Frauen im Bezirk sichtbar machen!

Eine Frau sitzt am Schreibtisch mit eine Stapel Unterlagen
Bezirksbürgermeisterin Ella Barowsky, 1951
Bild: Privatbesitz, Museen Tempelhof-Schöneberg

Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg wurde eine Namensliste mit Frauennamen erstellt, die für eine Straßenbenennung in Tempelhof-Schöneberg in Frage kommen. Die Namensvorschläge wurden mit einer sachlichen Erläuterung versehen.

Die Liste kann und soll ergänzt werden, auch durch direkte Vorschläge von Bürger_innen. Die Namensvorschläge werden im Fachbereich Kunst, Kultur, Museen Tempelhof-Schöneberg gesammelt. In der Kommentierung sollten die Denkwürdigkeit sowie der Bezug der betreffenden Person zum Bezirk deutlich werden.

Vorschläge können per E-Mail an das Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg gesandt werden.

Vorschlagsliste

Die Vorschlagsliste mit Frauennamen für Straßenbenennungen umfasst zurzeit folgende Persönlichkeiten:

Ortsteil Schöneberg

Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Juristinnen

Künstlerinnen, Schriftstellerinnen

Wissenschaftlerinnen, Pädagoginnen

Ortsteil Tempelhof

Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Juristinnen

Künstlerinnen, Schriftstellerinnen

Weitere Persönlichkeiten

Ortsteil Schöneberg
Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Juristinnen

Ella Barowsky

  • 1912 bis 2007, Politikerin
Bezirksbezug:

Schöneberger Bürgermeisterin (1951 bis 1955), danach Finanzstadträtin in Schöneberg; Direktorin des Lette-Vereins (1964 bis 1975)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Mitbegründerin der LDP Berlin (Vorläuferpartei der FDP); führend tätig in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft; Vorsitzende des Deutschen Akademikerinnenverbandes; nach dem Berliner Bankenskandal 2001 eine der Initiatorinnen des Volksbegehrens für eine Neuwahl des Abgeordnetenhauses

Auszeichnungen und Ehrungen:

unter anderem Bundesverdienstkreuz, Stadtälteste von Berlin, Bürgermedaille des Bezirksamtes Wilmersdorf

Quellen:

Jäkl, Reingard, “Ella Barowsky” in: Frauenpolitik und politisches Wirken von Frauen im Berlin der Nachkriegszeit 1945 bis 1949, herausgegeben von Genth, Renate/Reingard Jäkl, unter anderen, Berlin 1996.

Margarete Berent

  • 1887 bis 1965, Juristin

(Vorschlag SPD und Grüne)

Bezirksbezug:

ihre Kanzlei befand sich in Schöneberg in der Goltzstraße 34

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

1917 Mitbegründerin des „Deutschen Juristinnenvereins”; 1925 als erste Rechtsanwältin Preußens zugelassen; als Jüdin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus der Rechtsanwaltskammer ausgeschlossen; wurde 1933 Vorstandsmitglied im Jüdischen Frauenbund und arbeitete in der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland; emigrierte 1939 nach Chile, lebte später in den USA; ihre Dissertation „Die Zugewinngemeinschaft der Ehegatten“ (1914) wurde 1958 eine der Grundlagen bei der Umgestaltung des ehelichen Güterrechts in der Bundesrepublik

Erinnerung:

Gedenktafel in der Goltzstraße 34

Quellen:

Dick, Jutta/Sassenberg, Marina, Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk, Reinbek bei Hamburg 1993, Seiten 53 bis 55; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“.

Liane Berkowitz

  • 1923 bis 1943, Widerstandskämpferin
Bezirksbezug:

lebte von 1930 bis 1943 in Schöneberg am Viktoria-Luise-Platz

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

1923 Flucht mit ihrer Familie aus der Sowjetunion nach Berlin; erste Kontakte zum Freundeskreis um Eva und John Rittmeister (Widerstandszirkel im Umkreis der „Roten Kapelle“); Beteiligung an der Flugblattaktion im August 1942 gegen die antisowjetische Propagandaausstellung “Das Sowjetparadies”; Verhaftung im September 1942 und Verurteilung zum Tode im Januar 1943 durch das Reichskriegsgericht; Ermordung am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee

Quellen:

Tuchel, Johannes: Motive und Grundüberzeugungen des Widerstandes der Harnack/Schulze-Boysen-Organisation. Zum Denken und Handeln von Liane Berkowitz und Friedrich Rehmer, in: Eva-Maria Buch und die “Rote Kapelle”. Erinnerungen an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, herausgegeben von Kurt Schilde, Berlin 1993 (2. überarbeitete Auflage), Seite 93 und weitere

Jenny Hirsch

  • 1829 bis 1902, Frauenrechtlerin, Redakteurin, Schriftstellerin, Übersetzerin
Bezirksbezug:

Mitbegründerin des Lette-Vereins

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Vorreiterin der deutschen Frauenbewegung und insbesondere der Frauen im Journalismus; Herausgeberin der Zeitschrift „Der Frauen-Anwalt“; Mitarbeiterin bei diversen Berliner Tageszeitungen und der Modezeitschrift „Bazar“; Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins; Geschäftsführerin des Lette-Vereins „zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts”; Übersetzung des 1869 in England erschienen Plädoyers des Philosophen und Nationalökonomen John Stuart Mill für das Frauenstimmrecht “The Subjection of Women“ (“Die Hörigkeit der Frau”), Verfasserin mehrerer belletristischer Werke

Quellen:

Büning, Marianne, Jenny Hirsch (1829 bis 1902). Frauenrechtlerin – Redakteurin – Schriftstellerin”, Teetz/Berlin 2005; Fassmann, Maya, Jenny Hirsch. 1829 bis 1902, auf der Internetseite des Jewish Women’s Archive

