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Stolpersteine Bundesplatz 1

Bildvergrößerung: Hausansicht Bundesplatz 1
Hausansicht Bundesplatz 1
Bild: Stolperstein-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 04.06.2021 verlegt und nach einem Aufruf der „Initiative Bundesplatz e.V.“ von Mitgliedern, Nachbarn, engagierten Bürgern, Firmen und Organisationen gespendet.

Bildvergrößerung: Stolperstein Minna Bergmann
Stolperstein Minna Bergmann
Bild: Stolperstein-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MINNA BERGMANN
GEB. LÖWENSTAMM
JG. 1865
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.6.1943

Minna Bergmann wurde als Tochter von Jakob Löwenstamm und seiner Frau Dorothea, geb. Zerkowski, am 22. Juli 1865 in Rostberg, Bezirk Beuthen, in ein großbürgerliches und begütertes jüdisches Elternhaus hineingeboren.
Am 31. Mai 1887 heiratete Sie den Rechtsanwalt Hugo Bergmann in Zaborze. Das Paar bekam 3 Kinder:
Erich Bergmann, Dr. der Rechte, geb. 12. Februar 1888, verst. 26. Februar 1922 an Tuberkulose,
Fritz Bergmann, Kaufmann, geb. 3. September 1889, verst. 28.September 1965, verheiratet mit Erna Schröder, zwei Kinder Annemarie geb.26. September 1920, gest. 30. März 2010,
Heinz, geb. 4. Oktober 1928, gest. 3. April 2019,
Marie Bergmann, geb. 2. Mai 1893, für die ebenfalls ein Stolperstein verlegt wurde.

Das Ehepaar Bergmann zog mit seinen Kindern nach Berlin in die Lindenstraße 29, später in die Genthiner Straße. Minna war Hausfrau, kümmerte sich um ihre Kinder und den Haushalt.
Sie hatte aber ungeahnte Talente, verfasste Kurzgeschichten, die sogar in der Berliner Morgenpost veröffentlicht wurden. Sie hat einst den Spruch „Nimmst du wenig, nimmst du viel, nimm Persil, nimm Persil“ erfunden. Sie war charmant und hatte viele geistige Interessen. Am 27. Juni 1930 starb ihr Ehemann.

Bildvergrößerung: Todesfallanzeige Minna Bergmann
Todesfallanzeige Minna Bergmann
Bild: Archiv Theresienstadt

Zuletzt wohnte Minna Bergmann mit ihrer Tochter Marie am Kaiserplatz 1, von wo aus sie am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort starb sie am 13. Juni 1943. In der Todesanzeige wird als Krankheit „Darmkatarrh“ und als Todesursache „Herzlähmung“ angegeben. Es ist historisch bekannt, dass Todesursachen häufig nicht korrekt benannt wurden, um zu verschleiern, dass viele Menschen in Theresienstadt an Hunger, mangelnder medizinischer Versorgung und den unsäglichen, lebensfeindlichen Bedingungen starben.

Text: Marianne Rödig (Urenkelin), Recherche: Birgitta Berhorst

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Stolperstein Marie Bergmann
Bild: Stolperstein-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARIE BERGMANN
JG. 1894
DEPORTIERT 26.9.1942
ERMORDET IN
RAASIKU

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Marie mit ihren Brüdern Erich und Fritz
Bild: Familienbesitz

Marie Bergmann wurde am 2. Mai 1894 als drittes Kind und einzige Tochter von
Minna Bergmann und ihrem Ehemann, dem Rechtsanwalt Hugo Bergmann, geboren. Sie nannte sich Marianne. Sie hatte zwei Brüder, Erich und Fritz.

Bildvergrößerung: Marie und ihre Mutter Minna
Marie und ihre Mutter Minna
Bild: Familienbesitz

Sie besuchte ein Mädchenpensionat, wo sie ihre spätere Schwägerin, Erna Schröder, kennenlernte, die ihre lebenslange Freundin wurde. Als Erna einmal von der Polizei vorgeladen wurde, sagte der Polizist zu ihr „Sie sind arisch“. Darauf sagte sie “Schreiben sie: ich bin ‚Nicht-Jüdin‘ “.

Marianne war im sozialen Bereich tätig, spielte gerne Theater und schrieb ebenfalls Kurzgeschichten, wie ihre Mutter. Ihr ganzes Leben wohnte sie bei ihren Eltern, als der Vater am 27. Juni 1930 starb weiterhin bei ihrer Mutter.

Sie besuchte ihren Bruder Fritz und seine Familie in England, als dieser dorthin für ein halbes Jahr von seiner Firma versetzt wurde. Sie war eine gute Tante zu den Kindern von Fritz und Erna, Annemarie und Heinz. Annemarie nannte ihre Tochter nach ihr.

Als sie 1942 den Bescheid über ihre Deportation erhielt, wohnte sie mit ihrer Mutter am Kaiserplatz 1. Sie musste sich in der Fasanenstraße melden. Ihre Schwägerin Erna begleitete sie. Ein Leben lang war sie besonders mit ihrer Mutter verbunden und wurde von ihr zuletzt grausamst getrennt. Minna Bergmann wurde einige Tage nach der Deportation ihrer Tochter nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Auch für sie wurde ein Stolperstein verlegt.

Marie Bergmann wurde am 26. September 1942 mit dem sog. “20. Osttransport“ zusammen mit 809 weiteren jüdischen Berlinerinnen und Berlinern vom Güterbahnhof Grunewald, Gleis 17, nach Raasiku bei Reval deportiert worden und dort ermordet.

Ihre Schwägerin Erna sorgte dafür, dass neben dem Vater Hugo, die Namen Minna und Marianne Bergmann auf einem Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee stehen.

Text: Marianne Rödig (Großnichte) Recherche: Birgitta Berhorst

Quelle: http://statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot20.html

Bildvergrößerung: Stolperstein Rosa Fischer
Stolperstein Rosa Fischer
Bild: Stolperstein-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ROSA FISCHER
GEB. KATZ
JG. 1888
DEPORTIERT 19.1.1942
RIGA
ERMORDET

Rosa Fischer geb. Katz wurde am 1. August 1888 in Schwersenz/Posen (heute Swarzędz in der Woiwodschaft Großpolen) geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Aron Katz und Pauline Katz geb. Pincus.
Rosa heiratete am 24. März 1920 in Berlin den Rechtsanwalt Dr. James Fischer, geboren am 22. August 1870 in Berlin. Dieser verstarb 1938 im Jüdischen Krankenhaus im Wedding an einer Krebserkrankung. James Fischer war evangelisch und Adoptivkind der jüdischen Anna Fischer. Das Ehepaar lebte damals schon in ihrer Wohnung am Kaiserplatz 1, dem heutigen Bundesplatz. Gemeinsame Kinder des Ehepaares konnten nicht ermittelt werden.

Ab dem 1. Oktober 1941 war sie beim Reichsarbeitsdienst verpflichtet. Sie wurde mit dem sog. „ IX Transport“ am 19. Januar 1942 gemeinsam mit 1009 Berlinerinnen und Berlinern nach Riga deportiert und dort ermordet.

Recherche und Text: Birgitta Berhorst und Friedrich Berghald
Quellen: Gedenkbuch des Bundesarchivs,
Deportationsliste, IX. Transport