosa mit dem 24. Osttransport am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz. Kurz nach der Ankunft in Auschwitz wurden sie voneinander getrennt. Vermutlich sah Leo seine Mutter hier zum letzten Mal. Da ihr Todestag nicht bekannt war, wurde „vor Ende des Krieges am 8. Mai 1945” statt eines Todesdatums angegeben.

Leo wurde in das Männerlager und Irma in das Frauenlager zum Arbeitseinsatz einquartiert. Wie lange sie dort überlebten, konnte nicht recherchiert werden. Da auch ihr Todesdatum nicht bekannt war, wurde „vor Ende des Krieges am 8. Mai 1945” statt eines Todesdatums angegeben.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 –
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry;
  • My Heritage
  • Museum-digital Berlin, Dokument zur Geschichte des VEB Isokond Berlin-Weißensee in der Lehderstraße 34-35
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 18194 Leo Kaiser
Stolperstein für Hans Kozlowski

Stolperstein für Hans Kozlowski

HIER WOHNTE
HANS KOZLOWSKI
JG. 1887
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Jaques Hans Kozlowski wurde am 27. August 1887 in Ratibor in Schlesien (Racibórz, Polen) geboren. Nach der Schulzeit wurde er Kaufmann von Beruf.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau, die aus Berlin stammende evangelische Stenotypistin Hedwig Bertha Dubberke (*24. Dezember 1898) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 27. März 1928. Hans war damals schon 40 und Hedwig 29 Jahre alt.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Hans mit seiner Ehefrau Hedwig in der Prinzregentenstraße 7 gemeldet. Ungefähr ein halbes Jahr später, am 9. November 1939, wurde ihre Ehe vom Landgericht Berlin geschieden. Vermutlich wurde Hedwig von den Nationalsozialisten unter Druck gesetzt, sich von ihrem jüdischen Ehemann zu trennen.

Hans leistete seit 1940 Zwangsarbeit im Werk der Metall- und Elektrofirma Ehrich & Graetz in Berlin-Treptow. Seine letzte Adresse vor der Deportation war die Salzbrunner Straße 44 in Berlin-Grunewald.

Die Gestapo deportierte ihn am 13. Januar 1942 zusammen mit mehr als 1.000 Leidensgenossinnen und -genossen mit dem 8. Osttransport nach Riga, wo sie ihn zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordeten.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein für Fritz Moser

Stolperstein für Fritz Moser

HIER WOHNTE
FRITZ MOSER
JG. 1893
DEPORTIERT 28.9.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Fritz Moser wurde am 27. Mai 1893 im Ostseebad Kolberg (Kołobrzeg, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Albert Moses (*21. Februar 1854) und dessen aus Samter bei Posen stammende Ehefrau Julia Moses geborene Lubszynski (*7. Oktober 1861), war er das fünfte Kind von insgesamt sechs Kindern. Seine Brüder Arthur (*27. November 1886), George (*9. November 1887), Ernst (*17. Juli 1889) und Kurt (*1. August 1891) waren älter als er. Günther (*16. Juni 1897) war vier Jahre jünger.

Sein Vater Albert hatte es als Getreidehändler und Schiffseigentümer in Kolberg zu Wohlstand gebracht. 1919 wurde er zum Stadtrat von Kolberg gewählt.

Die Söhne erhielten keine jüdische Erziehung, weil sein Vater sich mit dem örtlichen Rabbiner zerstritten hatte. Er schickte seine Söhne deshalb nicht mehr in die Synagoge.

Als der Erste Weltkrieg 1914 begann, meldeten sich Fritz und seine fünf Brüder freiwillig zum Einsatz an der Front. Als der Krieg 1918 endete, war Fritz 25 Jahre alt. Anfang der 1920er- Jahre konvertierten die Brüder zum Protestantismus und ließen ihren Nachnamen von Moses in Moser ändern. Fritz’ jüngster Bruder Günther erlitt im Krieg eine Hornhautverletzung, die nur unzureichend behandelt wurde. Er studierte nach dem Krieg Rechtswissenschaften und promovierte zum Dr. jur.

Seine Brüder Arthur und Kurt studierten Medizin in Greifswald und Berlin. Arthur eröffnete eine Arztpraxis in der Blücherstraße 16 in Kolberg. Er heiratete die aus Leipzig stammende Elsa Gertrud Schneider (*24. März 1903) am 11. September 1928 in Leipzig. Beide waren Mitglieder der evangelischen Kirche. Am 28. September 1936 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Albert nannten.

Kurt ging nach Berlin und eröffnete eine gynäkologische Praxis, erst am Wittenbergplatz und später am Bayrischen Platz 4. Sein Bruder Ernst studierte Zahnmedizin und eröffnete eine Zahnarztpraxis in der Bayreuther Str. 27 in Berlin-Schöneberg. Ernst heiratete am 30. Juni 1923 die 21-jährige Grundschullehrerin und Zahnmedizinstudentin Elsa Karoline Martha Bathe, genannt Marianne, in der lutherischen Marienkirche in Berlin-Friedrichshain. Sie wurden Eltern von zwei Kindern, Gudrun-Edelgund Julia Marianne (*8. Mai 1924), die sie Gudrun nannten, und Roland Harald Gustav Albert (*8. Juli 1926), genannt Roland. 1927 verließ Marianne ihren Ehemann und zog mit ihren beiden Kindern wieder zu ihren Eltern nach Berlin-Schöneberg.

Fritz Vater Albert Moses starb am 21. Februar 1927 an seinem 73. Geburtstag in Kolberg. Zweieinhalb Jahre später starb auch die Mutter, Julie, mit 68 Jahre am 11. November 1929 in Krossen, Brandenburg.

Seit 1930 wohnte Fritz’ jüngster Bruder, der Rechtsanwalt Dr. Günther Moser, in der Rosenheimer Str. 30 in Berlin-Schöneberg. Am 25. Mai 1932 wurde die Ehe von Ernst und Marianne geschieden. Marianne Moser-Bathe promovierte zur Dr. med. dent.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, wurde Fritz’ jüngstem Bruder Dr. Günther Moser die Zulassung als Rechtsanwalt umgehend entzogen. Seine Kriegsverletzung führte dazu, dass er erblindete.

Fritz war im Berliner Adressbuch von 1933 bis 1938 als Kaufmann am Meraner Platz 1 gemeldet. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war er Untermieter eines möblierten Zimmers bei Rosa Jaffé (*26. Dezember 1876) im 2. Stock des Hinterhauses in der Prinzregentenstraße 7. Rosa Jaffé führte im Vorderhaus das Modehaus Uhland.

Fritz’ Bruder Georg war im Februar 1939 mit 52 Jahren die heimliche Flucht nach Großbritannien gelungen. Sein Bruder Ernst, der 50-jährige Zahnarzt, heiratete in zweiter Ehe die 18jährige Vera Besser (*28. Mai 1921) aus Cottbus. 1940 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Jonathan (*23. März 1940) nannten. Dr. Arthur, Dr. Kurt und Dr. Ernst Moser durften sich nicht mehr Ärzte nennen. Sie arbeiteten fortan als „Krankenbehandler“ für ausschließlich jüdische Patientinnen und Patienten.

