Engagiert gegen Einsamkeit

Menschen reichen sich die Hände

Bezirksstrategie „Engagiert gegen Einsamkeit in Tempelhof-Schöneberg“

Einsamkeit betrifft nicht nur einzelne Menschen und ihre Gesundheit, sondern stellt eine wachsende gesellschaftliche Herausforderung dar. Sie erschwert soziale Teilhabe, schwächt zwischenmenschliche Beziehungen und kann langfristig auch das Vertrauen in demokratische Institutionen beeinträchtigen. Eine hohe Einsamkeitsbelastung gefährdet damit sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt (Kompetenznetz Einsamkeit – KNE Expertise).

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Engagement gegen Einsamkeit zunehmend an politischer, sozialer und zivilgesellschaftlicher Bedeutung. Gerade Kommunen verfügen über besondere Schlüsselrolle, da sie nah an den Lebenswelten der Menschen agieren und soziale Infrastruktur unmittelbar gestalten können:

Schulen, Vereine, Nachbarschaften, soziale Einrichtungen, Orte der Daseinsvorsorge und Nahversorgung, sowie der öffentliche Raum sind Orte der Begegnung. Hier entstehen Zugehörigkeit, Beteiligung sowie Gemeinschaft und hier können den Herausforderungen wie Einsamkeit als auch soziale Isolation frühzeitig begegnet werden (Einsamkeit. Neue Anforderungen an lebendige Quartiere). Niedrigschwellige und kostengünstige Angebote, barrierearme Begegnungsorte sowie eine enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Zivilgesellschaft und Ehrenamt leisten dabei einen wirksamen Beitrag zur Prävention und Stärkung sozialer Teilhabe.

Besonders bürgerschaftliches Engagement erweist sich als wirksamer Schutzfaktor gegen Einsamkeit (Einsamkeitsbarometer 2024 – BMBFSFJ). Menschen, die sich regelmäßig engagieren, verfügen über stabilere soziale Netzwerke, erleben mehr Zugehörigkeit und berichten signifikant seltener von Einsamkeitsbelastungen. Freiwilliges Engagement wirkt nicht nur kurzfristig, sondern kann langfristig vor sozialer Isolation schützen. Ehrenamt stärkt damit nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch soziale Resilienz und gegenseitige Unterstützung im Alltag.

Mit der Initiative „Engagiert gegen Einsamkeit“ setzt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg seit 2024 ein klares Zeichen für mehr soziale Verbundenheit und Teilhabe. Ziel der Initiative ist es, die soziale Infrastruktur im Bezirk zu stärken, bestehende Angebote sichtbarer zu machen und relevante Akteur_innen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Ehrenamt, Bildung, Gesundheit und Nachbarschaft stärker miteinander zu vernetzen.

Im Ehrenamtsbüro wurde hierfür eine zentrale Koordinierungsstelle eingerichtet, die Maßnahmen bündelt, fachlichen Austausch ermöglicht und die Entwicklung einer langfristigen bezirklichen Strategie begleitet. Unter der Leitung der Beauftragten für Bürgerschaftliches Engagement und Einsamkeit, Christine Fidancan, entsteht derzeit die Bezirksstrategie „Engagiert gegen Einsamkeit“. Sie bildet die Grundlage für ein nachhaltiges kommunales Handlungskonzept zur Förderung von sozialer Teilhabe, Zusammenhalt und solidarischem Miteinander im Bezirk.

Die Initiative verbindet strategische Ansätze mit konkreten Maßnahmen vor Ort. Dazu gehören unter anderem Fachveranstaltungen, Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitskampagnen, die Sichtbarmachung bestehender Angebote sowie niedrigschwellige Projekte im öffentlichen Raum.

Mitmachen und beraten lassen

Sie möchten sich engagieren, ein eigenes Projekt sichtbar machen oder sich über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements informieren? Das Ehrenamtsbüro berät Interessierte zu passenden Einsatzmöglichkeiten und unterstützt bei der Vernetzung im Bezirk.

Kontakt

  • Ehrenamtsbüro
    Bezirksamt TempelhofSchöneberg

    Rathaus Schöneberg
    John-F.-Kennedy-Platz 1
    10825 Berlin

    Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement und Einsamkeit

    Christine Fidancan
    E-Mail an das Ehrenamtsbüro
    Telefon: (030) 90277-6051

Öffentlichkeitskampagne „Ich bin die Nachbarschaft“

Mit der Kampagne „Ich bin die Nachbarschaft“ macht das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Menschen, Gruppen und Initiativen sichtbar, die sich im Bezirk für Begegnung, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt engagieren.

Die porträtierten Personen stehen stellvertretend für die Vielfalt des Engagements gegen Einsamkeit – ob in Nachbarschaftsprojekten, Vereinen, Jugend- und Senior_innenarbeit, Inklusions- und Kulturprojekten, im Sport, in der Gesundheitsförderung oder an niedrigschwelligen Begegnungsorten im öffentlichen Raum.