Luise Kautsky

  • 1864 bis 1944, Sozialistin, Theoretikerin, Schriftstellerin
Bezirksbezug:

lebte in Friedenau in der Saarstraße 14

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Mitglied der deutschen Arbeiterbewegung; verheiratet mit dem Theoretiker und Redakteur der sozialistischen Zeitschrift „Neue Zeit“ Karl Kautsky; Übersetzerin mehrerer sozialistischer Schriften aus dem Englischen, Französischen und Russischen; enge Vertraute Rosa Luxemburgs; 1917 Eintritt in die USPD; Mitarbeiterin der Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“; Autorin der ersten Biographie Rosa Luxemburgs; 1938 Flucht mit ihren Mann nach Holland; 1944 wurde Luise Kautsky nach Auschwitz deportiert und dort ermordet

Quellen:

Dick, Jutta/Sassenberg, Marina, Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg, 1993; Seiten 209 bis 211; von Chamier, Astrid, Luise und Karl Kautsky. Saarstraße 14, in: Orte des Erinnerns, herausgegeben vom Kunstamt Schöneberg, Schöneberg Museum in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Bd. 2, Berlin 1995, Seiten 197 bis 199; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“; Miller, Susanne, Jüdische Frauen in der Arbeiterbewegung. Rosa Luxemburg und Luise Kautsky, in: Juden und deutsche Arbeiterbewegung bis 1933, herausgegeben von Ludger Heid und Arnold Paucker (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts 49), 1992 London (unter anderem), Seiten 147 bis 154.

Helene Stöcker

  • 1869 bis 1943, Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Sexualreformerin, Pazifistin
Bezirksbezug:

lebte von 1908 bis1912 in Friedenau in der Sentastraße 5; zwischen 1909 und 1910 befand sich hier auch der Sitz des von ihr gegründeten Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

1902 Promotion als erste deutsche Frau in Literaturwissenschaften an der Universität Bern; Mitbegründerin mehrerer Frauenverbände, Initiatorin des Bundes für Mutterschutz und Sexualreform; Entwicklung der „neuen Ethik“ als Plädoyer für die sexuelle und körperliche Selbstbestimmung der Frau; zwischen 1905 und 1932 Herausgeberin der Zeitschrift „Neue Generation“; Befürworterin der Straffreiheit von Abtreibungen; während des Ersten Weltkriegs aktives Mitglied in der deutschen Friedensbewegung; nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Emigration über Schweiz und Schweden in die USA

Quellen:

Wickert, Christl, Helene Stöcker 1869 bis 1943. Frauenrechtlerin, Sexualreformerin und Pazifistin, Bonn 1991; Sander, Sabine, „Lieben muss ich, da ich lebe“. Helene Stöcker (1869 bis 1943), in: Ich bin meine eigene Frauenbewegung, herausgegeben von Petra Zwaka unter anderem /Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin 1991, Seiten 50 bis 52; Schroeder, Hiltrud, Helene Stöcker, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston.

Erna Proskauer

  • 1903 bis 2001, Juristin
Bezirksbezug:

lebte in Schöneberg in der Bundesallee

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Abschluss des Jurastudiums als eine der ersten Frauen Deutschlands; wurde nach Erlassung des “Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” als Jüdin aus dem vorbereitenden Justizdienst 1933 entlassen; nach Berufsverbot für den Ehemann Max Proskauer gemeinsame Emigration über Paris nach Palästina; 1953 Rückkehr nach Berlin; Beginn eines jahrelangen Rechtsstreits um Wiederaufnahme in den Justizdienst; Ablehnung ihres Antrags mit dem Hinweis, dass sie nicht als Jüdin, sondern „in erster Linie als verheiratete Frau“ aus dem Justizdienst scheiden musste; wird daraufhin juristische Beraterin für Entschädigungsanträge; nach dem Tod ihres Mannes 1968 übernimmt sie seine Kanzlei

Auszeichnungen und Ehrungen:

1995 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für ihre “Verdienste um die Berliner Justiz”.

Quellen:

Proskauer, Erna, Wege und Umwege. Erinnerung einer Rechtsanwältin, Berlin 1989; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“; Rowekamp, Marion, Erna Proskauer, 1903 bis 2001, auf der Internetseite des Jewish Women’s Archive; Emmerich, Marlies, Erna Proskauer mit 65 Jahren Anwältin geworden, auf der Internetseite der Berliner Zeitung.

Annemarie Renger

  • 1919 bis 2008, Politikerin
Bezirksbezug:

Schülerin der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Familie in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung tief verwurzelt; 1934 verliert Renger durch den Entzug des Schülerstipendiums ihren Schulplatz auf der Augusta-Schule; begann daraufhin eine Verlagskaufmannslehre; nach 1945 wurde Renger als Sekretärin Kurt Schumachers zur engsten Vertrauten des SPD-Vorsitzenden; trotz Kritik aus den eigenen Reihen folgte 1972 ihre Wahl zur Präsidentin des Bundestages; war damit nicht nur die die erste Sozialdemokratin, sondern auch die erste Frau in diesem Amt; ihr politisches Engagement galt bis zuletzt der Förderung des deutsch-israelischen Dialogs

Auszeichnungen und Ehrungen:

2006 Heinz-Galinski-Preis, Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität; seit 2013 verleiht der Arbeiter-Samariter-Bund den Annemarie-Renger-Preis für bürgerschaftliches Engagement

Quellen:

Annemarie Renger: Leidenschaftliche Demokratin, auf der Internetseite des Deutschen Bundestages; Annemarie Renger. 1919 bis 2008, auf der Internetseite von LEMO – Lebendiges Museum online; Interview mit Annemarie Renger auf YouTube: An herausragender Stelle.

