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Gedenktafel: Maison de Santé

Standort der Gedenktafel: Belziger Straße 7, 10823 Berlin

Inhalt der Gedenktafel

Maison de Santé

  • 1861 bis 1919

Die erhaltenen Gebäude der ehemaligen Kur- und Badeanstalt Maison de Santé gehören zu den ältesten in Schöneberg. Der Arzt und Unternehmer Dr. Eduard Levinstein gründete 1861 die Privatklinik auf dem Gelände der heutigen Hauptstraße 14-16 und den dahinterliegenden Grundstücken.

Die naturheilkundlichen Methoden sowie die Annehmlichkeiten technischer Errungenschaften wie Dampfkraft und Elektrizität waren etwas Neues im Berliner Raum. Durch das umfangreiche Behandlungsangebot in elegantem Ambiente erlangte die Einrichtung schon bald überregionale Bedeutung. Im Jahr 1866 eröffnete Levinstein eine separate Abteilung für die Behandlung psychisch Erkrankter. Er war Vorreiter des Non-restraint-Systems, das auf die damals übliche Zwangsbehandlung und Fixierung von Personen verzichtete.

Da die Berliner Heilanstalten stark überlastet waren, fügte Levinstein seiner Klinik 1871 noch eine Einrichtung der städtischen Psychiatrie hinzu. Bis zu 800 Männer und Frauen waren um 1890 in den Gebäuden untergebracht. Das Flair des vornehmen Sanatoriums wich zunehmend dem Charakter einer überfüllten psychiatrischen Anstalt.

Die Söhne Willibald und Walter übernahmen nach dem Tod der Eltern die Leitung. Es gelang ihnen jedoch nicht, an den Ruhm der frühen Jahre anzuknüpfen. Die Planung der Belziger Straße quer durch den hinteren Teil des Grundstücks, der Erste Weltkrieg und die zunehmende Urbanisierung zwangen sie 1919 zum Verkauf des Areals an die Stadt Schöneberg.

Ab 1920 bot die Anlage unter anderem Raum für Notwohnungen, Wärmehallen oder eine Volksküche. Heute befinden sich die historischen Gebäude in Privatbesitz und stehen unter Denkmalschutz.

»Jedes rauhe Wort von Seiten eines Wärters muss gerügt werden; denn sonst dürfte bald der Anstaltston entstehen, der eben im Non-Restraint-System fremd ist. Hier darf nur Ruhe und Milde herrschen.«

Dr. Eduard Levinstein 1868

Porträt eines Mannes

Dr. Eduard Levinstein (1831-1882)

Büste einer Frau

Marie Levinstein, geb. Gierach (1835-1888) - Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie für einige Jahre die Leitung der Klinik.

Die Gedenktafel in der Belziger Straße

Enthüllung der Gedenktafel

Die Gedenktafel wurde am 11. Oktober 2024 enthüllt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer nachfolgenden Pressemitteilung.

  • Gedenktafel für das „Maison de Santé“

    Pressemitteilung 361 aus dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

    PDF-Dokument (557.8 kB) - Stand: 11.10.2024

Weitere Informationen zum Maison de Santé in Schöneberg und ihrem Gründer Dr. Eduard Levinstein

Die folgenden Informationen wurden von Ingolf Alwert im Jahr 2024/2025 verfasst.

Ingolf Alwert interessiert sich als geborener Schöneberger schon immer für die Geschichte des Bezirks. Besonders hat es ihm das Maison de Santé angetan. Er hat bei der Recherche der Gedenktafel unterstützt und eine ausführliche Geschichte der Heilanstalt zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt er im Rahmen der Bezirkstouren der Museen Tempelhof-Schöneberg Stadtspaziergänge zum Maison de Santé.

Anfang und Ausbau

Vom Richard-von-Weizsäcker-Platz (ehemals Kaiser-Wilhelm-Platz) kommend sieht man in Richtung Kleistpark auf der linken Seite der Hauptstraße eine relativ niedrige Gebäudezeile mit klassizistischen Fassadenelementen neben dem ebenerdigen Flachbau eines Supermarktes.

Diese Gebäude zählen zu den ältesten erhaltenen Häusern im Teilbezirk Schöneberg und beherbergten von 1861 bis 1919 die Maison de Santé, also ein Haus der Gesundheit.

