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Sprachförderung mit digitalen Medien

Drei Kinder sitzen auf Laptop-Tastatur und betrachten das Display

Sprachförderung mit digitalen Medien - geht das? Der Weg des SFZ zur Digitalisierung

1. Ausgangssituation

Aktives Sprechen, in einen Dialog treten und der Austausch von Gedanken zwischen Kindern untereinander und mit den Erwachsenen ist etwas Grundlegendes in der Sprachentwicklung und braucht idealerweise direkten Kontakt.
Diesen Standard pflegt das Sprachförderzentrum Berlin-Mitte (SFZ).
Jedoch: Alle wissen, wie einschneidend die Schließung der Bildungseinrichtungen war und ist und wie ratsuchend das pädagogische Personal der Situation noch immer gegenübersteht. Während es in den Oberschulen schon eine Reihe von Angeboten zum digitalen Unterricht gibt, stehen Grundschulen oder gar Kitas noch völlig am Anfang. So werden in Kitas und Grundschulen WhatsApp Gruppen organisiert, Links mit Hinweisen zu Apps verschickt oder Handreichungen produziert, die dann persönlich abzuholen sind oder per Mail verschickt werden. Technisch Fortgeschrittene drehen vielleicht sogar YouTube Videos. All dies ist aber noch keine zufriedenstellende Digitalisierung des Unterrichts.

2. Auseinandersetzung mit digitalen Medien in der Sprachförderung

Folgende Fragen ergeben sich:
  • Wie können die Kinder zu Hause erreicht werden?
  • Welche Möglichkeiten haben Bildungseinrichtungen die Kinder zu erreichen?
  • Wie kann eine sinnvolle Förderung/Bildung mit digitalen Medien aussehen?

Auch wenn das SFZ den direkten Kontakt der Kinder untereinander und mit dem pädagogischen Fachpersonal immer noch für die beste Möglichkeit der Bildung hält, ist es in der nächsten Zeit unumgänglich, sich mit den Möglichkeiten des digitalen Unterrichts zu beschäftigen.

Um die Kolleg*innen in den Einrichtungen zu diesem Thema besser unterstützen zu können, beschäftigt sich das Team des Sprachförderzentrums Berlin-Mitte intensiv mit den Möglichkeiten der digitalen Sprachförderung.

3. Erfahrungen und Arbeitsergebnisse aus den letzten Monaten

Online-Seminare
Um sich dem digitalen Thema zu nähern, gibt es mittlerweile viele Onlineseminare. Team-Mitglieder haben selbst an einigen teilgenommen und damit die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht.
Sehr empfehlenswert sind die Webinare vom OER-Camp: https://www.oercamp.de/webinare/
Auf dieser Internetseite gibt es eine Vielzahl von Seminarmitschnitten, auf die immer wieder zurückgegriffen werden kann, wenn man unterschiedliche Tools in seinen Unterricht, aber auch in seine Webkonferenzen einbauen möchte.

Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen worden sind, wird auch das SFZ einige eigene Veranstaltungen als Onlineseminare anbieten. Hinweise hierzu finden sich demnächst auf der SFZ-Homepage.

Apps, Tools und Internetseiten
Zu Beginn der Recherche wurden unterschiedliche Apps, Tools und Internetseiten gesichtet, die auch den Eltern empfohlen werden können. Eine Zusammenstellung kann auf folgendem Padlet (digitale Pinnwand) eingesehen werden: https://t1p.de/vx0o
Es gibt schon sehr viele Apps, die sich mit Sprache auseinandersetzen, doch keine ist zu 100% zufriedenstellend. Viele Apps sind von Informatikern ohne pädagogischen Hintergrund erstellt worden. Dabei sind didaktische Gesichtspunkte oft nicht ausreichend umgesetzt. Manche Apps enthalten Werbung und bei wieder anderen ist nicht ersichtlich, wie sie es mit dem Datenschutz halten.
Zudem ist erforderlich, dass Kinder an die Bedienung der Apps herangeführt werden, warum sie dieses Spiel spielen und wie sie erkennen können, ob sie erfolgreich waren oder auch wie sie erfolgreicher werden können.

Die Zukunftsvision des SFZ ist, mit einem technisch versierten Partner eine eigene webbasierte App zu erstellen, die einer erfolgsversprechenden Förderung gerecht wird.

Erstellung von digitalen Unterrichts- und Fördereinheiten durch Lehrkräfte
Die Mehrzahl des pädagogischen Personals hat festgestellt, dass digitaler Unterricht sehr zeitaufwendig ist. Manche Sachen könnte man persönlich einfacher und meist sogar besser machen. Daher erscheint es sinnvoll, an dem analogen Gedanken festzuhalten, denn: Kinder brauchen den direkten und aktiven Kontakt mit Sprachvorbildern.
Trotzdem will sich das SFZ der digitalen Herausforderung stellen.

