HIER WOHNTE
KURT GROSS
JG. 1928
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Kurt Gross wurde am 6. Juni 1928 in Zanow in Hinterpommern (Sianów, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Julius Gross (geb. 7. Juli 1884) und dessen aus Groß Tuchen im Kreis Bütow in Pommern (Tuchomie, Polen) stammende Ehefrau Margarete geborene Rosen (geb. 10. Dezember 1896), war er das einzige Kind. In Zanow wuchs er auf und besuchte die Volksschule.
Vermutlich 1938, als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie aus der Breitestraße 32 in Zanow nach Berlin. Dort wohnten sie anfangs bei Kurts Onkel Max Rosen (geb. 27. November 1898), dem jüngeren Bruder seiner Mutter, in der Johann-Georg-Straße 20. In der Wohnung wohnte Max Rosen zusammen mit seiner Ehefrau Frieda, geborene Seelinger (geb. 13. September 1908) und seinem 7-jährigen Sohn Heinz (geb. 6. September 1931). Kurt wurde Schüler der Theodor-Herzl-Schule am Kaiserdamm 77-79 in Berlin-Charlottenburg. In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurden nicht nur Synagogen von den Nazis niedergebrannt, sondern auch Schulen. Das Haus der Theodor-Herzl-Schule am Kaiserdamm wurde „in Brand gesteckt und verwüstet“. Kinder, die am Morgen des 10. Novembers 1938 die Schule besuchen wollten, wurden nach Hause geschickt.
Kurts Vater Julius und sein Onkel Max wurden vermutlich in dieser Nacht von der Gestapo festgenommen und bis zum 14. Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnte die Familie Gross noch in der Johann-Georg-Straße 20. Kurze Zeit später zogen sie in Pension zu Kurts Großmutter Henriette, genannt Jettchen, Rosen (geb. 1866), die zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Julius (geb. 1900) in einer Parterrewohnung im Hinterhaus der Katharinenstraße 4 lebte, nachdem ihr Ehemann, der Geschäftsbesitzer Louis Adolf Rosen, 1937 gestorben war. Auch Kurts Onkel Siegmund Gotthilf und seine Tante Elsbeth, die älteste Schwester seiner Mutter, sowie deren Kinder Herbert (geb. 1910) und Margarete (geb. 1921) wohnten in der Katharinenstraße 4. Ihnen gelang am 29. Dezember 1939 die Flucht nach Palästina. Die Familie von Max Rosen emigrierte vermutlich nach Shanghai und 1950 nach Philadelphia in den USA.
Da immer mehr Kinder und Lehrkräfte nach der Pogromnacht auswanderten, sank die Schüler- und Lehrkräftezahl an Kurts Schule enorm. Die endgültige Schließung der Theodor-Herzl-Schule durch die Nationalsozialisten erfolgte am 31. März 1939. Welche jüdische Schule Kurt im Anschluss besuchte, konnte nicht recherchiert werden.
Kurt und seine Eltern zogen noch 1939 zur Untermiete bei Leopold (geb. 1868) und Röschen (geb. 1873) Klein in den ersten Stock der Küstriner Straße 22 (heute Damaschkestraße 24) in Berlin-Wilmersdorf ein. Als das Ehepaar Klein am 25. August 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde, blieb die Familie Gross bis zu ihrer Deportation in der Küstriner Straße 22.
Kurts Großmutter, die 76-jährige Henriette Rosen, deportierte die Gestapo am 14. September 1942 mit dem „2. großen Alterstransport“ zusammen mit 1.012 Leidensgenossinnen und -genossen nach Theresienstadt, wo sie aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen am 27. Dezember 1942 starb.
Die Familie Gross und Julius Rosen wurden im Rahmen der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 an ihrem Arbeitsplatz von der Gestapo festgesetzt und in ein Sammellager gebracht. Der 42-jährige Julius Rosen, Kurts Onkel, wurde mit dem 34. Osttransport am 4. März 1943 zusammen mit 1.160 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz deportiert, wo er am 18. April 1943 ermordet wurde.
Julius, Margarete und Kurt Gross wurden mit dem 35. Osttransport zusammen mit 660 Leidensgenossinnen und -genossen am 6. März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Kurts Vater Julius Gross starb mit circa 49 Jahren, seine Mutter Margarete Gross geborene Rosen starb mit 46 Jahren. Kurt starb mit 16 Jahren.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
- My Heritage