Fritz Vermieterin Rosa Jaffé kündigte die Wohnung in der Prinzregentenstraße 7 vertragsgerecht zum 1. Oktober 1942 und verließ das Haus. Sie starb einen Monat später am 10. November 1942 im Jüdischen Krankenhaus an einem Bauchgeschwulst. Ihre Untermieter blieben in der Wohnung. Die Untermieterin Frau Reuter zahlte die Miete von 45 RM direkt an die Hausbesitzerin.

Fritz’ blinder Bruder Günther war der erste der Familie Moser, der am 20. Februar 1943 mit dem 30. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.

Fritz selbst und sein Bruder Dr. med. Kurt Moser gingen im Februar 1943 in die Illegalität. Die Gestapo setzte Fritz im Juni 1943 fest und internierte ihn in der Großen Hamburger Straße 26. Kurz darauf wurde auch Kurt dort interniert. Bei der Festnahme schoss die Gestapo ihm in den Arm. Deshalb verbrachte er den Juli 1943 im Jüdischen Krankenhaus. Dort versuchte er seinem Leben durch Selbstmord ein Ende zu setzen, was ihm aber nicht gelang. Fritz unterschrieb seine Vermögenserklärung am 30. Juni 1943. Ihm gelang dann aber als „Laufmann“ – diese Berufsbezeichnung gab er in seiner Vermögenserklärung an – die Flucht.

Die Gestapo deportierte Kurt am 4. August 1943 zusammen mit ca. 100 Leidensgenossinnen und -genossen mit dem 40. Osttransport nach Auschwitz und ermordeten ihn dort.

Im September 1943 wurde Fritz erneut in Berlin aufgegriffen. Die Gestapo deportierte ihn am 28. September 1943 zusammen mit 80 Leidensgenossinnen und -genossen mit dem 43. Osttransport nach Auschwitz, wo sie ihn mit 50 Jahren ermordeten. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.

Sein ältester Bruder Dr. med. Arthur Moser war durch seine „privilegierte Mischehe“ mit einer „Arierin“ vor der Deportation in den Osten geschützt. Die Gestapo internierte ihn in dem Konzentrationslager Neuengamme in der Nähe von Hamburg, wo er Zwangsarbeit leisten musste. Er starb am 9. Dezember 1944 mit 58 Jahren aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Lager an Magen- und Darmkatarrh.

Ernst Moser überlebte mit seinen Kindern, Gudrun und Roland, in der Frankfurter Allee 189a in Berlin-Lichtenberg. Seine zweite Ehefrau Vera Moser-Besser überlebte mit dem gemeinsamen Sohn Jonathan Am Schlachtensee 30.

Zur Erinnerung an Günther Moser wurde 2015 ein Stolperstein in der Rosenheimer Str. 30 in Berlin-Schöneberg verlegt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 27287 Fritz Moser, Reg. 36A (II) 27298 Kurt Moser, Aufzeichnungen von Roland Merten (ehemals Roland Moser)
Stolperstein für Margot L. Neumann

Stolperstein für Margot L. Neumann

HIER WOHNTE
MARGOT L. NEUMANN
GEB. KOEHNE
JG. 1891
DEPORTIERT 12.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Margot Neumann geb. Koehne (Köhne) kam am 19. Januar 1891 in Berlin zur Welt. Auch ihre Mutter Johanna geborene Marckwald und ihr Vater Paul stammten aus Berlin.

Margot war das dritte von sechs Kindern: Sie hatte eine große Schwester namens Elsa (* 1888), einen großen Bruder namens Richard (* 1889), einen kleinen Bruder namens Hans (* 1892) sowie zwei kleine Schwestern namens Charlotte „Lotte“ (* 1893) und Martha (* 1897). Vermutlich wuchs sie in Wilmersdorf auf.

Ihr Vater, der Geheime Justizrat Dr. jur. Paul Köhne, war Amtsrichter in Berlin-Mitte. Ursprünglich vor allem Vormundschaftsrichter, engagierte er sich leidenschaftlich für die Jugendfürsorge sowie die damals noch sehr neuen Jugendgerichte und wurde schließlich selbst Jugendrichter. Er entwickelte und publizierte Reformvorschläge, die nicht nur auf Bestrafung, sondern auf Fürsorge, auf psychologische und pädagogische Hilfe setzten. Dr. Köhnes nahezu revolutionäre Ideen stießen nicht nur auf Gegenliebe und wurden als Zeichen einer „falschen Humanität“ kritisiert. Margots Vater ließ sich aber nicht beirren und hatte Anteil daran, den Beruf des Bewährungshelfers zu etablieren. Er starb 1917 an einer Lungenentzündung. Margots Mutter überlebte ihn um fast zwanzig Jahre.

Zumindest zwei seiner Töchter, Margot und Lotte, scheinen Dr. Köhnes Liebe zur Pädagogik geteilt zu haben: Margot arbeitete als junges Mädchen als Kindergärtnerin, Lotte leitete zeitweilig ein Kinderheim in Österreich. Bruder Hans war kaufmännisch tätig. Bruder Richard scheint intellektuell beeinträchtigt oder psychisch krank gewesen zu sein und lebte in der Heil- und Pflegeanstalt Neuruppin.

Vor ihrem zwanzigsten Geburtstag heiratete Margot in Berlin den neun Jahre älteren Kaufmann Felix Neumann, der aus Gnesen in der preußischen Provinz Posen (heute Gniezno in Polen) stammte.
Das Ehepaar hatte vier Kinder: Hilde (* 1911), Cäcilie (* 1914), Max (* 1916) und Ursula (* 1919). Spätestens seit 1925 lebte die Familie in der Prinzregentenstraße 7 in Wilmersdorf. Im März 1928 starb Felix Neumann mit nur 48 Jahren. Margot wurde mit 37 Jahren Witwe. Wahrscheinlich arbeitete sie nach dem Tod ihres Mannes zumindest zeitweise wieder als Kindergärtnerin.

Margot Neumanns weiterer Lebensweg lässt sich nur lückenhaft rekonstruieren. Wir wissen nicht, ob sie versucht hat, Deutschland zu verlassen. Über ihre älteste Tochter Hilde waren außer dem Geburtsdatum keine weiteren Informationen zu finden. Ihrem Sohn Max und ihrer Tochter Ursula gelang die Emigration: Max starb 2006 mit 90 Jahren in Canberra in Australien, Ursula zu einem unbekannten Zeitpunkt in Großbritannien. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 hatte Ursula noch bei ihrer Mutter in der Prinzregentenstraße gelebt.

Margots Tochter Cäcilie floh Ende der 1930er-Jahre in die Niederlande und schloss sich der zionistischen Hachschara-Bewegung an, die landwirtschaftliche Trainings für junge Jüdinnen und Juden organisierte, um sie auf den Aufbau eines Gemeinwesens in Palästina vorzubereiten. Ab April 1939 lebte sie als Schneiderin im Werkdorp Nieuwesluis, einem von deutschen und österreichischen Flüchtlingen gegründeten Hachschara-„Arbeitsdorf“ in Wieringermeer in Nordholland. Hier verliebte sie sich in den etwa gleichaltrigen, aus Pommern gebürtigen Helmut Holzheim. Nach dem Einmarsch der Deutschen wurde das Werkdorp zerschlagen; die meisten seiner Bewohnerinnen und Bewohner wurden später im KZ Mauthausen ermordet. Cäcilie und Helmut gelang es mehrfach, der Deportation zu entgehen; sie arbeiteten als Helfer auf verschiedenen Bauernhöfen. Im April 1941 heirateten sie, und im Dezember 1942 bekamen Cäcilie in Deventer in den östlichen Niederlanden eine Tochter, Ursula.

