Stolpersteine Spandauer Damm 54 (früher: Spandauer Straße 17)

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Hausansicht Spandauer Damm 54
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolperstein für Eduard Gärtner wurde auf Wunsch seiner in Israel lebenden Töchter, Mirjam Rottenberg und Rachel Doron, am 12.6.2009 verlegt.

Die Stolpersteine für Doris Lubliner und Albert Bellak wurden am 04.10.2010 verlegt.

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Stolperstein für Eduard Gärtner
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
EDUARD GÄRTNER
JG. 1877
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Eduard Gärtner wurde am 24. Juli 1877 in Schweinfurt (Bayen) geboren und zog um die Jahrhundertwende nach Berlin. Er nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Krieg heiratete er Erna Wolff, mit der er zwei Töchter hatte, die 1922 geborene Mirjam und vier Jahre später Harriet. Die Kinder waren noch klein, als seine Frau Erna 1931 starb.

Im Jahr nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten verließen beide Kinder aufgrund antisemitischer Ausgrenzung die staatliche Volksschule und wechselten auf eine jüdische Einrichtung. In dieser Zeit ließen sie sich auch in der Jugendalija registrieren, einer 1933 von Recha Freier, der Frau eines Berliner Rabbiners, ins Leben gerufene Organisation, die die Einwanderung jüdischer Jugendlicher ins britische Mandatsgebiet Palästina vorbereitete und verwirklichte.

Über ihre Schule, die 4. Jüdische Volksschule in der Klopstockstraße, erfuhr Mirjam von “Kristinenhov”, einem Internat in Südschweden. Diese Lehranstalt, die um 1934 mit Unterstützung der jüdischen Gemeinden in Stockholm und Berlin gegründet worden war, suchte Schüler, die sie auf die Auswanderung vorbereiten konnte. Mirjam bewarb sich um ein Stipendium und wurde Ende 1937 in “Kristinenhov” aufgenommen. Ihre Schwester Harriet folge ihr zwei Jahre später.
Im März 1939 erhielt Mirjam endlich das Zertifikat der britischen Mandatsregierung und reiste nach Palästina aus. Ein Jahr später folgte Harriet.
Der allein in Berlin zurück gebliebene Eduard Gärtner wurde am 27. November 1941 nach Riga deportiert und dort im Wald von Rumbula zusammen mit über tausend anderen Menschen aus Berlin drei Tage später erschossen.

Text: Cristina Konn-Saile, entnommen dem Band “Juden in Charlottenburg. Ein Gedenkbuch”. Berlin 2009.
Quelle: Mirjam Rottenberg geb. Gärtner und Rachel Doron geb. Gärtner

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Stolperstein für Doris Lubliner
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
DORIS LUBLINER
GEB. FORELLE
JG. 1868
DEPORTIERT 28.5.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 2.8.1943

Adele Lubliner geb. Forelle wurde am 31. Januar 1868 in Warschau geboren, auf dem Stolperstein steht ihr weiterer Vorname Doris. Ihre Eltern hießen Adam und Emma Forelle.

Sie heiratete 1914 in Berlin und hatte ein Kind. In der Spalte „Beruf“ war „ohne“ angegeben. 1939 wohnte sie in der Spandauer Straße 17 (umbenannt in Spandauer Damm, später Nummer 54) als Untermieterin bei der Schneiderin Maria Rechenbach.

Am 28. Mai 1943 wurde Adele Lubliner mit 327 Menschen vom Güterbahnhof Moabit in das Ghetto Theresienstadt deportiert. In diesem Zug, dessen Abfahrtstag in manchen Dokumenten auch mit 29.5.1943 angegeben ist, befanden sich mindestes 300 liegende Patienten des Krankenhauses und Siechenheims in der Auguststraße sowie des Israelitischen Kranken- und Altersheims der Gemeinde Adass Isroel in der Elsässer Straße 85 und Pflegepersonal. Sie war 75 Jahre alt und im Altersheim. In Theresienstadt wurde sie in der Hauptstraße 20 untergebracht und ist am 2. August 1943 ermordet worden.

Nach der Todesurkunde, die am 2.8.1943 ausgestellt und – wie in Theresienstadt üblich – vierfach unterschrieben wurde, litt sie unter „Herzmuskelentartung und Arterienverkalkung“ und starb fünf Wochen nach ihrer Deportation an „Darmkatarrh“, also an den Folgen der Unternährung im Ghetto, wo es nur minimale Brotrationen und allenfalls einen Teller dünne Suppe am Tag gab.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf
Quellen: Bundesarchiv; Melderegister; Adressbuch; Gottwaldt/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005; Opferdatei Theresienstadt

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Stolperstein für Albert Bellak
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ALBERT BELLAK
JG. 1887
VERHAFTET 22.09.1939
SACHSENHAUSEN
MAJDANEK
ERMORDET NOV.1942

Albert Bellak wurde am 25. Juni 1887 in Neustadt in Oberschlesien geboren. Über sein Leben und seinen Beruf ist nichts bekannt. Im Volkszählungsverzeichnis vom 17.5.19309 war er als „verheiratet“ eingetragen. Er wohnte jedoch allein in der Spandauer Straße 17 (nach 1950 in Spandauer Damm benannt, die Hausnummer wurde 54), vor seiner Verhaftung musste Bellak in die Zimmerstraße 25 umziehen.

Er wurde am 22. September 1939 in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin gebracht und 1942 in das Konzentrationslager Majdanek nach Polen deportiert, wo er im November 1942 ermordet wurde.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf