Stolpersteine Meinekestraße 7

Meinekestraße 7, 4.3.2011

Meinekestraße 7, 4.3.2011

Die Stolpersteine für Julius J. und Flora Berger, Adolf Löwenstern, Hans G. Bernhardt und Heinrich Knap wurden am 24.10.2008 vor dem Haus Meinekestraße 7 verlegt.

Stolperstein für Julius Berger, 24.10.2008

Stolperstein für Julius Berger, 24.10.2008

HIER WOHNTE
JULIUS J. BERGER
JG. 1882
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.7.1943

Juda Berger, der sich Julius nannte, ist am 24. September 1862 in Zempelburg (Sępolno Westpreußen, an der Grenze zu Pommern) geboren. Sein Vater hieß Baruch, seine Mutter Dora geb. Werner.

Mit seiner Frau Flora ging Julius Berger nach Berlin und gründete dort 1905 die Firma Julius Berger Tiefbau AG, deren Direktor er war. 1914 wurde er zum Königlich Preußischen Kommerzienrat ernannt, ein Ehrentitel, der an die Stifter für das Gemeinwohl verliehen wurde. Sie wohnten in der Meinekestraße 7, im Einwohnerregister war nach 1939 die Schlüterstraße 45 eingetragen, als letzter Wohnort war auch die Dahlmannstraße 25 vermerkt. Julius und Flora Berger hatten zwei Töchter, Margaret und Herta. Beide heirateten und konnten fliehen.

Am 14. September 1942 wurde Julius Berger zusammen mit seiner Frau und 998 weiteren Menschen vom Güterbahnhof Moabit ins Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Am 13. Juli 1943 wurde dort sein Tod registriert. In der Todesfallurkunde aus Theresienstadt waren Altersschwäche und Herzschwäche als Ursachen angegeben – kein Wunder bei einem 81-jährigen, der unter den grauenvollen Umständen dieses Lagers leben musste.

Stolperstein für Flora Berger, 24.10.2008

Stolperstein für Flora Berger, 24.10.2008

HIER WOHNTE
FLORA BERGER
GEB. MEYER
JG. 1868
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 19.10.1942

Flora Berger geb. Meyer, wurde am 15. Oktober 1868 in Zempelburg (Sępolno, Westpreußen) geboren. Dort lernte sie Julius Berger kennen, den sie heiratete und mit dem sie nach Berlin ging. Er führte ein von ihm gegründetes Tiefbaugeschäft und gehörte zu den wohlhabenden Bürgern. In der Meldekartei der Bergers 1939 in der Meinekestraße 7 registriert, dort befand sich aber auch der Vermerk: „Verzug Schlüterstraße 45“.
Flora Berger hatte zwei Töchter: Margaret, geboren am 31. August 1894, und Herta, geboren am 2. September 1896. Beiden gelang mit Hilfe ihrer Eltern die Flucht aus Deutschland nach Argentinien, wo sie überlebten.

Am 14. September 1942 wurden beide in einem Massentransport von 1000 Menschen aus Moabit nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde Flora am 18. Oktober 1942 ermordet, die Todesfallurkunde registrierte eine angeblichen „Darmkatarrh“ als Ursache. Julius kam am 13. Juli 1943 ums Leben.

1955 der stellten die Töchter Margaret Laufer verw. Wolffenstein und Herta Kahn aus Buenos Aires Entschädigungsanträge für Guthaben und Wertpapiere bei der Dresdner Bank, die von den NS-Behörden eingezogene „Reichsfluchtsteuer“ sowie Schmuck, Gold und Silber.
Philipp Frenkel aus New York beanspruchte 1957 den Wert einer Hypothek.

Recherchen und Texte: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.