Als ihre Enkeltochter geboren wurde, verrichtete Margot Neumann in Berlin wahrscheinlich entweder Zwangsarbeit oder war in der jüdischen Kultusvereinigung zwangsbeschäftigt.
Am 12. März 1943 wurde sie nach der sogenannten „Fabrikaktion“, den Verhaftungen der letzten noch nicht deportierten Jüdinnen und Juden in Berlin, mit dem 36. Osttransport nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt. Sie wurde 52 Jahre alt.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Cäcilie vom Tod ihrer Mutter erfuhr. Im Mai 1943 wurden sie und ihr Mann vor einer bevorstehenden Deportation ins Durchgangslager Westerbork gewarnt und setzten alles daran, ihre Tochter zu retten. Bei seiner Arbeit als Landarbeiter hatte sich Helmut mit Johan und Sytske van Drooge angefreundet, die in der Nähe von Deventer einen Bauernhof besaßen. Cäcilie und Helmut brachten ihr Baby, das noch kein halbes Jahr alt war, dem Ehepaar van Drooge, das ebenfalls gerade eine Tochter bekommen hatte. Johan und Sytske nahmen Ursula auf und gaben sie als Zwillingsschwester ihrer eigenen Tochter aus. Bis 1944 gelang es ihnen, die Lüge aufrechtzuerhalten, dann zogen Kollaborateure ins Nebenhaus, die misstrauisch wurden. Ursula wurde erst zu Sytskes Mutter gebracht, dann zu anderen Familienmitgliedern; sie überlebte.
Cäcilie und Helmut waren in Amsterdam verhaftet und nach Westerbork verschleppt worden. Dort entgingen sie aus unbekannten Gründen der Deportation nach Auschwitz und wurden 1945 befreit. Sie holten ihre Tochter ab und die ganze Familie blieb noch bis 1947 auf dem Bauernhof der van Drooges wohnen. Danach emigrierten Cäcilie, Helmut und die kleine Ursula nach Australien. Ursula reichte später das Yad-Vashem-Gedenkblatt für ihre Großmutter Margot Neumann ein, die sie nicht hatte kennenlernen dürfen.
Johan van Drooge wurde 2008 der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

Margot Neumanns Bruder Hans war 1929 jung verstorben.
Ihrer Schwester Martha, die 1936 geheiratet hatte, gelang zusammen mit ihrem Ehemann die Flucht nach England. Sie starb 1980 in Newcastle-upon-Tyne.

Ihre unverheiratete Schwester Lotte teilte Margots Schicksal: sie wurde eine Woche vor ihrer Schwester, am 4. März 1943, von Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Auch die älteste Schwester, Elsa, wurde getötet. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Rechtsanwalt Ernst Ostberg, deportierte man sie im Oktober 1942 ins Ghetto Theresienstadt und ermordete sie dann 1944 in Auschwitz. Für das Ehepaar Elsa Ostberg geb. Köhne und Ernst Ostberg sind in der Klopstockstr. 9 im Berliner Hansaviertel Stolpersteine verlegt.

Margots kranker Bruder Richard wurde 1940 aus der Landesanstalt Neuruppin erst in die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch und dann in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel verschleppt. Dort wurde er am 20. Juli 1940 vergast.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage und Genii
  • Engstrom, Eric, Die Jugendgerichtshilfe in Berlin 1905-1914, in Moser , V. et al. (Hg), Das (A)normale in der Pädagogik, 2022
  • spurenimvest.de
  • www.humanitarisme.nl
Stolperstein für Philipp Robert

Stolperstein für Philipp Robert

HIER WOHNTE
PHILIPP ROBERT
JG. 1885
DEPORTIERT 3.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Philipp Robert wurde am 19. Dezember 1885 in Steinau (Stonawa, Polen) bei Thorn (Toruń, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Handelsmann Rudolf Robert (*1848) und dessen Ehefrau Flora geborene Cohn (*1848), war er das zweitälteste von insgesamt sechs Kindern. Sein vier Jahre älterer Bruder Moritz (*5. Oktober 1881) war in Menthen in Pommern (Gmina Dzierzgoń, Polen) zur Welt gekommen. Seine jüngeren Geschwister waren Sally Mathis (*17. Dezember 1888), Ernestine (*22. Januar 1889) sowie die Zwillinge Julius und Heinrich (*24. August 1891).

Wann die Familie in die Reichshauptstadt Berlin umsiedelte, ist nicht bekannt. Philipps jüngere Schwester Ernestine war 1889 noch in Graudenz geboren worden. Die Zwillinge Julius und Heinrich kamen 1891 schon in Berlin zur Welt.

Philipp wurde, wie sein Vater und alle seine Brüder, Kaufmann von Beruf. Seine Schwester, die Geschäftsinhaberin Ernestine, genannt Erna, heiratete am 10. Januar 1911 in Berlin mit 21 Jahren den aus Kempen in Posen stammenden Kaufmann Max Jakob (*25. Oktober 1875), der in Duisburg wohnte. Der älteste Bruder Moritz heiratete 1912 Regina Cohn (*14. März 1887) in Briesen in Westpreußen (Wąbrzeźno, Polen). In Osterode in Ostpreußen wurden sie Eltern von drei Kindern, Ruth (*31. Januar 1913), Asta (*18. Mai 1914) und Rudolf (*3. Mai 1915).

Vermutlich nahmen einige Söhne der Familie Robert am Ersten Weltkrieg teil. Der 27-jährige Unteroffizier Heinrich Robert galt 1918 als vermisst, überlebte aber den Krieg.
Als Philipps Mutter Flora die Verlobung ihres Sohnes Julius mit Ida Milliner im Februar 1918 in Memel (Klaipėda, Litauen) anzeigte, war sie schon Witwe.

Philipp kannte seine spätere, aus Graudenz (Grudziądz, Polen) stammende Ehefrau Betty Chrzanowski (*26. Februar 1894) aus Kindheitstagen. Sie war die zweitälteste Tochter seiner Tante Friedericke, der Schwester seines Vaters. Philipp Robert und Betty Chrzanowski heirateten 1919.

Ein Jahr zuvor, am 19. November 1918, hatte sein jüngerer Bruder Sally Mathis seine Cousine Selma (*7. September 1892), Bettys ältere Schwester, geheiratet. Sally und Selma wurden Eltern von drei Kindern, Gerda (*29. Oktober 1919), Alice Lisa (*13. November 1920) und Rudolf Dieter (*11. April 1933).

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde Graudenz, der ehemalige Wohnort der Roberts und Chrzanowskis, im Januar 1920 an Polen zur Einrichtung des Polnischen Korridors abgetreten. An ein Zurück in die Heimat war für sie deshalb nicht mehr zu denken.

Am 14. Dezember 1920 wurden Philipp und Betty in Berlin Eltern ihrer Tochter Ruth. Im gleichen Jahr gründeten Philipp und sein Bruder Sally die Firma „S. Robert & Co. Immobilien und Handel”. 1921 wurde die Handelsfirma „Gebrüder Robert, Leinen-, Baumwoll- und Textilwaren” in der Prenzlauer Straße 32a gegründet und ins Handelsregister eingetragen.

