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75 Jahre Freiheitsglocke in Berlin - Die Geschichte der Berliner Freiheitsglocke

Banner 75 Jahre Freiheitsglocke in Berlin

Ein Beitrag aus der Broschüre “75 Jahre Freiheitsglocke in Berlin 1950 – 2025”

von Andreas Baudisch
Kunsthistoriker und Fotograf

Berliner Nachkriegsjahre und die Teilung einer Stadt

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen Deutschland und insbesondere seine Hauptstadt Berlin als ehemaliges Machtzentrum der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor den großen Aufgaben der Beseitigung von Kriegsschäden und des Neuaufbaus seiner baulichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Im Jahr 1945 lebten noch ungefähr 2,8 Millionen Einwohner_innen der vormals vier Millionen Menschen zählenden Metropole im Stadtgebiet. In den Monaten Juli und August desselben Jahres einigten sich die vier Siegermächte gemäß den Londoner Zonenprotokollen über die Aufteilung und Administration von Berlin. Mit der Einrichtung der Alliierten Kommandantur in Berlin-Dahlem und des Alliierten Kontrollrates im ehemaligen Kammergerichtsgebäude in der Elßholzstraße in Schöneberg verfolgten die Siegermächte anfänglich noch das Ziel, gemeinsam an einer gesamtdeutschen Lösung für die Hauptstadt und das Staatsgebilde zu arbeiten. Grundlegende Meinungsverschiedenheiten sowie die Auseinandersetzung um Macht und Einflusszonen zwischen Ost und West ließen in den folgenden Jahren die Unvereinbarkeit der politischen Vorstellungen der West-Alliierten mit denen der Sowjetunion offenkundig werden und führten schließlich zur Beendigung jeglicher Zusammenarbeit am 16. Juni 1948, als der sowjetische Stadtkommandant die Sitzung der Alliierten Kommandantur verließ. Die Teilung Berlins und Deutschlands wurde unumstößliche Realität für mehr als 40 Jahre.

Berlin-Blockade und Luftbrücke

Die Diskrepanzen zwischen den beiden Machtblöcken spitzten sich – folgenreich für Berlin und seine Bevölkerung – bereits am 19. Juni 1948 mit dem Beginn der Blockade von Land- und Wasserwegen zwischen den Westsektoren der Stadt und den Westzonen des Landes durch die Sowjetunion drastisch zu. West-Berlin wurde von der Versorgung mit Lebensmitteln, Strom, Brennstoffen und fast allen Gütern des alltäglichen Lebens aus der Sowjetischen Besatzungszone abgeschnitten.

Flugzeuge auf einem großen betonierten Gelände

Flieger auf dem Flughafen Tempelhof

Auf Initiative des Militärgouverneurs der amerikanischen Besatzungszone, General Lucius D. Clay, wurde eine Luftbrücke für die Versorgung der Berliner Bevölkerung eingerichtet, die für elf Monate in einem beispiellosen Kraftakt mit über 550.000 Hin- und Rückflügen sowie 2,3 Millionen Tonnen transportierten Gütern bis zum 12. Mai 1949 aufrechterhalten wurde. Das Durchhalten der fast einjährigen Blockade veränderte das Bewusstsein und das Zusammengehörigkeitsgefühl der West-Berliner Bevölkerung gravierend und führte zu einer neuen Wahrnehmung gegenüber den vormaligen Besatzern als verbündete Schutzmächte. Allen voran die Vereinigten Staaten, die sich mit einem umfassenden Aufbauprogramm, dem European Recovery Program (Marshallplan), als tatkräftige Unterstützer des infrastrukturellen und ökonomischen Wiederaufbaus der späteren Bundesrepublik und West-Berlins etablierten. Nachdem bereits in den ersten Nachkriegsjahren die für ganz Berlin gewählte Stadtverordnetenversammlung durch kommunistische Demonstrant_innen wiederholt in ihrer Arbeit gestört wurde, wich die Mehrheit der Abgeordneten am 6. September 1948 in den Westteil der Stadt aus. Im Januar 1949 wurde das Rathaus Schöneberg als Sitz der neuen Stadtverordnetenversammlung und später als Abgeordnetenhaus von West-Berlin eingerichtet.

Mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 und der Proklamation der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 manifestierten sich endgültig die Teilung Deutschlands und Berlins sowie die tiefgreifenden Veränderungen im Verhältnis von Amerikanern, Briten, Franzosen und (West-)Deutschen untereinander sowie gegenüber der Sowjetunion. Die Luftbrücke der Alliierten hatte aus den Siegern Beschützer werden lassen. Zudem hatte die Standhaftigkeit der Berliner Bevölkerung den Glauben der USA und der internationalen Gemeinschaft bestärkt, dass die Deutschen zur Demokratie fähig seien.

Die Idee für die Freiheitsglocke und der Kreuzzug für die Freiheit

Nach der Auflösung der sowjetischen Blockade West-Berlins verschärften sich die Spannungen zwischen den beiden Großmächten USA und UdSSR zusehends zu einem fortlaufenden politisch-ideologischen Kampf um die systemische Überlegenheit, der sich bereits im Jahr 1950 ganz real mit dem Beginn des Koreakrieges äußern sollte. Die Vereinigten Staaten begannen, nach innen wie nach außen, ihre politischen, ideellen und materiellen Ressourcen für den Abwehrkampf gegen den Kommunismus zu mobilisieren. In der Gemengelage aus einer amerikanischen Schutzgarantie für West-Berlin, dem gemeinsamen Willen zur militärischen Westintegration der Bundesrepublik Deutschland, dem Koreakrieg und der Intensivierung der Drohgebärden und Propaganda gegen die Sowjetunion ist die Entstehungsgeschichte der Berliner Freiheitsglocke anzusiedeln.

Die Idee für diese Weltfreiheitsglocke wurde innerhalb des Nationalkomitees für ein freies Europa, das im Mai 1949 als Anlaufstelle und Plattform für politische Geflüchtete aus Osteuropa und die Verwirklichung ihrer demokratischen Ideale gegründet wurde, entwickelt. Gleichzeitig sollte eine Radiostation zur Ausstrahlung landessprachlicher Programme weit in den sowjetischen Einflussbereich hinein und nach dem Vorbild des Rundfunks im amerikanischen Sektor (RIAS) etabliert werden. Für die Finanzierung dieses Senders aus Spenden der amerikanischen Bevölkerung wurde ein symbolkräftiges Wahrzeichen erwogen, das patriotische Gefühle wecken und zu einem Erkennungszeichen für den Freiheitskampf unterdrückter Völker werden konnte. Die Entscheidung fiel auf die Anfertigung einer Replik der amerikanischen Liberty Bell – jener Glocke, die im Jahr 1776 die amerikanische Unabhängigkeit einläutete und als nationales Heiligtum der Vereinigten Staaten wie kein zweites Objekt die Werte der Freiheit und Selbstbestimmung verkörpert. Angelehnt an die Reisetätigkeit des Originals, das in seiner Geschichte symbolträchtig zu Ausstellungs- und Vergegenwärtigungszwecken mehrfach das Land durchquerte, sollte die neu anzufertigende Berliner Freiheitsglocke ebenfalls eine Reise durch 26 Bundesstaaten der USA antreten – dieses Mal allerdings eingebettet in eine offen antikommunistische Kampagne unter dem Titel Kreuzzug für die Freiheit.

Grafik mit den Umrissen zweier Kontinente mit einem eigezeichneten Weg

Route der Freiheitsglocke durch die USA und nach Europa

mehrere Pakete. Auf einem ist eine Liste mit Unterschriften angebracht.

Pakete mit Unterschriften von amerikanischer Bürger_innen, die das Manifest für die Freiheit unterzeichnet haben.

Dessen Durchführung und der Aufbau der Radiostation wurden dem damaligen Vorsitzenden des Nationalkomitees und mit Berlins junger Nachkriegsgeschichte bereits eng verbundenen General Lucius D. Clay übertragen. Im Zusammenhang mit der Glockenreise, die sich im Nachhinein als von der Regierung und dem Geheimdienst der Vereinigten Staaten mitfinanziert herausstellte, unterzeichneten ungefähr 16 Millionen amerikanische Bürger_innen eine Unterschriftenliste mit dem Freiheitsschwur und spendeten 1,3 Millionen Dollar für die Glockenanfertigung und den Aufbau der Radiostation Radio Freies Europa. Diese ging erstmals am 4. Juli 1950, dem Nationalfeiertag zum Gedenken an die Unabhängigkeitserklärung der USA, von München aus auf Sendung.

Die Berliner Freiheitsglocke

mehrere Personen stehen vor einer großen Glocke

Mitarbeiter_innen der Firma Gillett & Johnston mit der Freiheitsglocke an den Docks in London

Die Berliner Freiheitsglocke wurde von der britischen Firma Gillett & Johnston, die im Jahr 1844 im Londoner Stadtteil Croydon gegründet wurde, als größte nach dem Zweiten Weltkrieg dort gegossene Glocke angefertigt. Der Entwurf stammt von dem amerikanischen Architekten und Industriedesigner Walter D. Teague und dem britischen Bildhauer Atri Brown. Der Obersatz ist mit einem umlaufenden Fries aus Lorbeerblättern als Symbol des Friedens verziert. Auf der Flanke sind fünf unterschiedlich gestaltete, stehende Figuren als Vertreter der Menschheit mit seitlich ausgestreckten Armen zu sehen, die untereinander verbunden in ihren Händen jeweils eine brennende Fackel als symbolische Flamme der Freiheit halten. Auf dem Schlagring befindet sich die Inschrift: „That this world under god shall have a new birth of Freedom.“ (zu Deutsch: „Möge diese Welt mit Gottes Hilfe eine Wiedergeburt der Freiheit erleben“.) – eine Abwandlung eines Zitats von Abraham Lincoln aus seiner Rede von Gettysburg vom 19. November 1863, in der er das demokratische Selbstverständnis der Vereinigten Staaten von Amerika, das für die zukünftigen Generationen maßgeblich prägend werden sollte, formulierte.

Unter enormem Zeitdruck wurde die Glocke am 27. Juli 1950 gegossen und bereits am 25. August auf das Schiff American Clipper am Victoria Dock in London transportiert, von wo aus ihre Reise in die USA und der anschließende Kreuzzug für die Freiheit begannen. Am 20. Oktober 1950 erreichte die Freiheitsglocke auf dem Schiff General Blatchford Bremerhaven und wurde mit einem speziell präparierten Militärzug über Nacht zum Bahnhof Lichterfelde transportiert, von wo aus sie im Laufe des 21. Oktober 1950 auf den ehemaligen Rudolph-Wilde-Platz vor dem Schöneberger Rathaus verbracht und in derselben Nacht in dessen Turm eingehängt wurde.

eine große Glocke auf einem Anhänger auf einer Straße

Transport durch die Rheinstraße zum Rathaus Schöneberg

Eine große Glocke an einem Seil vor einem großen Gebäude

Die Glocke wird 60 Meter hoch per Flaschenzug in den Rathausturm gezogen

Handwerker arbeiten in einem Turm an einer großen Glocke

Montage der Glocke im Schöneberger Rathausturm

sehr viele Menschen stehen auf einem Platz vor einem großen Gebäude

Publikum mit mehr als 400.000 Menschen bei der Einweihung der Freiheitsglocke auf dem Rudolph-Wilde-Platz.