Stolperstein für Adolf Löwenstern, 24.10.2008

Stolperstein für Adolf Löwenstern, 24.10.2008

HIER WOHNTE
ADOLF LÖWENSTERN
JG. 1858
DEPORTIERT 14.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 18.2.1943

Adolf Löwenstern kam am 1. Februar 1858 als Sohn des Lotterieeinnehmers Simon Löwenstern (1806–1878) und seiner Ehefrau Adelheide, geb. Meyersberg (1820–1890) in Adelebsen in der Nähe von Göttingen auf die Welt. Der Ort gehörte zum Königreich Hannover (seit 1871 zum Deutschen Reich) und wurde wegen seiner großen und alten jüdischen Gemeinde auch „Klein-Jerusalem“ genannt: Seit 1836 gab es eine Synagoge, der Vater von Adolf Löwenstern war viele Jahre Vorsteher der Synagogengemeinde. Sein Grabstein befindet sich noch immer auf dem Jüdischen Friedhof des Ortes. In Adelebsen lebten viele Verwandte, der Onkel Jacob Marcus Löwenstern (1811–1893) war ebenfalls Lotterieeinnehmer.
Die Mutter von Adolf Löwenstern stammte aus Einbeck, ebenfalls im Süden des heutigen Bundeslandes Niedersachsen. Ihr Großvater Elias Meyer (1718–1798), dessen Söhne sich seit 1808 Meyersfeld, Meyersberg und Meyerstein nannten, war der Gründer der dortigen Jüdischen Gemeinde. Sein Sohn Hirsch Meyersberg, ein Tabakfabrikant, war ihr Vater. Die Familie gehörte, wie auch die Familie Löwenstern, zu den wohlhabenden Familien der Gegend.
Adolf Löwenstern hatte sechs ältere Geschwister. Die Schwestern Bertha und Berthilde waren bereits vor seiner Geburt gestorben, seine Brüder wurden Kaufleute und verließen Adelebsen: Der älteste Bruder Marcus (*1844) starb 1907 in Hamburg; Hermann (*1848), bei dem die Mutter als Witwe bis zu ihrem Tod lebte, starb 1912 in Frankfurt/Main; Eduard (*1853) starb 1911 in Halle/Saale und der Bruder Mylius (*1855) 1936 in Berlin.
Adolf Löwenstern wurde ebenfalls Kaufmann. Er lebte vor den Berliner Jahren eine Zeit lang in Eschwege/Hessen. Genau sind diese Jahre noch nicht zu belegen. Verheiratet war er mit der am 29. Mai 1867 geborene Laura Frankenstein aus Heepen, einer Landgemeinde in der Nähe der Stadt Bielefeld in Ostwestfalen (heute Teil von Bielefeld/NRW). Dies war nicht weit entfernt von Adelebsen und Einbeck und nicht die erste Verbindung der Familie Frankenstein mit einer Familie aus Adelebsen. Die Familien, gleichermaßen wohlhabend und gleichermaßen aktiv in ihren Synagogengemeinden, werden sich gekannt haben. Auch die Frage nach den Eltern von Laura Frankenstein, kann bis jetzt noch nicht genau beantwortet werden. In Berlin befindet sich vor dem Haus Schlüterstraße 54 ein Stolperstein für Ida Wollheim, eigentlich Mollheim, geb. Frankenstein, 1858 als Tochter des Gastwirts Levi Frankenstein in Heepen geboren. Sie könnte eine Schwester oder Cousine gewesen sein.