Gut ein Jahr später wurden Philipp und Betty zum zweiten Mal Eltern. Ihr Sohn Rudolf, nach Philipps verstorbenem Vater benannt, kam am 11. Februar 1922 zur Welt. Wiederum ein Jahr später wurde ihr jüngster Sohn Alfred am 27. Mai 1923 geboren. Sie wohnten damals in der Kavalierstraße 23 in Berlin-Pankow. Die Familie seines Bruders Sally wohnte in der Prenzlauer Allee 177.

Der Bruder Julius heiratete am 2. November 1922 die aus Berlin-Schöneberg stammende Jette Leibel (*17. November 1898). Am 17. August 1925 wurde deren erster Sohn Rolf Rudolf in Berlin und am 29. Juli 1931 deren zweiter Sohn Horst in Bad Freienwalde geboren. Ein Jahr später, am 25. Oktober 1932, fand die Polizei morgens um 7 Uhr in Pankow auf der Straße den Leichnam von Jette Robert geborene Leibel. Der genaue Zeitpunkt des Todes und die Todesursache konnten nicht festgestellt werden. Julius wurde mit 37 Jahren Witwer. In zweiter Ehe heiratete er am 17. Mai 1934 die fünf Jahre ältere, aus Soldau in Ostpreußen stammende und in Landsberg an der Warthe wohnende Witwe Martha Haendel geborene Mantheim (*30. November 1986).

Julius‘ Zwillingsbruder Heinrich heiratete am 2. August 1923 Resi Gerda Cohn (*19. Juli 1901). Auch sie bekamen zwei Söhne, Claus (*18. Juli 1924) und Gert Rudolf (*19. Juni 1927).

Philipps Mutter, die Witwe Flora Robert geborene Cohn, starb im 81. Lebensjahr am 17. Juli 1928 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Auf der Todesanzeige wurde ihre Tochter Erna zusammen mit ihrem Ehemann Max mit dem Nachnamen Jacobs aufgeführt, danach verliert sich deren Spur.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, hatte das umgehend negative Folgen für jüdische Kaufleute wie die Roberts. Der 47-jährige Philipp Robert zog mit seiner Familie noch im gleichen Jahr nach Berlin-Wilmersdorf in die Prinzregentenstraße 7 in den 1. Stock des Hauses. Sein Bruder Heinrich wohnte mit seiner Familie schräg gegenüber in der Prinzregentenstraße 93. Sein Bruder Julius zog mit seiner Familie in die Jenaer Straße 11, ganz in der Nähe von Philipps Wohnung.

Der älteste Bruder Moritz starb mit 55 Jahren am 7. April 1937 in der Niebuhrstraße 10a in Berlin-Charlottenburg. Seine Witwe Regina Robert war dort 1938 als Hausbesitzerin gemeldet. 1939 war sie in der Bozener Straße 9 in Berlin-Schöneberg gemeldet. Ihrer verheirateten Tochter Ruth Dobkowski gelang im Januar 1939 zusammen mit ihrem Ehemann Theodor die Flucht von Hamburg nach New York. Regina zog zusammen mit ihrem Sohn Rudolf zur Untermiete bei der Familie Kaufmann in die Stübbenstraße 1 in Berlin-Schöneberg.

Zur Sicherung der Reichsfluchtsteuer, die Philipp auf ein Sperrkonto einzahlen musste, nahm er eine Hypothek auf sein Mietshaus in der Petersburger Straße 36 in Berlin-Friedrichshain in Höhe von 21.340 RM auf. Im Jahre 1938 wurden seine Mietwohngrundstücke in der Petersburger Straße 36 und der Kastanienallee 54 in Berlin-Mitte vom Deutschen Reich beschlagnahmt und in Zwangsverwaltung gegeben. Philipp und Betty verloren ihren gesamten Besitz.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren er und seine Familie weiterhin in der Prinzregentenstraße 7 gemeldet. Die damals 19-jährige Tochter Ruth flüchtete am 26. August 1939 nach Großbritannien, wo sie am 28. August 1939 eintraf. Durch das 1939 erlassene „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ konnte jüdischen Mieterinnen und Mietern jederzeit die Wohnung gekündigt werden. Ob den Roberts gekündigt wurde oder sie selbst kündigten, ist nicht bekannt. Die verbliebene 4-köpfige Familie zog im Oktober 1939 in eine 4-Zimmer-Wohnung im II. Stock des Vorderhauses in der Kleinen Alexanderstraße 12/13 im Berliner Scheunenviertel. Die Miete betrug dort nur 75 RM monatlich.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war Heinrich, der mit seiner Familie zuletzt in der Helmstedter Straße 12 gewohnt hatte, bei seinem Zwillingsbruder Julius in der Jenaer Straße 11 gemeldet, weil er zu diesem Zeitpunkt sein gesamtes Umzugsgut im Hamburger Freihafen eingelagert hatte. Ihm gelang mit seiner Familie die Flucht nach Quito in Ecuador in Südamerika. Sein Umzugscontainer wurde 1943 mit einem Reinerlös von 6.201,09 RM von der Sicherheitspolizei versteigert und der Erlös dem Deutschen Reich gutgeschrieben.

Heinrichs Zwillingsbruder Julius, der ab circa 1940 Zwangsarbeit als Polsterer leisten musste, wurde mit seiner Familie in eine Zwangswohnung der Hauptmieterin Scheindla Fluss in der Herderstraße 12 umgesiedelt. Von hier aus deportierte die Gestapo ihn und seine Familie als erste der großen Familie Robert am 24. März 1942 nach Trawniki und weiter in das Ghetto Piaski, wo Philipps Bruder Julius, seine Ehefrau Martha und sein Sohn Horst aufgrund der menschenunwürdigen Lebensbedingungen starben. Rolf Rudolf wurde an seinem 17. Geburtstag am 17. August 1942 in Majdanek von den Nationalsozialisten ermordet.

Philipp musste ab circa 1940 Zwangsarbeit bei der Firma Krone Presswerk in der Frankfurter Allee 288 leisten. Am 3. Oktober 1942 wurden sein 53-jähriger Bruder Sally, dessen Ehefrau Selma und deren 9-jähriger Sohn Rudolf (*11. April 1933) mit dem „3. großen Alterstransport“ vom Anhalter Bahnhof in das Ghetto Theresienstadt transportiert. Vermutlich arbeitete Sally bei der „Reichsvereinigung der Juden“ in Berlin, denn in das Ghetto Theresienstadt wurden eigentlich nur Menschen, die mindestens 65 Jahre alt waren, deportiert. Die Töchter Gerda und Lisa hatten geheiratet und leisteten Zwangsarbeit in Berlin. Die Eltern sollten sie nie wieder sehen.

Ende Januar 1943 forderte die Gestapo Philipp und Betty auf, eine Vermögenserklärung auszufüllen, die er am 30. Januar und sie am 31. Januar 1943 unterschrieb. Bis zur Deportation wurden sie in der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Am 3. Februar 1943 transportierte die Gestapo sie mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Philipp Robert starb mit 57 Jahren. Betty Robert geborene Chrzanowski starb kurz vor ihrem 49. Geburtstag.