Der Berliner Arzt Dr. Eduard Levinstein gründete 1861 diese private Kur- und Badeanstalt. Er hatte die Tochter des ehemaligen Juristen Giehrach geheiratet, der auf dem alten Kolonistengrundstück Nr. 8 (heute Hauptstraße 14, zuvor Botanische Gartenstraße) den Gasthof “Zum Helm” betrieb. Später kaufte Levinstein die benachbarten Grundstücke hinzu, um seine Kuranstalt zu erweitern. Aus dem anfänglichen Brunnengarten mit einer Trinkanstalt für Mineralwässer sowie einem Badehaus und Möglichkeiten zur diätetischen Behandlung wurde bald eine renommierte Erholungs- und Behandlungseinrichtung. Ab 1863 Maison de Santé genannt, gehörten Wohlhabende Bürger, Menschen aus Berlin und dem Umland, aber auch aus dem Ausland zu den Patienten und Patientinnen.

Um sich einen Patientenstamm aus der Residenzstadt Berlin zu sichern, organisierte Levinstein sogar eine (wahrscheinlich Pferde-) Omnibuslinie vom Berliner Schlossplatz nach Neu-Schöneberg.

Ab 1866 entstand auf Veranlassung von Prof. Wilhelm Griesinger, dem Leiter der Klinik für Psychatrie und Nervenheilkunde an der Berliner Charité, an der Maison zusätzlich eine Anstalt für Nerven- und Gemütskranke, in der ab 1871 auch Patienten aus überfüllten Berliner “Irrenanstalten” behandelt wurden.

Der Grundriss zeigt die Vielzahl von Gebäuden, die zwischen 1863 und 1890 entstanden und das Maison de Santé zu einer großen Kur- und Heilanstalt werden ließen.

Nach und nach vergrößerte sich die Maison de Santé und wuchs in den auf ihrer Rückseite gelegenen Garten, dessen Dimension und Anlage sich heute nur schwer erahnen lassen, u.a. weil nach langer Vorplanung 1935 wegen der Verlängerung der Belziger Straße einige Gebäude weichen mussten.

Gut erhalten und heute als Kindergarten genutzt ist das Haus Belziger Str. 14, das ehedem die Männer-Beobachtungsstation beherbergte, sowie das Maschinenhaus mit Schornstein und Wasserturm, wo sich zum Teil die Männer-Communalstation (für von der Stadt bezahlte Patienten) befand.

Die Levinsteins

Eduard Levinstein wurde am 24.03.1831 in Berlin geboren hatte und hatte 10 Geschwister. Sein Vater Jacob Levinstein, ein erfolgreicher Kaufmann und Publizist, wie auch seine Mutter Bertha (1808 – 1879) waren gläubige, praktizierende Juden. Ein Onkel arbeitete ab 1833 als praktischer Arzt und Geburtshelfer in Berlin.

Nach dem Besuch des Köllnischen Gymnasiums in Berlin legte Eduard Levinstein das Abitur in Lauban (Lubán, Wojewodschaft Niederschlesien) ab.

Sein Medizinstudium absolvierte Eduard Levinstein ab 1850 in Leipzig, Würzburg und Berlin, wo er 1854 mit dem Thema “Dissertatio de Rhachialgia” promoviert wurde. Die praktischen Prüfungen zum Staatsexamen absolvierte er mit guten Noten, durch die mündliche Schlussprüfung fiel er durch. Nach drei Monaten bestand er sie mit “Gut” und wurde daraufhin zum Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer approbiert. Ab 1855 war er in Schöneberg als Arzt tätig (Neu-Schöneberg Nr. 8, heute Hauptstraße 14).

Aus der Ehe mit der evangelischen Marie Giehrach, die er wohl während eines Erholungsaufenthaltes in Neu-Schöneberg kennengelernt hatte, gingen die Söhne Willibald Theodor Jacques Levinstein-Schlegel (geb. 28.03.1860) und Walter Guido Bruno L. (07.10.1864 – 20.01.1937) hervor. Ein dritter Sohn, Hans Paulus L., wurde nur 2 Jahre alt.

Die Söhne wurden 1867 evangelisch getauft. Eduard Levinstein selbst konvertierte kurz vor seinem Tod zum Christentum. Er starb am 07.08.1882, 51-jährig, vermutlich an Magenkrebs und Diabetes. Seine Beisetzung am 10.08.1882 fand unter großer Anteilnahme von Schöneberger Bürgern, Kollegen, Freunden, Verehrern sowie von Vertretern der Regierung und Universität auf dem Alten Schöneberger Friedhof statt. Zuvor war er in der Kapelle seiner Maison de Santé aufgebahrt, dann durch das Gelände der Anstalt und über die Hauptstraße zum Gemeindefriedhof gebracht, um dann im später fertiggestellten Levinsteinschen Erbbegräbnis beigesetzt zu werden.