Seit 1900 findet sich Adolf Löwenstern im Berliner Adressbuch als Mieter im Haus Kantstraße 148 zwischen Savignyplatz und Uhlandstraße in Charlottenburg. Dort sollten er und seine Ehefrau 30 Jahre leben. Ein Jahr später, 1901, ist er als Mitinhaber der Firma Lang & Kahn, einer „Fabrik“ für Flanell- und Kleiderstoffe in der Klosterstraße 17-19 in Berlin-Mitte, verzeichnet. Als „Agentur und Kommissionsgeschäft für Kleider-, Blusen- und Flanellstoffe“ übernahm Adolf Löwenstern die Firma, wechselte die Geschäftsadresse und zog über die Heilige-Geist-Straße nach einigen Jahren in die nahe Kaiser-Wilhelm-Straße 58. Hier im alten Berlin blieb die Firma fast bis zum Ende der Weimarer Republik. – Nach einer kurzen Zeit wiederum in der Klosterstraße scheint Adolf Löwenstern nicht mehr in größerem Stil tätig gewesen zu sein, obwohl er im Berliner Adressbuch von 1940 noch als „Handelsvertreter“ notiert ist.
Seit 1931 wohnte das Ehepaar Löwenstern in der Meinekestraße 7, nicht weit vom Kurfürstendamm. Es war ein „feines“ Haus: Mitbewohner waren Adelige und wohlhabende Kaufleute.
1936 starb der Bruder Mylius Löwenstern in Berlin. Er hatte dort als Börsenmakler, Besitzer und Redakteur einer Börsenzeitung gelebt. Sein 1892 geborener Sohn Eugen war Zahnarzt geworden, er nahm sich am 23. Juni 1942 das Leben. Ein Vierteljahr später, am 14. September 1942, wurden Adolf und Laura Löwenstern aus der Meinekestraße 7 nach Theresienstadt verschleppt.

Adolf Löwenstern kam am 16. Februar 1943 in Theresienstadt um. Seine Ehefrau Laura überlebte das Ghettolager: Im „Aufbau“ vom 16. Februar 1945 findet sich in der ersten Liste der in der Schweiz eingetroffenen Befreiten aus Theresienstadt.

Quellen:
Berliner Adressbücher
Berliner Telefonbücher
BLHA Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Gedenkbuch Bundesarchiv
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005
HU Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945
LABO Entschädigungsbehörde
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry
Yad Vashem Datenbank
https://www.mappingthelives.org/
https://www.statistik-des-holocausts.de: Transportlisten
https://www.geni.com/people/
https://www.juedische-gemeinden.de
https://studyres.com/doc/7961066/wimpel-of-louis-grafenberg
Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Adelebsen, Im Steilhang, ad2-128
http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=ad2-128

Vorrecherchen Nachlass Wolfgang Knoll

Stolperstein für Hans G. Bernhardt, 24.10.2008

Stolperstein für Hans G. Bernhardt, 24.10.2008

HIER WOHNTE
HANS G. BERNHARDT
JG. 1879
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hans G. Bernhardt wurde als Günther Hans Bernhardt am 4. Juni 1879 in Kreuzburg (Kluczbork, Polen) in Oberschlesien geboren. Seine Eltern waren der jüdische Buchhalter Alfred Bernhardt und dessen jüdische Ehefrau Klara Bernhardt geborene Breinersdorf. Sein Vater Alfred Bernhardt machte sich später als Kaufmann für Getreide und Futtermittel in Breslau selbstständig.

Hans wurde Bankbeamter von Beruf und ging nach Charlottenburg. Wann und wo er seine spätere Ehefrau, die aus Brustawe (Brzostowo, Polen) im Kreis Militsch in Niederschlesien stammende Gertrud Hedwig Maria Lachnit (*10. Mai 1877), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 2. August 1913 in Charlottenburg. Hans’ Mutter und Gertruds Eltern, Franz Lachnit und Pauline Lachnit geborene Langer, waren bei der Hochzeit schon verstorben. Trauzeugen waren Gertruds 44-jähriger Bruder, der Kaufmann Fedor Lachnit und dessen 33-jährige Ehefrau Luise Lachnit geborene Kinzer. Auf der Heiratsurkunde gab Hans als Religion evangelisch und Gertrud katholisch an. Hans und Gertrud wohnten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zusammen mit Fedor und Luise Lachnit in der Reichsstraße 104 in Charlottenburg. Hans’ Vater Alfred fiel im Ersten Weltkrieg 1918. Die Ehe mit Gertrud blieb kinderlos. Hans machte Karriere als Bankdirektor und Bankvorsteher.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war er 54 und Gertrud 56 Jahre alt. Das erste rassistisch begründete Gesetz im Deutschen Reich war der sogenannte „Arierparagraph“ im Gesetz „Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933. Als „arisch“ galt nur der, der eine Abstammung von nichtjüdischen Großeltern beweisen konnte. Hans war zwar evangelisch getauft, aber seine Eltern waren Juden, somit war er im Sinne des Nationalsozialisten „Nichtarier“ und „Volljude“. Gertrud konnte ihre „arische Abstammung“ nachweisen.