Käthe (Kitty) Kuse

  • 1904 bis 1999, Aktivistin, Journalistin
Bezirksbezug:

lebte mit ihrer Familie auf der „Roten Insel“; ihr Grab liegt auf den Alten St. Matthäus-Friedhof in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf; half während der Zeit des Nationalsozialismus der jüdischen Malerin Gertrude Sandmann mit Lebensmitteln zu überleben; gründete nach der Trennung von ihrer langjährigen Lebensgefährtin die Gruppe „L 74“ (Lesbos 74); schuf damit die erste Organisation für ältere Lesben nach dem Krieg; ab 1975 gab die Gruppe eine eigene Zeitung heraus (ukz – unsere kleine zeitung)

Erinnerung:

Gedenkstein auf den Alten St. Matthäus-Friedhof in Schöneberg

Quellen:

Kokula, Ilse/von Lengerke, Christiane/Rieger, Eva, Kitty Kuse, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston.

Schöneberg
Künstlerinnen, Schriftstellerinnen

Ilse Fehling

  • 1896 bis 1982, Kostümbildnerin, Bildhauerin, Bauhaus-Künstlerin
Bezirksbezug:

Ausbildung 1919/20 an der privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule „Reimann“ in Schöneberg (Gründung 1902, Zerstörung durch Luftangriffe 1943)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

ab 1920 Studium am Bauhaus in Weimar unter anderem bei Oskar Schlemmer und Paul Klee; ab 1923 freischaffende Bildhauerin; zugleich tätig als Bühnen- und Kostümbildnerin; 1932 Rompreis der Preußischen Akademie der Künste; dieselbe Akademie lehnte Fehlings künstlerische Arbeiten 1933 als “entartet” ab; 1943 Beschlagnahmung ihrer Wohnung durch die Nationalsozialisten; Verlust des Großteils ihrer Skulpturen durch Bombenangriffe; von 1943 bis 1944 war Fehling am Hamburger Thalia Theater angestellt; nach dem Krieg arbeitete sie u.a. als Pressezeichnerin; 1963 letzte Ausstellung ihrer künstlerischen Arbeiten in der Münchener “Galerie Gurlitt”

Quellen:

Ilse Fehling, auf der Internetseite des Bauhaus-Archivs; Müller, Ulrike, Bauhaus-Frauen, Berlin 2009; Jochens, Birgit/ Miltenberger, Sonja (Herausgeber), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999.

Hannah Höch

  • 1889 bis 1978, Künstlerin des Dadaismus
Bezirksbezug:

Atelier in Friedenau

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und an dem Kunstgewerbemuseum in Berlin; 1915 Aufnahme der Kontakte zu den dadaistischen Zirkeln Berlins; Auseinandersetzung mit den gängigen Rollenklischees ihrer Zeit und Thematisierung der Geschlechterbilder in der Gesellschaft; etablierte mit ihrem Werk die Collage zur Kunstform; 1920 als einzige Frau an der Ersten Internationalen Dada-Messe vertreten; regelmäßige Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen der „Novembergruppe“; 1931 Öffentliche Positionierung gegen den Paragraphen 218 in der Ausstellung „Frauen in Not“; nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten galt ihre Kunst als „entartet“; um weiterhin künstlerisch Wirken zu können, wurde Hannah Höch Mitglied in der Reichskulturkammer; 1948 Ausstellung ihrer Werke im Museum of Modern Art (MoMA) in New York;1965 an die Akademie der Künste berufen

Auszeichnungen und Ehrungen:

1976 Ehrenprofessur vom Berliner Senat, Ehrengrab auf dem Friedhof in Heiligensee.

Quellen:

Schweitzer, Cara, Schrankenlose Freiheit für Hannah Höch, Hamburg 2011; Hermanns, Doris, Hannah Höch, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston; Schossig, Rainer B., Hannah Höch. Die Dame unter den Dada-Künstlern, auf der Internetseite vom Deutschlandfunk

Jeanne Mammen

  • 1890 bis 1976) Künstlerin
Bezirksbezug:

ihr Grab liegt auf dem Friedhof Stubenrauchstraße in Friedenau

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

aufgewachsen und künstlerisch ausgebildet in Paris; flüchtete während des Ersten Weltkrieges mit ihrer Schwester nach Berlin; zeichnete von 1924 für satirische Zeitschriften wie den “Simplicissimus”, „Uhu“, “Ulk” und “Der Junggeselle”; bekannt wird sie vor allem für ihre Portraits weiblicher „Großstadttypen“, die während ihres Umherstreifens in Berliner Kneipen und Cafés entstanden; 1930 erste Ausstellung in der „Galerie Gurlitt“; zog sich während der Nazizeit in ihr Haus am Kurfürstendamm zurück; 1947 Einzelschau ihrer Werke in der Galerie Gerd Rosen; wurde Ende der 1940er Jahre Mitglied des Künstler-Kabaretts „Die Badewanne“; 1997 umfassende Retrospektive in der Berlinischen Galerie

Erinnerung:

Jeanne-Mammen-Stiftung

Quellen:

Rochner, Renate, Jeanne Mammen, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston; Die Künstlerin Jeanne Mammen (1890 bis 1976), auf der Internetseite der Kulturstiftung der Länder

Dinah Nelken

  • 1900 bis 1989, Schriftstellerin, Drehbuchautorin
Bezirksbezug:

ihr Grab liegt auf den Friedhof Stubenrauchstraße in Friedenau

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

begründete mit ihrem Bruder das Kabarett “Die Unmöglichen”; zog Ende der 1920er Jahre in die Künstlerkolonie Wilmersdorf; veröffentlicht mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Berliner Zeitungen; 1936 Flucht mit ihren Mann und Bruder nach Wien; arbeitete dort als Drehbuchautorin für einen Theaterverlag; 1938 veröffentlichte sie ihren bekanntester Roman “ich an dich”; 1939 Flucht nach Jugoslawien, wo sie Kontakt zum antifaschistischen Widerstand hielt; 1950 Rückkehr nach West-Berlin; neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagiert sie sich auch in der deutschen Friedensbewegung („Künstler für den Frieden“)

