Nach der Auflösung der sowjetischen Blockade West-Berlins verschärften sich die Spannungen zwischen den beiden Großmächten USA und UdSSR zusehends zu einem fortlaufenden politisch-ideologischen Kampf um die systemische Überlegenheit, der sich bereits im Jahr 1950 ganz real mit dem Beginn des Koreakrieges äußern sollte. Die Vereinigten Staaten begannen, nach innen wie nach außen, ihre politischen, ideellen und materiellen Ressourcen für den Abwehrkampf gegen den Kommunismus zu mobilisieren. In der Gemengelage aus einer amerikanischen Schutzgarantie für West-Berlin, dem gemeinsamen Willen zur militärischen Westintegration der Bundesrepublik Deutschland, dem Koreakrieg und der Intensivierung der Drohgebärden und Propaganda gegen die Sowjetunion ist die Entstehungsgeschichte der Berliner Freiheitsglocke anzusiedeln.
Die Idee für diese Weltfreiheitsglocke wurde innerhalb des Nationalkomitees für ein freies Europa, das im Mai 1949 als Anlaufstelle und Plattform für politische Geflüchtete aus Osteuropa und die Verwirklichung ihrer demokratischen Ideale gegründet wurde, entwickelt. Gleichzeitig sollte eine Radiostation zur Ausstrahlung landessprachlicher Programme weit in den sowjetischen Einflussbereich hinein und nach dem Vorbild des Rundfunks im amerikanischen Sektor (RIAS) etabliert werden. Für die Finanzierung dieses Senders aus Spenden der amerikanischen Bevölkerung wurde ein symbolkräftiges Wahrzeichen erwogen, das patriotische Gefühle wecken und zu einem Erkennungszeichen für den Freiheitskampf unterdrückter Völker werden konnte. Die Entscheidung fiel auf die Anfertigung einer Replik der amerikanischen Liberty Bell – jener Glocke, die im Jahr 1776 die amerikanische Unabhängigkeit einläutete und als nationales Heiligtum der Vereinigten Staaten wie kein zweites Objekt die Werte der
Freiheit und Selbstbestimmung verkörpert. Angelehnt an die Reisetätigkeit des Originals, das in seiner Geschichte symbolträchtig zu Ausstellungs- und Vergegenwärtigungszwecken mehrfach das Land durchquerte, sollte die neu anzufertigende Berliner Freiheitsglocke ebenfalls eine Reise durch 26 Bundesstaaten der USA antreten – dieses Mal allerdings eingebettet in eine offen antikommunistische Kampagne unter dem Titel Kreuzzug für die Freiheit.