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Wie ein gemeinsames Essen Zusammenhalt stärkt und gegen Einsamkeit wirkt: Bolu Ajibawo Gewinner Gemeinschaftspreis 2025 im Interview

Frühstückstisch des Dorfcafés Foto 2

Ob in dramatischen Einzelfällen oder in ganz alltäglichen Momenten, Einsamkeit zeigt sich oft genau dort, wo Nachbarschaft eigentlich Nähe versprechen sollte: mitten im direkten Umfeld, Tür an Tür, und doch ohne Verbindung. Diese Beobachtung war für Bolu Ajibawo mehr als ein Gedanke, sie wurde zum Ausgangspunkt für eine einfache, aber wirkungsvolle Idee: Menschen in der Nachbarschaft wieder miteinander in Kontakt zu bringen. Denn wie selbstverständlich sollte es eigentlich sein, die Menschen zu kennen, die nur wenige Schritte entfernt leben und doch ist genau das für viele längst nicht mehr Realität.

Einsamkeit beginnt im Alltag

Das Konzept ist bewusst offen gehalten: Einmal im Monat treffen sich Nachbar_innen zum gemeinsamen Frühstück, dem Dorfcafé. Keine Anmeldung, keine Hürden, wer kommt, ist da. Die Zielgruppe? „Alle“, sagt der Initiator eines Tempelhofer-Schöneberger Nachbarschaftsfrühstücks. „Unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation.“ Sein Verständnis von Einsamkeit geht dabei über das Offensichtliche hinaus. Es geht nicht nur um das isoliert sein, sondern um fehlende Verbindung:
„Einsamkeit ist letztlich ein Mangel an Liebe.“

Sie zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Momenten:

  • Man geht aneinander vorbei, ohne sich zu kennen
  • Man braucht Hilfe und weiß nicht, wen man fragen kann
  • Man isst allein, obwohl man sich Gesellschaft wünscht
  • Man hat tagelang kein Gespräch mit einem anderen Menschen

„Es fühlt sich an, als würde man nicht wirklich existieren“, beschreibt er. „Nicht als Mensch, sondern als anonymer Teil der Umgebung.“

Die Idee hinter dem Dorfcafé ist so schlicht wie strategisch: gemeinsames Essen als sozialer Anker. „Essen ist ein kraftvoller sozialer Verbinder“, sagt Bolu Ajibawo. „Es schafft Nähe ohne große Hürden.“

Frühstückstisch des Dorfcafés

Gemeinsames Essen als soziale Infrastruktur

Das Format folgt einer klaren Logik:

  • fester Termin: einmal im Monat
  • niedrigschwelliger Zugang: keine Verpflichtung, einfach kommen
  • vertraute Aktivität: gemeinsam frühstücken

Die Ansprache erfolgt über verschiedene Kanäle von Flyern in Briefkästen über Nachbarschaftsplattformen bis hin zu direkten Gesprächen auf der Straße. Inzwischen organisiert sich die Gruppe zusätzlich über eine eigene Messenger-Community.

Wenn aus Begegnungen Beziehungen werden

Die Wirkung zeigt sich nicht in Zahlen, sondern in Veränderungen im Alltag. „Menschen kommen regelmäßig, bringen Essen mit und freuen sich, Teil des Frühstücks zu sein“, berichtet der Initiator. Die Rückmeldungen seien eindeutig: Dankbarkeit, Wiederkommen, Engagement.

Auch persönlich hat sich für ihn etwas verschoben: „Ich habe engere Beziehungen aufgebaut und fühle mich heute deutlich wohler dabei, um Hilfe zu bitten oder Kontakt aufzunehmen.“

Genau darin liegt der eigentliche Impact solcher Initiativen: Sie verschieben soziale Schwellen. Aus anonymen Nachbarschaften werden Beziehungsräume.

Was solche Projekte tragen und was ihnen fehlt

Damit ein Angebot wie dieses funktioniert, braucht es mehr als eine gute Idee. „Jemand muss den ersten Schritt machen“, sagt er. „Einladen, organisieren, dranbleiben.“ Engagement einer Person, die Verantwortung übernimmt, ist der zentrale Motor.