Mit den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 mussten alle Bürger des Deutschen Reichs einen „Ariernachweis” vorlegen was den Juden jegliche staatsbürgerlichen Rechte nahm und zu ihrer wirtschaftlichen Ausgrenzung führte. Hans verlor seine Stelle als Bankdirektor und lebte im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten mit seiner Ehefrau in einer „Mischehe”.

Als Hans und Gertrud 1937 in die Meinekestraße 7 in Berlin-Charlottenburg zogen, führte ihn das Berliner Adressbuch 1938 als „Bankvorsteher a. D.“ Auch bei der „Minderheiten – Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wurden sie hier registriert. Das Berliner Adressbuch 1940 führte dann anstatt von Hans Bernhardt „Gertrud Bernhardt, Frau“ in der Meinekestraße 7.

Wann genau die beiden in die Erdgeschosswohnung des Hinterhauses der Prager Straße 29 (heute Grainauer Straße 13) in Berlin-Wilmersdorf zogen, konnte nicht recherchiert werden. Gertrud Bernhardt geborene Lachnit starb höchstwahrscheinlich hier. Durch den Tod seiner „arischen” Frau verlor Hans Günther Bernhardt den Schutz einer „Mischehe”. Vermutlich musste er ab 1940/41 Zwangsarbeit leisten. Er zog zur Untermiete in die Spichernstraße 8 in die „Zwangswohnung“ des Hauptmieters Leo Hirsch, der mit seiner Ehefrau Marta Hirsch geborene Handwerg ebenfalls in einer „Mischehe” lebte. Bei der sogenannten Fabrikaktion am 27. Februar 1943 wurde Hans Günther Bernhardt bei der Arbeit festgesetzt und in einem Sammellager interniert.

Am 4. März 1943 deportierte ihn die Gestapo, ohne dass er eine Vermögenserklärung ausgefüllt hatte, mit dem 34. Osttransport zusammen mit 1.159 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz, wo sie ihn ermordeten. Hans Günther Bernhard starb mit 63 Jahren aufgrund von Verschwörungstheorien und antisemitischen Rassenwahn.

Text und Recherche: Gundula Meiering, November 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 3313, Hans Günther Bernhardt.
Stolperstein für Heinrich Knap, 24.10.2008