Quellen:

Rheinsberg, Anna (Herausgeber), Bubikopf. Aufbruch in den Zwanzigern. Texte von Frauen, Darmstadt 1988; Kröger, Marianne, “Nelken, Dinah” auf der Internetseite Deutsche Biographie

Benita Koch-Otte

  • 1892 bis 1976), Lehrerin, Bauhaus-Künstlerin
Bezirksbezug:

Schülerin des Lette-Vereins in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

1920 bis 1925 Studentin und Mitarbeiterin der Webereiwerkstatt am Bauhaus in Weimar; 1925 bis 1933 Leitung der Weberei in den Werkstätten Kunstgewerbeschule Kurt Giebichenstein in Halle; nach ihrer Entlassung aus dem Hochschuldienst durch die Nationalsozialisten zog sie gemeinsam mit ihren Mann nach Prag; 1934 kehrte sie nach dem Tod ihres Mannes zurück nach Deutschland; übernahm die Leitung der Weberei in den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel; ihr Werk wurde zuletzt wegen ihrer widersprüchlichen Haltung zum Nationalsozialismus kontrovers diskutiert

Quellen:

Bußmann, Anette, Benita Koch-Otte, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston; Benita Koch-Otte, auf der Internetseite des Bauhaus-Archivs.

Gertrude Sandmann

  • 1893 bis 1981, Malerin, Grafikerin
Bezirksbezug:

lebte in Schöneberg, unter anderem in der Eisenacher Straße 89

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Studium an der Akademie der Künste in Berlin, an der ab 1919 mit der Ernennung von Käthe Kollwitz zur Professorin auch ein Studium für Frauen möglich wurde; Mitglied im Reichsverband bildender Künstler und im ersten überregionalen Künstlerinnenverein GEDOK; arbeitete in den Zwanzigern als Illustratorin für Modezeitschriften; lebte zu der Zeit bereits offen homosexuell; sagte sich aufgrund der ablehnenden Haltung der jüdischen Gemeinde gegenüber Homosexuellen von Judentum los; 1935 Ausschluss aus dem Reichsverband Bildender Künstler und Berufsverbot; nach Erhalt des Deportationsbefehl täuschte Sandmann einen Selbstmord vor und versteckte sich für drei Jahre in verschiedenen Wohnungen; erst im Zuge der Neuen Frauenbewegung in den 1970er Jahren als lesbische Malerin wiederentdeckt; war Mitbegründerin des Coming-out-Verlags und einer der ersten Lesbengruppe der Nachkriegszeit „L 74“ (Lesbos 1974)

Erinnerung:

Gedenkstein auf dem Alten St.-Matthäus-Friedhof

Quellen:

Havemann, Anna, Gertrude Sandmann. Künstlerin und Frauenrechtlerin. (Reihe Jüdische Miniaturen) Berlin 2010; Bührmann, Traude, Gertrude Sandmann, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston; Album in der Ausstellung: „Wir waren Nachbarn“.

Alma Siedhoff-Buscher

  • 1899 bis 1944, Bauhaus-Künstlerin, Kunsthandwerkerin, Tischlerin, Möbeldesignerin
Bezirksbezug:

studierte 1917 bis 1920 an der „Reimann-Schule“ in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

1922 bis 1925 Studium am Bauhaus in Weimar; bekam als einer der ersten Frauen einen Platz in der Holzbildhauerei-Klasse; erhielt daraufhin den Auftrag für die Gestaltung des Kinderzimmers im Bauhaus-Vorzeigeprojekt „Haus am Horn“; wurde damit zur Wegbereiterin der Einrichtungspädagogik von Kinderzimmern; 1924 kaufte die Firma Zeiss den Entwurf für den eigenen Firmenkindergarten; Bekanntheit erlangte sie daneben auch durch ihre Entwürfe für Spielzeug wie das „Schiffbauspiel“ von 1924; starb 1944 durch einen Bombenangriff

Quellen:

Bußmann, Anette, Alma Siedhoff-Buscher, auf der Internetseite von Fembio – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston; Alma Siedhoff-Buscher, auf: bauhaus-online, auf der Internetseite des Bauhaus-Archivs; Müller, Ulrike, Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, München 2009.

Milly Steger

  • 1881 bis 1948, Bildhauerin, Grafikerin
Bezirksbezug:

Mitglied der Schöneberger Kunstdeputation (Wandbild im Ratskeller Schöneberg mit Mitgliedern der Kunstdeputation von 1929)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

galt als Ausnahmeerscheinung, die sich in die „Männerdomäne“ der Bauplastik vorwagte; löste mit ihren vier monumentalen Frauenakten für die Fassade des Hagener Stadttheaters einen Skandal aus; 1916 veröffentlichte Else Lasker-Schüler ein Gedicht über die Bildhauerin; unterrichtete von 1927 bis 1942 Bildhauerei und Aktzeichnen an der Unterrichtsanstalt des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin, zu dessen Vorstand sie gehörte; war in vielen künstlerischen Vereinigungen vertreten unter anderem in der Berliner Sezession und dem Deutschen Demokratischen Frauenbund; 1937 wurden zwei Plastiken Milly Stegers als „entartet“ beschlagnahmt; kann während der Zeit des Nationalsozialismus weiterhin ausstellen, erhält jedoch keine öffentlichen Aufträge mehr

Quellen:

Schulte, Birgit (Herausgeber), Die Grenzen des Frauseins aufheben. Die Bildhauerin Milly Steger, Hagen 1998; Jochens, Birgit und Miltenberger, Sonja (Herausgeber), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999; Artinger, Kai: Milly Steger. in: Wie eine Nilbraut, die man in die Wellen wirft. Portraits expressionistischer Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, herausgegeben von Britta Jürgs, Berlin 1998, Seiten 250 bis 267.