Sallys Tochter Alice Lisa Beier geborene Robert wurde am 6. März 1943 und Gerda Stein geborene Robert am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.

Philipp und Bettys Söhne Rudolf und Alfred arbeiten seit 1939 im „Landwerk Neuendorf“, einer jüdischen Arbeiterkolonie und Ausbildungsstätte. Von hier aus betrieben sie ihre Auswanderung aus Nazi-Deutschland. Die meisten Auszubildenden wollten nach Palästina, manche nach Argentinien. Sie mussten dafür Erfahrungen in der Landwirtschaft, der Viehhaltung, im Handwerk und in der Hauswirtschaft vorweisen. 1941 wandelten die Nationalsozialisten die jüdische Ausbildungsstätte Neuendorf in ein Zwangsarbeiterlager um.

Zusammen mit ihrer Tante Rosa, der Schwester ihrer Mutter, und ihrem Onkel Martin Salomon kamen Rudolf und Alfred zum Arbeitseinsatz in Kersdorf in der Nähe von Briesen in der Mark. Das Forsteinsatzlager Kersdorf war von der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ eingerichtet worden, stand aber unter der Aufsicht des Reichssicherheitshauptamtes.

In der Ortschronik Briesen-Mark heißt es heute: „Zeitzeugen berichteten, dass im Frühjahr 1943 Juden aus Berlin nach Kersdorf kamen und später in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. Der Sprecher dieser Gruppe hieß Salomon und sagte zur Verabschiedung ‘Aus Auschwitz kommt niemand wieder zurück’.“.

Am 19. April 1943 wurden 53 Juden aus Kersdorf, darunter auch Rosa und Martin Salomon, mit dem 37. Osttransport von der Gestapo nach Auschwitz deportiert. Rudolf und Alfred wurden schon am 9. April 1943 in Berlin verhaftet und kamen auf den gleichen Transport. Rosa und Martin Salomon wurden vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Rudolf wurde als Schlosser und Alfred als Elektriker im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt.

Philipps Schwägerin, die 57-jährige Witwe seines Bruders Moritz, Regina Robert geborene Cohn, und deren 29-jähriger Sohn Rudolf Robert konnten in der Stübbenstraße 1 nicht mehr wohnen, als Ende Dezember 1942 der Hauptmieter der Wohnung den Deportationsbefehl erhielt. Sie versteckten sich fast zwei Jahre in Berlin und lebten in der Illegalität. Im September 1944 wurden sie von der Gestapo entdeckt und am 12. Oktober 1944 zusammen mit 29 Leidensgenossinnen und -genossen mit dem letzten Transport von Berlin nach Auschwitz deportiert und in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.

Philipps Söhne Alfred und Rudolf mussten Anfang 1945 von Auschwitz aus auf den Todesmarsch nach Buchenwald und von dort nach Sachsenhausen gehen. Hier trennten sich ihre Wege. Alfred kam am 6. Februar 1945 von Sachsenhausen nach Flossenbürg, wo er „im Kampf“ starb. Rudolf überlebte.

Philipps Bruder Sally, dessen Ehefrau Selma und ihr Sohn, der 12-jährige Rudolf Dieter Robert, wurden von der Roten Armee im April 1945 im Ghetto Theresienstadt befreit. Sie kehrten 1945 nach Berlin zurück. Sally starb am 13. Oktober 1960 in Berlin-Schöneberg und Selma am 24. Mai 1966 in New York, wo ihr jüngster Sohn Rudolf Dieter Robert eine neue Heimat gefunden hatte. Er starb am 22. Dezember 2001.

Ruth Robert, Philipps Tochter. heiratete in Großbritannien und hieß fortan Ruth Arnold geborene Robert. Sie wohnte in Warwick und suchte nach dem Krieg ihre Eltern und ihre Brüder Alfred und Rudolf. Ruth wurde Mutter von acht Kindern.

Text und Recherche: Gundula Meiering, April 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 31216 Philipp und Betty Robert, Reg. 36A (II) 31211 Heinrich Robert
  • https://www.ortschronik-briesen-mark.de/index.html (abgerufen am 27.11.2025)
Stolperstein für Betty Robert

Stolperstein für Betty Robert

HIER WOHNTE
BETTY ROBERT
GEB. CHRZANOWSKI
JG. 1894
DEPORTIERT 3.02.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Betty Robert wurde als Betty Chrzanowski am 26. Februar 1894 in Graudenz (Grudziądz, Polen), 93 Kilometer südlich von Danzig (Gdańsk, Polen) im Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann David Chrzanowski (*8. Juni 1865) und dessen Ehefrau Friedericke geborene Robert (*9. Februar 1865), war sie die zweitälteste von insgesamt fünf Töchtern. Ihre Schwester Selma (*7. September 1892) war anderthalb Jahre älter. Jünger als sie waren Jenny (*11. Februar 1895) und Rosa (*27. Oktober 1899). Elsbieta, die 1896 geboren wurde, starb im ersten Lebensjahr.

Betty kannte ihren späteren, aus Steinau (Stonawa, Polen) stammenden Ehemann Philipp Robert (*19. Dezember 1885) aus Kindheitstagen. Er war der zweitälteste Sohn ihres Onkels Rudolf, dem Bruder ihrer Mutter. Sie waren demnach Cousin und Cousine. Betty und Philipp Robert heirateten 1919 in Graudenz. Ein Jahr zuvor, im November 1918, hatte ihre älteste Schwester Selma Philipps jüngeren Bruder Sally Mathis Robert (*17. Dezember 1888) geheiratet.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste Graudenz, der Wohnort der Chrzanowskis, im Januar 1920 an Polen zur Einrichtung des Polnischen Korridors abgetreten werden. Grund genug für die Chrzanowskis, auch in die Reichshauptstadt Berlin umzusiedeln. Die Familie Robert hatte dort schon vor circa 30 Jahren eine Heimat gefunden.

Bettys Ehemann Philipp und Selmas Ehemann Sally gründeten 1920 die Immobilienfirma “S. Robert & Co” und verdienten ihr Geld als Hausbesitzer. Am 14. Dezember 1920 wurden Betty und Philipp in Berlin Eltern ihrer Tochter Ruth. Gut ein Jahr später kam ihr Sohn Rudolf (*11. Februar 1922) und wiederum ein Jahr später ihr Sohn Alfred (*27. Mai 1923) zur Welt. Sie wohnten damals in der Kavalierstraße 23 in der Nähe von Bettys Eltern, die in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow ein Mietshaus gekauft hatten.

Bettys Schwester Jenny heiratete 1921 den aus Groß Leistenau im Landkreis Graudenz stammenden Kaufmann Max Salomon (*25. August 1892). Sie wurden Eltern eines Sohnes, den sie Hans Hermann (*16. April 1926) nannten. Rosa, die jüngste Schwester, heiratete am 24. Dezember 1928 den Händler Jakob Meerfisch (*2. Mai 1893).

Der Vater David Chrzanowski starb mit 67 Jahren am 15. Dezember 1932, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Das Berliner Adressbuch 1937 führte seine Witwe Friedericke als Haus- und PKW-Besitzerin in der Parkstraße 20.