Die Kampagne lädt dazu ein, Nachbarschaft als gemeinsamen sozialen Raum neu zu denken. Sie zeigt: Soziale Verbundenheit entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft aktiv gestalten.

Gerade in einer Großstadt wird deutlich, wie wichtig Orte und Menschen sind, die Begegnung ermöglichen und das Gefühl stärken, Teil einer Gemeinschaft zu sein. „Ich bin die Nachbarschaft“ möchte dieses Engagement sichtbar machen, vernetzen und weitere Menschen zum Mitmachen ermutigen.

Mitmachen und Engagement sichtbar machen

Sie möchten sich gegen Einsamkeit engagieren oder bestehende Angebote im Bezirk kennenlernen? Im Bezirk gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen, Menschen kennenzulernen und Nachbarschaft aktiv mitzugestalten.

Plakate und Postkarten zur Kampagne können außerdem über die allgemeine Kontaktadresse angefragt werden. Auch Fragen, Hinweise oder Interesse an einer Beteiligung an der Kampagne sind dort möglich.

Kontakt:
E-Mail an das Ehrenamtsbüro

Bild einer Langen Tafel

Pilotprojekt „Lange Tafel für Gemeinschaft“

Einsamkeit entsteht häufig im Alltag, insbesondere dort, wo soziale Kontakte fehlen, finanzielle Hürden bestehen oder der Zugang zu bestehenden Angeboten erschwert ist. Niedrigschwellige, offene Begegnungsformate im öffentlichen Raum gelten als wirksamer Ansatz, um soziale Teilhabe zu fördern und erste Kontaktpunkte zu schaffen.

Mit der „Langen Tafel für Gemeinschaft“ initiiert das Ehrenamtsbüro Tempelhof-Schöneberg gemeinsam mit der Organisationseinheit Sozialraumorientierte Planungskoordination (OESPK) ein sozialräumliches Pilotformat, das gezielt Begegnung, Austausch und Zugang zu Unterstützungsangeboten im Quartier ermöglicht. An einer langen, gemeinsam gestalteten Tafel kommen Menschen aus dem Quartier zusammen, um gemeinsam zu essen, ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen. Gemeinsames Essen ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Formen sozialer Verbindung. Die „Lange Tafel“ nutzt diesen Ansatz gezielt als niedrigschwelligen Einstieg in soziale Interaktion und als Brücke zu weiterführenden Angeboten im Bezirk.

Weitere Informationen

Bild eines Netzwerktreffens

Netzwerk gegen Einsamkeit Tempelhof Schöneberg

Das im Oktober 2024 gegründete Netzwerk vereint heute mehr als 70 Organisationen, Initiativen, Vereine und Fachstellen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft. Einsamkeit wird im Netzwerk als Querschnittsthema verstanden, das nur durch vernetztes Handeln wirksam adressiert werden kann. Die Netzwerkarbeit verbindet fachlichen Austausch, Kooperation und gemeinsame Projektentwicklung; in regelmäßigen Treffen werden Wissen geteilt, Bedarfe identifiziert und Synergien hergestellt.

Die Netzwerkarbeit fußt auf einer klaren Vision: eine Gesellschaft, in der sich niemand dauerhaft einsam fühlen muss. Die Mission ist es, Einsamkeit im Bezirk nachhaltig zu reduzieren, Begegnungsräume zu schaffen und soziale Teilhabe in unterschiedlichen Lebenslagen zu fördern. Werte wie Zusammenhalt, Offenheit, Partizipation, Vielfalt und Nachhaltigkeit sind Leitlinien des Handelns. Das Netzwerk bleibt bewusst offen für neue Akteur_innen, um unterschiedliche Perspektiven und Zielgruppen einzubeziehen.

Weitere Informationen

Die Netzwerktreffen finden drei mal jährlich in regelmäßigen Abständen statt und legen unterschiedliche inhaltliche und organisatorische Schwerpunkte.

Lisa Paus bei der Verleihung des Gemeinschaftspreises

Gemeinschaftspreis des Bezirksbürgermeisters zur Würdigung von Engagement gegen Einsamkeit

Der 2025 erstmals vergebene Gemeinschaftspreis würdigt Projekte, Initiativen und Einzelpersonen, die sich durch besondere Wirksamkeit und Engagement gegen Einsamkeit auszeichnen. Die Auszeichnung ist als Anerkennung, Inspiration und Sichtbarmachung gemeint: Sie macht deutlich, wie viel zivilgesellschaftliche Kraft im Bezirk vorhanden ist und wie unterschiedlich Begegnungsangebote gestaltet werden können.

Als erste Berliner Kommune setzt Tempelhof-Schöneberg damit ein deutliches Zeichen für die Bedeutung lokaler Initiativen, die soziale Isolation überwinden und Nachbarschaften stärken. Die unabhängige Jury wählte aus 18 Einreichungen fünf Projekte aus, die in besonderer Weise zeigen, wie vielfältig, kreativ und wirkungsvoll Engagement gegen Einsamkeit im Bezirk bereits heute gelebt wird.