Diese Begräbnisstätte wird nach innerer baulicher Veränderung seit 1972 als Urnenhalle 1 genutzt. Zur Erinnerung an den verdienten Schöneberger Mediziner und Forscher gibt es dort seit 2024 eine Gedenktafel. Die ursprüngliche, originale Gedenktafel befindet sich im ehemaligen Mausoleum und weist auf die Verdienste Eduard Levinsteins hin

Ehemaliges Levinsteinsches Erbbegräbnis auf dem Friedhof der Gemeinde Alt-Schöneberg in Schöneberg

Gedenktafel in dem ehemaligen Levinsteinschen Erbbegräbnis auf dem Alt-Schöneberger Friedhof

Die ehemalige Grabstätte ist heute eine Urnenhalle. Eine Gedenkplatte erinnert an Dr. Eduard Levinstein, seine Frau Marie und den Sohn Dr. Walter Levinstein.

Begründer des No restraint Systems war er sicher nicht, aber er war in Berlin bzw. Schöneberg einer der Ersten, die diese Behandlungsmethode in breitem Umfang anwendeten.

Das Non-restraint-System wurde in England von Robert Gardiner Hill begründet und von John Conolly zuerst 1839 umgesetzt. Die Maxime war, auf jede Form mechanischer Zwangsbehandlung zu verzichten, sondern die Pflege von psychisch Kranken in einer der familiären Situation ähnlichen Umgebung zu organisieren. In Deutschland waren Christian Roller, Ludwig Meyer und Wilhelm Griesinger bedeutende Vertreter dieser neuen Behandlungsmethode.

Eduard Levinstein war auch Kunstsammler. Schon in den 1870er Jahren erwarb er Gemälde von bekannten meist Berliner oder Münchener Künstlern wie Liebermann, Menzel und Lenbach. Mit den Kunstwerken schmückte er die Salons seiner Maison de Santé. Seine Frau Marie und die Söhne Willibald und Walter setzten die Sammeltätigkeit fort. Ab 1919 bildete die Levinsteinsche Sammlung den Grundstock des Schöneberger Kunstdepots.

Eduard Levinstein wurde geschätzt als ein extrovertierter, verbindlicher, großzügiger Mann von großer Zielstrebigkeit, praktischer Intelligenz und hoher sozialer Kompetenz. (A. Löhr)

Behandlungsmethoden und Forschungen

Eduard Levinstein war Schulmediziner, hatte sich aber zudem mit an Naturheilkunde angelehnten Therapien vertraut gemacht. Er war experimentellen Heilmethoden nicht abgeneigt und richtete 1864 das erste pneumatische Cabinet in Deutschland ein. Für die Einrichtung eines solchen Cabinets in Bad Doberan wurde er zum Mecklenburgischen Sanitätsrat ernannt, was später durch Wilhelm I. zum Preußischen Sanitätsrat umgewandelt wurde. Zuvor hatte sich Levinstein zweimal vergeblich bemüht, zum Preußischen Amtsarzt berufen zu werden. 1865 veröffentlichte er das Buch “Grundzüge zur practischen Otiatrie (Ohrenheilkunde) mit Berücksichtigung der neuesten therapeutischen Technik und der Anwendung des pneumatischen Cabinets”. Behandlungen in einer Druckkammer, Inhalationen oder Ernährungstherapie (u.a. mit Molke, Ziegen- und Eselsmilch) waren im Angebot. Medizinische Bäder, Trinkkuren im Brunnengarten, Kaltwasser- oder Elektrobehandlungen sollten den Patienten helfen. Detaillierte Auskunft über die Einrichtungen, die Therapien, insbesondere das Non-restraint-System, Erfolgsstatistiken und ausführliche Besprechungen interessanter Fälle enthält der von Eduard Levinstein 1867 veröffentlichte “Bericht über die Krankenanstalt Maison de Santé zu Neu-Schöneberg bei Berlin”. Der Bericht betrifft die Zeit vom 1. Oktober 1865 bis zum 30. September 1867. Darin erfährt man auch, dass Dr.Levinstein in seinem Poliklinikum tägliche Sprechstunden für “unbemittelte” Patienten abhielt, die sich einen Klinikaufenthalt nicht leisten konnten. Zusätzlich zur Behandlung der Patienten durch ihn selbst baute er ein Konsiliarsystem auf mit anerkannten Kapazitäten wie den Professoren v. Frerichs, v. Langenbeck, Griesinger, Virchow u.a.

Da mit den Jahren die Zahl rauschgiftabhängiger Patienten stark zunahm, widmete sich Eduard Levinstein bald diesen und ihren Entziehungskuren. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Morphiumsucht gewann er aus der Behandlung seiner Patienten, aber auch aus Tierversuchen im hauseigenen Labor. Über seine Erkenntnisse hielt er Vorträge in der Berliner medicinischen Gesellschaft und legte sie in der Schrift “Die Morphiumsucht” dar. Diese Monographie vom Januar 1877 wurde mehrmals, zum Teil in Auszügen, nachgedruckt. Nach seinem Tode erschien 1883 die 3. Auflage mit einem Porträt und Autograph des Verfassers sowie einer ehrenden Vorrede von Dr. Moritz Jastrowitz, dem damaligen ärztlichen Leiter der Maison, der auch auf noch ausstehende Beobachtungen verwies, die in der Dissertation des Sohnes Willy (Willibald) Levinstein zur Veröffentlichung kämen (“Sehstörungen in Folge chronischen Gebrauchs von Chloral, Morphium und Nicotin an zwei Fällen aus der Maison de santé zu Schöneberg”, Berlin 1883)

Professor Wilhelm Griesinger war Levinsteins Vorbild und Förderer. Er war regelmäßig an der Maison de Santé, um Neuzugänge zu diagnostizieren und die Therapien festzulegen. Levinstein selbst war als Allgemeinmediziner eher spezialisiert u.a. auf Lungen- und Bronchialkrankheiten.

Ein Assistent an der Maison de Santé hat später große Bedeutung erlangt. Nach seinem Staatsexamen 1882 ging der junge Mediziner Hermann Oppenheim nach Berlin und wurde Assistent bei Eduard Levinstein, wo er sich in Psychatrie und Neurologie ausbildete. Jedoch schon im Sommer 1883 wechselte er an die Berliner Charité zu Prof. Carl Westphal, dem Nachfolger Griesingers als Chef der Neurologie und Psychatrie. Seine wissenschaftlichen Leistungen machten ihn zu einem Wegbereiter der modernen Neurologie und Neurochirurgie, seine private Poliklinik hatte großen Zulauf und genoss Weltruhm.

Einige prominente Patienten, die dort “während ihrer letzten Lebenszeit die liebevollste Pflege fanden” (zeitgenössischer Zeitungsartikel), mehrten den guten Ruf der Maison de Santé: Graf Fritz von Eulenburg, der Innenminister unter Bismarck, Graf von Manteuffel, der älteste Sohn des Feldmarschalls, Georg Büchmann, der Verfasser der “Geflügelten Worte “ oder General Nikolaus Murawiew, der “Henker des Zaren” in Polen. Baumeister Johann von Carstenn-Lichterfelde, Architekt und Planeru.a. von Friedenau, Wilmersdorf, verschied dort 1896.

Weiterführung nach Levinsteins Tod und Ende der Anstalt

Ab 1882 leitete Levinsteins Witwe Marie die Klinik. Als ärztlicher Leiter fungierte Dr. Moritz Jastrowitz, der nach ihrem Tode 1888 die vorübergehende Leitung übernahm. Marie Levinstein war offenbar recht erfolgreich und hoch angesehen. Der berühmte Bildhauer Reinhold Begas (auch ein Neu-Schöneberger, der sein Grab 1911 auf dem 12-Apostel-Friedhof Kolonnenstraße fand) schuf um 1886 eine bis heute erhaltene Marmorbüste von ihr.

Ab 1890 leitete Dr. Willibald Levinstein-Schlegel die Anstalt bis zu seinem ominösen Untertauchen 1894. In dieser Zeit hatten sich Probleme wie Überbelegung (1890 sollen bis zu 800 Patienten in den Hofgebäuden untergebracht gewesen sein), Todesfälle, antisemitische Angriffe, Feuer, Fehldiagnosen, verfehlte Spekulationen, rückläufige Patientenzahlen und Schulden angehäuft. Besonders in der “Filiale der Städtischen Irren-Verpflegungsanstalt” auf dem Gelände der Maison herrschten zum Teil katastrophale Zustände.

Dr. Willibald Levinstein-Schlegel fühlte sich dem besonders kollegialen Verhältnis seines Vaters zu Prof. Griesinger sowie dessen wohlwollendem Interesse und förderndem Wirken für die Maison verpflichtet. Deshalb gab er mit einem wertschätzendem Vorwort, dem Andenken der verstorbenen Eltern gewidmet, dessen Standardwerk “Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten für Ärzte und Studirende, gänzlich umgearbeitet und erweitert von Dr.Willibald Levinstein-Schlegel” 1892 in fünfter Auflage heraus.

1895 übernahm sein Bruder Dr. Walter Levinstein die Leitung und führte die Einrichtung zu neuerlicher Prosperität und wieder wachsendem Ansehen. Er erweiterte die Gemäldesammlung um bedeutende Werke u.a. von Ludwig von Hofmann, Franz Stassen, Leopold von Kalckreuth, Karl Haider.

Um 1900 geriet die Maison de Santé erneut in negative Schlagzeilen, u.a. wegen spektakulärer Fluchtversuche von Patienten und Übergriffen einzelner Wärter gegen Kranke.

1901 war der unverheiratete Walter Levinstein einer antisemitischen und homophoben Hetzkampagne ausgesetzt. Es wurde in Zeitungen von “Perversität der jüdischen Ausschweifungen” geschrieben. Dahinter verbarg sich der Umstand, dass Walter Levinstein einem beschäftigungslosen jungen Mann eine Stelle als Sekretär in seinem Institut gegeben hatte, ihm eine Wohnung einrichtete, ihn pro forma heiraten ließ, ihn später zum Oberinspektor ernannte und seine Freizeit mit ihm verbrachte. Durch eine Inspektion des Preußischen Ministeriums für Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten wurden diese Vorwürfe (es gab Indizien, aber keine Beweise) ad acta gelegt.

In den folgenden Jahren häuften sich erneut die Schwierigkeiten und Probleme. Einerseits veränderten sich die Behandlungsmaßnahmen (sie wurden weniger fortschrittlich, restriktiver, was Kritik hervorbrachte), und andererseits gab es Auseinandersetzungen mit der Stadt Schöneberg, die eine Baubeschränkung gegen Levinstein wegen des geplanten Durchbruchs der Belziger Straße erwirkte. Die allgemeine wirtschaftliche Notlage tat ein Übriges.

1914 stellte Walter Levinstein seine nunmehr deutsch genannte “Heil- und Pflegeanstalt Schöneberg” als Reservelazarett zur Verfügung. Er selbst wurde in den Rang eines Stabsarztes erhoben. So wurde der endgültige Niedergang des Hauses bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hinausgezögert. Am 1. Juli 1919 schloss die Maison de Santé. Das mit Hypotheken belastete Gelände nebst der Gemäldesammlung und Bibliothek gingen in den Besitz der Stadt Schöneberg über. Als Kaufpreis wurde mit Levinstein eine lebenslänglich zu zahlende jährliche Rente von 50.000 Mark vereinbart.

Walter Levinstein starb am 20.01.1937. Seine Asche wurde im Familiengrab beigesetzt.

1919 bis heute

Nach Auflösung bzw. Verkauf der Gebäude und des Geländes der Maison de Santé 1919 an die Stadt Schöneberg gab es die verschiedensten Nutzungen.

So arbeitete dort nach Ende des 1. Weltkrieges das sogenannte Wohnungs- und Mieteinigungsamt. Auch Notwohnungen, eine Wärmehalle und sogar eine Volksküche befanden sich an diesem Ort.

1928 ging das Grundstück an die Karstadt AG, die dort Dienstwohnungen einrichtete. Es gab auch Pläne, evtl. ein Kaufhaus zu errichten. Das wurde zugunsten des Standortes Hermannplatz bzw. Schloßstraße aufgegeben.

1937 geriet das Gelände in Gefahr, denn durch die Pläne Albert Speers für die neue Reichshauptstadt “Germania” sollte der damalige Kaiser-Wilhelm-Platz stark vergrößert werden als Bestandteil einer neuen Nord-Süd-Achse. Die Belziger Straße, Akazienstraße wären u.a. auch betroffen gewesen. Die Maison wäre unter einem riesigen Gebäudekomplex verschwunden. Kriegsvorbereitungen und 2. Weltkrieg machten dieses Vorhaben zunichte.

