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Handlungskonzept Gewalt- und Kriminalitätsprävention

Stand: November 2020

Ausgangslage

Laut der Veröffentlichung „Gewalt und ihre Prävention in Tempelhof-Schöneberg, Ein Bezirksprofil“ der Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention ist die Kriminalitäts- und Gewaltbelastung des Bezirks insgesamt unterdurchschnittlich ausgeprägt. Unter den Regionen weisen Lichtenrade, Schöneberg Nord, Schöneberg Süd und Tempelhof eine erhöhte Belastung mit Jugendgewalt auf.

Die Bezirksregion Schönberg-Nord sticht bei der Kriminalitätsbelastung aller Altersgruppen heraus, die Bezirksregion Tempelhof weist die zweithöchste Kriminalitätsbelastung im Bezirk auf.

Vor diesem Hintergrund nimmt die bezirkliche Präventionsstrategie die Bezirksregion Schönberg-Nord mit dem Regenbogenkiez sowie die Bezirksregion Tempelhof besonders in den Blick.

Die hochbelastete Region Schöneberg-Nord mit dem Regenbogenkiez erfordert eine zielgenaue Ausrichtung der bezirklichen Präventionsstrategie auf diesen Sozialraum. Es besteht Bedarf, hier ein umfassendes Präventionskonzept für dieses „Ausgehviertel“ zu entwickeln. Übergriffe auf LSBTI und Kriminalität im Milieu von Sexarbeiter_innen spielen ebenfalls eine Rolle.

In der Bezirksregion Tempelhof besteht in Hinsicht auf Delikte, die mit Drogenkonsum in einem Zusammenhang stehen, Handlungsbedarf.

Struktur

Das Bezirksamt und die zuständigen Polizeiabschnitte sehen sich in der Kooperation gut aufgestellt. Es bestehen in den angesprochenen Regionen bereits unterschiedlichste Vernetzungsrunden, beispielsweise auch in Form von Kiezpräventionsräten, welche im Rahmen der Pilotprojekte durch die kiezorientierte Gewalt- und Kriminalitätsprävention und der beauftragten Träger in Kooperation mit dem Bezirksamt durchgeführt werden.

Darüber hinaus werden folgende Vernetzungstreffen durchgeführt, welche fortgeführt und aktiv in den Bezirkspräventionsrat einbezogen sind:

  • Präventionsrat Schöneberger Norden: Organsiert durch das Quartiersmanagement (QM) Schöneberg Nord. Da das QM Ende 2020 ausläuft, ist eine Fortführung durch die Regionalkoordination der Organisationseinheit Sozialraumorientierte Planungskoordination (OE SPK), Ansprechpartner Herr Gesell, bereits gesichert.
  • Kiezpräventionsrat und Impulsgruppen Regenbogenkiez: Organisation durch den Nachtbürgermeister in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt (im Rahmen der kiezorientierten Gewalt– und Kriminalitätsprävention)
  • Beendet – Runder Tisch Sexarbeit: Fortführung von Austauschrunden als Ergebnisse des Runden Tisches durch die Referentin Sexarbeit und der Frauenbeauftragten des Bezirksamtes
  • Runder Tisch Drogen für den Bereich Grunewaldstraße rund um die U-Bahnhöfe Eisenacher Straße und Bayerischer Platz unter Leitung der Bezirksbürgermeisterin
  • Kiezpräventionsrat Tempelhof: Organisiert durch den Notdienst Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit Bezirksamt (im Rahmen der kiezorientierten Gewalt –und Kriminalitätsprävention)
  • Arbeitsgemeinschaft Obdachlosigkeit des Sozialamtes
  • Stadtteilforum von W40: Büro der Quartiersentwicklung in der Waldsassener Straße 40
  • Regionale Arbeitsgemeinschaften des Jugendamtes: Austausch der Regionalkoordinatoren mit Trägern der Jugendhilfe
  • Zukünftig: Präventionsräte im Rahmen der zwei neuen Quartiersmanagementgebiete Germaniagarten und Nahariyastraße ab 2021

Der übergeordnete Bezirkspräventionsrat wird eine Zusammenkunft aller bestehenden Austauschtreffen darstellen, um ein Gesamtbild über alle Bezirksregionen zu erhalten. Es werden Maßnahmen aufeinander abgestimmt und Erfahrungen ausgetauscht, um Entwicklungen möglichst frühzeitig zu erkennen und entsprechend agieren zu können.