Schöneberg
Wissenschaftlerinnen, Pädagoginnen

Lina Mayer-Kulenkampff

  • 1886 bis 1971, Schulleiterin
Bezirksbezug:

Leiterin der Augusta-Schule (heute Sophie-Scholl-Schule) und des Pestalozzi-Fröbel-Hauses (PFH)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

engagierte sich parallel zu ihrer Berufstätigkeit als Studienrätin für die Deutsche Demokratische Partei (DDP); 1931 Umzug nach Berlin und Übernahme der Schulleitung der Staatlichen Augusta-Schule; als sie sich in ihrer Funktion als Schulleiterin zum Nationalsozialismus bekennen soll, trat sie 1933 zurück; 1934 folgt ihr Austritt aus dem Preußischen Schuldienst, um einer Vereidigung auf Hitler zu entgehen; ab 1945 wurde sie Leiterin mehrerer Fachschulen für sozialpädagogische Berufe, darunter das PFH in Schöneberg

Auszeichnungen und Ehrungen:

1956 erhält sie das Bundesverdienstkreuz, 2007 Erinnerungstafel in der Sophie-Scholl-Schule

Quellen:

Förster, Bodo, Die Sophie-Scholl-Oberschule in Berlin-Schöneberg. 175 Jahre Schulgeschichte, Berlin 2008.

Helene Lange

  • 1848 bis 1930, Pädagogin, Frauenrechtlerin, Politikerin
Bezirksbezug:

legte 1871 an der Augusta-Schule (heute Sophie-Scholl-Schule) ihr Lehrerinnenexamen ab.

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

nahm entscheidend Einfluss auf die Reform des Mädchenschulwesens; Anstoß dafür gab ihr 1887 veröffentlichte Broschüre “Die höhere Mädchenschule und ihre Bestimmung“ (sogenannte “Gelbe Broschüre”), in der sie die Neugestaltung der Bildungseinrichtungen für Mädchen aus bürgerlichen Haushalt forderte; 1890 gründet sie zur besseren Ausbildung von Lehrerinnen den ADLV (Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen-Verein); zusammen mit Gertrud Bäumer schrieb sie das “Handbuch der Frauenbewegung”(1901 bis 1906) und gab die Zeitschrift “Die Frau”(1893 bis 1944) heraus; nach dem Ersten Weltkrieg gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Deutschen Demokratischen Partei (DDP)

Auszeichnungen und Ehrungen:

1923 Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen, 1928 preußische Staatsmedaille „Für Verdienste um den Staat“; 1928 Ehrenbürgerin der Stadt Oldenburg, seit 2009 Vergabe des Helene-Lange-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen aus den Naturwissenschaften

Quellen:

Jochens, Birgit und Miltenberger, Sonja (Herausgeber), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999; Schroeder, Hiltrud, Helene Lange, auf: FemBio – Frauen Biographieforschung;
Wolff, Kerstin; Helene Lange. Eine Lehrerin in der bürgerlichen Frauenbewegung, auf der Interdetseite der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Frauenbewegung

Dora Lux, geb. Bieber

  • 1882 bis 1959, Gymnasiallehrerin, Autorin
Bezirksbezug:

wohnte in der Fregestraße 81, unterrichtete am Lette-Verein

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Nichte der Frauenrechtlerin Hanna Bieber-Böhm; war zusammen mit ihrer Schwester Schülerin eines von Helene Lange ins Leben gerufenen Gymnasialkurses für Frauen in Berlin; promovierte 1906 in München (Altphilologie) und legte mit Sondergenehmigung in Baden ihr Staatsexamen ab; 1909 wurde sie eine der ersten Gymnasiallehrerin in Preußen; unterrichtete ab 1922 am Lette-Verein; 1933 musste sie als Jüdin den Schuldienst verlassen; veröffentlichte zwischen 1933 und 1936 regimekritische Beiträge in der von ihrer Tante gegründeten Zeitschrift „Ethische Kultur“; 1939 entzog sie sich der amtlichen Erfassung als Jüdin; lebte bis zum Tod ihres Mannes 1944 in Berlin; aus Angst vor einer Deportation verließ sie 1945 Berlin und lebte bis Kriegsende am Bodensee

Quellen:

Schramm, Hilde, Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux, 1882 bis 1959. Nachforschungen, Reinbek bei Hamburg 2012; Senfft, Alexandra, Eine deutsche Intellektuelle, auf der Internetseite der taz – die tageszeitung.

Elsa Neumann

  • 1872-1902, Physikerin
Bezirksbezug:

Lehrerin an der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

promovierte 1899 mit Sondererlaubnis als erste Frau im Fach Physik an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität); ihre Pionierleistung machte sie über Nacht zu einem „Medienstar“ in der Berliner Zeitungslandschaft; da es keine Aussicht auf eine bezahlte Stelle in Deutschland gab, lebte sie für einige Jahre in Großbritannien; starb im Alter von 29 Jahren durch einen Arbeitsunfall; ihre Mutter rief nach dem Tod ihrer Tochter den Elsa-Neumann-Preis ins Leben

Erinnerungen:

das Land Berlin vergibt jedes Jahr das Elsa-Neumann-Stipendium an besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftler_innen

Quellen:

Vogt, Anette B., Else Neumann 1872 bis 1902, auf der Internetseite Jewish Woman’s Archive; Dähn,
Astrid, Das erste Fräulein Doktor in Berlin, auf der Internetseite der Berliner Zeitung

Erika Pannwitz

  • 1904 bis 1975, Mathematikerin
Bezirksbezug:

machte 1922 Abitur an der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

studierte Mathematik in Berlin; promovierte 1931 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität); erhielt bereits während ihrer Promotion eine Stelle als wissenschaftliche Assistentin an der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin; damit war sie eine von zwei Frauen, die zwischen 1926 und 1930 an der Akademie angestellt waren; 1940 bis 1945 arbeitete sie beim Chiffrier-dienst des Auswärtigen Amtes; von 1953 bis 1969 leitete sie das “Zentralblatt der Mathematik”

Quellen:

Vogt, Annette, Von der Hilfskraft zur Leiterin. Die Mathematikerin Erika Pannwitz, in: Berlinische Monatsschrift. Heft 5, 1999.