Die Ehe von Rosa mit Jakob Meerfisch hielt nur fünf Jahre und wurde am 23. Oktober 1933 geschieden. Wann Rosa den aus Groß Leistenau, Graudenz stammenden Martin Salomon (*15. Januar 1895) heiratete, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die beiden als verheiratetes Paar zusammen mit der Familie ihrer Schwester Jenny bei der Mutter in der Parkstraße 20 gemeldet.

Bettys ältere Schwester Selma wohnte mit Ehemann Sally Mathis und den drei Kindern Gerda (*1919), Alice Lisa (*1920) und Rudolf Dieter (*1933) in der Prenzlauer Allee 177 in Berlin-Prenzlauer Berg.

1933 zogen Betty und Philipp mit ihren Kindern nach Berlin-Wilmersdorf in die Prinzregentenstraße 7 in den 1. Stock des Hauses. Bettys Schwager Heinrich wohnte mit seiner Familie schräg gegenüber in der Prinzregentenstraße 93. Ihr Schwager Julius zog mit seiner Familie in die Jenaer Straße 11 ganz in der Nähe ihrer Wohnung. Nachdem die Nationalsozialisten ihren gesamten Immobilienbesitz circa 1938 beschlagnahmt und in Zwangsverwaltung gegeben hatten, zog Bettys Familie im Oktober 1939 in eine 4-Zimmer-Wohnung im II. Stock des Vorderhauses in der Kleinen Alexanderstraße 12/13 im Berliner Scheunenviertel. Die Miete betrug dort nur 75 RM monatlich. Ende August 1939 gelang ihrer Tochter Ruth, die ein Visum für Großbritannien erhalten hatte, die Ausreise.

Bis einschließlich 1940 war Bettys Mutter, die Witwe Friedericke Chrzanowski, in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow als Hauseigentümerin angezeigt. Im Berliner Adressbuch 1941 hieß der neue Eigentümer Dranke aus der Bergstraße 14 in Neukölln, demnach hatte Friedericke Chrzanowski das Haus verkaufen müssen. Bettys Schwester Jenny und deren Familie wohnten vermutlich bei der Mutter als Untermieter und waren deshalb nicht mehr im Adressbuch aufgeführt. Ihre jüngste Schwester Rosa und deren Ehemann Martin leisteten Zwangsarbeit im Lager Neuendorf und später im Forsteinsatzlager Kersdorf.

Da das Haus in der Parkstraße 20 früher jüdische Besitzer hatte, wurde es für Zwangswohnungen genutzt. Die jüdische Wohnungsberatungsstelle wies den Hauptmietern und Hauptmieterinnen zwangsweise Untermieter und Untermieterinnen zu. Der Rentner Bernhard Piek (*1876) und seine Ehefrau Marie Piek (*1882) wurden als erste aus dem Haus deportiert. Am 27. November 1941 transportierte die Gestapo die beiden nach Riga, wo sie drei Tage später im Wald von Rumbula ermordet wurden.

Als die Gestapo die Mieterin Ernestine Robert geborene Elias am 3. Oktober 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportierten, dürfte auch Bettys Mutter einen Deportationsaufruf bekommen haben, wurde dann aber aufgrund ihres Gesundheitszustandes in das Altersheim in der Auguststraße 14/15 eingeliefert. Sie starb dort am 29. November 1942 mit 77 Jahren.

Bettys ältere Schwester Selma, deren Ehemann Sally und deren 9-jährigen Sohn Rudolf (*11. April 1933) deportierte die Gestapo ebenfalls am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt. Vermutlich hatten sie sich freiwillig gemeldet, um die Mutter begleiten zu können.

Die Familie Alexander wohnte schon bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im 2. Stock der Parkstraße 20. Sie wurden am 4. November 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Gertrud Früh geborene Lehmann wohnte zur Untermiete bei den Alexanders und wurde am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch für Moritz und Johanna Sommerhäuser war die Parkstraße 20 die letzte Adresse vor der Deportation am 3. März 1943.

Ende Januar 1943 forderte die Gestapo Betty und Philipp auf, eine Vermögenserklärung auszufüllen, die er am 30. Januar und sie am 31. Januar 1943 unterschrieb. Bis zur Deportation wurden sie in der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Am 3. Februar 1943 transportierte die Gestapo sie mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurden.

Betty Robert geborene Chrzanowski starb kurz vor ihrem 49. Geburtstag aufgrund von Rassenwahn, Verschwörungstheorien und Unmenschlichkeit. Ihr Ehemann, der Kaufmann Philipp Robert, starb mit 57 Jahren.

Ihre Söhne Rudolf und Alfred waren zu der Zeit im Forsteinsatzlager Kersdorf in der Nähe von Briesen in der Mark. Sie wurden am 9. April 1943 von der Gestapo in Berlin verhaftet und am 19. April 1943 zusammen mit ihrer Tante Rosa und ihrem Onkel Martin nach Auschwitz deportiert. Rudolf war damals 21 Jahre und Alfred 19 Jahre alt. Auf der Rampe von Auschwitz wurden sie für die Zwangsarbeit bei der IG Farben aussortiert. Die 43-jährige Rosa Salomon geborene Chrzanowski und ihr 48-jähriger Ehemann Martin Salomon wurden vermutlich in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.

Bettys Söhne Rudolf und Alfred wurden Anfang 1945, von Auschwitz aus, auf den „Todesmarsch“ nach Buchenwald und von dort nach Sachsenhausen geschickt. Hier trennten sich ihre Wege. Alfred kam am 6. Februar 1945 nach Flossenbürg, wo er im „Kampf“ starb. Ihr Sohn Rudolf überlebte und begann 1945 mit 23 Jahren in Berlin ein neues Leben.

Ihre ältere Schwester Selma, deren Ehemann Sally und der 12-jährige Rudolf Dieter Robert wurden von der Roten Armee im April 1945 im Ghetto Theresienstadt befreit. Sie kehrten 1945 nach Berlin zurück. Ihre Töchter traf sie nicht mehr an. Alice Lisa Beier geborene Robert, war am 6. März 1943 und Gerda Stein geborene Robert am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet worden. Sally starb am 13. Oktober 1960 in Berlin-Schöneberg und Selma am 24. Mai 1966 in New York, wo ihr Sohn Rudolf Dieter Robert eine neue Heimat gefunden hatte. Er starb am 22. Dezember 2001.

Bettys Tochter Ruth heiratete in Großbritannien und hieß fortan Ruth Arnold geborene Robert. Sie wohnte in Warwick und suchte nach dem Krieg ihre Eltern und ihre Brüder Alfred und Rudolf. Sie wurde Mutter von acht Kindern.

Text und Recherche: Gundula Meiering, April 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 31216 Philipp und Betty Robert
  • https://www.ortschronik-briesen-mark.de/index.html (abgerufen am 27.11.2025)
Stolperstein für Alfred Robert

Stolperstein für Alfred Robert

HIER WOHNTE
ALFRED ROBERT
JG. 1923
AUS ZWANGSARBEITSLAGER
KERSDORF
DEPORTIERT 19.4.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Alfred Robert wurde am 27. Mai 1923 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den aus Steinau bei Thorn (Stonawa, Polen) stammenden Kaufmann Philipp Robert (*19. Dezember 1885) und dessen aus Graudenz (Grudziądz, Polen) stammende Ehefrau Betty, geborene Chrzanowski (*26. Februar 1894), war er das jüngste von insgesamt drei Kindern. Seine Schwester Ruth (*14. Dezember 1920) war zweieinhalb Jahre älter und sein Bruder Rudolf (*11. Februar 1922) gut ein Jahr älter als er.