Bezirkspräventionsrat

Der Bezirkspräventionsrat trifft sich zwei Mal jährlich unter der Leitung der Bezirksbürgermeisterin. Teilnehmen können alle Akteure im Themenfeld Gewalt- und Kriminalitätsprävention. Der Einladungsverteiler wird je nach Teilnahme bzw. Anmeldung aktualisiert und bei der Stabsstelle Dialog und Beteiligung gepflegt. Die Stabsstelle nimmt somit die Funktion einer Geschäftsstelle der kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention ein und ist Ansprechpartner für die Landeskommission Berlin gegen Gewalt.

Der Bezirkspräventionsrat wird von einer Steuerungsrunde begleitet, welche die Entscheidungen über erforderliche Beschlüsse trifft. Für die Steuerungsrunde wurde von jeder/jedem Dezernent_in ein_e Vertreter_in benannt, zudem stellt die Polizeidirektion zwei Vertreter_innen. Das Gremium tagt nach dem Bezirkspräventionsrat, um die Ergebnisse des Bezirkspräventionsrates zu berücksichtigen und findet unter Leitung der Bezirksbürgermeisterin statt.

Handlungsfelder

Der Bezirkspräventionsrat wird bei seinen Treffen zukünftig Themenschwerpunkte setzen. Dafür wurden bisher folgende Schwerpunktthemen ausgemacht:

  • Jugendarbeit: allgemein und Präventionsarbeit an Schulen
  • Drogenhandel und Konsum im öffentlichen Raum
  • Öffentliche Räume mit Schwerpunkt: Umgang mit Personen mit psychischen Auffälligkeiten
  • Straßenprostitution (insbesondere der Armuts- und Zwangsprostitution sowie osteuropäischer Jugendlicher im Regenbogenkiez)
  • Obdachlosigkeit (insbesondere von jüngeren EU-Bürger_innen und Menschen ohne Ansprüche auf Sozialleistungen)

Da die aufgeführten Themen bereits Berücksichtigung in der Arbeit der Fachabteilungen des Bezirksamtes finden, wird durch die entsprechende Fachabteilung der aktuelle Stand dem Bezirkspräventionsrat vorgestellt bevor es im Anschluss zu einem Austausch kommt.

Leitziele

Die Leitziele werden kontinuierlich überprüft und entsprechend angepasst. Bislang wurden folgende Ziele vereinbart:

  • Nachhaltige und präventive bezirklichen Strukturen sollen verstärkt werden, indem auf die vorhandenen Strukturen aufgebaut wird. Die neu geschaffene Struktur soll ergebnis- und themenorientiert sein und alle Bezirksregionen mit einbeziehen.
  • Vernetzungen sollen zielgerichtet gestaltet und gebündelt werden, um somit Kooperationen und Abstimmungen zu ermöglichen und zu erleichtern. Dafür werden im Bezirkspräventionsrat und allen weiteren Austauschrunden Interessen, Ressourcen und Wissen zusammengeführt und gebündelt, wodurch eine Intensivierung von bedarfsorientierter und zielgerichteter bezirklicher Vernetzung erfolgt. Dadurch soll der Bezirk in die Lage versetzt werden, frühestmöglich Entwicklungen zu erkennen und bedarfsorientierte Angebote zu koordinieren.
  • Integrierte Konzepte, insbesondere für den Regenbogenkiez und den Schöneberger Norden, werden weiterentwickelt und umgesetzt, da die Kriminalitätsbelastung und Jugendgewalt dort auch weiterhin feststellbar ist. Mobile und bedarfsgerechte Sozialarbeit ist hier besonders wichtig.

Zur Umsetzung werden die zur Verfügung stehenden Mittel der kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention der Landeskommission Berlin gegen Gewalt für die Förderung von Pilotprojekten und entsprechenden Maßnahmen verwendet. Für eine signifikante Ergebnisprüfung erfolgt die Förderung von Pilotvorhaben mindestens für zwei Jahre. Im Rahmen der Berichterstattung und Ergebnisse werden die Übernahme in die Regelstrukturen geprüft.

Das Handlungskonzept als PDF-Download

Gewalt- und Kriminalitätsprävention

Handlungskonzept Tempelhof-Schöneberg

PDF-Dokument (157.3 kB) - Stand: 30.11.2020