Clara von Simson

  • 1897 bis 1983, Chemikerin
Bezirksbezug:

1918 Abitur an der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule); Direktorin des Lette-Vereins (1952 bis 1963)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

promovierte 1923 an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität) in Experimentalphysik; arbeitete dort bis 1933 als Assistentin am Physikalisch-Chemischen Institut; musste aufgrund ihrer Gegner-schaft zum NS-Regime die Universität verlassen; nach dem Krieg wurde sie Mitglied in der LPD und im Berliner Frauenbund; 1951 habilitierte sie sich als erste Frau in Physik an der TU Berlin; 1963 bis 1971 war sie Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus für die FDP.

Quellen:

Jochens, Birgit und Miltenberger, Sonja (Herausgeber), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999.

Franziska Tiburtius

  • 1843 bis 1927, Ärztin; Frauenrechtlerin

Bezirksbezug:
Vorreiterin der 1908 in der Karl-Schrader-Straße eröffneten “Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte”; wohnte mit ihrer Lebensgefährtin zeitweise in der Bülowstraße

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

um Ende des 19 Jahrhunderts Medizin studieren zu können, musste sie nach Zürich ziehen, da es in Preußen bis 1908 Frauen untersagt war, zu studieren und zu promovieren; 1876 eröffnete sie in Berlin mit einer Studienkollegin eine Privatpraxis mit rein weiblichen Medizinpersonal; musste sich immer wieder gegen den Versuch ihrer männlichen Kollegen zu Wehr setzen, ihren Doktortitel aberkennen zu lassen; gemeinsam mit Emilie Lehmus eröffnete sie eine „Poliklinik weiblicher Ärzte für Frauen“, aus der 1908 die Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte” in Schöneberg hervorging (bis 1930); ebnete damit den Weg für Frauen in der Medizin

Quellen:

Tiburtius, Franziska, Erinnerungen einer Achtzigjährigen, Autobiografie, Berlin 1923; Franziska Tiburtius, auf der Internetseite der Charité. Ärztinnen im Kaiserreich

Luise Zickel

  • 1878 bis 1942, Lehrerin, Schulleiterin
Bezirksbezug:

leitete die sog. Zickelschule in Schöneberg; lebte am Bayrischen Platz

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

leitete ab 1911 die „Gehobene Mädchenschule von Fräulein Lucie Zickel“ in der Kufsteiner Straße; nachdem die Nationalsozialisten den Zugang für Juden und Jüdinnen an deutschen Schulen immer mehr beschränkten, wandelte Luise Zickel 1936 ihre Einrichtung zu einer rein jüdischen Schule um; bis 1937 gab es an der Schule 200 Schüler und Schülerinnen; viele von ihnen beschreiben in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ die Schule als „Ort der Normalität in einer Zeit, in der nichts normal war“; 1939 musste Zickel die Schule schließen; Luise Zickel lebte noch bis zu ihrer Deportation als Privatdozentin am Bayrischen Platz; wurde 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet

Quellen:

Album in der Ausstellung: „Wir waren Nachbarn“

Tempelhof
Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Juristinnen

Marianne Cohn

  • 1922 bis 1944, Kinderfürsorgerin, Widerstandskämpferin
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof am Wulfila-Ufer 52; besuchte u.a. das Lyzeum in der Tempelhofer Ringstraße (heute Dag-Hammerskjöld-Oberschule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

1934 Emigration der Familie nach Spanien, nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs flüchtete die Familie weiter und landet schließlich 1938 in Frankreich; seit März 1943 arbeitete Marianne Cohn als Kinderfürsorgerin bei einer zionistischen Jugendorganisation und wurde Mitglied einer Widerstandsbewegung, die von Deportation bedrohte Kinder illegal über die französisch-schweizerische Grenze brachte; 1944 wurde sie an die Gestapo verraten und am 30. Mai während eines Transports festgenommen; am 8. Juli 1944 wurde Marianne Cohn mit 21 Jahren von der Gestapo erschossen

Quellen:

Schilde, Kurt, Erinnern und nicht vergessen, Berlin 1988; Album in der Ausstellung: „Wir waren Nachbarn“; Federspiel, Dr. Ruth und Emmerich, Hannelore, Marianna Cohn, auf der Internetseite Stolpersteine in Berlin

Gertrud Hanna

  • 1876 bis 1944, Gewerkschafterin, Politikerin
Bezirksbezug:

lebte zeitweilig in Tempelhof in der Hoeppnerstraße 41

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

setzte sich zeitlebens für die Verbesserung der Arbeitssituation von Frauen ein; ihr Hauptanliegen galt vor allem dem Recht auf Erwerbstätigkeit für Frauen und der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen; seit 1897 Vorstandsmitglied der Buchdruckereigewerkschaft; ab 1907 hauptamtliche Gewerkschaftsangestellte; 1908 Eintritt in die SPD; 1909 bis 1933 einzige Frau in der Generalkommission der Gewerkschaften; 1915 bis 1933 Schriftleiterin der Zeitschrift “Gewerkschaftliche Frauenarbeit”; 1919 bis 1933 Hauptausschuss der Arbeiterwohlfahrt und Abgeordnete im Preußischen Landtag; in der NS-Zeit Überwachung durch die Gestapo und wiederholte Verhöre; beging zusammen mit ihrer Schwester 1944 Suizid