Aus den Einreichungen lassen sich typische Angebotskategorien ableiten: offene Begegnungs und Treffangebote, Beratungs und Peer Strukturen, kultur und bildungsorientierte Formate, bewegungs und gesundheitsbezogene Angebote sowie partizipative, selbstorganisierte Initiativen. Charakteristisch sind niedrigschwellige, beziehungsorientierte und sozialräumlich verankerte Angebote mit einem Fokus auf Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit.

Die unabhängige Jury bewertete die Einreichungen anhand der Werte des Netzwerks (Zusammenhalt, Offenheit, Partizipation, Vielfalt, Nachhaltigkeit) und klassischen Kriterien wie Reichweite, Innovationsgrad, Wirksamkeit und Vorbildfunktion.

Interview mit Bolu Ajibawo, dem Gewinner des Gemeinschaftspreises 2025

Ausschreibung zum Gemeinschaftspreis 2026

Bezirksbürgermeister Oltmann beim Fachtag

Fachtagreihe „Engagiert gegen Einsamkeit“

Ein zentraler Bestandteil der Initiative „Engagiert gegen Einsamkeit“ in Tempelhof-Schöneberg ist die jährlich stattfindende Fachtagreihe gleichen Namens. Sie bringt Wissenschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Praxisakteur*innen zusammen und schafft Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Strategien gegen Einsamkeit im Bezirk.

Die Fachtage verfolgen das Ziel, Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung differenziert zu betrachten, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit lokalen Erfahrungen zu verbinden und konkrete kommunale Handlungsperspektiven zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere niedrigschwellige Ansätze, sozialräumliche Perspektiven und die Frage, wie soziale Verbundenheit im Alltag gestärkt werden kann.

Weitere Informationen

Illustration einer Plauderbank

Pilotprojekt Plauderbänke in Tempelhof-Schöneberg: Patenschaften für 2026 gesucht

Plauderbänke können Orte der Begegnung schaffen, Barrieren abbauen und spontane Gespräche ermöglichen – ein niedrigschwelliger Beitrag gegen Einsamkeit im Alltag. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg sollen im kommenden Jahr erste Pilotstandorte realisiert werden. Damit dieses Vorhaben gelingt, braucht es engagierte Organisationen, die Verantwortung übernehmen und das Projekt aktiv mitgestalten.

Wir möchten daher alle Initiativen, Vereine, Nachbarschaftsprojekte, sozialen Träger und engagierten Gruppen im Bezirk herzlich einladen, ab 2026 eine Patenschaft für eine Plauderbank zu übernehmen.

Was bedeutet eine Patenschaft?

Eine Patenschaft umfasst kleine, aber wirkungsvolle Aufgaben – von der regelmäßigen Sichtprüfung über die Unterstützung bei der Ansprache der Nachbarschaft bis hin zur Beteiligung an Aktionen, die das Gespräch am Ort fördern. Patenschaften können flexibel an die Kapazitäten der Organisationen angepasst werden.

Plauderbänke entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn sie in vorhandene Strukturen eingebettet sind, lokale Akteur_innen einbezogen werden und die Nachbarschaften sich mit dem Ort identifizieren. Dafür braucht es Partner, die den Gedanken der offenen Begegnung mittragen.

Wobei wir Ihre Unterstützung benötigen:

  • Auswahl geeigneter Standorte in Ihrem Umfeld oder Quartier
  • Einschätzung zur Nutzbarkeit bestehender Bänke oder Bedarf neuer Standorte
  • Kreative Vorschläge zur Gestaltung (z. B. gemeinsam mit Jugendlichen oder Senior_innen)
  • Ideen zur zielgruppensensiblen Ansprache und begleitenden Kommunikation
  • Mitwirkung bei Pflege, Sichtbarkeit und niedrigschwelliger Aktivierung
  • Hinweise zu möglichen Förder- oder Sponsoringpartnern

Ihr Mehrwert als Partnerorganisation:

  • Sichtbare Positionierung für soziale Teilhabe im Bezirk
  • Stärkung Ihrer lokalen Netzwerke
  • Möglichkeit, eigene Zielgruppen einzubeziehen (z. B. Workshops, Beteiligungsprojekte)
  • Beitrag zur Bezirkstrategie „Engagiert gegen Einsamkeit“
  • Präsenz auf Plaketten, QR-Codes und Kommunikationsmaterialien des Netzwerks

Wir freuen uns sehr, wenn Sie sich am Aufbau der ersten Plauderbänke in Tempelhof-Schöneberg beteiligen und das Projekt gemeinsam mit uns zu einem sichtbaren Zeichen der Verbundenheit entwickeln.

Bitte senden Sie Ihre Interessenbekundung oder ergänzende Ideen bis zum an: E-Mail an das Ehrenamtsbüro

Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, Begegnung im Alltag aktiv zu fördern.

Ehrenamtsbüro

Rathaus Schöneberg
John-F.-Kennedy-Platz 1
10825 Berlin

Zimmer 120-122

Beauftragte und Team

Sprechzeiten:
Nach Vereinbarung