Seit den 1950er Jahren und den folgenden Jahrzehnten verfolgten die (West)Berliner Stadtplaner den Umbau Berlins zu einer “autogerechten” Stadt. 1964 verfestigte sich die Planung zum Bau der sogenannten “Westtangente”. Als Zubringerstraßen waren die Gleditschstraße sowie ihre Verlängerung bis zur Kolonnenstraße vorgesehen. Teile der Maison, des Kaiser-Wilhelm-Platzes und der Crellestraße wären abgerissen worden. Ein Durchbruch zur Hauptstraße erfolgte Anfang der 70er Jahre durch Abriss des ehemaligen Küchen- und Vorratshauses sowie Speisesaales. Heute steht an der Stelle ein türkischer Supermarkt.

Vor ca. 50 Jahren verhinderten die Bürgerinitiativen “Westtangente” und “Crelle Kiez” weitere Zerstörung.

In den 1980er Jahren gab es Ideen für die Errichtung eines Kultur- und Kommunikationszentrums bzw. diverser Jugend- oder Freizeiteinrichtungen. Aus Geldmangel konnten diese Ideen nicht verwirklicht werden.

1984 wurde das gut erhaltene Haus der Herrenbeobachtungsstation unter Denkmalschutz gestellt. Zur Zeit ist das Gelände in Privatbesitz und ist insgesamt denkmalgeschützt.

Auch heute gibt es wieder Bürgerinitiativen, um das Gelände zu beleben und an seine Geschichte zu erinnern, z.B. “Craftyard Berlin” oder “Akazien Kiez Block”. Sie setzen sich ein für Verkehrsberuhigung, Umweltschutz, lebenswertes Wohnumfeld. So soll z.B. die Belziger Straße, die das Gelände teilt, autofrei werden, begrenzt von 2 Info-Kiosken.
In Erinnerung und Anlehnung an Levinsteins Wintergarten und Lina Morgensterns Suppenküche (genannt Suppenlina, gründete 1866 den Verein Berliner Volksküchen) könnte ein Glashaus als Begegnungsstätte nebst Gemeinschaftsküche entstehen sowie ein Baumhaus u.ä.

Erinnerung und Gedenken

Es gibt ein umfassendes, reich bebildertes Werk aus der Reihe “Schöneberg auf dem Weg nach Berlin – Maison de Santé – Die ehemalige Kur- und Irrenanstalt”, 1989 herausgegeben vom Bezirksamt Schöneberg von Berlin sowie einen Artikel von Hans Philipp Offenhaus über die Sammlung Levinstein im Katalog der Ausstellung “Verborgene Schätze – 100 Jahre Kunstsammlung der Museen Tempelhof-Schöneberg” aus dem Jahr 2020. Des Weiteren findet sich ein Artikel mit Fotos zur Hauptstraße 14-16 im Begleitbuch zur Ausstellung “Handel und Wandel, Fotografien von André Kirchner im Dialog mit historischen Aufnahmen”, herausgegeben 2021 von den Museen Tempelhof-Schöneberg.

Seit 2024 befindet sich in der Belziger Straße, also an der Rückseite des Geländes der ehemaligen Maison de Santé eine Stele zu Erinnerung an den bedeutenden Neu-Schöneberger mit jüdischer Herkunft.

Literatur

Außer den im letzten Abschnitt erwähnten Publikationen verwendete Ingolf Alwert auch Hinweise aus den folgenden Büchern:

  • “Es war in Schöneberg” von Helmut Winz (1964, Bezirksamt Schöneberg von Berlin)
  • “Berlin-Schöneberg-Nicht nur wie einst im Mai” (2005, Sutton Verlag, Erfurt)
  • “Berlinische Reminiszenzen Nr. 78, Spaziergänge in Schöneberg” (Stefan Eggert, 1997, Haude und Spencer)
  • “Hermann Oppenheim – ein Begründer der Neurologie” herausgegeben von Heiko Bewermeyer (2016, Schattauer Stuttgart)
  • “Bericht über die Kranken-Anstalt Maison de Santé zu Neu-Schöneberg bei Berlin von Dr. Eduard Levinstein, Königl. Sanitätsrath” (Julius Sittenfeld, 1867)

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