Quellen:

Hamann, Christoph, „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, herausgegeben von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, Seite 85 bis 95;
Notz, Dr. Gisela, Wegbereiterinnen. Gertrud Hanna. 1876 bis 1944. Gewerkschafterin für das Recht der Frauen auf Erwerb, auf der Internetseite AdsD – Archiv der sozialen Demokratie

Paula Kurgaß

  • 1892 bis 1937, Politikerin
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof in der Friedrich-Karl-Straße 51 (Neu-Tempelhof)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

nach dem Erste Weltkrieg kümmerte sie sich über die Organisation der Quäker um die Versorgung verarmter Kinder; 1933 wurde sie für die SPD in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt; nach dem SPD-Verbot wurde sie im Juni 1933 verhaftet und nach ihrer Entlassung unter Polizeiaufsicht gestellt; konnte 1934 als Sekretärin der Quäker-Flüchtlingshilfe nach Frankreich emigrieren; starb 1937 bei einem Kuraufenthalt in Zürich

Quellen:

Hamann, Christoph „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, herausgegeben von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, Seite 92 und weitere;
Verein Aktives Museum (Herausgeber), Vor die Tür gesetzt. Im Nationalsozialismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933 bis 1945, Berlin 2006, Seite 263.

Elisabeth Schumacher

  • 1904 bis 1942, Grafikerin, Widerstandskämpferin
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof am Hansakorso 2

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

erhielt wegen ihres Status als „Halbjüdin“ unter den Nationalsozialisten keine feste Anstellung; 1934 Heirat mit dem Bildhauer Kurt Schumacher; beide werden Mitglieder der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen; Verhaftung am 12.09.1942 wegen “Vorbereitung zu Hochverrat, Feindbegünstigung und Spionage”; Verurteilung zum Tode und Hinrichtung am 22.12.1942 im Zuchthaus Plötzensee zusammen mit ihrem Mann sowie Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack

Quellen:

Scheel, Heinrich, Kurt und Elisabeth Schumacher, in: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, herausgegeben von Hans Coppi, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel, Berlin 1994; Griebel, Regina und Coburger, Marlies und Scheel, Heinrich, Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle, Halle 1992.

Hedwig Wachenheim

  • 1891 bis 1969, Politikerin, Historikerin
Bezirksbezug:

lebte zeitweilig in Tempelhof; studierte zwischen 1912 und 1914 an der “Sozialen Frauenschule” von Alice Salomon in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

nahm entscheidend Einfluss auf die Professionalisierung der sozialen Wohlfahrt, die zu Beginn des 20. Jahrhundert von Frauen noch ehrenamtlich geleistet wurde; 1914 Eintritt in die SPD; 1919 Mitbegründerin der AWO; 1922 bis 1933 Angestellte und später Regierungsrätin in der Reichsfilmprüfstelle Berlin; 1928 bis 1933 SPD-Abgeordnete im Preußischen Landtag; als Sozialdemokratin und Jüdin flieht sie 1933 über Frankreich in die USA; 1967 Veröffentlichung ihres wissenschaftlichen Hauptwerks zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung

Quellen:

Hamann, Christoph „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, herausgegebn von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, Seite 92 und weitere;
Harm, Stine, Bürger oder Genossen? Carlo Schmid und Hedwig Wachenheim – Sozialdemokraten trotz bürgerlicher Herkunft, Stuttgart 2010;
Liebchen, Eva, Hedwig Wachenheim, auf der Internetseite der SPD Berlin

Hildegard Wegscheider-Ziegler

  • 1871 bis 1953, Lehrerin, Politikerin, Frauenrechtlerin
Bezirksbezug:

lebte zeitweilig in Tempelhof in der Manteuffelstraße 39

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

machte als erste Frau in Preußen Abitur; promoviert 1898 als erste Frau in Preußen (Halle) zum Dr. phil.; gründete 1901 mit Hilfe des Vereins „Frauenwohl“ eine der ersten Gymnasialkurse für Mädchen in Charlottenburg; gehörte 1919 bis 1921 der verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung und danach als SPD-Abgeordnete dem Preußischen Landtag an; 1929 bis 1933 Oberschulrätin in Berlin; zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft musste sie alle ihre Ämter niederlegen

Auszeichnungen und Ehrungen:

1952 Bundesverdienstkreuz; in Berlin-Grunewald ist eine Schule nach ihr benannt

Quellen:

Hamann, Christoph „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, herausgegeben von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, Seite 93 und weitere;
Jochens, Birgit und Miltenberger, Sonja (Herausgeber), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999.

Tempelhof
Künstlerinnen, Schriftstellerinnen

Ottilie Ehlers-Kollwitz

  • 1900 bis 1963, Malerin, Graphikerin
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof im Franziusweg 42 (Lichtenrade)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Schülerin von Max Hertwig und Emil Orlik an der privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule („Reimann-Schule“) in Schöneberg; Ehefrau von Hans Kollwitz und Schwiegertochter von Käthe Kollwitz; 1923 erschien ihr „Buch vom kleinen Peter“ mit Versen und kolorierten Holzschnitten; in Zusammenarbeit mit Hans Baluschek entstehen später Werke wie die Radierungen zu „Kasperles Abenteuer“ oder „Grimms Märchen“; bekannt wurde sie auch durch die Serie „Traumbilder“ und diverse Landschaftsbilder; 1964 Ausstellung ihrer Arbeiten im Rathaus-Schöneberg

Quellen:

Lorenz, Detlef, Künstlerspuren in Berlin vom Barock bis heute. Ein Führer zu Wohn-, Wirkungs- und Gedenkstätten bildender Künstlerinnen und Künstler, Berlin 2002.