Unterrichten mit digitalen Medien erfordert einen souveränen Umgang mit Geräten und Programmen. Doch die Erstellung von Arbeitsblättern und Präsentationen reicht für den digitalen Unterricht allein nicht aus, denn Onlineunterricht muss ganz anders geplant werden: Zur Planung der fachlichen und sprachlichen Inhalte, des zeitlichen Ablaufs und der didaktisch-methodischen Maßnahmen kommen zwei weitere notwendige Aspekte hinzu:
  • Die komplexe Planung der technischen Umsetzung (Mit welchem Programm kann ich Gruppenarbeit gestalten? Gibt es dieses Programm kostenlos? Welche Kameraperspektive brauche ich, damit die Kinder etwas sehen? usw.)
  • Datenschutz und Urheberrecht
    Diese beiden Aspekte stellen enorme Anforderungen an das pädagogische Personal. Es will genau überlegt sein, mit welchen Tools welche Inhalte oder Methoden vermittelt werden können/dürfen.
    Der LERNRAUM BERLIN bietet in einem geschützten Raum eine Vielfalt an Möglichkeiten, um Aufgaben interessant digital aufzubereiten und auch die Schüler miteinander/unter-
    einander zu verknüpfen, Spiele herzustellen, Umfragen und Auswertungen klassenabhängig vorzubereiten.
    Unter anderem steht das Programm H5P mit seinen abwechslungsreichen interaktiven Übungen zur Verfügung. Des Weiteren können BigBlueButton (BBB) -Konferenzen durchgeführt werden, in denen auch die Teilnehmenden aktiv eingebunden werden können, so dass ein nachhaltiger Unterricht möglich ist.

Die Erstellung von kleinen Fördereinheiten sieht das SFZ-Team als machbar an und setzt hier den Schwerpunkt seiner unterstützenden Arbeit.

Erstellung von Lernvideos
Lernvideos eignen sich hervorragend zur Visualisierung von unterschiedlichen Themen. Es gibt hierzu viele gute Beispiele im Netz.
Trotzdem soll ein weiterer Schwerpunkt der digitalen SFZ-Arbeit auf der Produktion von Lernfilmen mit der Legetechnik liegen, um spezielle Inhalte für Kinder, aber auch für Eltern und Kolleg*innen zu vermitteln.

Der erste Film ist in Arbeit und richtet sich an Eltern, die zur Deutsch+4-Testung eingeladen sind. Auf diesem Weg wird den Eltern die gesetzliche Lage zur Sprachstandsfeststellung verdeutlicht.

4. Probleme/ Stolpersteine

Beim digitalen Unterricht ergeben sich auch unlösbare Probleme:

Hardware: Wie ist die tatsächliche Ausstattung der Familien mit digitalen Geräten. Manche Familien verfügen über PCs, Laptops, Tablets, andere nutzen nur Smartphones. Was sehen die Kinder dann tatsächlich und können sie die entsprechenden Aufgaben mit dem jeweiligen Gerät überhaupt bearbeiten.

Software: Auch wenn die geeignete Hardware vorhanden ist, kann eine entsprechende Software fehlen. Manche Apps und Tools laufen nur auf bestimmten Betriebssystemen.

Tools und Apps: Es gibt eine Unmenge an Tools, Apps und Websites für den Unterricht. Der Umgang damit und die Überprüfung auf die Eignung für den eigenen Unterricht bedarf einer zeitlich umfangreichen Einarbeitung, d.h. die Zeit für die Vorbereitung einer Unterrichtssequenz dauert erheblich länger.
Viele interessante Apps und Tools müssen käuflich erworben werden. Leider stehen hierfür noch keine Gelder zur Verfügung.

Das SFZ-Team hat folgende Lösungsvorschläge:
  • Es sollten nicht nur Laptops, sondern auch andere technische Geräte wie Mikrophone, Kameras usw. für den digitalen Unterricht angeschafft werden.
  • Die Kosten für Zugänge zu Apps und Plattformen sollten übernommen werden.
  • Für die Kolleg*innen sollte mehr Zeit für die Vorbereitung und mehr qualitative Fortbildungen bezüglich der technischen Umsetzung, aber vor allem auch bezüglich der didaktischen Arbeit bereitgestellt werden.
  • Es muss eine rechtliche Sicherheit für Anwender bei der Verwendung von Onlinetools, Plattformen und Apps geschaffen werden.

5. Konsequenzen

Zusammenfassend kann gesagt werden, auch wenn Sprachförderung mit digitalen Medien nicht die ideale Form der Sprachförderung ist, hat sich das SFZ auf den Weg gemacht, um möglichst sinnvolle Anwendungen zu entwickeln.
Bei wiederkehrenden Einschränkungen des Präsenzunterrichts müssen digitale Angebote und Lösungen zur Verfügung stehen, damit die Bildung der Kinder nicht auf der Strecke bleibt und alle weiterhin mit ihnen im Dialog bleiben.

© Susanne Roane, Heike Schimkus
Sprachförderzentrum Berlin Mitte