Sie wohnten damals in der Kavalierstraße 23 in der Nähe von Alfreds Großeltern, die in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow zusammen mit seiner Tante Jenny, der jüngeren Schwester seiner Mutter, seinem Onkel Max und seinem Cousin Hans Hermann (*16. April 1926) lebten.

Sein Vater Philipp war Mitinhaber der Immobilienfirma “S. Robert & Co” und verdiente sein Geld als Hausbesitzer.

Auf dem Hochzeitsfoto seiner Tante Rosa, der jüngsten Schwester seiner Mutter, die am 24. Dezember 1928 den Händler Jakob Meerfisch heiratete, ist Alfred unten rechts als 5-Jähriger zu sehen.

Sein Großvater mütterlicherseits, David Chrzanowski, starb mit 67 Jahren am 15. Dezember 1932, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Alfred war damals neun Jahre alt.

Seine Tante Rosa wurde am 23. Oktober 1933 von Jakob Meerfisch geschieden und heiratete in zweiter Ehe Martin Salomon (*15. Januar 1895). Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die beiden als verheiratetes Paar zusammen mit der Familie ihrer Schwester Jenny bei Alfreds Großmutter in der Parkstraße 20 gemeldet.

1933 zog die Familie Robert nach Berlin-Wilmersdorf in die Prinzregentenstraße 7 in den 1. Stock des Hauses. Sein Onkel Heinrich und seine Tante Resi Gerda sowie deren Söhne Claus (*18. Juli 1924) und Gert Rudolf (*19. Juni 1927) wohnten schräg gegenüber in der Prinzregentenstraße 93. Sein Onkel Julius und seine Tante Martha sowie deren Söhne Rolf Rudolf (*17. August 1925) und Horst (*29. Juli 1931) zogen in die Jenaer Straße 11 ganz in die Nähe.

Nachdem die Nationalsozialisten den gesamten Immobilienbesitz seiner Eltern circa 1938 beschlagnahmt und in Zwangsverwaltung gegeben hatten, zog die Familie Robert im Oktober 1939 in eine 4-Zimmer-Wohnung im II. Stock des Vorderhauses in der Kleinen Alexanderstraße 12/13 im Berliner Scheunenviertel. Die Miete betrug dort nur 75 RM monatlich.

Ende August 1939 hieß es Abschied nehmen von seiner 19-jährigen Schwester Ruth, die ein Visum für Großbritannien erhalten hatte und ausreisen durfte. Sein Bruder Rudolf und er arbeiteten seit 1939 im „Landwerk Neuendorf“, einer jüdischen Arbeiterkolonie und Ausbildungsstätte auf dem Gut Neuendorf bei Fürstenwalde in Brandenburg. Von hier aus betrieben sie ihre Auswanderung aus Nazi-Deutschland. Die meisten Auszubildenden wollten nach Palästina, manche nach Argentinien. Sie mussten dafür Erfahrungen in der Landwirtschaft, der Viehhaltung, im Handwerk und in der Hauswirtschaft vorweisen. 1941 wandelten die Nationalsozialisten die jüdische Ausbildungsstätte Neuendorf in ein Zwangsarbeiterlager um. Ab Oktober 1941 wurde die Ausreise aus dem Deutschen Reich für Juden verboten.

Ende Januar 1943 forderte die Gestapo seine Eltern Betty und Philipp Robert auf, eine Vermögenserklärung auszufüllen. Am 3. Februar 1943 deportierte die Gestapo sie mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurden.

Zusammen mit ihrer Tante Rosa, der Schwester ihrer Mutter, und ihrem Onkel Martin Salomon kamen Rudolf und Alfred zum Arbeitseinsatz in Kersdorf in der Nähe von Briesen in der Mark. Das Forsteinsatzlager Kersdorf war von der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ eingerichtet worden, stand aber unter der Aufsicht des Reichssicherheitshauptamtes.

In der Ortschronik Briesen-Mark heißt es heute: „Zeitzeugen berichteten, dass im Frühjahr 1943 Juden aus Berlin nach Kersdorf kamen und später in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. Der Sprecher dieser Gruppe hieß Salomon und sagte zur Verabschiedung ‘Aus Auschwitz kommt niemand wieder zurück.’ “.

Am 19. April 1943 wurden 53 Juden aus Kersdorf, darunter auch seine Tante Rosa und sein Onkel Martin Salomon, mit dem 37. Osttransport von der Gestapo nach Auschwitz deportiert. Rudolf und Alfred wurden schon am 9. April 1943 in Berlin verhaftet und kamen auf den gleichen Transport. Rudolf war damals 21 Jahre und Alfred 19 Jahre alt. Auf der Rampe von Auschwitz wurden sie für die Zwangsarbeit bei der IG Farben aussortiert. Die 43-jährige Rosa und der 48-jährige Martin Salomon wurden vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.

Rudolf wurde als Schlosser und Alfred als Elektriker im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt. Anfang 1945 wurden beide von Auschwitz aus auf den „Todesmarsch“ nach Buchenwald und von dort nach Sachsenhausen geschickt. Hier trennten sich ihre Wege. Alfred kam am 6. Februar 1945 nach Flossenbürg, wo er im „Kampf“ mit 21 Jahren starb.
Rudolf wurde in Sachsenhausen befreit und konnte nach Berlin zurückkehren.

Seine Tante Selma, sein Onkel Sally und sein 12-jähriger Couisin Rudolf Dieter Robert wurden von der Roten Armee im April 1945 im Ghetto Theresienstadt befreit. Auch sie kehrten 1945 nach Berlin zurück.

Alfreds Schwester Ruth heiratete in Großbritannien und hieß fortan Ruth Arnold geborene Robert. Sie wohnte in Warwick und suchte nach dem Krieg ihre Eltern und ihre Brüder.
Bis auf ihren Bruder Rudolf hatte niemand den Holocaust überlebt. Ruth wurde Mutter von acht Kindern.

Text und Recherche: Gundula Meiering, April 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 31216 Philipp und Betty Robert
  • https://www.ortschronik-briesen-mark.de/index.html (abgerufen am 27.11.2025)
Stolperstein für Rudolf Robert

HIER WOHNTE
RUDOLF ROBERT
JG. 1922
ZWANGSARBEIT 1941
KERSDORF
DEPORTIERT 19.4.1943
AUSCHWITZ
TODESMARSCH
KZ BUCHENWALD
KZ SACHSENHAUSEN
BEFREIT

Rudolf Robert wurde am 11. Februar 1922 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den aus Steinau bei Thorn (Stonawa, Polen) stammenden Kaufmann Philipp Robert (*19. Dezember 1885) und dessen aus Graudenz (Grudziądz, Polen) stammende Ehefrau Betty geborene Chrzanowski (*26. Februar 1894), war er das mittlere von insgesamt drei Kindern. Seine Schwester Ruth (*14. Dezember 1920) war zweieinhalb Jahre älter und sein Bruder Alfred (*27. Mai 1923) war gut ein Jahr jünger.