Dorothee Goebeler

  • 1867 bis 1945, Schriftstellerin, Journalistin
Bezirksbezug:

ihr Grab liegt auf den St. Matthias Kirchhof Tempelhof

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

über 35 Buchveröffentlichungen u.a. “Als Wandervogel durch die Mark”(1922) und “Potsdamer Plaudereien” (1924); als Journalistin schrieb sie (zum Teil unter dem Pseudonym Paula Hohenfels) unter anderem für die “Gartenlaube”, die “Woche”, die “Deutsche Frauenzeitung” und die “Berliner Morgenpost; seit 1904 Schriftleiterin der Berliner “Hausfrau”

Quelle:

Dorothee Goebeler, auf der Internetseite des Literaturport.

Clara Viebig

  • 1860 bis 1952, Schriftstellerin
Bezirksbezug:

Tempelhof-Roman “Die vor den Toren”; lebte mit ihrer Familie in der Göbenstraße in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

wegen ihres Vorbildes Émile Zola wird Viebig auch die “deutsche Zolaide” genannt; nach der Veröffentlichung ihres Romans „Weiberdorf“ sah sie sich vor allem Anfeindungen aus katholischen Kreisen ausgesetzt; dies schmälerte aber nicht ihren Erfolg als wichtigste Schriftstellerin im deutschsprachigen Raum; ein Schwerpunkt ihres Werkes sind “Berlin-Romane”; da ihr Mann Jude war, durfte sie nach der Machübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr publizieren; als ihr Mann 1936 starb, ließ sie sich in die Reichsschrifttumskammer eintragen, um wieder als Schriftstellerin arbeiten zu können.

Quellen:

Aretz, Christel und Kämmereit, Peter (Herausgeber): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur 2010.

Tempelhof
Weitere Persönlichkeiten

Ruth Braun

  • 1940 bis 1942
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof in der Beethovenstraße 29 (Lichtenrade)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

trotz katholischer Taufe wurde sie und ihre Mutter von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt; kam 1942 in das Sammellager in der Levetzowstraße in Moabit; wurde von dort mit ihren Eltern in ein deutsches Vernichtungslager in Polen deportiert und dort ermordet

Quellen:

Schneider, Dagmar, Juden in Lichtenrade, in: Direkt vor der Haustür, herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Berlin-Lichtenrade, Berlin 1990; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“.

Judis Fenichel

  • 1941 bis 1943
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof in der Boelckestraße 107

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

wurde im Alter von einem Jahr mit ihren Bruder und ihren Eltern nach Riga deportiert und wahrscheinlich 1943 dort ermordet; der Leidensweg ihrer Familie diente dem Historiker Kurt Schilde in seiner Studie „Die Bürokratie des Todes“ exemplarisch, um den Verwaltungsapparat hinter dem Massenmord sichtbar zu machen

Quellen:

Schilde, Kurt, Erinnern und nicht vergessen, Berlin 1988, Seite 55;
Schilde, Kurt, Bürokratie des Todes. Die Deportation der Familie Fenichel aus Berlin im Spiegel von Finanzamtsakten, in: „Arisierung“ und „Wiedergutmachung“ in deutschen Städten, Köln (unter anderem) 2014, Seiten 205 bis 234.

Gerda Szepansky

  • 1925 bis 2004, Journalistin, Lehrerin, Autorin
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof (Mariendorf); ist auf dem Friedhof Mariendorf II beerdigt worden

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

ihr Mann Wolfgang Szepansky wurde als Kommunist unter den Nationalsozialisten in das KZ Sachsenhausen gebracht; beide lernten sich nach dem Krieg auf einer Versammlung antifaschistischer Lehrer kennen; ihre Aktivitäten in der West-Berliner SEW führte zur Entlassung Gerda Szepanskys aus dem Schuldienst; wurde vor allem in den 1980er Jahren mit ihren Büchern über die Emanzipationsbewegung und den Widerstand von Frauen während des Nationalsozialismus bekannt; engagierte sich unter anderem für die Gedenkstätte des Frauen-KZ Ravensbrück

Auszeichnungen und Ehrungen:

1996 Bundesverdienstkreuz

Quellen:

Wenzel, Kirsten, Gerda Szepansky, auf der Intrenetseite des Tagesspiegels

Hatun Sürücü

  • 1982 bis 2005
Bezirksbezug:

lebte in Tempelhof nahe der Oberlandstraße

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus:

Berlinerin türkisch-kurdischer Herkunft, die noch als Jugendliche mit ihren Cousin in der Türkei zwangsverheiratet wurde; als sie ihr erstes Kind erwartete, trennte sie sich von ihrem Mann und kehrte nach Deutschland zurück; dort begann sie sich immer mehr von ihrem traditionellen Elternhaus zu emanzipieren; zuletzt lebte sie als alleinerziehende Mutter in Tempelhof, die kurz vor ihrem Abschluss als Elektrotechnikerin stand; 2005 wurde sie von ihrem Bruder in der Nähe ihrer Wohnung erschossen; ihr Tod löste eine deutschlandweite Debatte über sogenannte Ehrenmorde und Zwangsverheiratung aus

Erinnerung:

Gedenkstein, an dem jedes Jahr an die Ermordung Hatun Sürücü und den Kampf gegen Ehrenmorde und Zwangsverheiratung gedacht wird; seit 2016 verleihen die Grünen den Hatun-Sürücü-Preis

Quellen:

Lau, Jörg, Wie eine Deutsche, auf der Internetseite der Zeit;
Hür, Kemal, Was sich elf Jahre nach dem Tod von Hatun Sürücü getan hat, auf der Intrenetseite Deutschlandfunk;
Hatun Sürücü, auf Wikipedia;

Zusammengestellt und laufende Aktualisierung durch das Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg

Kontakt und weitere Informationen

Veronika Liebau, E-Mail an das Archiv des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg

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Frauen im Bezirk sichtbar machen!

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