Stolperstein für Heinrich Knap, 24.10.2008

HIER WOHNTE
HEINRICH KNAP
JG. 1881
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Heinrich Knap kam am 26. November 1881 in Berlin als jüngstes von vier Kindern des „Posamentiers“ Siegmund (Salomon) Knap (1841/42–1896) und seiner Ehefrau Dorothea (Debora), geb. Schulvater, (1843–1911) auf die Welt. Sein Vater stammte aus dem Ort Triesch in Mähren (damals Österreich-Ungarn, heute Třešť/Tschechien), die Mutter aus Meseritz in der damals preußischen Provinz Posen (heute Międyrzecz/Polen). Als „Posamentier“, später Posamentierwarenfabrikant stellte Vater Siegmund Knap Bänder, Borten, Fransen u.ä. her, ein wichtiges Handwerk für die damalige Mode und die Berliner Konfektion. Die „Fabriken“ waren meist Kleinstbetriebe von selbstständigen Posamentierern, in denen die ganze Familie arbeitete.
Die Eltern hatten 1872 in Berlin geheiratet und in den folgenden Jahren waren die Kinder Georg (*1874), Siegfried (*1875) und Rosa (*1876) auf die Welt gekommen. Die Familie wohnte (und arbeitete) viele Jahre in Berlin-Mitte (in der Spandauer Vorstadt): in der Neuen Königstraße, in einem Hinterhaus der Klosterstraße 96 und, zum Zeitpunkt der Geburt von Heinrich Knap, im dritten Stock des Hauses Hirtenstraße 18, mitten im sogenannten Scheunenviertel. Die Gegend war arm und eng. Viele der zugewanderten jüdischen Familien arbeiteten in ihren kleinen „Fabriken“ für die großen Berliner Konfektionsfirmen und für das eigene Weiterkommen. So auch die Eltern von Heinrich Knap.
In den folgenden Jahren zog die Familie noch mehrere Male um. 1896 starb der Vater von Heinrich Knap in der Rosenthalerstraße 57. Die Kinder lebten noch bei den Eltern, Heinrich Knap war 15 Jahre alt. Ob er bereits in der Firma mitarbeitete oder noch zur Schule ging, ist nicht bekannt.
Seine Mutter wohnte als Witwe mit den Kindern bis zum Anfang des neuen Jahrhunderts in der Rosenthalerstraße. 1902 heiratete die Schwester Rosa den Kaufmann Hans Leo Rosenthal.
Mutter Dorothea Knap zog in den Berliner Westen, laut Berliner Adressbuch lebte sie seit 1904/1905 in der Düsseldorferstraße 101 in Wilmersdorf und dann als Rentiere in der Lietzenburger Straße 43. Dort starb sie im Jahr 1911. Siegfried Knaps Bruder Georg heiratete (wahrscheinlich 1908/1909) ebenfalls und lebte als (Mit-)Eigentümer einer Firma für Seidenstoffe und Samt viele Jahre in der Bismarckstraße in Charlottenburg.
Heinrich Knap blieb ledig und lebte wohl bei seiner Mutter. Im Berliner Adressbuch wird er erst 1918 in der Speyerer Straße 20 im Bayerischen Viertel in Schöneberg notiert. Das heißt, er wird dort seit 1917 gewohnt haben. Seit jenem Jahr war er Eigentümer der Firma Mirtel Boas, Backfisch- und Kindermäntelkonfektion, deren Namen nun „Mirtel Boas, Inh. Heinrich Knap“ lautete. Der ehemalige Eigentümer Mirtel Boas lebte weiterhin in Berlin. Geschäftsadresse war der Hausvogteiplatz 11 a, mitten im Zentrum des Berliner Konfektionsviertels. Das Geschäftshaus gehörte dem Besitzer einer Buchdruckerei und neben der Druckerei und dem Portier gab es hier nur die Firma von Heinrich Knap.
Anfang der 1920er-Jahre zog Heinrich Knap von Schöneberg nach Berlin-Halensee in die 2. Etage des Hauses Joachim-Friedrich-Straße. Er wohnte dort zehn Jahre lang, seine Firma blieb am Hausvogteiplatz. 1932/33 bezog Heinrich Knap seine letzte frei gewählte Wohnung in der Meinekestraße 7, wo er wiederum lange Jahre leben. Nicht weit entfernt vom Kurfürstendamm wohnten hier Adlige und wohlhabende Kaufleute. Seine Firma findet sich noch 1939 im Berliner Adressbuch. Sie wurde 1943 liquidiert – da muss sie längst einen anderen Inhaber gehabt haben.

Die letzte Anschrift von Heinrich Knap war die Trautenaustraße 16 in Berlin-Wilmersdorf. Hier musste er zur Untermiete wohnen. Am 19. Oktober 1942 wurde Heinrich Knap vom Güterbahnhof Moabit aus mit dem „21. Osttransport“ nach Riga deportiert und nach drei Tagen Fahrt wie die meisten der 959 Insassen des Transports im Wald nahe der Stadt erschossen.

Seine Schwester Rosa Rosenthal war bereits 1932 in Berlin gestorben, sein Bruder Georg konnte mit der Ehefrau nach Brasilien emigrieren, die Lebensspur des Bruders Siegfried Knap verliert sich.

Quellen:
Berliner Adressbücher
Berliner Telefonbücher
BLHA Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Deutscher Reichsanzeiger 1917, 1920
Gedenkbuch Bundesarchiv
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005
HU Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945
Landesarchiv Berlin, WGA
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry
https://www.geni.com/people/
https://www. juedische-gemeinden.de
sztetl.org.pl

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