Im Beisein von mehr als 400.000 Berliner_innen begann der Festakt zur Übergabe, Weihe und zum Einläuten der Freiheitsglocke am 24. Oktober 1950 um 10:45 Uhr mit einer Darbietung des RIAS Symphonie Orchesters und den anschließenden Reden des amerikanischen Kommandanten Berlins, Generalmajor Maxwell D. Taylor, des amerikanischen Hohen Kommissar in Deutschland, John McCloy, des Oberbürgermeisters von Berlin, Ernst Reuter, und des Vorsitzenden des Nationalkomitees für ein Freies Europa, General Lucius D. Clay. Letzterer sollte um 12:00 Uhr durch das Betätigen des elektronischen Läutesignals den ersten Glockenschlag auslösen. Das Versagen der Sicherungen für die Motorenantriebe der Glocke führte dazu, dass das erste Geläut von zu diesem Zeitpunkt in der Glockenstube anwesenden Berliner Handwerker_innen von Hand eingeleitet wurde. Die unterzeichneten Unterschriftenlisten mit dem Freiheitsschwur werden heute unterhalb der Glocke im Turm des Schöneberger Rathauses aufbewahrt.

Der Zahn der Zeit

Der Klöppel einer großen Glocke

Die 75 Jahre ihres Bestehens sind nicht spurlos an der Berliner Freiheitsglocke vorübergegangen. Neben den gewöhnlichen Gebrauchsspuren und Abnutzungserscheinungen war es vor allem der Klöppel, der den Schöneberger_innen und West-Berliner_innen in den 1960er und 1970er Jahren Sorge bereitete. Zweimal brach er aufgrund der starken Belastung, der er beim Läuten ausgesetzt ist, in dieser Zeit aus seiner Aufhängung. Nachdem es bei dem ersten Vorfall durch schieres Glück nicht zu gravierenden Schäden kam – das abgebrochene und mehrere Tonnen schwere Klöppelstück durchbrach die Decke des Turmes, wo ein Treppengeländer es vor dem weiteren Absturz abhielt – wurde der Bereich unterhalb der Glocke verstärkt, um bei möglichen weiteren Beschädigungen eine erneute Gefahr zu minimieren.

Ähnlich wie ihr Vorbild, die Liberty Bell, war auch die Berliner Freiheitsglocke nicht von Rissen im Glockenkörper verschont geblieben. Eine erstmals in den 1970er Jahren beobachtete feine Stelle weitete sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem beachtlichen Riss von über einem Meter Länge, der zudem schwerwiegende Auswirkungen auf die Klangqualität der Freiheitsglocke hatte, wie eine im Jahr 2000 durchgeführte Inventarisation durch das Deutsche Glockenmuseum ergab. Für die notwendige Reparatur mittels eines speziellen Schweißverfahrens musste die Glocke aus der Glockenstube gehoben und in das bayerische Nördlingen transportiert werden. Hierfür wurde das Mauerwerk des Rathausturmes an einer Seite geöffnet, um die Freiheitsglocke mittels eines Kranauslegers zu Boden lassen und für den weiteren Transport vorbereiten zu können. Spenden der Berliner Bürger_innen sowie die Vermietung des Baugerüstes vor dem Rathausturm als Werbefläche sicherten die Finanzierung der Reparatur. Im Frühjahr 2001 wurde die Freiheitsglocke bei der Firma Lachenmeyer behandelt, bevor sie am 10. Mai 2001 wieder in Berlin angeläutet werden konnte und den Bezirk seither mit ihrem wiedererlangten klaren Klangbild erfüllt.

Weitere Auszüge aus der Broschüre "75 Jahre Freiheitsglocke in Berlin 1950-2025"

Titelbild Broschüre 75 Jahr Freiheitsglocke in Berlin
Herausgeber der Broschüre:
  • Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin
    Organisationseinheit Pressestelle und Veranstaltungsmanagement