Sie wohnten damals in der Kavalierstraße 23 in der Nähe von Rudolfs Großeltern, die in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow zusammen mit seiner Tante Jenny, der jüngeren Schwester seiner Mutter, seinem Onkel Max und seinem Cousin Hans Hermann (*16. April 1926) lebten. Sein Vater Philipp war Mitinhaber der Immobilienfirma “S. Robert & Co” und verdiente sein Geld als Hausbesitzer. Auf dem Hochzeitsfoto seiner Tante Rosa, der jüngsten Schwester seiner Mutter, die am 24. Dezember 1928 den Händler Jakob Meerfisch heiratete, ist Rudolf unten links als 6-Jähriger zu sehen.

Sein Großvater mütterlicherseits, David Chrzanowski, starb mit 67 Jahren am 15. Dezember 1932, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Rudolf war damals fast 11 Jahre alt.

Seine Tante Rosa wurde am 23. Oktober 1933 von Jakob Meerfisch geschieden und heiratete in zweiter Ehe Martin Salomon (*15. Januar 1895). Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die beiden als verheiratetes Paar zusammen mit der Familie ihrer Schwester Jenny bei seiner Großmutter in der Parkstraße 20 gemeldet.

1933 zog die Familie Robert nach Berlin-Wilmersdorf in die Prinzregentenstraße 7 in den 1. Stock des Hauses. Sein Onkel Heinrich und seine Tante Resi Gerda sowie deren Söhne Claus (*18. Juli 1924) und Gert Rudolf (*19. Juni 1927) wohnten schräg gegenüber in der Prinzregentenstraße 93. Sein Onkel Julius und seine Tante Martha sowie deren Söhne Rolf Rudolf (*17. August 1925) und Horst (*29. Juli 1931) zogen in die Jenaer Straße 11 ganz in der Nähe.

Nachdem die Nationalsozialisten circa 1938 den gesamten Immobilienbesitz seiner Eltern beschlagnahmt und in Zwangsverwaltung gegeben hatten, zog die Familie Robert im Oktober 1939 in eine 4-Zimmer-Wohnung im II. Stock des Vorderhauses in der Kleinen Alexanderstraße 12/13 im Berliner Scheunenviertel. Die Miete betrug dort nur 75 RM monatlich.

Im August 1939 hieß es Abschied nehmen von seiner 19-jährigen Schwester Ruth, die ein Visum für Großbritannien erhalten hatte, und ausreisen durfte. Sein Bruder Alfred und er arbeiteten seit 1939 im „Landwerk Neuendorf“, einer jüdischen Arbeiterkolonie und Ausbildungsstätte auf dem Gut Neuendorf bei Fürstenwalde in Brandenburg. Von hier aus betrieben sie ihre Auswanderung aus Nazi-Deutschland. Die meisten Auszubildenden wollten nach Palästina, manche nach Argentinien. Sie mussten dafür Erfahrungen in der Landwirtschaft, der Viehhaltung, im Handwerk und in der Hauswirtschaft vorweisen. 1941 wandelten die Nationalsozialisten die jüdische Ausbildungsstätte Neuendorf in ein Zwangsarbeiterlager um. Ab Oktober 1941 wurde die Ausreise aus dem Deutschen Reich für Juden verboten.

Ende Januar 1943 forderte die Gestapo seine Eltern Betty und Philipp Robert auf, eine Vermögenserklärung auszufüllen. Am 3. Februar 1943 wurden sie mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurden.

Rudolf und Alfred kamen zusammen mit ihrer Tante Rosa, der Schwester ihrer Mutter, und ihrem Onkel Martin Salomon zum Arbeitseinsatz in Kersdorf in der Nähe von Briesen in der Mark. Das Forsteinsatzlager Kersdorf war von der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ eingerichtet worden, stand aber unter der Aufsicht des Reichssicherheitshauptamtes.

In der Ortschronik Briesen-Mark heißt es heute: „Zeitzeugen berichteten, dass im Frühjahr 1943 Juden aus Berlin nach Kersdorf kamen und später in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. Der Sprecher dieser Gruppe hieß Salomon und sagte zur Verabschiedung ‘Aus Auschwitz kommt niemand wieder zurück’.“.

Am 19. April 1943 wurden 53 Juden aus Kersdorf, darunter auch seine Tante Rosa und sein Onkel Martin Salomon, mit dem 37. Osttransport von der Gestapo nach Auschwitz deportiert. Rudolf und Alfred wurden schon am 9. April 1943 in Berlin verhaftet und kamen auf den gleichen Transport. Rudolf war damals 21 Jahre und Alfred 19 Jahre alt. Auf der Rampe von Auschwitz wurden sie für die Zwangsarbeit bei der IG Farben aussortiert. Die 43-jährige Rosa und der 48-jährige Martin Salomon wurden vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.

Rudolf wurde als Schlosser und Alfred als Elektriker im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt. Anfang 1945 wurden beide von Auschwitz aus auf den „Todesmarsch“ nach Buchenwald und von dort nach Sachsenhausen geschickt. Hier trennten sich ihre Wege. Alfred kam am 6. Februar 1945 nach Flossenbürg, wo er im „Kampf“ mit 21 Jahren starb.

Rudolf wurde in Sachsenhausen befreit und konnte nach Berlin zurückkehren.

Seine Tante Selma, sein Onkel Sally und sein 12-jähriger Cousin Rudolf Dieter Robert wurden von der Roten Armee im April 1945 im Ghetto Theresienstadt befreit. Auch sie kehrten 1945 nach Berlin zurück.

Rudolfs Schwester Ruth heiratete in Großbritannien und hieß fortan Ruth Arnold geborene Robert. Sie wohnte in Warwick und suchte nach dem Krieg ihre Eltern und ihre Brüder.
Bis auf ihren Bruder Rudolf hatte niemand den Holocaust überlebt. Ruth wurde Mutter von acht Kindern.

Auch Rudolf heiratete und wurde Vater von zwei Kindern. Währende der Nürnberger Prozesse wurde er zu einem wichtigen Zeugen gegen den deutschen Chemie- und Pharmakonzern IG Farben. Zusammen mit dem Oberkantor Estrongo Nachama gestaltete er die Jüdische Gemeinde West-Berlins mit und wurde Gabbei (Helfer und Organisator jüdischer Gottesdienste, die dem Rabbiner assistieren, um den Ablauf zu gewährleisten) der liberalen Synagoge in der Pestalozzistraße. Rudolf Robert starb 1997 in Berlin.

Text und Recherche: Gundula Meiering, April 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 31216 Philipp und Betty Robert
  • https://www.ortschronik-briesen-mark.de/index.html (abgerufen am 27.11.2025)

Flora Jacoby wurde am 6.4.1877 in Treptow geboren.
Lina Jacoby wurde am 24.4.1879 in Treptow geboren.
Rosa Kaiser wurde am 30.1.1881 in Hammerstein geboren.
Leo Kaiser wurde am 11.5.1914 in Berlin geboren.
Hans Kozlowski wurde am 27.8.1887 in Ratibor geboren.
Fritz Moser wurde am 27.5.1893 in Kolberg geboren.
Margot L. Neumann wurde am 19.1.1891 in Berlin geboren.
Philipp Robert wurde am 19.12.1885 in Steinau geboren.
Betty Robert wurde am 26.2.1894 in Graudenz geboren.
Alfred Robert wurde am 27.5.1923 in Berlin geboren.
Rudolf Robert wurde 1922 geboren.

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