Hinzu kommen strukturelle Faktoren:

  • ein verlässlicher Ort
  • klare Routinen (Zeit & Rhythmus)
  • anfängliche Ressourcen

Gerade Letzteres war entscheidend: Eine Förderung übernahm zu Beginn die Kosten für das Essen und senkte so die Einstiegshürde.

Doch genau hier liegen auch die Grenzen: „Eine der größten Herausforderungen bleibt die Suche nach einem festen Ort.“ Ein eigener Raum würde Stabilität schaffen ist aber schwer zu realisieren.

Preisträger Bolu Ajibawo mit Trophäe des Gemeinschaftspreises

Eine Idee für die ganze Stadt

Trotz dieser Hürden ist die Vision klar und skalierbar. „Einfach anfangen“, lautet sein Rat an andere Initiativen. „Nicht alle werden kommen. Aber die, die kommen, machen den Aufwand mehr als wett.“

Langfristig denkt er größer: Ein monatlicher, stadtweiter „Frühstückstag“, an dem sich Nachbarschaften gleichzeitig treffen. „Wenn es eine zentrale Unterstützung gäbe und ein fester Termin etabliert würde, könnte das einen echten Beitrag gegen Einsamkeit leisten.“

Denn das Ziel ist nicht, Einsamkeit vollständig zu beseitigen. Sondern etwas anderes „Verbundenheit soll zu einer bewussten und erreichbaren Wahl werden.“

Das Ehrenamtsbüro Tempelhof-Schöneberg veranstaltet gemeinsam mit der Stelle für Koordination und Beteiligung (OE SPK) und der mobilen Stadtteilarbeit im Sommer 2026 erstmals die „Lange Tafel” – ein niedrigschwelliges Begegnungsformat, das die Idee weiterentwickelt: Drei Mal, an drei verschiedenen Orten im Regionen im Bezirk, lädt die Lange Tafel alle ein, die einfach dabei sein möchten, zum Essen, Reden und Kennenlernen. Ganz ohne Anmeldung.

  • 20. Juni 2026, 17:00 bis 19:00 Uhr
    Grazer Platz (Friedenau)
  • 25. Juli 2026, 17:00 bis 19:00 Uhr
    Jugendfreizeiteinrichtung Bungalow (Mariendorf)
  • 22. August 2026, 15:00 bis 17:00 Uhr
    Bahnhofstraße/Pfarrer-Lütkehaus-Platz (Lichtenrade)
  • 29. August 2026, 17:00 bis 19:00 Uhr
    Kiepertplatz (Marienfelde)

Mehr als ein Frühstück

Aus der ursprünglichen Initiative ist inzwischen mehr entstanden. Mit Projekten wie „The Analog Circle“ entwickelt der Initiator Räume für bewusste Begegnung weiter, insbesondere für Menschen, die neu in Berlin und Deutschland sind. Doch der Kern bleibt derselbe: Menschen zusammenbringen. Räume schaffen, in denen Beziehung entstehen kann. Oder, einfacher gesagt: Dafür sorgen, dass niemand unbemerkt verschwindet.

Gemeinschaftspreis des Bezirksbürgermeisters 2026: Engagement gegen Einsamkeit gesucht

Einsamkeit betrifft viele Menschen, auch in Tempelhof-Schöneberg. Sie ist längst zu einer gesellschaftlichen Herausforderung geworden, die gemeinsames Handeln erfordert.

Um genau dieses Engagement sichtbar zu machen, wird auch 2026 wieder der Gemeinschaftspreis vergeben. Ausgezeichnet werden Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die Nachbarschaften stärken, Begegnung ermöglichen und sich konkret vor Ort gegen Einsamkeit einsetzen.

Gesucht werden Projekte im Bezirk, die zeigen, wie gelebter Zusammenhalt im Alltag aussehen kann, denn: Niemand soll isoliert sein.
Bewerbungen und Vorschläge sind noch bis zum 13. April 2026 per E-Mail an das Ehrenamtsbüro möglich.

Ehrenamtsbüro

Rathaus Schöneberg
John-F.-Kennedy-Platz 1
10825 Berlin

Zimmer 120-122

Beauftragte und Team

Sprechzeiten:
Nach Vereinbarung